Börse Frankfurt US-Jobzahlen puschen den Dax

Die mit Spannung erwarteten US-Arbeitsmarktdaten fielen stark aus - aber nicht stark genug aus Sicht der Anleger. Sie setzen darauf, dass die Fed die Gelschwemme weiterführt. Der Dax stoppt die Verlustserie.
Update: 06.12.2013 - 18:03 Uhr 36 Kommentare

Börse am Abend

FrankfurtDie Hoffnung auf die Geldschwemme und die damit verbundene Rally an den Finanzmärkten lebt weiter! Trotz spürbarer Erholung auf dem US-Arbeitsmarkt und der damit einhergehenden Unsicherheit über die Laufzeit der Anleiheprogramme der Federal Reserve bleibt der Dax heute weiterhin im Plus und baut dieses weiter aus.

Kurz nachdem die US-Jobzahlen bekannt gegeben wurden, sprang die Dax-Kurve noch hoch und runter. Doch allmählich setzte sich am Markt die Ansicht durch, dass das starke Wachstum auf dem US-Arbeitsmarkt nicht ausreicht, damit die Fed vorzeitig ihre Fördermaßnahmen zurückfährt. Die Zahlen fielen zwar stärker aus als von den Experten erwartet, doch aus Sicht der Anleger - so scheint es - nicht stark genug.

Interessant ist aber auch eine andere Deutung der steigenden Kurse, eine viel herkömmlichere Interpretation, die bei all der Diskussion über Laufzeit und Ausmaß der Förderprogramme der Notenbanken beinahe in Vergessenheit geraten ist: Der Glaube an die Konjunktur.

Denn letztlich sprechen die Arbeitsmarktzahlen in den USA für ein sich anbahnendes Wirtschaftswachstum. Der Markt kommt in Schwung, die Geldpolitik zeigt die erhoffte Wirkung. Dies belohnen nun die Kurse. Da erscheint es logisch, dass über ein langsames Zurückfahren der Anleihenkäufe diskutiert wird.

So baut der Dax seinen heutigen Aufwärtstrend weiter aus und schloss am Ende um ein Prozent fester auf 9172 Punkten. Die Verluste aus dem gestrigen Handel sind annulliert. Auch die anderen Frankfurter Börsenbarometer konnten die Talfahrt aussetzen und notierten fester. Die mittelgroßen Werte im MDax kamen auf 15.955 Zähler, was einen Zuwachs von 0,6 Prozent bedeutet. Die Technologiewerte im TecDax standen bei 1131 Punkte - ein Aufschlag von 1,2 Prozent.

Damit kann die deutsche Benchmark nach vier Verlusttagen die Talfahrt beenden. Seit Montag büßte das Marktbarometer mehr als drei Prozent ein. Die unerwartet zügige Erholung der US-Wirtschaft hatte am Donnerstag erneut die Wall Street belastet. Börsianer fürchteten, dass die Notenbank ihre massive Stützung der Konjunktur bereits früher drosseln könnte als bislang angenommen. Der Dow-Jones-Index schloss 0,4 Prozent tiefer auf 15.821 Punkten.

Deswegen blickten die Akteure an den Märkten am frühen Nachmittag auf die US-Arbeitsmarktdaten. Das Ergebnis: Die amerikanische Wirtschaft hat im November überraschend viele Stellen geschaffen. Es entstanden 203.000 neue Jobs, wie das Arbeitsministerium am Freitag in Washington mitteilte. Von den Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit lediglich 180.000 Stellen gerechnet.

Diese Aktien erschüttern die Börse

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
FSE

+1,04 +4,81%
+22,62€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
Thyssen-Krupp: Kapitalerhöhung lässt Kurs einbrechen
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Thyssen-Krupp: Kapitalerhöhung lässt Kurs einbrechen

Wieder einmal fällt die Aktie des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp mit massiven Ausschlägen nach unten auf. Diese Woche war es vor allem die bereits erwartete Kapitalerhöhung. Der Essener Konzern gab dazu am Montag den Startschuss. Insgesamt brachte dieser Schritt einen Bruttoerlös von 882,3 Millionen Euro. Dabei wurden 51,5 Millionen Aktien zu einem Preis von 17,15 Euro je Papier bei deutschen und internationalen Investoren platziert. Der Konzern benötigt angesichts zahlreicher Probleme (Stahlwerke in Amerika, hohe Schulden) dringend frisches Kapital. Allerdings verwässert dies die Ertragschancen der Alt-Aktionäre; der Kurs gab am Montag 8,5 Prozent nach, am Dienstag weitere 2,2 Prozent. Belastend wirkte auch die Nachricht, dass Thyssen-Krupp den milliardenschweren Verkauf der Edelstahltochter Inoxum an Outokumpu teilweise rückabwickeln muss.

Kursentwicklung 1 Woche: - 10,3 Prozent

OUTOKUMPU OYJ REGISTERED SHARES CL.A O.N.

WKN
ISIN
FI0009002422
Börse
L&S

-0,09 -1,75%
+5,02€
Chart von OUTOKUMPU OYJ REGISTERED SHARES CL.A O.N.
Outokumpu: Rückabwicklung sorgt für kurzfristigen Schub
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Outokumpu: Rückabwicklung sorgt für kurzfristigen Schub

Der finnische Stahlkonzern Outokumpu profitierte von der Nachricht, dass Thyssen-Krupp den Verkauf der Edelstahltochter Inoxum zum Teil rückabwickeln muss. Outokumpu steckt selbst in finanzieller Bredouille, muss nun den Kredit über 1,25 Milliarden Euro nicht bezahlen. Stattdessen nehmen die Essener das Edelstahlwerk im italienischen Terni und den Spezialhersteller VDM zurück. Diese Nachricht ließ die Outokumpu-Titel am Montag um bis zu 34,4 Prozent in die Höhe schnellen. Das war der größte Tagesgewinn der Unternehmensgeschichte. Allerdings kehrten im Wochenverlauf die Sorgen zurück; der Kurs fiel wieder unter das Vorwochen-Niveau.

Kursentwicklung 1 Woche: - 0,5 Prozent

BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000BASF111
Börse
FSE

-0,33 -0,40%
+82,30€
Chart von BASF SE NAMENS-AKTIEN O.N.
BASF: Konjunktursorgen setzen Aktie unter Druck
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BASF: Konjunktursorgen setzen Aktie unter Druck

Die US-Wirtschaft zieht an. Klingt eigentlich gut, lässt aber bei Börsianern die Sorge wachsen, die US-Notenbank könne ihre expansive Geldpolitik drosseln, was letztlich wiederum Unwägbarkeiten für die konjunkturelle Entwicklung mit sich brächte. Dies setzte den Aktienmarkt insgesamt unter Druck, insbesondere aber konjunkturabhängige Titel. So verloren die Papiere von BASF am Mittwoch knapp zwei Prozent.

Kursentwicklung 1 Woche: - 2,9 Prozent

HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006047004
Börse
L&S

-0,54 -0,77%
+69,47€
Chart von HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.
Heidelberg-Cement: Im allgemeinen Sog nach unten
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Heidelberg-Cement: Im allgemeinen Sog nach unten

Im Zuge der allgemeinen Sorgen um Geldpolitik und Konjunkturentwicklung verloren auch die Papiere des Zementherstellers Heidelberg-Cement kräftig, allein am Mittwoch 1,7 Prozent. Der Wert gilt ebenfalls als konjunktursensibel.

Kursentwicklung 1 Woche: - 3,2 Prozent

DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005552004
Börse
FSE

-0,54 -1,87%
+28,34€
Chart von DEUTSCHE POST AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Post: Anleger fliehen aus Aktie
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Deutsche Post: Anleger fliehen aus Aktie

Deutliche Abschläge gab es insbesondere bei der Deutschen Post. Die Aktie verlor am Dienstag 3,9 Prozent und landete damit auf dem letzten Platz im Dax.

Kursentwicklung 1 Woche: - 2,7 Prozent

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
FSE

+0,06 +0,73%
+8,61€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank: Steuer-Razzia beunruhigt Investoren
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Commerzbank: Steuer-Razzia beunruhigt Investoren

Am Dienstag machte die Commerzbank mit einer Nachricht auf sich aufmerksam, die nichts mit den tagesaktuellen Sorgen um Geldpolitik und Konjunktur zu tun hatte. In einer Großrazzia suchten Steuerfahnder nach Hinweisen auf Steuerhinterziehungen mittels Lebensversicherungen. Es soll um Summen im dreistelligen Millionenbereich gehen. Die Commerzbank wird von den Ermittlern zwar als als Zeuge geführt, nicht als Verdächtiger, dennoch trennten sich Anleger von den Aktien. Die verloren 3,9 Prozent.

Kursentwicklung 1 Woche: 0,0 Prozent

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
FSE

-0,15 -0,71%
0,00€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa: Anleger fürchten Vogelgrippe
7 von 18

Lufthansa: Anleger fürchten Vogelgrippe

Bei der Lufthansa waren es Meldungen um einen erneuten Ausbruch der Vogelgrippe in Asien, die am Dienstag die Aktien der Fluggesellschaften stark unter Druck setzten. Die Papiere fielen um bis zu 3,3 Prozent und waren damit im Dax am frühen Nachmittag das Schlusslicht. Hongkong hatte am Montagabend den ersten Fall des Vogelgrippen-Virus H7N9 bestätigt. Am Donnerstag belasteten zudem schlechte Branchenzahlen den Kurs.

Kursentwicklung 1 Woche: - 2,7 Prozent

Die Arbeitslosenquote fiel auf 7,0 von 7,3 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit November 2008. Die Notenbank Fed pumpt derzeit Monat für Monat mit dem Kauf von Staatsanleihen und Immobilienpapieren 85 Milliarden Dollar in die Wirtschaft, um die Konjunktur voranzutreiben. Experten rätseln, wann der Zeitpunkt für ein Eindämmen der Geldflut kommt, die die Börsen rund um den Globus angetrieben hat.

Die Notenbank Fed hatte in ihrem jüngsten Konjunkturbericht bereits Aufwärtstendenzen festgestellt. Die Arbeitsmarktdaten stehen besonders im Fokus, da die Fed ihre Konjunkturhilfen bei einer nachhaltigen Erholung drosseln will. Doch den Anlegern fielen diese nicht stark genug aus, sie setzen weiter auf steigende Kurse.

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36 Kommentare zu "Börse Frankfurt: US-Jobzahlen puschen den Dax "

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  • Die Fed und alle großen Notenbanken sind mal wieder zu spät dran.Und nein,der Aufschwung an den Börsen ist nicht vorbei und wird erst wieder bei über 4% Leitzins nachlassen.Bernanke,Draghi und Konsorten werden dann die größte Blasen der Geschichte geschaffen haben,aber bis dahin ist lange hin.Dann steht der Dow vielleicht bei 30 000 ehe die 4 Prozent Leitzins kommen.Man braucht ja nur die Jahre 03-07 als Vorbild nehmen und auf die heutigen Verhältnisse übertragen.

  • Niedrige Zinsen am langen Ende,
    hohe Immobilienpreise,
    Edelmetalle für Hasardeure,
    Die US-Wirtschaft nimmt Anlauf,
    wen wunderts, daß das Geld in die Aktien fließt.

    Aber es braucht Demut, denn:
    An der Börse ist alles möglich, auch das was logisch ist.

  • Herrlich

  • Ich muss das noch einmal sagen, warum gibt es Leute die kaufen?

    Da kommt eine Korrektur.

    Die sieht aus wie eine Korrektur, die riecht wie eine Korrektur, die knallt wie eine Korrektur.
    Da hält man seinen Mund und geht einfach mit (nach unten).
    Aber ...nein, es gibt immer noch Leute die kaufen.
    Ist mir total unverständlich.

  • "Stocks furthered their gains after The Thomson Reuters/University of Michigan's preliminary reading on consumer sentiment came in at 82.5 in December, beating expectations."

    Aha, Verbrauchervertrauen vom Dezember!!!
    Sorry, aber der Monat ist gerade 6 Tage alt.

    [...]
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ggf. als inhaltlicher Hinweis:
    Die FED führt geldpolitische Maßnahmen nicht zur Stützung oder zur Schädigung von Börsianern durch. Sie macht das (meist) augewogen und versucht das Wirtschaftswachstum ausgewogen zu gestalten.
    Das heißt, dass sie immer INteresse an einer gut funktionierenden Wirtschaft hat. Somit an erfolgreichen Firmen.
    Zwei Ideen:
    1.) Einfach die langfristig erfolgreichen Firmen identifizieren und dabei bleiben.
    2.) Täglich schlauer als die anderen sein und risikolos reich werden, da ich ja genau weiß wann ich kaufen und verkaufen muss.
    Von der ersteren kenne ich namentlich ein paar. Einer trinkt z.B. jedes jahr cherry coke vor 5.000 Leutchen und wird als Orakel bejubelt.
    Von den anderen merke ich mir die Namen nicht, denn die wechseln ständig.

  • @alexfiftyfour

    Gab hier mal einen, der an dieser Stelle Ende Juli 2011 wortgewaltig kundtat, dass "die Kurse in vier Wochen sowieso höher stünden" um sich damit in den Urlaub zu verabschieden.
    Mann, wie hieß der nochmal? :-)))

  • Jobdaten sind Synonym für Gold-Manipulationstag, oder? :)

  • Was ist denn jetzt los? Da geht man sich kurz einen Kaffee holen u. schon ist der DAX 100 Punkte rauf.
    Dachte die Zinsen bleiben bei 0,25?
    Oder waren es die Ami-Futures?

  • Die Baisse nährt die Baisse.

    Im Schnitt verlieren wir jetzt 100 - 150 Punkte pro Tag.
    Die 8000 ist also durchaus realistisch bis Weihnachten.

    Es gibt keine (Stützungs) Käufe mehr und jeder weiß, dass die FED morgen das Tapering verkünden muss.

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