Börse Frankfurt Wie ein wilder Stier – Dax schließt deutlich im Plus

Aus dem Westen nichts neues: So könnte die Stimmung zusammengefasst werden. Die Anleger ignorierten die Warnschüsse der US-Ratingagentur S&P. Anleihe-Auktionen im Laufe der Woche könnten die Stimmung aber kippen.
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Heute zeigte der Dax eine einwandfreie Leistung. Die Händler sind zufrieden. Quelle: Reuters

Heute zeigte der Dax eine einwandfreie Leistung. Die Händler sind zufrieden.

(Foto: Reuters)

FrankfurtViele Anleger befürchteten das Schlimmste, nachdem bekannt wurde, dass die Ratingagentur Standard & Poor’s neun Euro-Staaten herabgestuft hat. Europas Politiker liefen Sturm gegen die Abstufungen und arbeiten daran, die Macht der Agenturen einzugrenzen. Die Anleger hielten sich aus solchen Diskussionen heraus und trotzen den Ratingagenturen mit Aktienzukäufen.

Der Deutsche Aktienindex zeigte sich bis zum Vormittag unbeständig. Zum Nachmittag verstärkte sich sein Aufwärtsdrang und zu Handelsschluss verzeichnete der Dax ein Plus von 1,3 Prozent auf 6.220 Punkte. Die zweite Reihe machte es dem Dax nach. Schwach gestartet beendete der MDax den Montag 0,9 Prozent im Plus auf 9.574 Punkte und der TecDax stieg um ein Prozent auf 725 Zähler.

Anleger lassen S&P-Drohung links liegen

Schon am Freitag sorgten Gerüchte über die Abstufungen für Kurseinbrüche an Europas Börsen. Später wurden die Gerüchte bestätig. Standard & Poor's hat neun Staaten aus der Euro-Zone herabgestuft. Frankreich und Österreich zählen künftig nicht mehr zum Kreis der Staaten mit der Top-Bonitätsnote “AAA“. Slowenien, die Slowakei und Malta wurden ebenfalls um eine Stufe zurückgesetzt. Die südeuropäischen Staaten traf es noch härter. Italien, Spanien, Portugal und Zypern wurden sogar um zwei Noten schlechter bewertet. Moody's bestätigte heute die Einschätzung von S&P. Sie stellten Frankreichs Top-Bonitätsnote in Frage.

Der Rundumschlag von Standard & Poor’s zeigte am Rentenmarkt keine Wirkung. Die Renditen auf zehnjährige französische, österreichische, spanische sowie italienische Anleihen blieben unverändert. Auch die heutige Auktion kurzfristiger französischer Anleihen verlief zufriedenstellend.

Allerdings ist das gleichgebliebene Zinsniveau spanischer und italienischer Bonds nur mit der aggressiven Vorgehensweise der Europäischen Zentralbank zu erklären. Sie kaufte in der vorigen Woche wieder vermehrt italienische und spanische Staatspapiere.

Die Ausfallversicherungen (CDS) auf die Staatsanleihen der abgestuften Länder reagierten etwas empfindlicher. Fünfjährige Ausfallversicherungen auf italienische Staatsanleihen verteuerten sich am Montag um 27 auf 531 Basispunkte. Das bedeutet, dass es 531.000 Euro kostet, Schulden des Mittelmeerlandes in Höhe von zehn Millionen Euro abzusichern. Die CDS für spanische Papiere zogen um elf auf 419 Basispunkte an, französische um fünf auf 222 Basispunkte.

Insgesamt konnten sich die Ratingagenturen jedoch kaum auf den heutigen Kursverlauf der Börsen auswirken. „Die Rating-Agenturen haben ihren Schrecken verloren“, fasste ein Aktienhändler die Stimmung an Märkten zusammen. Das Kursplus an der Börse erinnere ihn an eine Trotzreaktion. „Da außerdem die amerikanischen Aktienmärkte heute geschlossen bleiben, kann von dort kein Abgabedruck kommen. Also halten wir uns bei dünnen Umsätzen im Plus.“

Dennoch bleiben die Abstufungen in weiteren Verlauf der Woche im Fokus. Denn in den kommenden Tagen wird sich neben Frankreich und Spanien auch der EFSF-Rettungsschirm am Kapitalmarkt versuchen. Dann wird sich herausstellen wie stark sich die Abstufungen auf die Stimmung der Anleger niedergelegt hat. Sollte die Anleihe-Auktion des Rettungsschirms problematische verlaufen, käme ein Bonitätsrücksetzer auf den EFSF- sowie dem ESM-Rettungsschirm in Betracht.

„Entscheidender ist, dass die Herabstufungen die Erwartungen zementieren, dass weder der EFSF noch der ESM ihr „AAA'-Rating halten können.“, sagte Analysten Jacques Cailloux von der Royal Bank of Scotland (RBS). Um dies zu erreichen, müssten die europäischen Staaten ihre finanziellen Zusagen für die Rettungsfonds deutlich ausweiten, oder eine geringere finanzielle Schlagkraft akzeptieren.

"Ratingagenturen ringen um öffentliche Aufmerksamkeit"
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26 Kommentare zu "Börse Frankfurt: Wie ein wilder Stier – Dax schließt deutlich im Plus"

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  • @ Lemminge,
    so ist es!

  • Da unterschätzen Sie Schäuble total. Der hat Spitzenberater. Der Mann ist nicht inkompetent, sondern schlicht Diener anderer Herren.

  • Wenn's nur die mangelnden Deutschkenntnisse wären. Da hat einer noch immer nicht kapiert, dass die realen Wirtschaftsdaten von den Märkten und diese von der ignoranten oder korrupten Politik und der Stimmung der Menschen beeinflusst werden.

  • Hoffentlich, denn Deutschland profitiert in keinster Weise vom Euro und der EU, das tun nur einige Unternehmen, die aber häufig ihre Gewinne eben nicht in D versteuern.

  • Ach menno, diese dumme Börse...

  • Die Börse macht momentan immer alles "falsch" herum. Vielleicht sollte einem das zu denken geben.

  • Trotz Unkenrufe der sogenannten Experten setzt der Dax seinen Aufstieg fort. Das zeigt zum wiederholten Maße welche Fähigkeiten diese Analysten besitzen. Es immer wieder überraschend wie wenig diese "Leuchten" die Märkte kennen und demnach auch beurteilen. Zum Glück kümmert sich die Börse immer weniger um deren Meinungen. Was sich heutzutage alles als Experte bezeichnet ist schon erschreckend.

  • Lieber Herr R2D2,

    "Der Markt" ist schon lange tot. Was sie meinen ist das treiben der Aasgeier.

  • Ja, Sie beschreiben im Prinzip eine Art der "Financial repression": Der Staat übt Druck aus, um finanzielle Resourcen die in einem freien System anderswo angelegt würden, in seine eigene finanzierung umzuleiten.

    Das sich Grossanleger vor diesen Karren spannen lassen, kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß er bis zur Achse fest steckt.

    Die Richtlinien, die Sie zitieren gehören auf den Müllhaufen. Und die Maxime Staatsanleihen statt Small Caps behindert die Realwirtschaft.

  • Sowohl die Ignoranz der Realitäten als auch die ihm innewohnende Einfalt Schäubles ist eigentlich nicht mehr zu überbieten. Reif für die Anstalt, anders kann man es nicht mehr ausdrücken. Ein Tipp Schäuble: Bevor man sich dazu versteigt, den Ratingagenturen vorzuschreiben, wie sie ihre Arbeit zu machen hätten, wäre es besser Sie würden sich einmal die Basel I-III und die Solvency I-II Regularien durchlesen. Hier haben Sie, respektive fühere Kollegen, die Zauberformel, die den Ratingagenturen ihre Macht verleiht, niedergelegt. Kann man eigentlich gut erkennen, solange einem nicht jegliche Fachkompetenz fehlt bzw. das Allgemeinbefinden sich noch auf der positiven Seite zur Grenze der Debilität befindet.

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