Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke
Droht eine neue Euro-Krise?

An den Märkten wachsen die Sorgen mit Blick auf Italien.

(Foto: dapd)

Börse Mailand Italienische Kritik an EU-Kommission lässt Kurse rutschen

Der Streit zwischen italienischer Regierung und EU-Kommission um den Haushaltsentwurf des Landes beunruhigt Anleger. Sie verkaufen vor allem Bankaktien.
Kommentieren

RomSchlechte Nachrichten aus Italien häufen sich: Nachdem die EU-Kommission am Wochenende den ersten Entwurfs des Staatshaushalts 2019 deutlich kritisiert hatte, reagierten zum Wochenbeginn die Finanzmärkte heftig. Im Entwurf wurde eine Neuverschuldung von 2,4 Prozent eingeplant. Wirtschafts- und Finanzminister Giovanni Tria hatte das Dokument vorgelegt.

Das sei eine „deutliche Abweichung“ von den vereinbarten Haushaltszielen und ein Motiv für „ersthafte Beunruhigung“, heißt es in der Antwort der Europäischen Kommission. Der endgültige Haushaltsentwurf muss bis Mitte Oktober in Brüssel eingehen.

Die Kurse an der Mailänder Börse gaben am Montag zwischenzeitlich um 2,2 Prozent nach. Damit war der Index des Landes Negativ-Spitzenreiter in Europa. Vor allem Bankaktien brachen ein.

Bankaktie zeitweise vom Handel ausgesetzt

Auch die soliden Großbanken Unicredit und Intesa Sanpalo verloren an Wert. Die staatsgeführte Monte dei Paschi wurde sogar teilweise vom Handel ausgesetzt. Insgesamt haben die Banken seit Mitte Mai, als die Koalitionsverhandlungen der populistischen Regierungsparteien begannen, 37 Milliarden Euro an Wert an Börsenwert verloren.

Ein Indikator dafür, wie niedrig das Vertrauen in Italien an den Märkten ist, ist der Risikoaufschlag für italienische Staatsanleihen. Er misst die Differenz der Rendite italienischer Staatsanleihen im Vergleich zu deutschen Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit. Der Aufschlag - auch „Spread“ genannt - überstieg am Montagmorgen die psychologisch wichtige Schwelle von 300 Basispunkten.

Die Rendite der zehnjährigen italienischen Titel kletterte zu Wochenbeginn auf bis zu 3,5 Prozent – den höchsten Stand seit viereinhalb Jahren. Und auch die Rendite der zweijährigen Titel stieg an: auf 1,5 Prozent.

Wenn der Risikoaufschlag zwischen deutschen und italienischen Anleihen weiter ansteige, könnten die italienischen Banken gezwungen sein, Kapitalerhöhungen in Angriff zu nehmen, meinen Analysten von Credit Suisse. „Ein Spread über 400 Basispunkten ist nicht tragbar.“ 2011, als Italien am Rand des Staatsbankrotts stand, betrug der Risikoaufschlag 500 Basispunkte.

Die Experten des Brokerhauses Websim weisen darauf hin, dass auch der Risikoaufschlag zwischen italienischen und spanischen Staatsanleihen gestiegen sei. Er habe erstmals in der Geschichte die 200 Basispunkte überstiegen.

Die Intensität der Marktreaktion überrascht Analysten

„Wir sind etwas überrascht von der Stärke der Kursreaktion an den Anleihemärkten“, sagte Anlagestratege Antoine Bouvet von der Investmentbank Mizhuo Reuters. „Offenbar geht der Markt davon aus, dass die EU-Kommission eine harte Verhandlungslinie fahren will, wenn Italien seinen Haushalt einreicht.“ Bereits im November könnte die EU-Kommission ein Verfahren gegen Italien einleiten. Es würde dann im Februar rechtskräftig werden.

Dennoch: Die Haushaltsplanung ist noch nicht vollständig abgeschlossen. In dieser Woche finden Anhörungen im Parlament statt, unter anderem mit der italienischen Notenbank. Angeblich soll die Regierung einen Plan B haben, wenn die Turbulenzen weiter anhalten. Sorge bereitet ihnen vor allem, dass Ende des Monats das Urteil der beiden Ratingagenturen Moody’s und Standard & Poor's ansteht. Ökonomen fürchten um eine Abstufung Italiens auf Ramschstatus.

Das Hauptproblem sind die hohen Schulden. Minister Tria hatte in einem Brief nach Brüssel die Eckpunkte des Haushalts erläutert. Die Regierung geht von einem Wachstum aus, mit dem die angekündigten Maßnahmen wie Steuersenkungen und Grundeinkommen finanziert werden sollen.

Ein steigender Konsum der Bürger sollte helfen, die Staatsverschuldung zu senken. Doch die Zweifel an dem Kurs sind groß und schlagen sich an den Märkten nieder. Immerhin hat der parteilose Tria bereits zurückgerudert und die Neuverschuldung ab 2020 niedriger angesetzt, auf 1,8 Prozent.

Salvini nennt Juncker und Moscovici „Feinde Europas“

Die Regierung gibt sich unbeeindruckt vom Geschehen an den Märkten. Innenminister und Vizepremier Matteo Salvini tönte am Montag in Rom bei einem Treffen mit der Front-National-Chefin Marine Le Pen in gewohnt populistischer Manier: „Wenn ich böse denken würde, würde ich sagen, dass hinter dem Spread in diesen Tagen ein Spekulationsmanöver à la Soros steckt, das das Ziel hat, ein Land scheitern zu lassen, um die übriggebliebenen gesunden Unternehmen zum Spottpreis aufzukaufen.“ Danach wetterte er gegen die EU-Kommissare Jean-Claude Juncker und Pierre Moscovici. „Die Feinde Europas sind diejenigen, die im Bunker von Brüssel verschanzt sind“, sagte er. Die Regierung ließe sich auch durch den Druck der Finanzmärkte nicht von dem Haushaltsplan abbringen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Börse Mailand - Italienische Kritik an EU-Kommission lässt Kurse rutschen

0 Kommentare zu "Börse Mailand: Italienische Kritik an EU-Kommission lässt Kurse rutschen"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.