Börse New York Ausverkauf an der Wall Street setzt sich fort

Nach den schlimmsten Verlusten seit Februar am Vortag fällt der Dow Jones am Donnerstag erneut stark. Auch andere Indizes geben nach.
Update: 11.10.2018 - 23:39 Uhr Kommentieren
Die US-Börsen haben am Donnerstag nach einer Berg- und Talfahrt im Minus geschlossen. Quelle: AFP
Wall Street

Die US-Börsen haben am Donnerstag nach einer Berg- und Talfahrt im Minus geschlossen.

(Foto: AFP)

New YorkAus Sorge um die Weltkonjunktur schicken die Anleger den Dow Jones erneut auf Talfahrt. Der Dow Jones der Standardwerte schloss 2,1 Prozent tiefer auf 25.052 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank rund zwei Prozent auf 2728 Zähler. Der Nasdaq-Composite, der am Mittwoch rund vier Prozent nachgegeben hatte, verringerte sich um 1,2 Prozent auf 7329 Punkte.

In einem von hoher Nervosität geprägten Handel rutschte der US-Leitindex Dow Jones Industrial im Verlauf des Handelstags zeitweise deutlich unter die Marke von 25.000 Punkten. Damit hat der Index allein in den letzten zwei Handelstagen mehr als 5 Prozent verloren.

Am Mittwoch hatte der Dow Jones die schlimmsten Verluste seit Februar erlitten: Der US-Index fiel um 831 Punkte (3,15 Prozent) und schloss bei 25.598 Zählern. Für den gesamten Technologiesektor im S&P 500 war es sogar der schwärzeste Tag seit August 2011 mit einem Rückgang von 4,8 Prozent. Noch Mitte der Vorwoche hatte der Dow mit 26.951 Punkten ein Rekordhoch erreicht und somit - verglichen mit dem Tagestief von diesem Donnerstag - mehr als 2000 Punkte höher gestanden.

Wegen ihrer Sorgen um die Weltwirtschaft reagierten Anleger mit Aktienverkäufen auf Äußerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der vor möglichen Finanzmarkt-Turbulenzen gewarnt und seine Prognosen zum Wachstum der globalen Wirtschaft gesenkt hatte. Als Gefahren für die ökonomische Entwicklung betrachtet der Fonds insbesondere die Handelskonflikte und steigende Zinsen.

Die Preise in den USA stiegen im September weniger stark als erwartet: Die Verbraucherpreise stiegen im September um 0,1 Prozent, erwartet worden waren 0,2 Prozent. Das gab den US-Futures erst einmal Auftrieb.

„Zu einer Forcierung der Zinserwartungen dürfte die Veröffentlichung somit nicht führen“, erklärte Helaba-Analyst Patrick Boldt. „Auch in Anbetracht der soliden Verfassung des US-Arbeitsmarktes erscheinen somit graduelle Leitzinserhöhungen durch die amerikanische Notenbank gerechtfertigt.“ Das sieht US-Präsident Donald Trump freilich anders.

Trump erklärte die Notenbank Fed wegen der starken Zinserhöhungen für „irre“, woraufhin IWF-Chefin Christine Lagarde den Fed-Chef Jerome Powell verteidigte: „Er wirkt ebenso wie die Direktoren äußerst seriös, zuverlässig und durchaus gewillt, Entscheidungen auf Basis von Fakten zu treffen“, sagte die Französin dem US-Sender CNBC.

Auch der Chef der Bank von England, Mark Carney, kann die Kritik Trumps nicht nachvollziehen: „Eine der vielen Qualitäten von Jerome Powell ist es, dass er wirklich versteht, wie das amerikanische und das globale Finanzsystem tickt.“ Dies sei gerade in Zeiten des Wandels ein „ungeheurer Vorteil“, fügte Carney am Rande des Treffens von IWF und Weltbank auf Bali hinzu.

Das verunsichere den Markt, sagte ein Händler. „Die Unabhängigkeit der Notenbank gilt als entscheidend für eine funktionierende Geldpolitik.“ Trumps Drohung in Richtung China, er könne im Zollstreit mit der Volksrepublik noch „viel mehr machen“, sorgte ebenfalls für Stirnrunzeln.

Trumps Wirtschaftsberater Larry Kudlow bekräftigte, die Fed sei unabhängig, was Trump respektiere. Der Präsident diktiere den Währungshütern nicht ihre Entscheidungen. Die Fed hat im laufenden Jahr den Leitzins schon drei Mal angehoben. Bis Ende 2019 hat sie vier weitere Schritte nach oben signalisiert.

Bei den Einzelwerten zählten die Aktien des Bezahldienstes Square mit einem Abschlag von rund elf Prozent zu den Verlierern. Die Titel reagierten auf den Abgang der in der Branche anerkannten Finanzchefin Sarah Friar, die den Börsengang des Unternehmens 2015 gesteuert hat.

Delta Airline legten dagegen über drei Prozent zu. Die Fluggesellschaft hatte im abgelaufenen Quartal mehr verdient als erwartet.

Im Dow fielen Walgreens-Aktien um 2,6 Prozent. Die Apotheken- und Drogeriemarktkette hat im vierten Geschäftsquartal weniger als erwartet umgesetzt.

Dow Jones weiter auf Talfahrt

Die Warnungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) vor einer globalen Konjunkturabschwächung und Marktturbulenzen zwangen auch am Donnerstag die europäischen Aktienmärkte in die Knie. Der Dax fiel um 1,5 Prozent auf 11.539 Zähler und schloss damit so niedrig wie seit Februar vorigen Jahres nicht mehr. Gesucht war die Anti-Krisenwährung Gold: Die Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte sich um zwei Prozent auf ein Zwei-Monats-Hoch von 1219,75 Dollar.

Mit Agenturmaterial.

Startseite

Mehr zu: Börse New York - Ausverkauf an der Wall Street setzt sich fort

0 Kommentare zu "Börse New York: Ausverkauf an der Wall Street setzt sich fort"

Bitte bleiben Sie fair und halten Sie sich an unsere Community Richtlinien sowie unsere Netiquette. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar. Wir behalten uns vor, Leserkommentare, die auf Handelsblatt Online und auf unser Facebook-Fanpage eingehen, gekürzt und multimedial zu verbreiten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%