Börse New York China lässt die Wall Street abstürzen

Für die US-Börsen geht es weiter steil bergab: Die Woche endet mit deutlichen Verlusten. Der Dow-Jones-Index schließt 3,1 Prozent tiefer. Der S&P-500 verzeichnet den größten Rückgang an einem Tag seit knapp vier Jahren.
Update: 21.08.2015 - 23:37 Uhr Kommentieren
Der Konjunkturkalender bleibt heute leer. Quelle: Reuters
Ein Trader der Wall Street

Der Konjunkturkalender bleibt heute leer.

(Foto: Reuters)

New YorkEnttäuschende Konjunkturdaten aus China haben auch den US-Anlegern die Laune gründlich vermiest. Die Anzeichen für eine deutliche Abkühlung der chinesischen Wirtschaft haben sich zuletzt gemehrt. Daten vom Freitag zeigten, dass die Geschäfte der Industrie im August so stark geschrumpft sind wie seit sechseinhalb Jahren nicht mehr. „Die Zahl reiht sich ein in eine lange Kette von Enttäuschungen, die uns in den vergangenen Wochen aus dem Land erreicht haben, das noch vor wenigen Monaten als der große Hoffnungsträger für die weltkonjunkturelle Entwicklung galt“, erklärten die Analysten der Metzler Bank.

Der Dow-Jones-Index ging auf Talfahrt und schloss 3,1 Prozent tiefer auf 16.459 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 brach 3,2 Prozent auf 1970 Zähler ein. Damit fiel das Marktbarometer erstmals seit dem 2. Februar unter die psychologisch wichtige Marke von 2000 Punkten. Für den S&P-500-Index war es der größte Rückgang an einem Tag seit knapp vier Jahren. Die Technologiebörse Nasdaq fiel sogar 3,5 Prozent auf 4706 Punkte. Vor allem im späten Geschäft beschleunigten sich die Verluste. Im Wochenvergleich verlor der Dow 5,8 Prozent, der S&P 5,8 Prozent und die Nasdaq 6,8 Prozent.

Angst erfasst die Anleger

Bei den Einzelwerten erfreute der SAP-Konkurrent Salesforce die Händler mit starken Zahlen und einer höheren Prognose. Der Softwarekonzern liegt nun auf der Weltrangliste der größten IT-Unternehmen auf dem vierten Platz. Salesforce-Aktien stiegen gegen die Tendenz um knapp zwei Prozent.

Deere enttäuschte dagegen mit einem Gewinneinbruch von 40 Prozent und einem Absatzrückgang von 20 Prozent. Der Landmaschinenbauer machte eine Schwäche des US-Agrarmarkts für seine Lage verantwortlich. Die Anleger straften die Titel des Unternehmens mit einem Minus von mehr als acht Prozent ab.

An den Börsen herrschte zudem die Befürchtung, dass sich der Wachstumsrückgang in der Volksrepublik als langfristiger Trend herausstellen könnte. Das dürfte vor allem exportorientierte Industriezweige wie die Autobauer treffen. Anteilsscheine von General Motors ließen vier Prozent Federn, Ford -Papiere fielen 3,9 Prozent.

Apple-Scheine verbilligten sich um mehr als sechs Prozent. Experten zeigten sich weiter über den Absatz des gewinnträchtigen iPhones in China besorgt. Dagegen zogen Hewlett-Packard nach Vorlage der Geschäftszahlen um 0,4 Prozent an. Der PC-Hersteller will sich in den kommenden Monaten aufspalten.

Der Dax ging 2,9 Prozent schwächer bei 10.124,52 Punkten ins Wochenende, das war der tiefste Stand seit sieben Monaten. In der abgelaufenen Handelswoche büßte er damit fast acht Prozent ein. „Die Aktienmärkte verfallen in einen Panik-Modus, da das volle Ausmaß des Konjunkturabschwungs in China deutlicher wird“, sagte Angus Nicholson, Analyst beim Online-Broker IG. Der EuroStoxx50 gab am Freitagabend 3,2 Prozent nach.

Die Probleme in China drückten zudem auch wieder kräftig auf die Ölpreise. Ein Barrel (159 Liter) der US-Ölsorte WTI war mit 40,10 Dollar so günstig wie zuletzt vor sechseinhalb Jahren.

Der Euro kletterte erstmals seit Mitte Juni wieder über 1,13 US-Dollar und kostete zuletzt 1,1366 Dollar. Den Referenzkurs hatte die Europäische Zentralbank (EZB) zuvor auf 1,1281 (Donnerstag: 1,1183) Dollar festgesetzt. Die Kurse von US-Staatsanleihen legten ein wenig zu. Richtungweisende zehnjährige Papiere gewannen 6/32 Punkte auf 99 18/32 Punkte und rentierten mit 2,05 Prozent.

Dax-Aktien zum kleinen Preis

K+S AKTIENGESELLSCHAFT NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000KSAG888
Börse
L&S

+0,10 +0,55%
+18,41€
Chart von K+S AKTIENGESELLSCHAFT NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 10: K+S
1 von 10

Der Dax hat zuletzt Federn gelassen. Dennoch steht er im historischen Vergleich noch hoch. Für welche Aktien könnte sich jetzt ein Einstieg besonders lohnen? Ein Blick auf die Kennzahlen einiger Dax-Unternehmen belegt, dass manche Titel besonders günstig sind. Mit seinen aktuell gut 10.500 Punkten ist der Leitindex günstiger als beispielsweise im Jahr 2000, als er bei 8000 Punkten notierte – und auch preiswerter als im Jahr 1996, als er nur bei 4.000 Zählern stand. Grund dafür ist, dass die Unternehmen heute sehr viel mehr verdienen als in den Vergleichsjahren. So auch K+S. Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Konzern seinen Gewinn um fast 40 Prozent steigern.

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) 2015: 13,46
Ergebnis 2014*: 381 Millionen Euro
Geschätztes Ergebnis 2015*: 529 Millionen Euro
Gewinnveränderung (2014/15): + 39,1 Prozent

*Netto

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

+0,02 +0,26%
+9,31€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Platz 9: Commerzbank
2 von 10

Es soll wieder bergauf für die Commerzbank gehen. Nach einer jahrelangen Krisenfahrt steuert die zweitgrößte Bank Deutschlands nicht nur auf einen Milliardengewinn zu. Erstmals seit 2007 soll auch eine Dividende ausgezahlt werden. Möglich macht das der auf 646 Millionen Euro mehr als verdoppelte Halbjahresgewinn. Geht es nach Commerzbank-Vorstand Martin Blessing, wird dieser Trend anhalten. Die Zahlen seien „ein klarer Beleg für den erfolgreichen Turnaround der Commerzbank“, so Blessing.

KGV 2015: 11,81
Ergebnis 2014: 264 Millionen Euro
Geschätztes Ergebnis 2015: 1,1 Milliarden Euro
Gewinnveränderung (2014/15): 332,9 Prozent

ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008404005
Börse
L&S

+0,33 +0,18%
+187,53€
Chart von ALLIANZ SE VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 8: Allianz
3 von 10

Die Allianz hat im zweiten Quartal trotz anhaltender Probleme in der Vermögensverwaltung mehr verdient. Das operative Ergebnis kletterte um 2,6 Prozent auf 2,84 Milliarden Euro. Die Prognosen für das Gesamtjahr sind optimistisch. Zusammen mit dem niedrigen KGV bietet sich bei der Allianz ein Einstieg an.

KGV 2015: 10,55
Ergebnis 2014: 6,2 Milliarden Euro
Geschätztes Ergebnis 2015: 6,7 Milliarden Euro
Gewinnveränderung (2014/15): + 7,1 Prozent

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
L&S

-0,00 -0,01%
+10,20€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 7: Deutsche Bank
4 von 10

Die Deutsche Bank schliddert seit Jahren von einem Rechtsstreit zum nächsten. Ein Ende ist nicht in Sicht. Die Prozesse kosten die Bank ein Vermögen. Die Rücklagen sind dementsprechend beträchtlich und belasten bereits die Bilanz des Geldhauses. Die Doppelspitze um Anshu Jain und Jürgen Fitschen musste deswegen ihren Posten räumen. Ob der neue Deutsche-Bank-Chef John Cryan die größte Bank Deutschlands wieder auf Kurs bringen kann, muss abgewartet werden. Ein Investment in Aktien der Deutschen Bank sind daher, trotz des niedrigen KGVs, mit höheren Risiken verbunden.

KGV 2015: 10,22
Ergebnis 2014: 1,7 Milliarden Euro
Geschätztes Ergebnis 2015: 4,2 Milliarden Euro
Gewinnveränderung (2014/15): + 152,2 Prozent

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

+0,01 +0,01%
+56,27€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 6: Daimler
5 von 10

Daimler hat mit seiner radikalen Verjüngungskur Erfolg. Die Stuttgarter mischen wieder in einer Liga mit BMW und Audi mit. Doch die derzeitigen wirtschaftlichen Turbulenzen in China könnten Daimler schwer treffen. Denn China ist einer der wichtigsten Absatzmärkte für den Autobauer. Vor allem die großen SUV und Luxuslimousinen verkauften sich im Reich der Mitte bisher gut. In der Autobranche rechnet man daher mit sinkenden Gewinnen. Das derzeitige KGV dürfte daher nur eine Momentaufnahme sein.
KGV 2015: 9,65
Ergebnis 2014: 7,0 Milliarden Euro
Geschätztes Ergebnis 2015: 8,5 Milliarden Euro
Gewinnveränderung (2014/15): + 22,4 Prozent

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
L&S

+1,95 +1,06%
+185,86€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Platz 5: Münchener Rück
6 von 10

Auch bei der Münchener Rück darf man sich nicht vom niedrigen KGV blenden lassen. Anleger sollten im Hinterkopf die niedrigen Zinsen behalten, die die Erträge des Rückversicherers schmälern. Außerdem hat sich der Wettbewerb innerhalb der Branche intensiviert.

KGV 2015: 9,34
Ergebnis 2014: 3,2 Milliarden Euro
Geschätztes Ergebnis 2015: 3,0 Milliarden Euro
Gewinnveränderung (2014/15): - 5,2 Prozent

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

+1,02 +1,24%
+83,24€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
Platz 4: BMW
7 von 10

Gleiches wie für Daimler gilt auch für BMW. Der Münchener Autobauer wird die Rekordzahlen der vergangenen Jahre im laufenden Jahr wohl nicht erreichen können. Dafür fehlt die wirtschaftliche Dynamik in China. Derzeit wird bei BMW über eine Ergebniskorrektur für das laufende Jahr noch nachgedacht.

KGV 2015: 9,22
Ergebnis 2014: 5,8 Milliarden Euro
Geschätztes Ergebnis 2015: 6,1 Milliarden Euro
Gewinnveränderung (2014/15): + 5,0 Prozent

An der New York Stock Exchange wechselten rund 1,33 Milliarden Aktien den Besitzer. 442 Werte legten zu, 2662 gaben nach und 103 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,73 Milliarden Aktien 823 im Plus, 2004 im Minus und 136 unverändert.

Die US-Kreditmärkte legten dagegen zu. Die zehnjährigen Staatsanleihen gewannen 9/32 auf 99-17/32. Die Rendite sank auf 2,052 Prozent. Der 30-jährige Bond erhöhte sich um 6/32 auf 102-22/32 und rentierte mit 2,744 Prozent. Händler erklärten die Aufschläge mit der Flucht der Anleger in die als sicher geltenden Staatspapiere.

  • rtr
  • dpa
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