Börse New York Dow Jones verliert mehr als 3 Prozent - schwerste Verluste seit acht Monaten

Zinsspekulationen und die IWF-Wachstumsprognose verschrecken die Anleger an der Wall Street. Tech-Aktien gehören zu den größten Verlierern.
Update: 10.10.2018 - 23:43 Uhr Kommentieren

„Die Gründe für den Kurssturz sind nicht neu“

New YorkDer Dow Jones hat am Mittwoch die schlimmsten Verluste seit Februar erlitten: Der US-Index fiel um 831 Punkte (3,15 Prozent) und schloss bei 25.598 Zählern.

Für den gesamten Technologiesektor im S&P 500 war es sogar der schwärzeste Tag seit August 2011 mit einem Rückgang von 4,8 Prozent. Amazon-Papiere fielen am Mittwoch um 6,2 Prozent, während Netflix ganze 8,4 Prozent verlor. Auch Facebook und Apple sanken um jeweils mehr als 4 Prozent. Die Titel von Microsoft verbilligten sich um 5,4 Prozent.

Der breiter gefasste S&P 500 gab um 3,3 Prozent auf 2786 Stellen nach. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 4,1 Prozent auf 7422 Zähler. „Was wir hier sehen, ist wie sich der Markt auf ein niedrigeres Wachstum einstellt“, sagte die Investmentstrategin Mona Mahajan von Allianz Global Investors.

Auslöser sind die Sorgen um die Weltkonjunktur. Anleger reagierten mit Aktienverkäufen auf Äußerungen des Internationalen Währungsfonds (IWF), der vor möglichen Finanzmarkt-Turbulenzen gewarnt und seine Prognosen zum Wachstum der globalen Wirtschaft gesenkt hatte. Als Gefahren für die ökonomische Entwicklung betrachtet der Fonds insbesondere die Handelskonflikte und steigende Zinsen.

Marktstrategen wiesen am Mittwoch auf ein seltsames Phänomen hin. Mit den Aktienpreisen sanken auch die Kurse der Staatsanleihen. „Das ist nicht normal“, sagte Daniel Alpert, Mitgründer der New Yorker Investmentbank Westwood Capital.

Normalerweise steigen die Staatsanleihen im Preis, wenn es auf den Aktienmärkten abwärts geht, weil sich Investoren in sichere Papiere retten. Doch am Mittwoch verkauften die Anleger sowohl Aktien als auch längerfristige Staatsanleihen. Marktstrategen halten das für ein Zeichen dafür, dass in den kommenden Tagen weiterhin starke Schwankungen bevorstehen.

In den vergangenen drei Jahren sei es inklusive Mittwoch nur 14 Mal vorgekommen, dass der S&P 500 mehr als ein Prozent einbricht und die US-Staatsanleihen ebenfalls verlieren, wie aus Berechnungen von Larry McDonald, dem Chefstrategen von AGC Analytics hervorgeht. „Das ist eine seltene positive Korrelation.“

Seit letzter Woche machen Spekulationen auf dem Börsenparkett die Runde, dass Zinsen in den USA schneller als bislang erwartet angehoben werden könnten. „Die unmittelbare Sorge sind höhere Zinsen“, bekräftigte Rick Meckler, Partner beim Anlageberater Cherry Lane Investments. Alec Young von FTSE Russel schloss sich dieser Meinung an und sagte, Anleger befürchteten, dass steigende Zinsen die Unternehmensgewinne im nächsten Jahr schmälern würden.

Und auch der andauernde Handelskonflikt zwischen den USA und China drückt die Stimmung der Börsianer. US-Präsident Donald Trump wurde laut CNBC über die Entwicklung an der Börse informiert. Ein hochrangiger Regierungsvertreter habe das Geschehen als eine „Kurskorrektur“ beschrieben, die „wahrscheinlich gesund“ sei, berichtete der Sender. „Das wird vorübergehen und die US-Wirtschaft bleibt stark.“

Die Aktien von Sears stürzten um 16,8 Prozent in die Tiefe. Das „Wall Street Journal“ berichtete, dass der angeschlagene Einzelhändler Berater mit der Vorbereitung eines Insolvenzantrags beauftragt habe. Vor fünf Jahren hatte die Aktie noch mehr als 40 Dollar gekostet.

Zu den größten Verlierern zählten auch die Papiere von Luxusgüterproduzenten. Tiffany sackten etwa mehr als zehn Prozent ab. Auslöser war eine Warnung der Louis-Vuitton-Mutter LVMH, wonach sich das Geschäft in China abschwächen könnte. Das Papier von Nvidia sank um 7,5 Prozent. Zuvor hatte die Schweizer Technologiefirma VAT von einer gedämpften Nachfrage von Chipausrüstern gesprochen.

Mit Material von Reuters

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