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Börse New York Ölpreis und EZB-Feuerwerk beflügeln Wall Street

Mit etwas verspäteter Wirkung freuen sich auch die US-Börsianer über die massiven EZB-Maßnahmen. Zudem steigt der Ölpreis wieder – die New Yorker pflegen eine routinierte Beziehung zu ihm: Steigt er, steigen die Kurse.
Welche Richtung die Kurse nehmen, hängt derzeit vor allem von Äußerungen der US-Notenbank ab. Quelle: Reuters
Aktienhändler an der Wall Street

Welche Richtung die Kurse nehmen, hängt derzeit vor allem von Äußerungen der US-Notenbank ab.

(Foto: Reuters)

New York Steigende Ölpreise und die geldpolitische Lockerung der Europäischen Zentralbank (EZB) haben der Wall Street zum Wochenausklang Gewinne beschert. In der Hoffnung auf eine wieder anziehende Nachfrage aus China verteuerte sich die Öl-Sorte Brent aus der Nordsee um rund ein Prozent auf 40,44 Dollar je Barrel.

Genährt wurden diese Spekulationen von der Aufwertung der chinesischen Währung, die Rohöl für Käufer aus der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft günstiger macht. Zudem reduzierten US-Branchengrößen die Zahl ihrer Ölplattformen schon die zwölfte Woche in Folge, wie aus Daten des Unternehmens Baker Hughes hervorgeht.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss mit einem Plus von 1,3 Prozent auf 17.213 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 erhöhte sich um 1,6 Prozent auf 2022 Zähler - dem höchsten Schlussstand in diesem Jahr. Der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte um 1,9 Prozent auf 4748 Stellen vor. Auf Wochensicht ergibt sich für den Dow ein Plus von 1,2, für den S&P von 1,1 Prozent und für die Nasdaq von 0,7 Prozent.

Sorgen über EZB-Entscheid sind überwunden

Die massiven Geldspritzen der EZB zeigten auch am europäischen Aktienmarkt doch noch Wirkung: Am Freitag überwanden Anleger ihre Nervosität und langten ordentlich zu. Der Dax stieg um 3,5 Prozent auf 9831 Punkte, der EuroStoxx50 gewann ebenfalls 3,5 Prozent.

Die Anleger richten ihre Aufmerksamkeit nun auf die Zinssitzung der US-Notenbank Federal Reserve in der kommenden Woche. Die Fed hat eine schrittweise Zinserhöhung in diesem Jahr signalisiert, macht ihre Entscheidung aber von der Konjunkturentwicklung abhängig.

An der Wall Street gaben Microsoft-Aktien mit einem Plus von knapp zwei Prozent der Nasdaq Auftrieb, während IBM mit einem Kursgewinn von 1,6 Prozent den Dow stützte. Zu den Gewinnern zählte auch der Softwarekonzern Symantec. Die Papiere verteuerten sich um 3,9 Prozent, nachdem die Bank RBC sie auf „outperform“ heraufgestuft hatte.

Alnylam Pharmaceuticals profitierten davon, dass JPMorgan die Aktie auf „übergewichten“ setzte. Sie verbesserte sich um rund sieben Prozent. Die Dividendenpapiere der Kosmetikkette Ulta Salon sprangen mehr als 17 Prozent in die Höhe. Die Quartalszahlen des Unternehmens übertrafen die Erwartungen der Wall Street.



Die Anteilsscheine der Opel-Mutter General Motors (GM) erhöhten sich um 1,4 Prozent. Im Wettstreit um das Auto-Geschäft der Zukunft übernimmt GM die auf selbstfahrende Wagen spezialisierte Start-Up-Firma Cruise Automation. Mit dem Unternehmen aus San Francisco will der Autobauer die eigene Entwicklung autonomer Fahrzeuge vorantreiben.

Aus Branchensicht gehörten die konjunktursensiblen Banken- und Technologiewerte zu den Favoriten. So gewannen die Aktien der Investmentbanken Goldman Sachs und Morgan Stanley knapp 2 beziehungsweise rund 5,5 Prozent. Sie profitierten auch von der Hoffnung auf einen weiteren Anstieg der Renditen am Anleihenmarkt, der ihre Profitabilität steigern könnte.

Die Papiere des Halbleiterkonzerns Broadcom legten um gut 3 Prozent zu. Für die Anteilsscheine des Festplattenherstellers Western Digital ging es um mehr als 4 Prozent nach oben.

Klarer Spitzenreiter im Nasdaq 100 waren die Papiere von Ulta Salon mit einem Kurssprung von mehr als 17 Prozent. Die Kosmetikkette hatte mit ihrer Prognose für den Gewinn je Aktie die Markterwartung übertroffen.

Favorit im Dow waren die Aktien des Pharmakonzerns Pfizer, die um gut 3 Prozent anzogen. Unter den wenigen Verlieren gaben die als defensiv geltenden Anteilsscheine des Konsumgüterunternehmens Procter & Gamble 0,64 Prozent nach.

„Für die deutsche Bevölkerung ist das katastrophal“
„Alle außer uns tun das“
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Der republikanische US-Präsidentschaftsbewerber Donald Trump hat die Zinssenkung der Europäischen Zentralbank scharf kritisiert. Die weltweiten Abwertungen der Währungen entwickelten sich zur Gefahr für Arbeitsplätze in den USA, sagte Trump dem US-Sender CNBC am Donnerstag auf die Frage, wie der Schritt der EZB zu bewerten sei. „Alle außer uns tun das“, sagte der umstrittene Immobilien-Milliardär. Auch die USA könnten ihre Währung abwerten. Besser sei es jedoch, Strafsteuern auf ausländische Produkte zu erheben.

(Foto: Reuters)
„Die EZB hat sich noch tiefer in die Sackgasse manövriert“
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Entsetzen beim Präsidenten des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV), Alexander Erdland. Die Branche hat hohe Renditeversprechen an ihre Kunden zu erfüllen und wird durch lang anhaltende Niedrigzinsen schwer belastet – viele Experten sagen, sogar härter als die Banken. „Mittlerweile ist sogar zu befürchten, dass diese unorthodoxe Geldpolitik das Gegenteil von dem bewirkt, was eigentlich beabsichtigt ist - nämlich mehr Wachstum und eine höhere Inflation. Die Notenbank läuft daher zunehmend Gefahr, von den Risiken und Nebenwirkungen ihres Tuns eingeholt zu werden.“

(Foto: dpa)
„Angesichts der bisherigen Erfahrungen mit QE halte ich es für unwahrscheinlich, dass die Ausweitung der Anleihekäufe die Inflation nachhaltig erhöhen wird.“
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Der Markt für Unternehmensanleihen sei in Europa zu klein, als dass sich aus deren Einbeziehung ein großer Effekt ergeben dürfte, sagte Isabel Schnabel, Wirtschaftsweise. Gleichzeitig setze die weitere Senkung der Einlagenzinsen die Erträge der Banken noch stärker unter Druck. „Ich halte Instrumente wie die langfristigen Kreditlinien (TLTROs), die direkt an der Kreditvergabe ansetzen, für sinnvoller als den weiteren Ankauf von Anleihen. Allerdings hängt auch hier die Wirksamkeit davon ab, ob es überhaupt eine Kreditnachfrage gibt, die zu befriedigen ist.“

(Foto: dpa)
„Diese Geldpolitik wird kaum in der Realwirtschaft ankommen. Denn die Nebenwirkungen sind massiv.“
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Doktor Draghi habe die Dosis deutlich erhöht, kommentierte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank. Allerdings lasse das Produktivitätswachstum nach, weil auch unrentable Investitionen wegen der niedrigen Zinsen attraktiv erschienen. „Es steigt das Risiko, dass es in Deutschland am Immobilienmarkt zu Überhitzungen kommt.“ Alles in allem verschlechtere diese lockere Geldpolitik langfristig die Rahmenbedingungen für die Unternehmen, so dass sie sich heute schon zurückhielten. „Die Medizin wird nicht wirken, auch wenn man die Dosis erhöht.“

(Foto: PR)
„Die EZB-Entscheidung bedeutet eine überraschend massive Ausweitung der Geldpolitik.“
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Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, sieht in der EZB-Entscheidung die Bedenken der Zentralbank zum Ausdruck gebracht: „Die Entscheidung unterstreicht jedoch auch die Sorge der EZB über die schwächer werdende europäische Wirtschaft.“

(Foto: dpa)
„Es ist vollkommen unnötig, dass die Europäische Zentralbank den Geldhahn heute noch weiter aufgedreht hat.“
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Die Notenbank überzeichne die Deflationsrisiken, sagte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken. „Der Geldmarkt im Euro-Raum ist durch die EZB-Politik faktisch stillgelegt. Wirtschaftsreformen sowie die Sanierung von Bankbilanzen werden verschleppt.“ Doch auf all diesen Feldern habe die EZB heute noch einmal eine Schippe draufgelegt.

(Foto: Bert Bostelmann für Handelsblatt)
„In der jetzigen Phase muss die EZB aber so reagieren. Sie hat die Erwartungen geschürt.“
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Achim Wambach, designierter Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW), sieht die EZB in der Zwickmühle. Der EZB-Rat habe es im Moment schwer: Die Wirtschaft in Europa floriere noch nicht und die Inflation sei sehr niedrig, doch Banken, Wirtschaft und Verbraucher litten unter den Niedrigzinsen. Eine Trendwende sei allerdings schwierig, das zeige sich derzeit in den USA.

(Foto: dpa)

An der New York Stock Exchange wechselten rund 997 Millionen Aktien den Besitzer. 2555 Werte legten zu, 504 gaben nach und 87 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,8 Milliarden Aktien 2227 Titel im Plus, 596 im Minus und 132 unverändert.

Der Eurokurs hielt sich auf hohem Niveau und notierte zuletzt bei 1,1151 US-Dollar. An den Kreditmärkten sorgte die Einschätzung, dass die Fed die amerikanische Wirtschaft als stark genug für Zinserhöhungen in diesem Jahr einstufen dürfte, für Abschläge. Die zehnjährigen Staatsanleihen gaben um 14/32 auf 96-26/32 nach. Sie rentierten mit rund 1,99 Prozent. Die 30-jährigen Bonds büßten 31/32 auf 94-30/32 ein und hatten eine Rendite von etwa 2,75 Prozent.

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