Börse New York Und täglich grüßt das Zinsgespenst

Die heutigen Konjunkturdaten fallen uneinheitlich aus. Bären und Bullen streiten um die Auswirkungen, die das ganze auf die kommende Zinswende hat. Die Wall Street beendet die Handelswoche schließlich im Minus.
Update: 01.08.2015 - 00:15 Uhr Kommentieren
Kommt der Tag Z schon im September? Quelle: AFP
Mal überlegen

Kommt der Tag Z schon im September?

(Foto: AFP)

New YorkDie US-Börsen sind mit einem Minus aus der Handelswoche gegangen. Für Aufregung unter den Händlern sorgten Spekulationen, die US-Notenbank könnte bei der geplanten Zinswende womöglich doch noch zögern, weil der Lohnzuwachs im zweiten Quartal so gering wie seit 33 Jahren nicht ausfiel.

Jedoch sieht US-Notenbank-Führungsmitglied James Bullard die Zeit reif für eine Zinswende im September. „Wir sind in guter Verfassung“, zitierte das „Wall Street Journal“ den Chef der Federal Reserve von St. Louis. Aber auch der Crash an den chinesischen Aktienmärkten drückte noch immer auf die Stimmung der Händler. Zu den Verlierern gehörten vor allem Ölfirmen.

Anleger verunsichert durch fehlenden Richtungshinweis

Der Dow-Jones-Index für die Standardwerte schloss 0,3 Prozent im Minus bei 17.690 Punkten. Der S&P 500 gab 0,2 Prozent auf 2104 Stellen nach. Mit einem hauchdünnen Minus von 0,01 Prozent auf 5128 Punkte ging der Index der Technologiebörse Nasdaq aus dem Handel.

Im Mittelpunkt standen unter anderem Öl-Werte wie Exxon Mobil und Chevron, die beide mehr als vier Prozent an Wert einbüßten. Den Konzernen setzt der Ölpreis-Verfall massiv zu.

Aktien des Xing-Konkurrenten LinkedIn verbilligten sich um mehr als zehn Prozent. Das weltgrößte Online-Karrierenetzwerk war tiefer in die roten Zahlen gerutscht.

Diese Aktien schockieren die Anleger

AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0WMPJ6
Börse
Xetra

-0,23 -2,31%
0,00€
Chart von AIXTRON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Aixtron: Marktdruck zermürbt Anleger
1 von 21

Zum Monatsbeginn gab es noch Hoffnung für den Spezialmaschinenbauer Aixtron. Der Markt für Fahrzeug-LED-Leuchten sei eine attraktive Wachstumsnische, sagte Analyst Karsten Iltgen vom Düsseldorfer Bankhaus Lampe. Doch dann ließen Markteinschätzungen Anleger und Analysten zweifeln. Beobachter wie Bernd Laux von Kepler Cheuvreux gingen schon früh im Monat davon aus, dass sich der Kursverfall der Aktie fortsetzen werde. Die Krise in China und schlechte Zahlen bestätigten schließlich die Skepsis: Die Aktie fiel ans Ende des HDax, der die Kursentwicklung der 110 wichtigsten börsennotierten Unternehmen in Deutschland wiedergibt.

Kursentwicklung im Juli: - 18,2 Prozent

ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007856023
Börse
FSE

-0,18 -1,67%
+10,45€
Chart von ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Elring-Klinger: China lässt den Automarkt erzittern
2 von 21

Auch der Autozulieferer Elring-Klinger leidet unter einem unsicheren Marktumfeld in China sowie unter einer Schwächephase der globalen Autoindustrie. Während immerhin der Automarkt in Europa weiter wachse, schrumpfe er in China weiter, schrieb Analyst Henning Breiter von von Hauck & Aufhäuser Mitte des Monats. Die am Monatsende vorgelegten Quartalszahlen enttäuschten die Anleger noch weiter. Die Aktie rutscht auf den vorletzten Platz im HDax.

Kursentwicklung im Juli: - 12,9 Prozent

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
Xetra

+1,88 +1,23%
0,00€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Volkswagen: Aktienstrategen blicken nach vorn
3 von 21

Kein Wunder, dass bei all der Skepsis über die Automobilbranche auch einer der ganz Großen hinten landet. Die VW-Aktie ist das drittschlechteste Papier im Juli. Marktbeobachter sehen dafür ähnliche Gründe wie bei den Zulieferern. Doch Charttechniker blicken bereits wieder nach vorn. Nachdem der Aktienkurs zuletzt um mehr als 38 Prozent korrigiert habe, sei es nun an der Zeit für eine Gegenbewegung, meint Jörg Scherer von HSBC. Auch Stuart Pearson, Analyst bei der französischen Investmentbank Exane BNP Paribas, ist optimistisch. Zwar sei die Entwicklung in China schlecht, doch mit dem Hinweis auf massives Sparpotenzial in dem Land habe der Autobauer die schlimmsten Befürchtungen der Anleger gedämpft, schrieb er in einer Studie. Seine eigenen China-Schätzungen könnten sich nun als zu vorsichtig erweisen. Zudem könnte die Kernmarke VW im zweiten Halbjahr positiv überraschen.

Kursentwicklung im Juli: - 12,1 Prozent

INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006231004
Börse
FSE

-0,41 -2,01%
+20,08€
Chart von INFINEON TECHNOLOGIES AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Infineon: Beobachter uneins über Chancen
4 von 21

Pessimistisch blicken einige Beobachter auch in die Zukunft der Hightech-Branchen. Und so verwundert es nicht, dass auch der Chiphersteller Infineon zu den schwächsten Werten im Juli gehört, zumal er viele Kunden in der Autobranche hat. Doch das Unternehmen ist so breit aufgestellt, dass andere Aktienstrategen durchaus Chancen sehen. So sei Infineon ein Innovationstreiber für umwelt- und ressourcenschonende Technologien, meint Analyst Harald Schnitzer von der DZ Bank. Auch die aktuelle Bilanz wird gemischt aufgenommen. Enttäuscht ist Markus Friebel vom Analysehaus Independent Research, der mehr erwartet hatte. Der Halbleiterhersteller habe in seinen Geschäftssparten wie erwartet abgeschnitten, meinte Analyst Günther Hollfelder von der Baader Bank.

Kursentwicklung im Juli: - 10,0 Prozent

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
FSE

+0,26 +0,31%
0,00€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW: Aktie leidet unter Umfeld
5 von 21

Auch die Münchner Auto-Hightech-Schmiede BMW findet sich unter den Schwachen des Monats. Weitere allgemeine Erklärungen erübrigen sich. Allerdings litten die Münchner stärker unter dem aktuell herausfordernden Umfeld als beispielsweise Daimler, meint Analyst Holger Schmidt von der Investmentbank Equinet. Die Vorbereitungen auf Modellwechsel hätten auch noch einen Einfluss.

Kursentwicklung im Juli: - 9,9 Prozent

DUERR AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005565204
Börse
Xetra

+0,89 +2,22%
0,00€
Chart von DUERR AG INHABER-AKTIEN O.N.
Dürr: China ist nicht alles
6 von 21

Der Autolackieranlagen-Hersteller Dürr zählt ebenfalls zu den vom Marktumfeld geschwächten Unternehmen. Dürr sei unter den von ihm beobachteten Autozulieferern am stärksten von China abhängig, sagt Analyst Tim Rokossa von der Deutschen Bank. Doch auch für diesen Konzern sehen Beobachter neue Chancen. So dürfe die Integration des gekauften Holz-Maschinenbauers Homag das Umsatz- und Auftragswachstum beleben, prognostiziert Kollege Analyst Gaetan Toulemonde, der ebenfalls für die Deutsche Bank tätig ist.

Kursentwicklung im Juli: - 9,6 Prozent

HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006047004
Börse
FSE

-0,20 -0,29%
+69,20€
Chart von HEIDELBERGCEMENT AG INHABER-AKTIEN O.N.
HeidelbergCement: Übernahmepläne machen manche Börsianer skeptisch
7 von 21

Es folgt ein Konzern, bei dem endlich einmal eigene Neuigkeiten stärker als das Umfeld wirken. HeidelbergCement will den italienischen Konkurrenten übernehmen. Nach Bekanntwerden der Pläne gab es erst einmal Kursabschläge. Die seien übertrieben, meint Analyst Patrick Appenzeller von der Baader Bank. Zwar habe der Zementhersteller einen hohen Aufschlag gezahlt, doch kämen solche Kauf-Gelegenheiten schließlich nur selten. Der Experte verwies ferner auf die soliden Resultate des zweiten Quartals.

Kursentwicklung im Juli: - 8,0 Prozent

Die Zahlen zum Lohnzuwachs seien eine Überraschung gewesen, sagte Stanley Sun, Analyst von Nomura Securities International. Viele hätten für September einen Anstieg erwartet. „Nun wird das sicherlich weniger wahrscheinlich.“

Die Turbulenzen an den chinesischen Börsen drückten auch auf die europäischen Aktienmärkte, wo starke Firmenbilanzen nicht in größere Kursgewinne mündeten. Der Dax schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 11.308,99 Punkten. Der EuroStoxx50 gewann ebenfalls 0,5 Prozent auf 3.600,69 Zähler. Trotz massiver Eingriffe der Regierung in Peking büßte die Börse Shanghai seit Anfang Juli mehr als 14 Prozent ein.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 980 Millionen Aktien den Besitzer. 1936 Werte legten zu, 1126 gaben nach und 130 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,9 Milliarden Aktien 1604 im Plus, 1208 im Minus und 146 unverändert.

Wegen der Unsicherheit über den Zeitpunkt der Zinswende stiegen an den US-Kreditmärkten die zehnjährigen Staatsanleihen um 23/32 auf 99-15/32. Sie rentierten mit 2,187 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 29/32 auf 101-26/32 und hatten eine Rendite von 2,909 Prozent.

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