Börse New York Wall Street fürchtet um Trumps Wachstumspläne

Die US-Börsen sind am Donnerstag belastet von dem Streit zwischen Präsident Donald Trump und hochrangigen Managern mit Minuszeichen aus dem Handel gegangen. Auch der Anschlag in Barcelona sorgte für Druck.
Update: 17.08.2017 - 23:07 Uhr Kommentieren

„Es ist nicht die Frage, ob Trump die Amtszeit überlebt, sondern wie er geht“

„Es stellt sich nicht die Frage, ob Trump die erste Amtszeit überlebt, sondern nur wie er geht“

New YorkDer Streit von US-Präsident Donald Trump mit namhaften Wirtschaftslenkern hat am Donnerstag die Wall Street deutlich ins Minus gedrückt. An den Börsen wachsen die Zweifel, dass Trump seine Pläne zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums durchsetzen kann.

Auslöser war die Entscheidung des Präsidenten, zwei Beratergremien mit Konzernchefs aufzulösen. Nach Trumps umstrittenen Äußerungen zu den rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville im US-Bundesstaat Virginia hatten sich mehrere Topmanager aus Protest daraus zurückgezogen.

Für zusätzlichen Druck auf die Kurse sorgte der Anschlag in Barcelona, wo ein Kleintransporter in eine Menschenmenge fuhr. Dabei wurden nach offiziellen Angaben zwölf Menschen getötet und mindestens 80 verletzt.

Am Markt kursierten Spekulationen, dass nun auch Trumps Wirtschaftsberater Gary Cohn, der als heißer Kandidat für den Spitzenposten der US-Notenbank (Fed) gehandelt wird, abtreten könnte. Sollte es dazu kommen, könnte es für den Präsidenten sehr schwer werden, seine Steuervorhaben voranzutreiben, sagte Marktstratege Art Hogan vom Handelshaus Wunderlich Securities. Kurzzeitig etwas Erleichterung zeigte sich an den New Yorker Aktienmärkten, nachdem aus Cohns Umfeld verlautete, dass dieser trotz seiner Bestürzung über Trumps Äußerungen im Amt bleiben werde.

Das wurde im ersten Halbjahr 2017 aus 100.000 Euro
Platz 25: Zucker
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Wie gewonnen, so zerronnen. Im vergangenen Jahr gehörte Zucker mit einem Plus von 28 Prozent zu den lukrativsten Anlageformen, im ersten Halbjahr 2017 machten Investoren aber deutliche Verluste. Der Preis für eine Tonne Rohrzucker brach in New York um mehr als 35 Prozent ein. Zucker wird – wie alle Rohstoffe - in Dollar gehandelt wird. Der zum Euro gefallene Dollar vergrößerte die Verluste für hiesige Investoren noch. Wer Anfang des Jahres einen Terminkontrakt für 100.000 Euro auf Zucker kaufte, hat so jetzt – ohne Transaktionskosten - nur noch 59.740 Euro auf dem Konto. Hauptgrund für den Verfall sind globale Produktionsüberschüsse und wachsende Lagerbestände.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 24: Öl
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Hohe Lagerbestände sind auch ein Grund dafür, dass der Ölpreis in diesem Jahr wieder auf Talfahrt gegangen ist. Dazu kommt die steigende Förderung in den USA, nicht nur von traditionellem, sondern auch von aus Schiefergestein gewonnenem Öl. Seit Januar fiel der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseeölsorte Brent um 16 Prozent, aus 100.000 in Ölkontrakten angelegten Euro wurden sogar nur 77.520 Euro – ein Minus von 22,48 Prozent. Die seit November vergangenen Jahres geltende Förderbremse der Organisation Erdölexportierender Länder (Opec) und zehn weiterer Nationen zieht damit nicht. Die USA machen bei den Beschränkungen nicht mit.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 23: Aktien Katar
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Das reichste Land der Welt wird von seinen Nachbarn isoliert. Saudi-Arabien und seine Verbündeten Vereinigte Arabische Emirate, Bahrain, Ägypten und Jemen warfen Katar Anfang Juni vor, Extremisten zu unterstützen und haben ihre diplomatischen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Wüstenstaat abgebrochen. Darauf reagierte auch die Börse. Die Verluste des QE-Index in Doha summieren sich so seit Jahresanfang auf 13,5 Prozent, dazu wertete die Landeswährung Katar-Riyal zu Dollar und Euro ab. Von 100.000 in den QE-Index investierten Euro sind so nur noch 79.500 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 22: Aktien Russland
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Die Erholung der russischen Börse aus dem vergangenen Jahr ist schon wieder zu Ende. 100.000 in den Leitindex Micex investierte Euro schrumpften seit Januar auf 81.200 Euro – ein Verlust, der durch die Abwertung des Rubels noch verstärkt wurde. Hauptgründe für den neuen Einbruch der Börse sind der wieder fallende Ölpreis. Dazu belasten nach wie vor die wegen der Ukraine-Krise verhängten Sanktionen die russische Wirtschaft.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 21: US-Dollar
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Vor allem am Devisenmarkt zeigt sich, dass die Euphorie um US-Präsident Trump verflogen ist. Die Hoffnungen schwinden, dass er seine angekündigten Steuersenkungs- und Investitionsprogramme zügig durchgesetzt bekommt. Auch die Politaffären rund um FBI und Russland lassen den Dollar schwächeln. Und das nicht nur zum Euro, sondern zu den meisten wichtigen Währungen. Der Euro dagegen legte zu vielen Währungen zu. Die Folge: Aus 100.000 zu Jahresbeginn in den Dollar investierten Euro sind in den ersten sechs Monaten des Jahres nur noch 81.200 Euro geworden, ein Minus von über sieben Prozent.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Platz 20: Aktien Brasilien
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Mit vielen Vorschusslorbeeren war Brasiliens Präsident Michel Temer Ende 2015 ins Amt gestartet. Doch im März kam heraus, dass auch Temer in den seit Jahren schwelenden landesweiten Bestechungsskandal rund um die Konzerne Petrobras (Öl- und Gas), Odebrecht (Bau- und Chemie) sowie JBS (Fleisch) verwickelt ist. Das ernüchterte die Investoren. In Real gerechnet legte der Ibovespa-Index zwar knapp drei Prozent zu, aber der Real wertete deutlich ab. Von 100.000 in den Ibovespa investierten Euro verloren Anleger somit in diesem Jahr 5.595 Euro auf 94.050 Euro.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten

Platz 19: US-Staatsanleihen
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Für Dollar-Anleger haben sich US-Staatsanleihen besser entwickelt als erwartet. Obwohl die US-Notenbank Fed den Leitzins in diesem Jahr bereits zweimal auf ein Band von jetzt 1,00 bis 1,25 Prozent erhöht hat, stiegen die Kurse von US-Staatsanleihen mit langer Laufzeit. Das liegt vor allem an den gesunkenen Inflationserwartungen. Quer über alle Laufzeiten erzielten Anleger im ersten Halbjahr mit US-Staatsanleihen so einen Gesamtertrag aus Zinseinnahmen und Kursveränderungen von immerhin gut zwei Prozent. Der Verlust des Dollars zum Euro zehrte diesen Gewinn aber für Euro-Anleger mehr als auf. Aus 100.000 in US-Staatsanleihen investierten Euro bleiben so nur 94.970 Euro übrig.

Stand 29.6.2017, 15.00 Uhr, Angaben ohne Transaktionskosten, Quelle: Bloomberg

Der Dow Jones Industrial sank am Donnerstag schloss 1,24 Prozent tiefer bei 21 750,73 Punkten auf seinem Tagestief. Dies war zugleich der niedrigste Stand seit rund drei Wochen und der höchste Tagesverlust seit dem 17. Mai 2017. Für den breiter aufgestellten S&P 500 ging es um 1,54 Prozent auf 2430,01 Punkte abwärts. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 1,9 Prozent auf rund 6222 Stellen. In Frankfurt schloss der Dax 0,5 Prozent im Minus bei 12.203 Punkten.

Zu den Verlierern zählten Finanzwerte. „Banken hatten große Hoffnungen darauf gesetzt, dass Trump einige der Regeln und Beschränkungen, die nach der Finanzkrise von 2008 erlassen wurden, aufhebt“, erläuterte Analyst Henry Croft vom Brokerhaus Accendo. JP Morgan und Goldman Sachs etwa, die am Mittwoch bereits nachgegeben hatten, büßten bis zu 1,9 Prozent ein.

Auf den Verkaufslisten standen ferner Cisco Systems, die vier Prozent absackten. Der Netzwerkausrüster enttäuschte mit seinem Umsatzwachstum in der vielbeachteten Sicherheitssparte die Erwartungen von Experten.

Im Fokus standen zudem Wal-Mart-Aktien mit einem Kursrückgang von 1,6 Prozent. Der Einzelhandelsriese gab sinkende Gewinnspannen bekannt wegen anhaltender Preisnachlässe und Investitionen ins Internetgeschäft.

Die Aktien des Biotech-Unternehmens Biogen sackten als einer der schwächsten Nasdaq-Titel um 3,3 Prozent ab. Papiere des Pharmakonzerns Teva verloren 2,2 Prozent. Demokratische Politiker im US-Repräsentantenhaus nehmen die Preise für Multiple-Sklerose-Medikamente unter die Lupe. Im Rahmen dieser Untersuchung seien verschiedene Pharmaunternehmen um eine Stellungnahme gebeten worden, darunter auch Biogen und Teva.

Die Titel von Macy's verbilligten sich um 2,6 Prozent und fielen zeitweise auf den tiefsten Stand seit dem Jahr 2010. Die mit dem stark wachsenden Online-Handel kämpfende Warenhauskette hatte erst vor wenigen Tagen mit einem enttäuschenden Ausblick heftige Kursverluste im Sektor ausgelöst.

Dagegen startete der chinesische Onlinehändler Alibaba mit einem Umsatz- und Gewinnsprung in das neue Geschäftsjahr und übertraf die Analystenerwartungen. Die Aktien stiegen im frühen Handel auf ein Rekordhoch von 168,00 Dollar und endeten 2,8 Prozent höher bei 163,92 Dollar.

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Der Euro blieb auch im US-Handel moderat unter Druck und notierte zuletzt bei 1,1721 US-Dollar. In Europas Frühhandel war er noch zeitweise bis auf 1,1790 Dollar gestiegen.

An der New Yorker Börse wechselten rund 0,77 Milliarden Aktien den Besitzer. 527 Werte legten zu, 2396 gaben nach und 130 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 2,01 Milliarden Aktien 597 im Plus, 2325 im Minus und 193 unverändert.

Trumps Querelen trieben viele Anleger in die als sicherer Hafen wahrgenommenen US-Staatsanleihen. Die zehnjährigen Papiere stiegen 10/32 auf 100-17/32. Die Rendite sank auf 2,19 Prozent. Die 30-jährigen Bonds kletterten 18/32 auf 99-13/32 und rentierten mit 2,78 Prozent.

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