Börse New York Wall Street gibt leicht nach

Während an den deutschen Börsen am Montag wegen des Feiertags nicht gehandelt wurde, startete die Wall Street mit Kursverlusten in die neue Woche. Im Fokus blieb die Deutsche Bank. Sie belastet weiterhin.
Update: 03.10.2016 - 17:05 Uhr
Ein Händler auf dem Börsenparkett. Quelle: AP
Börse in New York

Ein Händler auf dem Börsenparkett.

(Foto: AP)

New YorkDie US-Börsen haben belastet von Kursverlusten bei den amerikanischen Anteilsscheinen der Deutschen Bank am Montag nachgegeben. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 0,3 Prozent tiefer auf 18.253 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 0,3 Prozent auf 2161 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 0,2 Prozent auf 5300 Punkte.

Die Deutsche Bank blieb in New York weiter im Fokus, nachdem ein Bericht über eine deutlich mildere Strafe für Tricksereien auf dem US-Immobilienmarkt am Freitag eine Kursexplosion ausgelöst und die Wall Street beflügelt hatte. Am Montag gaben die in New York gelisteten Papiere dagegen knapp ein Prozent nach. „Bis die Angelegenheiten bei dem deutschen Geldhaus geklärt sind, lassen die Investoren die Finger von den Finanztiteln“, sagte ein Händler. Im Durchschnitt verbilligten sich die US-Finanzwerte um 0,4 Prozent. An der Frankfurter Börse wurde wegen des Tags der Deutschen Einheit nicht gehandelt. Der EuroStoxx50 verlor moderate 0,1 Prozent auf 2998,5 Zähler.

Deshalb wächst die Sorge um Deutschlands größte Bank
Josef Ackermann, Angela Merkel
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In den Jahren bis 2007 lief es rund bei Deutschlands größter Bank: Das Geldhaus verdiente Milliarden und Vorstandschef Josef Ackermann erwuchs zum staatsmännischen Vorstandschef, der es schaffte, dass die Kanzlerin zu seinem 60. Geburtstag ins Kanzleramt lud.

Das Bild zeigt Ackermann und Kanzlerin Angela Merkel im Jahr 2006 in Berlin.

Rückblick
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Die Deutsche Bank hatte es nach der Übernahme der US-Großbank Bankers Trust zur Jahrtausendwende in den Olymp der großen Investmentbanken der Welt geschafft. Das lästige deutsche Privatkundengeschäft sollte zwischenzeitlich als „Deutsche Bank 24“ vom Rest gelöst werden – man spielte in einer anderen Liga. Der Plan wurde zwar kassiert und zurück blieb die „24“ am Ende der Deutsche-Bank-Bankleitzahlen. Doch der globale Anspruch des Instituts blieb bestehen.

Das Bild zeigt den damaligen Bankchef Rolf-E. Breuer nach der Verkündung der Bankers-Trust-Übernahme im Jahr 1998.

Die Finanzkrise
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Als ab 2006 der US-Immobilienmarkt kollabierte und in der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers 2008 und einer globalen Finanzkrise gipfelte, gelang es der Deutschen Bank zwar ohne Staatshilfe durch zu kommen. Eine Fußnote der Geschichte war aber: Milliardenforderungen gegenüber dem US-Versicherer AIG waren der Bank nur dank US-Staatshilfen zugeflossen. Und Missetaten aus der Zeit vor der Finanzkrise verfolgen die Bank noch heute.

Bild: Lehman-Brothers-Mitarbeiter nach der Kündigung 2008 in London.

Die Folgen der Immobilienkrise
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Die USA werfen der Deutschen Bank vor, das Risiko von Immobilienwertpapiere in den Jahren vor der Finanzkrise verschleiert und gutgläubigen Investoren angedient zu haben. Ein Verfahren läuft seit Jahren und ist ein Grund dafür, dass die Aktie am Montag ein neues Allzeittief erreichte. Denn in den Vergleichsverhandlungen fordert das US-Justizministerium umgerechnet wohl 12,5 Milliarden Euro von der Bank (bei einem Börsenwert von 16 Milliarden Euro) – und das nach einem Milliardenverlust 2015 und gebildeten Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten von 5,5 Milliarden Euro. Die Bank selbst hofft, mit eher zwei Milliarden Euro im Immobilienstreit auszukommen.

Schwaches Kerngeschäft
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Nach der Finanzkrise gab es zwei wesentliche Entwicklungen unter globalen Großbanken. Die in den USA beheimateten Institute (Bild: New Yorks Finanzdistrikt) – mit zwangsweiser Staatshilfe versorgt – konnten die Krise beschleunigt hinter sich lassen. Sie wuchsen gar zu neuer Größe. Die andere Gruppe stutzte das Investmentbanking, dass weniger lukrativ wurde und mit weniger Mitarbeitern zu leisten war – und fokussierte sich auf die hauseigene Vermögensverwaltung. Die Deutsche Bank suchte den Mittelweg aus eigener Kraft: keine Staatshilfe, kein großer Strategieschwenk. Die Folge: Dutzende Strafzahlungen etwa wegen Zinsmanipulationen schlugen ins Kontor, während gleichzeitig das Kerngeschäft litt.

Riskante Finanzierung
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Sowohl der Internationale Währungsfonds als auch die US-Einlagensicherung halten die Bank für das riskanteste Institut der Welt. Im Verhältnis zum Eigenkapital ist die Deutsche Bank hochverschuldet. Die sogenannte „Leverage Ratio“ ist die niedrigste unter den globalen Großbanken. Zwar hat die Bank in den vergangenen Jahren Kapitalerhöhungen durchgezogen. Doch an dieser weltweit beachteten Kennziffer hat sich wenig geändert.

Wenig Reserven
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Die Deutsche Bank rühmt sich zwar eines hohen Polsters an Liquidität, also stets zu veräußernder Wertpapiere in ihren Büchern. Das soll zeigen: Wir haben Reserven, auf die wir zugreifen können. Doch die drohenden Justizstrafen lassen Analysten vermuten, dass eine Kapitalerhöhung nötig werden könnte. Das würde den Aktienkurs noch weiter schwächen – in vorauseilendem Gehorsam fällt der Kurs.

Einem Bericht des „Wall Street Journal“ vom Montag zufolge kommen das Geldhaus und die US-Behörden bei ihren Verhandlungen über die Strafe zwar voran. Allerdings sei noch kein Vorschlag ausgereift genug, um ihn den Entscheidungsträgern vorzulegen. Damit sitzt der Deutschen Bank die Zeit im Nacken.

Bei den Einzelwerten ebenfalls im Fokus stand Tesla. Die Aktien verteuerten sich um 4,7 Prozent, nachdem der Elektroautohersteller einen Anstieg seiner Verkäufe im dritten Quartal um 70 Prozent vermeldet hatte.

Die Bauausgaben gingen in den USA im August zurück. Sie fielen im Vergleich zum Juli um 0,7 Prozent, wie das Handelsministerium mitteilte. Von Reuters befragte Experten hatten dagegen ein Plus von 0,2 Prozent erwartet. Private Bauherren investierten 0,3 Prozent weniger, und der Staat 2,0 Prozent. Die US-Industrie legte dagegen im September zu. Der Einkaufsmanagerindex stieg zum Vormonat auf 51,5 Punkte von 49,4 Zählern im Vormonat, wie aus der Firmenumfrage des Institute for Supply Management (ISM) hervorgeht. Das Barometer liegt damit wieder über der Schwelle von 50 Punkten, aber der ein Wachstum signalisiert wird. Von Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Anstieg auf 50,5 Zähler gerechnet.

An der New York Stock Exchange wechselten rund 820 Millionen Aktien den Besitzer. 1244 Werte legten zu, 1729 gaben nach und 111 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,59 Milliarden Aktien 1182 im Plus, 1653 im Minus und 179 unverändert.

Die US-Kreditmärkte gaben infolge der starken Industriedaten nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 5/32 auf 98-29/32. Die Rendite stieg auf 1,622 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 2/32 auf 98-5/32 und rentierte mit 2,336 Prozent.

  • Bloomberg
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