Börse New York Zinsspekulationen schieben US-Börsen an

Nach den schwachen Zahlen vom US-Arbeitsmarkt erwarten Beobachter keine baldige Zinswende. Und bei niedrigen Zinsen stecken Anleger ihr Geld lieber in Aktien. Die Wall Street schließt mit Kursgewinnen.
Update: 05.10.2015 - 23:12 Uhr
Die New Yorker Börse startet mit Kursgewinnen in den Handelstag. Quelle: ap
Guter Handelsstart in New York

Die New Yorker Börse startet mit Kursgewinnen in den Handelstag.

(Foto: ap)

New YorkDie Aussicht auf eine Fortsetzung der Nullzinspolitik hat der Wall Street zu Wochenbeginn Auftrieb gegeben. Wegen der zuletzt enttäuschend ausgefallenen Arbeitsmarktdaten gehen etliche Marktbeobachter inzwischen davon aus, dass die US-Notenbank ihren Leitzins in diesem Jahr doch nicht mehr anhebt.

„Für Investoren sind schlechte Nachrichten derzeit gute Nachrichten“, sagte Vermögensverwalter Jack Ablin von der BMO Private Bank am Montag. Bei sehr niedrigen Zinsen stecken Anleger ihr Geld lieber in Aktien als in Alternativen wie Anleihen, da letztere weniger Rendite versprechen.

Quartalssaison im Fokus der Anleger

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,9 Prozent im Plus auf 16.776 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 gewann 1,8 Prozent auf 1987 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq kletterte 1,6 Prozent auf 4781 Punkte. In Frankfurt schloss der Dax 2,7 Prozent fester auf knapp 9815 Stellen.

An der Wall Street schoss der Kurs von General Electric 5,3 Prozent in die Höhe. Zuvor war bekanntgeworden, dass der Investor Nelson Peltz über seinen Fonds mit 2,5 Milliarden Dollar bei GE eingestiegen ist. Er hat sich damit einen Anteil von rund einem Prozent gesichert. Peltz wird zum Kreis der Investoren gezählt, die aktiv auf die Firmenpolitik Einfluss zu nehmen versuchen.

An der Nasdaq glänzten erneut die Anteilsscheine von Micron Technology mit plus 10,43 Prozent. Der Halbleiterhersteller hatte bereits am Freitag nach unerwartet starken Quartalszahlen um mehr als 7 Prozent angezogen.

Auch die Aktie von Twitter stand im Rampenlicht. Sie legte sieben Prozent zu. Firmenmitbegründer Jack Dorsey übernimmt nach monatelangen Spekulationen nun doch dauerhaft das Zepter bei dem Kurznachrichtendienst. Der Konzern gab Dorseys Ernennung zum Vorstandsvorsitzenden bekannt.

Die VW-Opfer und China-Bezwinger

DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007100000
Börse
L&S

-0,12 -0,21%
+57,54€
Chart von DAIMLER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Daimler
1 von 23

Die VW-Abgasskandal hat die Autobranche in Aufruhr versetzt. Auch die anderen Autowerte im Dax mussten zahlreiche Aktienverkäufe hinnehmen – obwohl Daimler und BMW jegliche Manipulationsvorwürfe von sich wiesen. „Wir halten uns grundsätzlich an die gesetzlichen Vorgaben und haben keinerlei Manipulationen an unseren Fahrzeugen vorgenommen“, sagte Daimler-Chef Diester Zetsche der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Bei Mercedes-Benz gebe es darüber hinaus keine Funktion, die die Wirksamkeit der Abgasnachbehandlung unzulässig einschränke. Zugleich betonte der Konzernchef auf die Frage, ob alle Autohersteller Betrüger sind: „Klare Antwort: Nein!“. Die Aktien gaben dennoch nach. Daimler verlor über zwölf Prozent, BMW knapp acht Prozent.

Kursentwicklung (ein Monat*): - 12,2 Prozent

*vom 1. bis zum 30. September 2015

ROYAL DUTCH SHELL REG. SHARES CLASS B EO -,07

WKN
ISIN
GB00B03MM408
Börse
L&S

-0,24 -0,83%
+29,39€
Chart von ROYAL DUTCH SHELL REG. SHARES CLASS B EO -,07
Royal Dutch Shell
2 von 23

Am Monatsende die Überraschung. Der Ölkonzern Royal Dutch Shell gibt die Suche nach Öl vor der Küste Alaskas vorerst auf. Als Gründe wurden die zu geringen Öl- und Gas-Mengen sowie hohe Kosten und unwägbare Umweltauflagen genannt. Shell hat bisher rund sieben Milliarden Dollar für Bohrungen in der Arktis investiert. Doch der gesunkene Ölpreis macht es für die Ölkonzerne zunehmend unattraktiver, neue Gebiete zu erschließen. Ölmultis wie Royal Dutch Shell steuern mit Einsparungen gegen. Den Abbau von Arbeitsplätzen oder Investitionskürzungen hatten zuletzt neben Shell auch, BP auch Total  und Chevron angekündigt. Allein Shell will 6500 seiner knapp 100.000 Jobs streichen, im vergangenen Quartal war der Nettogewinn um 37 Prozent eingebrochen.

Kursentwicklung: - 12,6 Prozent

LEONI AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005408884
Börse
L&S

-0,17 -0,45%
+37,18€
Chart von LEONI AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Leoni
3 von 23

Der VW-Skandal hat auch die Zulieferer erfasst. Leoni-Aktien mussten im September Verluste von fast 16 Prozent hinnehmen. Zuletzt hatte der Zulieferer zudem seine Prognose für 2016 gesenkt. Verantwortlich dafür ist der Verkauf seines chinesischen Bordnetz-Werk, das nun nicht mehr in die Bilanz von Leoni einfließt. Der Umsatz werde statt der bisher angekündigten fünf Milliarden Euro lediglich bei rund 4,8 Milliarden Euro liegen. Die Rendite (Ebit-Marge) soll weiter sieben Prozent betragen. Leoni setzt darauf, dass der Deal langfristig für Schub sorgt.

Kursentwicklung: - 15,9 Prozent

CATERPILLAR INC. REGISTERED SHARES DL 1

WKN
ISIN
US1491231015
Börse
L&S

+0,88 +0,66%
+132,45€
Chart von CATERPILLAR INC. REGISTERED SHARES DL 1
Caterpillar
4 von 23

Caterpillar ist einer der größten Bergbaumaschinenkonzerne der Welt. Dementsprechend hart trifft das Unternehmen auch der Rohstoffpreisverfall. Denn Minenbetreiber fragen aufgrund der gesunkenen Kupfer-, Eisenerz-, Stahl-, Diamanten- und Goldpreise weniger Maschinen nach. Zuletzt musste Caterpillar sogar seine Prognose für 2016 nach unten korrigieren. Im nächsten Jahr rechnet das Unternehmen mit einem Umsatzrückgang von fünf Prozent. Caterpillar will dem mit der Streichung von 10.000 Arbeitsplätzen bis 2018 entgegenwirken. Analysten bleiben jedoch skeptisch. JP Morgan senkte das Kursziel von 78 auf 76 Dollar. Citi Research geht noch weiter. Sie senkten ihre Prognose von 85 auf 70 Dollar.

Kursentwicklung: - 16,0 Prozent

HELLA GMBH & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A13SX22
Börse
L&S

+1,50 +2,97%
+51,23€
Chart von HELLA GMBH & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Hella
5 von 23

Der Gewinneinbruch bei Hella kam wegen des VW-Skandals zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Innerhalb eines Tages rauschten die Papiere des Autozulieferers, der erst im November 2014 sein Börsendebüt hinlegte, in der Spitze um 16,2 Prozent ins Minus. Wegen des Ausfalls eines chinesischen Lieferanten fiel der operative Gewinn (Ebit) nach vorläufigen Zahlen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 27 Prozent auf 69 Millionen Euro.

Kursentwicklung: - 16,5 Prozent

PEUGEOT S.A. ACTIONS PORT. (C.R.) EO 1

WKN
ISIN
FR0000121501
Börse
L&S

+0,03 +0,11%
+24,54€
Chart von PEUGEOT S.A. ACTIONS PORT. (C.R.) EO 1
Peugeot
6 von 23

Der September war ein schlechter Monat für die Autobauer. Neben den Sorgen um Chinas Konjunkturschwäche kam der VW-Abgasskandal erschwerend hinzu. Das japanische Analysehaus Nomura hat das Kursziel für Peugeot deswegen von 17 auf 16 Euro gesenkt und die Einstufung auf „neutral“ belassen. Die rückläufigen Autoverkäufe in China seien in den Branchenwerten inzwischen eingepreist, eventuell aber nicht die sinkenden Margen, schrieb Analyst Raghav Gupta-Chaudhary in einer Studie. Die Ergebnisse des französischen Autobauers Peugeot hingen im Sektorvergleich am stärksten von China ab. Aber auch Renault kam im abgelaufenen Monat unter die Räder. Die Aktien verloren 17,3 Prozent.

Kursentwicklung: - 20,4 Prozent

ELECTRICITE DE FRANCE (E.D.F.) ACTIONS AU PORTEUR EO -,50

WKN
ISIN
FR0010242511
Börse
L&S

-0,01 -0,06%
+15,31€
Chart von ELECTRICITE DE FRANCE (E.D.F.) ACTIONS AU PORTEUR EO -,50
EDF
7 von 23

Der staatliche Energiekonzern EDF plant Investitionen in erneuerbare Energien außerhalb Europas. Bisher beschränken fünf Prozent des Gesamtinvestitionsvolumens auf Länder außerhalb Europas. „Bis 2030 wollen wir unsere Präsenz in drei bis fünf Ländern außerhalb Europas in den Bereichen Solar- und Windenergie ausbauen“, sagte EDF-Chef Jean-Bernard Levy. Die Aktionäre scheinen vor dieser Idee nicht wirklich überzeugt zu sein. Die Aktien gehörten im September zu den schwächsten Werten.

Kursentwicklung: - 21,2 Prozent

Am Montag nahmen die Alphabet-Aktien den Handel auf, nachdem der bisherige Google-Konzern den Umbau zur neuen Holding mit dem Namen Alphabet offiziell vollzogen hatte. Die bisherigen Google-Aktionäre sind nun Anteilseigner der neuen Dachgesellschaft. Das Kerngeschäft mit der Internet-Suchmaschine und anderen Online-Diensten behält den Namen Google und wird mit dem im August angekündigten Umbau zu einer Alphabet-Tochter. Alphabet-Titel gewannen 2,24 Prozent.

Der Eurokurs wurde im US-Handel zuletzt bei 1,1185 US-Dollar und damit etwas niedriger als im europäischen Geschäft gehandelt. Richtungweisende zehnjährige Staatsanleihen sanken um 17/32 Punkte auf 99 16/32 Punkte und rentierten mit 2,05 Prozent.

An der New Yorker Börse wechselten rund 1,09 Milliarden Aktien den Besitzer. 2734 Werte legten zu, 373 gaben nach und 85 blieben unverändert. An der Nasdaq schlossen bei Umsätzen von 1,99 Milliarden Aktien 2187 im Plus, 627 im Minus und 121 unverändert.

Da viele Anleger in Aktien drängten, gaben die Kursen an den US-Kreditmärkten nach. Die zehnjährigen Staatsanleihen verloren 18/32 auf 99-16/32. Die Rendite stieg auf 2,05 Prozent. Der 30-jährige Bond sank 1-11/32 auf 99-20/32 und rentierte mit 2,89 Prozent.

  • rtr
  • dpa
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