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Börse Schanghai Der Drache wankt

Der chinesische Leitindex ist am Donnerstag um mehr als sechs Prozent eingebrochen – der stärkste Knick seit vier Monaten. Grund ist die Angst vor schärferen Marktregeln. Eine Warnung an zu optimistische Anleger?
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Die Anleger in China hielten am Donnerstag den Atem an: Der Aktienmarkt des Riesenreiches ist so stark eingebrochen wie seit vier Monaten nicht mehr. Der Shanghai Composite Index, der alle an der Schanghaier Börse gelisteten Unternehmen umfasst, schloss rund 6,5 Prozent leichter auf 4620 Punkten.

Bereits am Dienstag warnten einige Experten im „Handelsblatt” vor einer möglichen Spekulationsblase am chinesischen Aktienmarkt. Einige Aktien haben in den vergangenen Tagen dramatische Einbrüche verzeichnet, so etwa die Papiere des in Hongkong gelisteten Solarunternehmens Hanergy Thin Film Power Group, die am vergangenen Mittwoch fast um die Hälfte einbrachen oder von Goldin Financial Holdings und Goldin Properties Holdings, die vor allem in Wein und Immobilien investieren, halbierte sich, nachdem sich die Kurse innerhalb eines Jahres versechsfacht hatten.
Nun sorgen sich Anleger, dass die Behörden den Markt für Kredite zum Kauf von Aktien beschränken könnten. Sowohl die chinesische Behörde zur Regulierung des Wertpapierhandels als auch die Behörde zur Bankenregulierung hatten zuletzt angekündigt, Wertpapiergeschäfte strenger kontrollieren zu wollen und gegen illegalen Handlungen mit härteren Strafen vorzugehen.

Einige große Finanzhäuser – unter ihnen die Investmentbank Citic Securities sowie deren kleinere Rivalen – hatten daraufhin ihre Bedingungen für das Geschäft mit geliehenem Geld verschärft und höhere Sicherheiten von den Investoren eingefordert. Für die seit Monaten laufende Kursrally in China ist das Gift; schließlich wird sie genau von solchen Kreditspekulationen befeuert. Erst am 27. Mai hatte der Index ein neues Hoch von 4.958 Punkten erklommen; der höchste Stand seit der Finanzkrise 2008. Innerhalb eines Jahres ist das eine Steigerung von 127 Prozent.

Anders als hierzulande gehört der Handel auf Pump fest zum Instrumentarium der chinesischen Anleger. Die meisten von ihnen sind Privatanleger. Die Universität für Finanzwesen aus Chengdu hat die Börsenneulinge unter ihnen untersucht. Demnach besitzen 42 Prozent von ihnen keine Hochschulreife, sechs Prozent können nicht lesen und schreiben. Dennoch wollen auch sie zocken – und die „margin lending“ genannten und seit 2011 erlaubten Kredite für den Aktienhandel machen das möglich.

Die Schulden, die aus solchen Krediten entstehen, sind in den vergangenen Jahren stetig angestiegen. Zuletzt betrug das Volumen der ausstehenden Schulden nach Informationen des Finanzdienstleisters IG rund 322 Milliarden US-Dollar. „Das Wesen des chinesischen Aktienmarktes ist die Kreditspekulation”, kommentiert Michael-Douglas Lee, Aktienhändler in Hongkong gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg. Er geht davon aus, dass die Kreditgeschäfte den Aktienmarkt auch weiterhin auf Trab halten werden, gerade, weil die Investoren nun größere Sicherheiten für ihre Spekulationen hinterlegen müssen.

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