Börsen Asien China lässt Finanzmärkte aufatmen

Erstmals seit mehreren Tagen wertet die Volksrepublik China ihre Währung nicht weiter ab. Das sorgt an den asiatischen Börsen für steigende Kurse, nur der Nikkei dreht nach anfänglichen Gewinnen erneut ins Minus.
Update: 08.01.2016 - 09:01 Uhr 1 Kommentar
Asiens Börsianer können sich nach dem Negativtrend der vergangenen Tage am Freitag wieder über steigende Kurse freuen. Quelle: imago
Verschnaufpause angesagt

Asiens Börsianer können sich nach dem Negativtrend der vergangenen Tage am Freitag wieder über steigende Kurse freuen.

(Foto: imago)

TokioNach dem Börsen-Beben hat China am Freitag erstmals seit Tagen seine Währung nicht mehr weiter abgewertet und damit für steigende Kurse an den Märkten in Fernost gesorgt. Nach Einschätzung von Händlern kam den Börsen auch zugute, dass die Handelsplätze in Shenzen und Shanghai die erst zu Wochenbeginn eingeführten „Notbremsen“ zur Verhinderung drastischer Kursverluste wieder auf Eis gelegt haben, nachdem sie sich nicht bewährt haben. „Der Markt ist jetzt wieder im Normalzustand“, sagte Analyst Tian Weidong vom Handelshaus Kaiyuan Securities. „Die Investoren können kaufen und verkaufen wie sie wollen. Die Notbremse hatte den Markt erstickt.“

China hat seine Währung Yuan am Freitag erstmals seit Tagen nicht weiter abgewertet und damit an den asiatischen Börsen für deutlich steigende Kurse gesorgt. Die Notenbank (PBOC) legte den Mittelwert des Yuan zum Dollar auf 6,5636 Yuan fest. Im Vergleich zu den 6,5646 vom Vortag bedeutete dies sogar eine minimale Aufwertung. Zuvor hatte die Notenbank die Währung acht Handelstage in Folge abgewertet, was die Sorge vor einem Handelskrieg ausgelöst und drastisch fallende Kurse an den chinesischen Börsen und in der Folge auch an den anderen Handelsplätzen weltweit nach sich gezogen hatte.

So reagieren die Märkte aufs China-Beben

SSE Composite Index

WKN
ISIN
CNM000000019
Börse
SE

-36,09 -1,33%
Chart von SSE Composite Index
Shanghai Composite Index
1 von 15

Der Aktiencrash des Sommers ist gerade einmal ein halbes Jahr her, nun kracht es wieder an der chinesischen Börse: Nach dem zweiten Kursrutsch in der ersten Januarwoche wurde der Wertpapierhandel am Donnerstag erneut für den Rest des Tages ausgesetzt – gerade einmal eine halbe Stunde nach der Börseneröffnung. Das war damit der kürzeste Handelstag der 25-jährigen Geschichte der chinesischen Börse. Die Aktienmärkte in Shanghai und Shenzhen waren zuvor um mehr als sieben Prozent gefallen.

DAX ®

WKN
ISIN
DE0008469008
Börse
Xetra

-26,62 -0,22%
Chart von DAX ®
Dax
2 von 15

An den Märkten weltweit sorgte die chinesische Börsenschließung für ein Kursbeben, so auch im Dax. Der deutsche Leitindex verlor am Vormittag mehr als drei Prozent.

VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.

WKN
ISIN
DE0007664039
Börse
Xetra

-0,70 -0,50%
0,00€
Chart von VOLKSWAGEN AG VORZUGSAKTIEN O.ST. O.N.
Auto-Aktien
3 von 15

Am härtesten traf es die Autowerte im Dax, allen voran Volkswagen. Kein Wunder, schließlich gehört China zu den wichtigsten Exportmärkten des ohnehin schon krisengebeutelten Konzerns. Die VW-Aktie sank um rund sechs Prozent ab und war damit eindeutig der Dax-Kellerwert des Tages. Für BMW ging es ebenfalls tief nach unten. Die Aktie rutschte um 4,5 Prozent. Auch die Daimler-Papiere büßten mehr als vier Prozent ein.

CAC 40

WKN
ISIN
FR0003500008
Börse
PAR

-4,08 -0,08%
Chart von CAC 40
CAC 40 Index
4 von 15

Den Dax trifft der China-Crash naturgemäß besonders hart, schließlich sind die darin gelisteten Unternehmen exportstark und auch die Automobilwerte machen einen nicht unwichtigen Teil des Index aus. Etwas leichter kommen die anderen europäischen Aktienmärkte davon. Der französische Leitindex CAC 40 verlor rund 2,7 Prozent.

FTSE 100

WKN
ISIN
GB0001383545
Börse
n. a.

Chart von FTSE 100
FTSE 100 Index
5 von 15

Noch weniger gelitten hat der britische FTSE 100 Index, von den Anlegern liebevoll auch „Footsie” genannt. Dieser verlor gerade einmal ein Prozent.

NIKKEI 225 INDEX

WKN
ISIN
JP9010C00002
Börse
TOKIO

+78,34 +0,35%
Chart von NIKKEI 225 INDEX
Nikkei
6 von 15

Für den japanischen Nikkei ging es dagegen prompt auf ein Dreimonatstief auf 17.767 Punkte. Zugleich verbuchte der Index die größte Neujahrspechsträhne seit 1995. Grund dafür ist der durch die China-Turbulenzen erstarkte Yen.

JPY/USD

WKN
ISIN
XC0009652428
Börse
XRATE

+0,00 +0,39%
+0,01€
Chart von JPY/USD
Yen
7 von 15

Die Anleger haben die japanische Währung als sicheren Hafen angesteuert. Diese gewann gegenüber dem US-Dollar.

Sobald der Handel am Freitag begann, stieg die Shanghaier Börse (SSEC). Der Handel des SSEC schloss bei 2,0 Prozent im Plus. Ebenso zulegen konnte die Börse in Shenzhen (SZSE), die um ein Prozent kletterte. Die größten Werte der beiden Börsen sind im chinesischen Leitindex CSI 300 zusammengesetzt. Dort schlug sich der positive Trend in einem Gewinn von zwei Prozent nieder. Der CSI 300 schloss damit auf 3362 Punkten. Ähnlich gut lief es für den MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans. Er kletterte zeitweise um 2,2 Prozent.

Zwar drehte zeitweise auch der Nikkei-Index der Tokioter Börse zu Beginn des Handelstages ins Plus und legte rasch um mehr als 450 Yen zu. Dennoch überwogen nach der Mittagspause erneut die Sorgen. Der Nikkei schloss den Handelstag mit 0,4 Prozent im Minus auf 17.698 Punkten. Der breit gefasste Topix verlor mit insgesamt 0,7 Prozent sogar noch etwas mehr.

Das Aufatmen an Chinas Finanzmärkten verschaffte anderen asiatischen Börsen eine Verschnaufpause. Koreas Kospi rangierte hauchzart im Plus, ebenso die Börsen in Taiwan, Singapur und anderen südostasiatischen Staaten, für die China ein wichtiger Handelspartner ist. Der Hang Seng Index in Hongkong stieg bis zum Mittag sogar um ein Prozent.

Dabei hatte der Tag als Zitterpartie begonnen. Japans Anleger hatten bereits den schwärzesten Jahresanfang seit 20 Jahren hinter sich. Und so eröffnete der Markt als erster Asiens in Antizipation eines weiteren Debakels in Shanghai mit einem weiteren Minus von einem Prozent. Denn Chinas Regulierer hatten am Donnerstag den sogenannten „Circuit Breaker“ aufgehoben, der auch in den vergangenen Tagen den Handel automatisch ausgesetzt hatte, wenn der Composite Index der Shanghaier Börse mehr als sieben Prozent verlor.

Es werde ein weiterer Verlust von fünf bis sechs Prozent erwartet, orakelte daraufhin Bill Gross, Co-Manager des Janus Global Unconstrained Bond Fund, auf Bloomberg TV. Doch wenigstens zum Börsenauftakt bestätigten sich diese Befürchtungen nicht. Offenbar hatten die Aktionen der chinesischen Wirtschaftslenker vom Vortag die akute Angst vor einer weiteren Verkaufswelle gelindert.

China setzte zwar die automatische Handelsunterbrechung aus, sorgte an anderer Stelle für weitere Regulierung. So sollte am Freitag eigentlich ein Handelsverbot für Großinvestoren, die mehr als fünf Prozent Anteile besitzen, auslaufen. Diese Restriktion wird bis auf Weiteres nahtlos fortgesetzt. Das soll für Beruhigung am Markt sorgen.

Denn die Angst, dass Großinvestoren aus chinesischen Konzernen aussteigen könnte, hatte den Kursrutsch der vergangenen Tage maßgeblich mit ausgelöst. Chinas Anleger begannen am Montag, massiv Aktien abzustoßen. Sie wollten schnell noch Kursgewinne mitnehmen, bevor am Freitag das Stillhaltegebot für Großaktionäre ausgelaufen wäre, das Chinas Regierung beim Börsencrash 2015 zum Schutz des Marktes eingeführt hatte.

Ab Sonnabend dürfen nun Großaktionäre, die mehr als fünf Prozent an einem Unternehmen halten, innerhalb von drei Monaten nicht mehr als ein Prozent der Firmenaktien verkaufen. So soll eine Massenflucht verhindert werden. Außerdem wertete die Regierung den chinesischen Yuan nicht weiter ab.

Kompetenz Chinas unabweisbar beschädigt
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1 Kommentar zu "Börsen Asien: China lässt Finanzmärkte aufatmen"

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  • Sack Reis wurde wieder hingestellt, heute Mittag nehme ich die 6a

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