Börsen Asien Kurse in China können sich fangen

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China wirken in Asien auch am Mittwoch weiter nach. Stützungskäufe im Reich der Mitte verhindern aber vorerst einen weiteren Ausverkauf. In Tokio hielten sich die Anleger bedeckt.
Update: 02.09.2015 - 11:09 Uhr 2 Kommentare
Vor einem Börsenanzeigefenster in Tokio. Quelle: AFP
Tokio

Vor einem Börsenanzeigefenster in Tokio.

(Foto: AFP)

TokioAsiens Börsen haben den dritten Tag in Folge nachgegeben. Der Druck auf die Marktplätze im Fernen Osten bleibt angesichts der Sorgen um eine weltweite Konjunkturschwäche hoch. In China wirkten die enttäuschenden Konjunkturdaten vom Vortag noch nach, die auch die Wall Street deutlich ins Minus gezogen hatten. Hinzu kamen unerwartet schwache US-Industriedaten. Damit verflog die Hoffnung der Investoren, die Nachfrage aus den USA und der zweitgrößten Volkswirtschaft werde den weltweiten Wachstumsmotor in Schwung halten. Spekulationen um weitere Stützungskäufe glichen in China aber einen Großteil der Kursverluste im Handelsverlauf wieder aus.

An der Börse in Shenzhen rutschten die Kurse zu Handelsbeginn mehr als vier Prozent ab. In Shanghai büßte der Index zwischenzeitlich sogar 4,6 Prozent ein. Die Kurse erholten sich allerdings, als Spekulationen die Runde machten, die Regierung werde den Druck für Stützungskäufe erhöhen. Damit soll der Markt vor einem weiteren Abrutschen bewahrt werden. Das China Securities Journal berichtete am Mittwoch, neun chinesische Broker hätten bereits zugesagt, für den Kauf von Aktien Geldmittel von umgerechnet 4,7 Milliarden Dollar bereitzustellen. Der Index in Shenzhen schaffte daraufhin ein minimales Plus von 0,1 Prozent, der Shanghai Composite schloss mit einem Minus von 0,4 Prozent.

Diese Aktien sorgen für Furore

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
L&S

-0,34 -1,55%
+21,34€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
RWE: Zahlreiche Probleme bremsen aus
1 von 21

Gewinnschwund im ersten Halbjahr, sinkende Strompreise, Probleme mit der Energiewende, fehlende Wachstumsperspektiven: Es gibt viele Gründe dafür, dass die RWE-Aktie im Sinkflug bleibt. Im August kamen noch die Nachricht dazu, dass nun auch die Geschäfte in Großbritannien nicht so gut laufen. Allein in diesem Sommermonat verlor die Aktie ein Viertel ihres Wertes, sie fällt auf den letzten Platz im HDax, der die Werte aus Dax, MDax und TecDax enthält.

Kursentwicklung im August: - 24,67 Prozent

CANCOM SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005419105
Börse
L&S

-0,64 -1,61%
+39,42€
Chart von CANCOM SE INHABER-AKTIEN O.N.
Cancom: Marktumfeld belastet Kursentwicklung
2 von 21

Der IT-Dienstleister Cancom ist ein typisches Beispiel für ein Unternehmen, das vor allem unter dem Marktumfeld litt. Denn die Fundamentaldaten rechtfertigen kaum den starken Kursverlust im August. Analysten äußern sich durchaus positiv. Zwar habe er die Margen nach unten korrigiert, schrieb zum Beispiel Analyst Knut Woller von der Baader Bank in einem Kommentar, zugleich aber seine Umsatzschätzungen nach oben. Alles in allem blieben damit seine Gewinnschätzungen absolut betrachtet weitgehend unverändert. Kollege Florian Treisch von der Commerzbank zeigte sich indes enttäuscht von der operativen Ergebnismarge (Ebitda-Marge) in der jüngsten Bilanzvorlage. Er habe daher seine Ergebnisschätzungen für 2015 und 2016 gesenkt und entsprechend auch das Kursziel.

Kursentwicklung im August: - 15,51 Prozent

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
L&S

+0,52 +2,62%
+20,20€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
Thyssen-Krupp: Gute Zahlen retten nicht
3 von 21

Mitte August überraschte der Stahlkonzern Thyssen-Krupp die Börse mit einer deutlichen Steigerung des operativen Gewinns. Die Quartalsbilanz ließ die Aktie in der Folge um sechs Prozent steigen. Doch das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein der allgemeinen Probleme. Aus fundamentaler Sicht stehe der europäische Stahlsektor langfristig vor Herausforderungen, meint zum Beispiel Analyst Roger Bell von der US-Bank JPMorgan. Die weltweite Stahlproduktion sei im Juli wegen der nachlassenden Wachstumsdynamik in den Schwellenländern schwach ausgefallen, schrieb Analyst Carsten Riek von der UBS in einer Studie.

Kursentwicklung im August: - 15,03 Prozent

ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005103006
Börse
L&S

+0,11 +1,66%
+6,55€
Chart von ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.
Adva Optical: Die Luft ist erst mal raus
4 von 21

Im ersten Halbjahr dieses Jahres landeten die Titel des Telekommunikationsausrüsters Adva Optical mit einem Kursplus von unglaublichen 178 Prozent auf Platz eins im HDax. Das Unternehmen profitiert vom Big Data-Boom und hob mehrmals seine Prognose an. Doch im August konnten sich die Papiere der Gesamtmarktschwäche nicht entziehen. Nun sei die Aktie des TecDax-Unternehmens dank der jüngsten Konsolidierung aber wieder attraktiv bewertet, glaubt Analyst Leonhard Bayer von Hauck & Aufhäuser. Die Wachstumstreiber seien intakt.

Kursentwicklung im August: - 14,35 Prozent

E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000ENAG999
Börse
L&S

-0,26 -2,88%
+8,65€
Chart von E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Eon: Analysten sehen weiterhin Risiken
5 von 21

Ein weiterer Versorger und Dax-Konzern auf den hintersten Plätzen am deutschen Aktienmarkt: Mit ähnlichen Problemen wie RWE kämpft auch Eon. Schwächere Strom- und Ölpreise sowie die Abwertung des Rubel lassen die Gewinnerwartungen sinken, schrieb Analystin Tanja Markloff von der Commerzbank in einer Studie. Trotz des deutlichen Rückgangs der Aktie sei noch nicht der Zeitpunkt für eine Neuanlage gekommen, meint Sven Diermeie vom Analysehaus Independent Research. Es bestünden weiterhin regulatorische Risiken für den Versorger.

Kursentwicklung im August: - 13,97 Prozent

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

+0,38 +4,25%
+9,29€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank: Investoren vermissen Rendite
6 von 21

Anfang August überraschte die Commerzank bei der Präsentation der Bilanz mit dieser Ankündigung: Erstmals seit 2007, als die Finanzkrise ausbrach, will die Bank den Anlegern wieder eine Dividende zahlen. Die Quartalszahlen selbst waren allerdings im Wesentlichen so erwartet worden; Analysten hatten noch einiges zu bemängeln, etwa die niedrige Profitabilität oder die nach wie vor hohen Kosten. Die Eigenkapitalrendite bleibe auch weiterhin deutlich hinter den Kapitalkosten zurück, und das rechtfertige das vergleichsweise niedrige Bewertungsniveau, sagt Stefan Bongardt vom Analysehaus Independent Research.

Kursentwicklung im August: - 13,90 Prozent

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

+0,24 +1,07%
+23,13€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa: Marktumfeld besorgt Anleger
7 von 21

Wenn die Konjunkturerwartungen sinken, trifft das früh schon Logistiker und Transportunternehmen, beispielsweise die Lufthansa. Weil sie in ihrem Frachtgeschäft hohe Kapazitäten in China und Asien allgemein habe, sieht Analyst Andrew Lobbenberg von HSBC Probleme für die Fluggesellschaft. Zu Beginn des Monats belastete auch ein negativer Kommentar der US-Investmentbank Merrill Lynch die Aktie. Die 2016er-Konsensschätzungen für das Wachstum bei Lufthansa, aber auch bei anderen Fluggesellschaften wie Air France-KLM, Easyjet und Norwegian dürften nicht zu erreichen sein, schrieb Analyst Mark Manduca in einer Branchenstudie.

Kursentwicklung im August: - 13,56 Prozent

In Hongkong büßten die Kurse dagegen mehr als ein Prozent ein. In Japan sorgten Schnäppchenjäger zunächst für Gewinne. Die Sorge um das Wirtschaftswachstum in China gewann dann aber die Oberhand und ließ den Nikkei-Index 0,4 Prozent tiefer mit 18.095 Punkten aus dem Handel gehen. Kursverluste verbuchten vor allem Unternehmen, für die die Volksrepublik ein wichtiger Abnehmer ist. Dazu gehören etwa Öl- und Stahlkonzerne sowie Speditionen. Der MSCI-Index asiatisch-pazifischer Aktien außerhalb Japans notierte ebenfalls 0,4 Prozent niedriger.

Enttäuschende Konjunkturdaten aus China hatten am Dienstag die Wall Street deutlich ins Minus gezogen. Hinzu kamen unerwartet schwache US-Industriedaten, nach denen sich die Kursverluste ausweiteten. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 2,8 Prozent tiefer auf 16.058 Punkten aus dem Handel, nachdem er kurz vor Börsenschluss noch bis auf 15.979 Stellen abgesackt war. Der breiter gefasste S&P-500 verlor drei Prozent auf 1913 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq sank 2,9 Prozent auf 4636 Punkte. Der Euro gab nach und wurde mit 1,1265 Dollar bewertet. Die US-Währung wurde mit 120,25 Yen gehandelt. Der Schweizer Franken notierte zum Euro mit 1,0834 und zum Dollar mit 0,9618.

  • rtr
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2 Kommentare zu "Börsen Asien: Kurse in China können sich fangen"

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  • Ich hoffe Sie haben unter 10.000 im Dax endlich mal was gekauft.
    Sie würden jetzt mehrere hundert Punkte vorne liegen, das macht Sie entspannter und Sie müßten nicht solche Romane schreiben.

  • Nach mindestens 6 Monaten enttäuschender Konjunkturdaten aus China tritt immer noch kein Gewöhnungseffekt ein. Im Gegenteil: Die Enttäuschung wächst von Tag zu Tag und in der Nacht noch mal. Das hat dann völlig Überraschend auch Einfluss auf den Ölpreis, weil die Chinakonjunktur am 28. August viel, viel besser aussah als am 1. und am 2. September oder einen bzw. den zweiten Börsentag nach der Ölpreishausse.
    Was passiert denn an Chinas Börse in Shanghai? Tagsüber verkaufen die Aktienanleger ihre Anlagen und zum Handelsschluss gibt es andere Käufer. Seit beinahe 20 Handelstagen bleibt so der Shanghai Composite über 3.000 Punkten oder 20 Prozent höher als im September 2014. Das müssen Dax und Dow erst mal nachmachen. Die haben kaum noch Gewinne zum Vorjahr.
    Damit überhaupt die Kursentwicklung in China beurteilt werden kann, muss die Börsenkapitalisierung genannt werden. Das schafft nun nicht einmal Reuters. Was soll man denn davon halten? Wenn Aktionäre in China ihren Gewinn realisieren, dann sind das scheinbar für andere Anleger, den Staat mit seinen Institutionen, günstige Kaufgelegenheiten. Das Chinabashing hat folglich völlig andere Hintergründe und Absichten als öffentlich bekundet.

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