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Börsenchronik Brexit, Handelskrieg, Populisten an der Macht – Wie die internationale Politik die Aktienmärkte weltweit beeinflusst hat

Das Jahr an den Aktienmärkten war gezeichnet von politischen Meilensteinen, ob in Brasilien, der Türkei oder den USA. Nicht überall ist das negativ für die Börse.
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Ein New Yorker Händler bei der Arbeit, im Hintergrund auf dem Bildschirm: Donald Trump. Immer wieder beeinflussen die Entscheidungen des US-Präsidenten die Märkte. Quelle: AFP
Politische Börsen

Ein New Yorker Händler bei der Arbeit, im Hintergrund auf dem Bildschirm: Donald Trump. Immer wieder beeinflussen die Entscheidungen des US-Präsidenten die Märkte.

(Foto: AFP)

Frankfurt Die deutsche Innenpolitik war 2018 so chaotisch wie selten zuvor. Auswirkungen auf die Börse hatten die Konflikte bei der Regierungsbildung in Berlin und dann innerhalb der Koalition aus CDU/CSU und SPD kaum. Doch weltweit hat die Politik Aktien- und Währungskurse massiv beeinflusst. Ob Wahlen in Brasilien, Italien und der Türkei, der von US-Präsident Donald Trump ausgelöste Handelsstreit mit China oder die Brexit-Verhandlungen – immer reagierten die Anleger, oft besorgt. Eine Chronik.

9.1. Erstmals seit 2015 kommt es zu bilateralen Gesprächen zwischen Nordkorea und Südkorea. Es gibt erste Erfolge: Nordkorea will an den Olympischen Spielen teilnehmen. Die Militärs verabreden weitere Gespräche.

5.2. Jerome Powell hat seinen ersten Arbeitstag als Chef der US-Notenbank Fed. Es wird ein turbulenter. Der Leitindex der Wall Street, der Dow Jones, verliert 1175 Punkte – so viel wie nie zuvor an einem Tag. Gleich mehrere Auslöser sind für den Kursrutsch, ein „Flash Crash“, verantwortlich. Darunter steigende Anleiherenditen, die Aktien unattraktiver machen sowie steigende Löhne und Inflation in den Vereinigten Staaten.

4.3. Italien wählt. Mit 32,6 Prozent der abgegebenen Stimmen wird die 5-Sterne-Bewegung stärkste Kraft. Die Lega, mit der sie später eine populistische Regierung eingehen wird, bekommen 17,3 Prozent. An der Mailänder Börse trifft die politische Ungewissheit nach der Abwahl der etablierten Parteien vor allem Finanztitel. Zwei Banken liegen mehr als fünf Prozent im Minus.

23.3. US-Präsident Donald Trump erhebt Schutzzölle auf Alu und Stahl. Die EU, Kanada und Mexiko sind zwar zunächst betroffen, doch der Handelskonflikt mit China spitzt sich zu. „Wenn es einen Handelskrieg gibt zwischen den zwei größten Volkswirtschaften der Welt, wer würde sich nicht um die Folgen für die Weltwirtschaft sorgen?“, sagte Stratege Norihiro Fujito vom Brokerhaus Mitsubishi UFJ Morgan Stanley.

2.4. China reagiert auf die Zölle der Vereinigten Staaten und verhängt Zölle auf Waren im Wert von drei Milliarden US-Dollar. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte geht am Ostermontag mit 23.644 Punkten 1,9 Prozent schwächer aus dem Handel. Der breiter gefasste S&P 500 verliert 2,2 Prozent auf 2582 Zähler.

8.5. Trump zieht sich aus dem Atomabkommen mit dem Iran zurück. Während etwa Deutschland unbedingt an der Regelung festhalten will, bezeichnen Trump, sein Außenminister Mike Pompeo sowie der Nationale Sicherheitsberater John Bolton das Abkommen als einen schlechten Deal. Die Kontrollmechanismen seien zu lax, die Laufzeit sei zu kurz. Die Ölpreise reagieren prompt auf die Nachricht: Der Preis für Nordseeöl fällt zeitweise um vier Prozent bis auf 73,10 Dollar je Barrel.

1.6. Trumps Zölle auf Alu und Stahl treffen jetzt auch Europa. Alles Bitten der EU hat den US-Präsident nicht zu einer Meinungsänderung bewogen. Er sieht sein Land im internationalen Handel benachteiligt. Auf die Börsen hat das an diesem Tag keinen Einfluss. Die Strafmaßnahmen waren lange angekündigt gewesen. Positive US-Arbeitsmarktdaten verhelfen den Aktienmärkten sogar zu einem Plus.

Beim G7-Gipfel in Kanada einigen sich die Parteien doch noch auf eine Abschlusserklärung – die Trump wenig später widerruft. Quelle: AP
Merkel und die Mächtigen

Beim G7-Gipfel in Kanada einigen sich die Parteien doch noch auf eine Abschlusserklärung – die Trump wenig später widerruft.

(Foto: AP)

9.6. Auf dem G7-Gipfel in Kanada entsteht ein ikonisches Bild. Es zeigt, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel im Kreis der mächtigen Staatsmänner Trump zuredet. Der US-Präsident brüskiert das Gremium, indem er der gemeinsamen Abschlusserklärung erst zustimmt, dies aber kurz nach seiner Abreise wieder zurücknimmt. Die Börsen reagieren nach dem Wochenende gelassen auf den Eklat.

12.6. In Singapur trifft Trump Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un – ein Weltereignis. Hatten die beiden exzentrischen Männer sich Monate zuvor noch mit ihren Atomwaffen gedroht, geben sie bei dem Gipfel ein harmonisches, fast freundschaftliches Bild ab. Anleger konzentrieren sich aber weiter auf den Handelskonflikt. Die scheinbare Annäherung zwischen den USA und Nordkorea bewegen die Märkte unmerklich.

13.6. In Deutschland muss Volkswagen eine Milliarde Euro Bußgeld wegen des Dieselskandals zahlen. Die Aktie verliert bis zum 1. Juli mehr als 20 Euro an Wert. Es handelt sich um eine der höchsten Geldbußen, die jemals in der Bundesrepublik Deutschland einem Unternehmen auferlegt worden ist.

14.6. Die Fußball-WM in Russland beginnt, die nachrichtenarme Zeit noch nicht. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, kündigt das Ende der jahrelangen lockeren Geldpolitik in Europa an. Das würde auch die Anleihekäufe der EZB betreffen, mit denen die Notenbank die Wirtschaft der Mitgliedsländer unterstützt. Das Zinsniveau belässt Draghi auf dem niedrigen Stand. Der Euro verbilligt sich um bis zu 1,5 Prozent auf 1,1617 Dollar. Weil sich dadurch die Wettbewerbschancen heimischer Firmen auf dem Weltmarkt verbessern, erhielten Dax und EuroStoxx 50 zusätzlichen Schub.

21.6. Die angekündigten Vergeltungszölle der EU gegen die Vereinigten Staaten treten in Kraft. Mit Einfuhr-Abgaben auf US-Produkte wie Whiskey, Jeans, Motorräder und Erdnussbutter reagiert die EU auf die Zölle für Stahl und Aluminium. Mit einem Tweet sorgt Trump für ein plötzliches Minus in einem ansonsten soliden Freitagshandel. Im Späthandel droht der US-Präsident via Twitter mit Strafzöllen gegen europäische Autobauer.

24.6. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan holt bei der Wahl knapp die absolute Mehrheit. Erdogan, der seit 16 Jahren die Geschicke der Türkei lenkt und dies mindestens noch fünf weitere Jahre tun wird, ist jetzt der mächtigste Mann des Landes seit Staatsgründer Atatürk. Marktteilnehmer interpretieren seinen Sieg am Tag darauf als ein Indiz für politische Stabilität und ziehen ihn offenbar den Wirren eines möglichen Regimewechsels vor. Der Leitindex der Börse in Istanbul legt zeitweise um zwei Prozent zu. Die Lira ist ebenfalls gefragt. Nur: „An den schwierigen fundamentalen Rahmenbedingungen in der Türkei ändert das Wahlergebnis nichts“, sagt Analyst Sören Hettler von der DZ Bank.

1.7. Der Linkspopulist Andrés Manuel López Obrador gewinnt die Präsidentschaftswahl in Mexiko. Er will die Unabhängigkeit der Zentralbank und die unternehmerischen Freiheiten respektieren, Enteignungen und eine Änderung der Verfassung schloss er aus. Die heimische Börse reagiert positiv.

8.7. Erdogan entlässt 18.000 Staatsbedienstete und schließt drei Zeitungen sowie einen TV-Sender. Einen Tag später tritt er das Präsidentenamt mit zusätzlichen Vollmachten an. Die Tatsache, dass der marktfreundliche Ex-Vize-Ministerpräsident Mehmet Simsek nicht mehr der Regierung angehören wird, verschreckt Investoren. Finanzminister im neuen Kabinett wird Berat Albayrak, der Schwiegersohn des türkischen Präsidenten.

24.9. Die USA führen neue Zölle auf chinesische Waren ein. Die Größenordnung von 200 Milliarden Dollar umfasst die Hälfte aller Importe aus China. Die Volksrepublik reagiert ihrerseits mit Vergeltung im Wert von 60 Milliarden Dollar auf US-Importe. China importiert deutlich weniger aus den USA als umgekehrt – was aus Sicht von US-Präsident Donald Trump Kern des Konflikts ist. Die USA werfen China unter anderem Marktabschottung, unfaire Beihilfen für die eigene Wirtschaft und Technologie-Diebstahl vor. China weist dies zurück.

23.10. Die EU-Kommission lehnt den Haushaltsentwurf der italienischen Regierung von Ministerpräsident Matteo Salvini ab. Das ist eine Premiere in der Geschichte der Union. Der Haushaltsplan sieht für 2019 eine Defizitquote von 2,4 Prozent vor - dreimal so viel wie mit der Eurozone abgemacht. „Italien verstößt offen und bewusst gegen die Verpflichtungen, die es gegenüber den anderen Mitgliedstaaten eingegangen ist“, sagt der für die Währungsunion zuständige Kommissionsvize Valdis Dombrovskis. „Es muss wohl erst schlimmer werden, bevor es besser wird“, kommentiert Deutsche-Bank-Chefanlagestratege Ulrich Stephan die Situation. Der italienische Leitindex erreicht am Folgetag mit 18.485 Punkten einen neuen Tiefstand. Es wird nicht der letzte bleiben in 2018.

28.10. Jair Bolsonaro heißt der künftige Präsident Brasiliens. Trotz seiner verklärenden Sicht auf die Zeit der Militärdiktatur und menschenverachtender Äußerungen hat er es geschafft, als Kandidat bei der Wählerschaft durchzudringen, der die Korruption endlich bekämpft. Der Bovespa-Index klettert in den Tagen rund um die Wahl noch einmal deutlich. In der Wirtschaft gilt Bolsonaro als das kleinere Übel. „Er ist sicherlich der marktfreundlichere der beiden Kandidaten“, meint Edwin Gutierrez, Schwellenländer-Anleihechef bei Aberdeen Standard Investments.

13.11. Durchbruch bei den Brexit-Verhandlungen: Nach monatelangem Hin und Her, vermeintlichen Einigungen und diplomatische Sonderschichten einigen sich EU und britische Regierung auf einen Vertragsentwurf für den Austritt des Landes. Am Tag darauf stimmt das Kabinett in London dem EU-Ausstiegsvertrag zu. Doch Premierministerin Theresa May kämpft weiter ums politische Überleben. Das Pfund verliert gegenüber dem Dollar an Wert. An der Börse in London bleibt es ruhig – zunächst …

In Buenos Aires vereinbaren die Präsidenten Chinas und der Vereinigten Staaten, ihre Handelsstreitigkeiten binnen 90 Tagen beizulegen. Quelle: Reuters
Treffen zwischen Xi Jinping und Donald Trump

In Buenos Aires vereinbaren die Präsidenten Chinas und der Vereinigten Staaten, ihre Handelsstreitigkeiten binnen 90 Tagen beizulegen.

(Foto: Reuters)

1.12. Zum Abschluss des G20-Treffens in Argentinien treffen sich die Präsidenten Trump Xi Jinping zu einem Arbeitsessen. Die USA geben bekannt, dass die für Anfang Januar angedrohte nächste Runde von Strafzöllen erst einmal verschoben wird. Binnen 90 Tagen wollen die beiden ihre Streitigkeiten beilegen. Der Dax legt am ersten Handelstag nach der Vereinbarung 1,85 Prozent auf 11.465 Punkte zu. Die US-Indizes schließen gut ein Prozent höher.

10.12. May steht kurz vor dem Aus. Sie verschiebt die Abstimmung im Parlament über den Austrittsvertrag. „Investoren sollten langsam die Möglichkeit von Neuwahlen und einer Labour-Regierung einpreisen“, sagt Analyst Neil Wilson vom Broker Markets.com. Die britische Börse notiert auf so niedrigem Niveau wie zuletzt vor zwei Jahren.

21.12. Die US-Börsen beenden eine schwache Woche und steuern auf einen der schlechtesten Dezember der Geschichte zu. Schuld an der Misere ist nach wie vor der Zinsausblick der US-Notenbank. Die will in Zukunft die Zinsen zwar seltener und behutsamer anheben, aber manche Börsianer wünschen sich ein noch vorsichtigeres Vorgehen, um das Wachstum nicht zu gefährden.

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