Chinas Aktiencrash Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt

Ein Reporter soll die Turbulenzen an Chinas Börsen verschlimmert haben. Im Staatsfernsehen wird er vorgeführt. Und gesteht. Er ist nicht der Einzige, den Chinesische Behörden als Sündenbock auserkoren haben.
Update: 31.08.2015 - 11:33 Uhr 9 Kommentare

Schuld an Crash? China verhaftet Finanz-Journalist

Schuld an Crash? China verhaftet Finanz-Journalist

PekingPeking sucht im Internet und unter Chinas Journalisten nach Schuldigen für den Börsencrash. 197 Menschen wurden wegen der „Verbreitung von Gerüchten“ bestraft, wie das Ministerium für Öffentliche Sicherheit am späten Sonntagabend mitteilte. Die Bürger sollen falsche Informationen über die Turbulenzen an den Börsen und die Explosion in der Hafenmetropole Tianjin verbreitet haben.
Ein Journalist des renommierten Finanz- und Wirtschaftsmagazin Caijing wurde im Staatsfernsehen vorgeführt. In einem Statement sagt er, er habe gemeinsam mit Komplizen mit falschen Informationen den Absturz der Börsen angetrieben.

Finanzexperten übten scharfe Kritik an Pekings Vorgehen. „Das Regime scheint in der Öffentlichkeit Journalisten für den Aktien-Crash verantwortlich machen zu wollen“, schrieb Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank. „Das ist im Westen nicht anders. Auch nach dem Aktiencrash Anfang des Jahrtausends sowie nach 2008 wurde immer ein Buhmann gefunden. Das Muster ist stets das gleiche und ist hinlänglich beschrieben.“
Das verhindere eine vernünftige Auseinandersetzung mit den Ursachen und Folgen des Crashs. „Langfristige Stabilität erreicht man so nicht“, kritisierte Leuchtmann.

Diese Aktien sorgen für Furore

RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007037129
Börse
L&S

+0,06 +0,27%
+22,13€
Chart von RWE AG INHABER-STAMMAKTIEN O.N.
RWE: Zahlreiche Probleme bremsen aus
1 von 21

Gewinnschwund im ersten Halbjahr, sinkende Strompreise, Probleme mit der Energiewende, fehlende Wachstumsperspektiven: Es gibt viele Gründe dafür, dass die RWE-Aktie im Sinkflug bleibt. Im August kamen noch die Nachricht dazu, dass nun auch die Geschäfte in Großbritannien nicht so gut laufen. Allein in diesem Sommermonat verlor die Aktie ein Viertel ihres Wertes, sie fällt auf den letzten Platz im HDax, der die Werte aus Dax, MDax und TecDax enthält.

Kursentwicklung im August: - 24,67 Prozent

CANCOM SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005419105
Börse
L&S

-2,04 -4,21%
+46,59€
Chart von CANCOM SE INHABER-AKTIEN O.N.
Cancom: Marktumfeld belastet Kursentwicklung
2 von 21

Der IT-Dienstleister Cancom ist ein typisches Beispiel für ein Unternehmen, das vor allem unter dem Marktumfeld litt. Denn die Fundamentaldaten rechtfertigen kaum den starken Kursverlust im August. Analysten äußern sich durchaus positiv. Zwar habe er die Margen nach unten korrigiert, schrieb zum Beispiel Analyst Knut Woller von der Baader Bank in einem Kommentar, zugleich aber seine Umsatzschätzungen nach oben. Alles in allem blieben damit seine Gewinnschätzungen absolut betrachtet weitgehend unverändert. Kollege Florian Treisch von der Commerzbank zeigte sich indes enttäuscht von der operativen Ergebnismarge (Ebitda-Marge) in der jüngsten Bilanzvorlage. Er habe daher seine Ergebnisschätzungen für 2015 und 2016 gesenkt und entsprechend auch das Kursziel.

Kursentwicklung im August: - 15,51 Prozent

THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007500001
Börse
L&S

-0,61 -2,72%
+21,77€
Chart von THYSSENKRUPP AG INHABER-AKTIEN O.N.
Thyssen-Krupp: Gute Zahlen retten nicht
3 von 21

Mitte August überraschte der Stahlkonzern Thyssen-Krupp die Börse mit einer deutlichen Steigerung des operativen Gewinns. Die Quartalsbilanz ließ die Aktie in der Folge um sechs Prozent steigen. Doch das war nur ein Tropfen auf den heißen Stein der allgemeinen Probleme. Aus fundamentaler Sicht stehe der europäische Stahlsektor langfristig vor Herausforderungen, meint zum Beispiel Analyst Roger Bell von der US-Bank JPMorgan. Die weltweite Stahlproduktion sei im Juli wegen der nachlassenden Wachstumsdynamik in den Schwellenländern schwach ausgefallen, schrieb Analyst Carsten Riek von der UBS in einer Studie.

Kursentwicklung im August: - 15,03 Prozent

ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005103006
Börse
L&S

0,00 0,00%
+7,15€
Chart von ADVA OPTICAL NETWORKING SE INHABER-AKTIEN O.N.
Adva Optical: Die Luft ist erst mal raus
4 von 21

Im ersten Halbjahr dieses Jahres landeten die Titel des Telekommunikationsausrüsters Adva Optical mit einem Kursplus von unglaublichen 178 Prozent auf Platz eins im HDax. Das Unternehmen profitiert vom Big Data-Boom und hob mehrmals seine Prognose an. Doch im August konnten sich die Papiere der Gesamtmarktschwäche nicht entziehen. Nun sei die Aktie des TecDax-Unternehmens dank der jüngsten Konsolidierung aber wieder attraktiv bewertet, glaubt Analyst Leonhard Bayer von Hauck & Aufhäuser. Die Wachstumstreiber seien intakt.

Kursentwicklung im August: - 14,35 Prozent

E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000ENAG999
Börse
L&S

-0,04 -0,43%
+9,59€
Chart von E.ON SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Eon: Analysten sehen weiterhin Risiken
5 von 21

Ein weiterer Versorger und Dax-Konzern auf den hintersten Plätzen am deutschen Aktienmarkt: Mit ähnlichen Problemen wie RWE kämpft auch Eon. Schwächere Strom- und Ölpreise sowie die Abwertung des Rubel lassen die Gewinnerwartungen sinken, schrieb Analystin Tanja Markloff von der Commerzbank in einer Studie. Trotz des deutlichen Rückgangs der Aktie sei noch nicht der Zeitpunkt für eine Neuanlage gekommen, meint Sven Diermeie vom Analysehaus Independent Research. Es bestünden weiterhin regulatorische Risiken für den Versorger.

Kursentwicklung im August: - 13,97 Prozent

COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000CBK1001
Börse
L&S

+0,02 +0,27%
+8,51€
Chart von COMMERZBANK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Commerzbank: Investoren vermissen Rendite
6 von 21

Anfang August überraschte die Commerzank bei der Präsentation der Bilanz mit dieser Ankündigung: Erstmals seit 2007, als die Finanzkrise ausbrach, will die Bank den Anlegern wieder eine Dividende zahlen. Die Quartalszahlen selbst waren allerdings im Wesentlichen so erwartet worden; Analysten hatten noch einiges zu bemängeln, etwa die niedrige Profitabilität oder die nach wie vor hohen Kosten. Die Eigenkapitalrendite bleibe auch weiterhin deutlich hinter den Kapitalkosten zurück, und das rechtfertige das vergleichsweise niedrige Bewertungsniveau, sagt Stefan Bongardt vom Analysehaus Independent Research.

Kursentwicklung im August: - 13,90 Prozent

DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008232125
Börse
L&S

+0,08 +0,38%
+21,25€
Chart von DEUTSCHE LUFTHANSA AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Lufthansa: Marktumfeld besorgt Anleger
7 von 21

Wenn die Konjunkturerwartungen sinken, trifft das früh schon Logistiker und Transportunternehmen, beispielsweise die Lufthansa. Weil sie in ihrem Frachtgeschäft hohe Kapazitäten in China und Asien allgemein habe, sieht Analyst Andrew Lobbenberg von HSBC Probleme für die Fluggesellschaft. Zu Beginn des Monats belastete auch ein negativer Kommentar der US-Investmentbank Merrill Lynch die Aktie. Die 2016er-Konsensschätzungen für das Wachstum bei Lufthansa, aber auch bei anderen Fluggesellschaften wie Air France-KLM, Easyjet und Norwegian dürften nicht zu erreichen sein, schrieb Analyst Mark Manduca in einer Branchenstudie.

Kursentwicklung im August: - 13,56 Prozent

Der Caijing-Reporter hatte nach Darstellung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua gefälschte Berichte über einen Rückzug der staatlichen Hilfen an den Aktienmärkten am 20. Juli veröffentlicht. Caijing und andere Finanzmedien hatten an dem Tag unter Berufung auf Regierungskreise über Pläne berichtet, dass Peking seine Staatsgelder zum Stützen der Aktienkurse zurückfahren könnte. Daraufhin waren die Kurse an den Börsen erneut eingebrochen.

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9 Kommentare zu "Chinas Aktiencrash: Wie Peking Verschwörungstheorien pflegt"

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  • KOmmunisten halt.....

    die Radikal Europäer Sozialistischer gesinnung,

    hätten sicher auch gern so Vollmachten...

    könnte man endlich die lästige Eurokritik eindämmen...

    und abtrünnige Provinzen züchtigen.....

  • Ich darf nur an die Finanzkrise 2008 erinnern und wie in der Zeit ein Schauerartikel nach dem anderen lanciert wurde, jede Zeitung sich mit noch schlimmeren Mitteilungen nach vorne schob, wo sogar Rundfunk und Fernsehen nicht genug davon kriegten, Spekulationen über das Ende unseres Systemes oder gar der Welt zu verbreiten. Hemmungslaos wurde drauflosgeschrieben, bis die Finger bluteten. Keine von den Zeitungen oder Fernsehsendern hatte zur Mässigung geraten, alle wollten Sie viel Blut sehen..... denn das lässt sich verkaufen !
    Und es kann mir keiner erzählen, dass nicht auch die Verantwortlichen an den Händlertischen und die entsprechenden Führungskräfte sowie Politiker davon unbeeindruckt und unbeeinflusst blieben. Hier wurde bewusst mit den Möglichkeiten der Medien Meinung gemacht und damit alles in eine bestimmte Richtung zu drängen.
    Als Händler kann ich ganz klar sagen, dass keiner von uns durch die damalige Berichterstattung unbeeinflusst geblieben ist.
    Nochmal - Pressefreiheit heisst auch Verantzwortung zu tragen und nicht nach dem Motto zu handeln - nach mir die Sinflut, egal was ich damit angerichtet habe !

  • Wir haben uns schon vor Jahren aus dem Chinageschäft zurückgezogen. Mit Chinesen kann man keine korrekten Geschäfte machen. Wenn wir uns sicher waren das wir nicht übervorteilt wurden und alles ok war, zeigte die Spektralanalyse das uns "Reststoffe" beigemischt wurden... Warum sollte der Rest des Staates (incl. der Medien) seriös sein? Wir wissen doch das dort von der Todesstrafe gern Gebrauch gemacht wird. Religiöse oder moralische Bedenken? Vergessen Sie es. Die Religion in China heisst GELD! Dennoch pflegt die Deutsche Politkaste enge Kontakte mit Peking. Auch mit Südkorea tritt man gern in engen Kontakt. Abe, der Frau Merkel ihre Grenzen aufweist wird hingegen gemieden.

  • @Julien

    naja dann gibts bestimt eine Schätzung wieviel der chin. Wirtschaftsleistung gar nicht existiert!!! Wenn das alles bekannt gewesen wäre, dann hätte es den China-Hyp nie gegeben!

  • @Gerd St
    sowas verkauft sich halt, Missbrauch ist es nur dann, wenn es wie in diesen Fall behauptet eine Lüge ist. Die relevanten Marktbewegungen werden bei uns nicht durch Zeitungsartikel bewegt...

  • @Tom Schmidt
    Keine Angst, niemand in der Wirtschaft traut den offiziellen Daten der chinesischen Regierung. Die Daten werden mit Hilfe von Schätzungen gut vernetzter vor Ort tätiger Dienstleister, Banken und Händler validiert. Solche Infos aus erster Hand kann man kaufen.

  • Da bleibt mir einfach die Spuke weg. Solange die Medien die Parteilinie vertreten ist alles super und wenn der Betrug auffällt ist es die Schuld der Medien.

    VIEL ZU LANGE wurden die Lügen verbreitet! Das ist das einzige was man der Presse vorwerfen kann!

  • So unwahrscheinlich ist das garnicht. Natürlich werden die Medien geschlossen, versuchen solche Aktion ins lächerliche zu ziehen.
    Wenn man aber sich ins Gedächtnis ruft, wie alle Medien (auch insbesondere das Handelsblatt) jede Gelegenheit genutzt hat, um Öl ins Feuer zu giessen und die Flammen anzuheizen, wäre es schon damals gut gewesen, wenn man wenn man drastisch gegen diese Methoden der "Berichterstattung" vorgegangen wäre.
    Es ist nun mal ein Fakt, dass Medien eine gwaltige Power haben um Bewegungen in die eine oder andere Richtung zu verursachen.
    Allerdings gehen sie mit dieser Macht nicht verantwortungsvoll um und dies alles unter dem Deckmantel der "Pressefreiheit". Im Regelfall betreiben die Medien einen klaren Missbrauch ihrer Macht.

  • Diese Nachricht ist das i-Tüpfelchen. Ich möchte vor diesem Hintergrund bitte alle China-Wachstums-Gläubigen bitten mir zu erklären, warum sie glauben, dass irgendeine Wachstumszahl seit 2009 irgendetwas mit der Realität zu tun hat. Und wenn ja, woher sie das wissen.

    Sehen wir den Tatsachen ins Auge, wahrscheinlich existiert die Hälfte der chin. Wirtschaftsleistung gar nicht, und Exportüberschüsse gab es auch nicht!

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