Cox-Attentat Die makabre Reaktion der Märkte

Der Mord an der britischen Politikerin Jo Cox hat Großbritannien geschockt. Auch die Weltmärkte reagierten auf die Bluttat: Das Pfund klettert nach oben, die Börsenkurse steigen. Der Grund ist so einfach wie makaber.
41 Kommentare

„Wir haben einen lieben Freund verloren“

Wenn etwas Schlimmes passiert, dann geht es auch an den Börsen und Devisenmärkten nach unten – normalerweise. Doch nach dem Attentat auf die britische Labour-Politikerin Jo Cox herrscht verkehrte Welt. Das betrifft vor allem das britische Pfund: Am Morgen lag der Kurs mit 1,4257 Dollar rund zweieinhalb US-Cent über dem Zweieinhalb-Monats-Tief vom Vortag.

Der Grund: Die Anleger hoffen, dass angesichts des tragischen Vorfalls die Stimmung auf der Insel sich doch noch zugunsten des Verbleibs in der EU dreht. Am 23. Juni stimmen die Briten darüber ab, ob sie in der Europäischen Union bleiben wollen oder nicht. In den vergangenen Tagen machten immer wieder Umfragen die Runde, wonach die EU-Gegner vorne liegen.

„Die tragische Ermordung einer britischen Parlamentarierin gestern lässt den Devisenmarkt nicht innehalten, sondern führt dazu, dass die Folgen kühl und nüchtern eingepreist werden”, schreibt Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann in einem Kommentar. Sollte die Tat politisch motiviert gewesen sein, könnte dies knapp eine Woche vor dem Referendum die Zustimmung für einen Brexit verringern.

Auch die Analysten der Commonwealth Bank schreiben in einem Kommentar, dass die Marktteilnehmer nun von einer schwindenden Unterstützung der Brexit-Befürworter ausgingen. Medienberichten zufolge rief der Täter bei der Attacke „Britain First” („Großbritannien an erster Stelle”) – einer der Slogans der EU-Gegner.

Der japanischen Börse hatte die Hoffnung auf einen ausbleibenden Brexit bereits zu Gewinnen verholfen: Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index schloss 1,1 Prozent höher bei 15.600 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,8 Prozent auf 1251 Punkte. Auch die amerikanischen Börsen schlossen am Donnerstag im Plus.

Auch der Dax profitiert

Neue Hinweise im Fall Jo Cox

Der Dax profitiert ebenfalls von der schwindenden Angst vor dem Austritt der Briten. Bereits vorbörslich notierte der Index gut ein Prozent im Plus. Zur Eröffnung stieg er noch einmal rund 0,9 Prozent höher auf 9639 Punkte.

Allerdings dürfte das Referendum nicht der einzige Faktor bleiben, der am Freitag die Dax-Kurse bewegt. An den Börsen verfallen heute die Terminkontrakte – es ist Hexensabbat. Traditionell gilt, dass an diesem Tag die Aktienkurse besonders stark schwanken können.

Und während sich die Kurse an den Märkten weiter bewegen, hält Großbritannien inne. Den zweiten Tag in Folge sind die politischen Kämpfe pro und gegen den Brexit ausgesetzt. Auch die Veröffentlichung vom Meinungsumfragen und ein Report des Internationalen Währungsfonds wurden verschoben. In den Medien und sozialen Netzwerken äußern Politiker und Wähler ihr Entsetzen über die das Attentat.

Finanzmarktakteure dagegen bleiben auch bei ihren Äußerungen eher kühl: „Natürlich reden die Leute darüber, dass es das Ergebnis des Referendums beeinflusst”, sagte Alan Ruskin, Co-Chef von FX Research der Deutschen Bank. Insgesamt sei die Situation sehr tragisch und die unmittelbare Reaktionen emotional. Doch: „Bis zum eigentlichen Votum bleibt immer noch gut eine Woche.”

  • jur
  • rtr
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41 Kommentare zu "Cox-Attentat: Die makabre Reaktion der Märkte"

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  • Wünsche ein schönes Wochenende und werde morgen in den Stiegel-Biergarten gehen,sofern der "Public Viewing" aus bleibt, wenn an dann gehts ins Augustiner Gruß Spiegel aus Salzburg

  • Ich erinnere bei dieser Gelegenheit an das tote Kind eines Schleppers während der
    Kampagne der Regierung für Schutzsuchende, heute noch dreht sich mir der Magen um.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Für Europa sterben ist die Botschaft des Systems aber besser nicht in der EU leben die Wahrheit des Bürgers.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Da stimme ich Ihnen 100% zu!
    Zum Glück gibt es noch viele MItmenschen, die so aufrichtig und ehrlich wie Sie denken!
    Es gibt zwei wichtige Punkte zu beachten:
    1. Die Amerikaner sind nicht so unserer Freunde, wie immer dargestellt und
    2. Die Russen sind nicht immer so unsere Feinde, wie immer dargestellt

    einfach mal richtig informieren, aber dies schafft unsere Presse, und unsere Qualitätsjournalisten leider nicht mehr...

  • Schon gestern abend konnte man hier zu dem Mord lesen, dass die Brexit-Debatte zu "emotional" geführt würde. Das war der Beginn der Kampagne, aus dieser Tat Kapital zu schlagen um die Stimmung in letzter Minute zugunsten der EU zu kippen. Dreckig!!!

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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  • Guter Mann, das Handelsblatt repräsentiert NICHT den Staat, wie Sie irrtümlich anzunehmen scheinen, sondern ist ein PRIVATES Unternehmen, das seinen Lesern, also auch Ihnen, freundlicherweise die Gelegenheit verschafft, Ihre Meinung auf seine Kosten in seinem Forum öffentlich kundzutun (auch wenn dies natürlich durchaus auch im eigenen - also des HBs - Interesse liegen mag).

    Verpflichtet ist das Handelsblatt dazu aber keineswegs.

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

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