Crash an den US-Börsen „Die Blase ist außer Kontrolle geraten“

Der weltweit wichtigste Index fällt so stark wie zuletzt vor mehr als sechs Jahren. Das rasche Wachstum der vergangenen Wochen rächt sich.
Update: 06.02.2018 - 01:16 Uhr 2 Kommentare

„Das ist der größte Tagesverlust in der Geschichte des Dow“

„Das ist der größte Tagesverlust in der Geschichte des Dow“

Frankfurt, New YorkDie US-Börsen sind mit den schwersten Verlusten seit Jahren in die neue Woche gestartet. Nach größeren Kursverlusten am Freitag brach der Dow zum Börsenstart am Montag erneut um mehrere hundert Punkte ein, fing sich danach aber wieder. Zeitweise verlor er knapp 1600 Punkte und damit so viel wie nie zuvor an einem einzelnen Handelstag.

Den Handel beendete der Dow bei 24.346 Punkten. Das entspricht einem Minus von 4,6 Prozent, beziehungsweise rund 1175 Zählern. Der breiter gefasste S&P gab um 4,1 Prozent auf 2649 Punkte nach. Beide Indizes verbuchten damit prozentual gesehen den größten Tagesverlust seit August 2011. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verlor 3,8 Prozent auf 6968 Zähler.

Der Deutsche Aktienindex (Dax) war zuvor um 0,8 Prozent auf 12.687 Punkte gefallen und schloss damit so niedrig wie zuletzt Ende September. Bereits vergangene Woche hatte der Dow Jones mehr als vier Prozent verloren.

Der Crash beendet außergewöhnlich gute Zeiten an den US-Börsen. Der S&P 500 war für 202 Tage am Stück nur maximal drei Prozent von einem Allzeithoch entfernt. Seit den Kursverlusten von Freitag ist dieser Trend gebrochen. Er dauerte fast doppelt so lang wie der vorherige Rekord, Mitte der 90er-Jahre, wie aus Zahlen des Vermögensverwalters Ritholtz hervor geht.

Noch wird darüber spekuliert, was genau den Crash ausgelöst hat. „Der Markt ist eingebrochen, weil die Blase außer Kontrolle geraten ist“, sagte Daniel Alpert, Mitgründer der New Yorker Investmentbank Westwood Capital. „Die zentrale Erkenntnis bei Märkten mit Blasen ist jedoch, dass man nie genau weiß, was der Auslöser für einen Kursrutsch sein wird. In diesem Fall waren es steigende Anleihe-Renditen, die den Markt erschreckt haben.“ Die zehnjährigen Staatsanleihen rentierten mit 2,7 Prozent. Die 30-jährigen Bonds hatten eine Rendite von fast drei Prozent.

Auch Investment-Stratege Jeffrey Kleintop vom Geldhaus Charles Schwab erklärte, er habe „nichts Fundamentales“ gesehen, was als Auslöser hätte herhalten können. „Es wurde nicht durch ein Makro-Ereignis ausgelöst“, sagte er. „Eher scheint es der Computer-getriebene Handel gewesen zu sein, der das Ungleichgewicht ausgelöst hat.“ Dem stimmte Larry Milstein, Chefhändler beim Broker R.W. Pressprich zu: „Es war wahrscheinlich irgendeine ,Black Box', Algo-Verkäufe von Aktien und -Käufe von Staatsanleihen.“

Torsten Slok, internationaler Chefökonom der Deutschen Bank, schrieb als Reaktion zum Absturz am Montagabend: „Nach den Arbeitsmarktzahlen vom Freitag kommen die Märkte zu dem Schluss, dass die US-Wirtschaft kurz vor der Überhitzung steht. Daher ist das Inflationsrisiko größer als das Risiko einer Rezession.“ Da sowohl Aktien als auch Kreditpapiere hoch bewertet seien, seien riskante Papiere „anfälliger für höhere Zinsen als zuvor“. Die Umschichtung von riskanten hin zu weniger riskanten Papieren würde noch für einige Turbulenzen sorgen, glaubt Slok. „Die Wirtschaft jedoch wächst weiter.“

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2 Kommentare zu "Crash an den US-Börsen: „Die Blase ist außer Kontrolle geraten“"

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  • Da helfen bestimmt diese komischen Vögel; wie hießen die noch? Richtig, Granufinken!

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