Dax-Absturz Nur eine Korrektur oder kommt der Crash?

Einen solch heftigen Kursrücksetzer mussten Börsianer lange nicht verdauen. Um mehr als drei Prozent stürzte der Dax am Mittwoch ab. Die Nervosität am Markt ist riesig. Kracht es weiter oder sehen wir Kaufkurse?
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Dax auf Schlingerkurs

Da brauchten selbst die hartgesottensten Anleger starke Nerven. Binnen weniger Stunden rauschte der deutsche Aktienindex (Dax) am gestrigen Mittwoch fast 400 Punkte in den Keller. Der Auslöser für den Absturz waren enttäuschende US-Wachstumszahlen, in deren Folge der Euro zum Höhenflug ansetzte und die Kurse der Bundesanleihen abstürzten. Besonders heftig aber erwischte es den Dax. Nur raus aus dem Markt, lautete die Devise. Börse extrem.

War der Kursrücksetzer vielleicht zu heftig? Die Experten glauben ja. „Da kam einiges zusammen, doch die Reaktion war übertrieben“, sagt Robert Halver, Leiter der Kapitalmarktanalyse bei der Baader Bank. „Viele Vermögensverwalter haben die Nervosität am Markt genutzt, um ein paar Gewinne mitzunehmen.“

Die Top- und Flop-Aktien im April 2015

DIEBOLD NIXDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000A0CAYB2
Börse
Xetra

-0,10 -0,18%
0,00€
Chart von DIEBOLD NIXDORF AG INHABER-AKTIEN O.N.
Wincor Nixdorf: Ausblick und aktuelle Zahlen enttäuschen
1 von 21

Das Paderborner Unternehmen senkte Mitte April seine Prognose für Umsatz und operativen Gewinn im laufenden Geschäftsjahr 2014/2015 und löste damit den heftigsten Kurseinbruch seit 2008 aus; an einem Tag brachen die im MDax notierten Titel sogar um bis zu 15,3 Prozent ein. Weitere Kursrückgänge lassen die Aktie auf den letzten Platz im 110 Werte umfassenden HDax fallen. Die ursprünglich anvisierten Ziele werden der Firma zufolge nicht erreicht. Wincor Nixdorf erwartet einen Umsatzrückgang um drei bis fünf Prozent.
Kursentwicklung im April: -22,9 Prozent

BILFINGER

WKN
ISIN
DE0005909006
Börse
Xetra

-0,32 -0,74%
0,00€
Chart von BILFINGER
Bilfinger: Prognosesenkung schockt Investoren
2 von 21

Auch der Baukonzern Bilfinger, dessen Aktien ebenfalls im MDax notieren, enttäuschte im April die Börsianer. Zum fünften Mal senkte er die Prognose und schockte damit die Investoren. Sie flüchteten in Scharen; die Aktien stürzten an einem einzigen Tag in der Spitze um mehr als 16 Prozent ab; die Aktie landet auf dem vorletzten Platz im HDax, dem Sammelindex aus Dax, MDax, und TecDax. Wegen der schlechten Entwicklung des Öl- und Gasgeschäfts in den USA sowie einer sinkenden Nachfrage in der Kraftwerksparte rechnet der Konzern mit "erheblichen Rückgängen" beim operativen Gewinn.
Kursentwicklung im April: -16,5 Prozent

JENOPTIK AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006229107
Börse
STU

0,00 0,00%
+33,82€
Chart von JENOPTIK AG INHABER-AKTIEN O.N.
Jenoptik: Beteiligungsverkauf drückt auf Aktienkurs
3 von 21

Die Aktie des Technologiekonzerns Jenoptik, die zum TecDax gehört, verliert 15 Prozent an Wert. Offenbar wirkt nach, dass die österreichische ECE Industriebeteiligungen GmbH ihren kompletten Anteil am deutschen Technologiekonzern verkauft hat. Das sei eine Überraschung gewesen, schrieb Analyst Dirk Schlamp von der DZ Bank Anfang April in einer Studie. Die Veräußerung sieht Schlamp eigentlich nicht negativ. Die Fundamentaldaten seien unberührt geblieben. Ende März hatte Finanzvorstand Andreas Günther das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger Hans-Dieter Schumacher hielt aber bislang an bereits eingeleiteten Maßnahmen, zum Beispiel der Umstellung der Finanzierungsstruktur, fest.
Kursentwicklung im April: -15,0 Prozent

ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007856023
Börse
Xetra

-0,05 -0,47%
0,00€
Chart von ELRINGKLINGER AG NAMENS-AKTIEN O.N.
ElringKlinger: Kapazitätsengpass drückt auf Ergebnis
4 von 21

Noch eine Enttäuschung, die eine Aktie innerhalb weniger Tage in die Riege der schlechtesten zehn Papiere des HDax schiebt: Der Autozulieferer ElringKlinger frustrierte Ende April die Anleger mit einer Gewinnwarnung. Die negative Überraschung bei der Gewinnentwicklung im ersten Quartal sowie die negativen Aussichten hätten seine vorsichtige Einschätzung für den Autozulieferer untermauert, schrieb Michael Raab vom Analysehaus Kepler Cheuvreux in einer Studie. Tragisch: Zumindest die zurückliegende Ergebnisschwäche resultiert anscheinend nicht aus einer mangelnden Nachfrage. Im Gegenteil: Einige Produkte seien offenbar so gefragt, dass die Produktionskapazitäten an die Grenze stießen, erklärt Raab.
Kursentwicklung im April: -12,6 Prozent

MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008430026
Börse
Xetra

+2,60 +1,39%
0,00€
Chart von MUENCHENER RUECKVERS.-GES. AG VINK.NAMENS-AKTIEN O.N.
Münchener Rück: Niedrige Zinsen lassen auch Kurs erodieren
5 von 21

Unter dem niedrigen Zinsumfeld leiden Versicherer, die mit ihren Rücklagen weniger Erträge erzielen. So macht Mark Cathcart vom Analysehaus Jefferies denn auch die „anhaltende Zinserosion in der Vermögensverwaltung“ neben eingetrübten Ergebnisperspektiven dafür verantwortlich, dass Versicherer-Aktien derzeit eine Flaute durchmachen. Für die Munich-Re-Aktie sieht der Experte ein Abwärtspotenzial von weiteren 15 Prozent. Auch die Tochter Ergo dürfte in den kommenden Monaten trotz eines bevorstehenden Management-Wechsels wenig zu weiteren Erfolgen beitragen, meint Frank Kopfinger von der Commerzbank. Der neue Ergo- und bisherige Deutschland-Chef der Allianz, Markus Riess, werde neue Strategien erst ab 2016 implementieren können.
Kursentwicklung im April: -12,0 Prozent

TAG IMMOBILIEN AG INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0008303504
Börse
Xetra

-0,12 -0,58%
0,00€
Chart von TAG IMMOBILIEN AG INHABER-AKTIEN O.N.
TAG Immobilien: Luft ist aus der Aktie raus
6 von 21

Bei Immobilien müsste das Geschäft doch eigentlich brummen, lässt sich mit Blick auf die Häusermärkte vermuten – und dennoch zählt ein Wert aus dem Sektor zu den schlechtesten zehn Aktien des HDax. Der Immobilienkonzern TAG Immobilien verliert im April zehn Prozent. Marktbeobachter sehen verschiedene Ursachen. Die niedrige EU-Inflation könnte die teilweise daran gekoppelten Mietrenditen europäischer Immobiliengesellschaften belasten, schrieb Analyst Stephen Bramley-Jackson von HSBC in einer Branchenstudie. Kollege David Prescott von Barclays glaubt, dass bei TAG Immobilien der Spielraum für weitere Kurszuschläge inzwischen fast ausgereizt sei.
Kursentwicklung im April: -10,4 Prozent

DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005140008
Börse
Xetra

+0,17 +1,60%
0,00€
Chart von DEUTSCHE BANK AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Bank: Beobachter bleiben skeptisch
7 von 21

Die Nachrichten sprechen für sich, um zu erklären, wieso Deutschlands Branchenprimus im Bankensektor im April an der Börse ebenfalls rund zehn Prozent an Wert verliert. Gerade stehen neben dem Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, vier weitere Top-Banker vor Gericht im Zusammenhang mit der Kirch-Insolvenz gegen den Vorwurf des versuchten Prozessbetrugs verteidigen. Erst kürzlich zahlte die Bank eine Milliardensumme in Folge des Libor-Skandals. Und auch die Pläne zur Konzern-Umstrukturierung werden von Marktbeobachtern mit Skepsis beurteilt.
Kursentwicklung im April: -10,1 Prozent

Auch Loys-Fondsmanager Christoph Bruns mahnt zur Besonnenheit: „Am großen Börsenbild hat sich herzlich wenig geändert. Im Gegenteil.“ Er ist überzeugt, dass die Zinsen viel länger an der Nulllinie bleiben werden, als die meisten Anleger sich vorstellen könnten. „Insofern bleiben Aktien völlig alternativlos und der Rückschlag dürfte eher eine Kaufgelegenheit sein.“ Wenn man bedenke, wie gering die Aktienbesitzquoten derzeit seien, dann müsse man stark damit rechnen, dass die Korrektur zu Käufen auf erniedrigtem Niveau genutzt werden wird. „Der größte Kurstreiber bleibt die Verzweiflung der Anleger angesichts der kümmerlichen Zinsen

“, ergänzte Ralf Zimmermann, Aktienstratege beim Bankhaus Lampe.

Am Donnerstag trauen sich die Marktteilnehmer aber noch nicht so recht aus der Deckung. Zu groß ist die Unsicherheit nach dem Absturz. Andere Länderindizes hatten am Vortag übrigens viel verhaltener reagiert als das deutsche Vorzeigebarometer. „Der Dax besitzt eine Historie der Überreaktion verglichen mit anderen Indizes“, so Bruns. Das liege daran, dass die deutschen Standardwerte überwiegend im Besitz ausländischer Investoren seien. Und die ziehen ihr Geld schneller mal ab als heimische Investoren. Erst recht, wenn der Euro steigt.

Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
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