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Dax aktuell 1,2 Prozent im Plus: Entspannungssignale im Handelsstreit stärken den Dax

Der Dax schließt am Donnerstag mit einem Plus von 100 Punkten. Optimistische Töne im Handelsstreit und die Aussicht auf eine neue Regierung in Italien haben die Anleger beruhigt.
Update: 29.08.2019 - 18:02 Uhr Kommentieren
Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax Quelle: dpa
Dax-Kurve

Der Dax ging am Vortag schwächer aus dem Handel.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Dax-Anleger haben sich über einen positiven Handelstag gefreut. Der deutsche Leitindex schließt 1,2 Prozent im Plus und notiert bei 11.838 Zählern. Das sind 137 Punkte mehr als noch zu Handelsbeginn.

Ein weiterer Sprung über die Marke von 11.866 Punkten würde laut Charttechnik ein neues Kaufsignal markieren. Noch am vergangenen Mittwoch ging der deutsche Aktienindex bei 11.701 Punkten etwa 0,25 Prozent schwächer aus dem Handel.

Auch der Index der mittelständischen Unternehmen MDax notierte 1,2 Prozent fester bei 25.392 Punkten. Der TecDax lag bei 2762 Zählern 1,3 Prozent höher. 1,4 Prozent gewann der Eurostoxx 50 und schloss mit 3411 Punkten.

Der Hauptgrund für das Plus: Die Zinsen fallen weiter, das sichert die Aktienmärkte ab. Die Rendite für zehnjährige US-Staatsanleihen liegt bei 1,48 Prozent und damit nicht nur unter dem Leitzins der US-Notenbank, sondern auch unter der erwarteten Dividendenrendite im S&P 500. Pensionskassen, Staatsfonds und Versicherungen suchen zwar in erster Linie Sicherheit, aber auch Rendite. Jetzt geraten sie zunehmend unter Handlungsdruck, das sichere Nest der Staatsanleihen zu verlassen und sich am Aktienmarkt zu engagieren.

Zudem gab es Signale aus China: Dort teilte das Handelsministerium mit, beide Seiten diskutierten über Gespräche, die im September in den USA stattfinden sollten. China sei gegen eine Eskalation des Handelskrieges mit den USA, sagte ein Ministeriumssprecher. 

Später am Tag bestätigte US-Präsident Donald Trump neue Gespräche. Trump zufolge sollen die Gespräche aber bereits diesen Donnerstag stattfinden: „Ein Gespräch ist heute auf einer anderen Ebene angesetzt“, wie er dem Sender Fox-News-Radio mitteilte.

Ihren Blick richten die Anleger weiterhin auf Großbritannien: Dort hatte Premierminister Boris Johnson am Mittwoch die Sitzungstage des Parlaments vor dem geplanten EU-Ausstieg zusammengestrichen und damit Spekulationen auf einen ungeregelten Brexit geschürt. Die No-Deal-Gegner fühlen sich überrumpelt, sie planen den Konter: ein Gesetz gegen den harten Brexit. Viel Zeit bleibt dafür aber nicht.

Der britische Aktienmarkt reagierte auf die neuesten Entwicklungen nicht. Der britische Auswahlindex FTSE legte gestern um 0,4 Prozent zu und lag diesen Donnerstag sogar ein Prozent im Plus.

Anders sieht die Lage am Devisenmarkt aus. Bereits gestern rutschte das Pfund gegen dem Dollar um knapp einen Cent ab. Und auch an diesem Donnerstag verlor die britische Währung weitere 0,2 Prozent und notiert bei 1,2188 Dollar.

„Aufgrund des hohen Unfallrisikos (eines ungeregelten Brexits), sehe ich daher eher noch einmal weiteres Abwertungspotenzial für das Pfund“, meint die Commerzbank-Devisenanalysten Esther Reichelt. „Doch klar ist auch: Die Unsicherheit darüber, in welche Richtung es für das Pfund geht ist erheblich, solange noch vollkommen unklar ist, welchen Weg sowohl Johnson als auch seine Gegner in den kommenden Wochen eingeschlagen werden“.

Die Aussicht auf eine neue Regierung unter dem bisherigen Ministerpräsidenten Giuseppe Conte lässt Anleger in Italien aufatmen. Der Leitindex FTSE MIB legte bis zu zwei Prozent zu und notierte mit 21.366 Zählern so hoch wie seit Anfang August nicht mehr. Am Anleihemarkt sank die Rendite der zehnjährigen Papiere auf ein Rekordtief von 0,971 Prozent. Der Risikoaufschlag auf die vergleichbaren deutschen Bonds fiel auf den niedrigsten Stand seit Januar 2018.

Die oppositionellen Sozialdemokraten (PD) und die populistischen 5 Sterne hatten sich am Mittwoch auf die Bildung einer Regierung verständigt. Es wird erwartet, dass Präsident Sergio Mattarella Conte den Auftrag zur Regierungsbildung erteilt.

„Das ist aus Anlegersicht das Beste, was Italien momentan passieren kann“, sagte Experte Marco Wagner von der Commerzbank. „Eins ist klar: Wenn diese Regierung nicht kommt, wird es Neuwahlen geben, und die PD und die 5 Sterne werden in der Versenkung verschwinden.“ Großartige Strukturreformen seien aber auch von einer neuen Regierung nicht zu erwarten. Auch der Haushalt werde wohl nicht in Ordnung gebracht werden. „Es wird aber trotzdem eine Regierung sein, die finanziell nicht völlig über die Stränge schlagen wird.“

Trotz der vielen Ereignisse an den Finanzmärkten bleibt der Dax standhaft. Seit Mitte August bewegt sich der Index in der Spanne zwischen 11.850 Punkten auf der Ober- und 11.600 Zählern auf der Unterseite. „Die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer ist derzeit nicht besonders hoch“, meinen die Analysten der Landesbank Helaba.

Dieser Trend könnte durchaus anhalten. Denn nach Meinung des Sentimentexperten Joachim Goldberg haben sich einige mittelfristig orientierte Anlageprofis zurückgezogen. Das zeigen die Daten der aktuellen Stimmungsfrage der Börse Frankfurt, die der Verhaltensökonom jede Woche auswertet.

Und ohne größere Nachfrage dürfte der Dax weiterhin seitwärts tendieren. Kaufbereit seien die heimischen Investoren nicht, kaufen könnten lediglich ausländische Anleger.

Optimistischer für die weitere mittelfristige Entwicklung an den Aktienmärkten ist der bekannte Börsenstratege Klaus Kaldemorgen. Seiner Meinung nach dürfte die lockere Geldpolitik die Aktienkurse trotz schwacher Konjunktur unterstützen. „Wenn konkurrierende Anlagen keine Rendite mehr versprechen, sind selbst Rendite-Erwartungen im mittleren einstelligen Bereich gute Argumente für eine Anlage in Aktien“, schreibt der DWS-Fondsmanager.

Einige große Player haben bereits gehandelt. Der norwegische Öl-Fonds, mit 920 Milliarden Euro Vermögen einer der größten Staatsfonds der Welt hat mittlerweile seine Aktienquote auf fast siebzig Prozent aufgestockt. Dies ist der höchste Anteil an Aktien in der Geschichte des Fonds.

Die etwas sinkende Risikoscheu stützte die Renditen am Anleihemarkt. Die Verzinsung der zehnjährigen deutschen Staatsanleihe stieg auf minus 0,71 Prozent und lag damit etwas über dem Rekordtief von minus 0,728 Prozent, das am Mittwoch erreicht wurde. Auch Gold blieb gefragt. Mit 1390,71 Euro kostete eine Feinunze (31,1 Gramm) zeitweise so viel wie nie. Die Experten des Goldhändlers Heraeus gehen nicht von anhaltenden Kursgewinnen aus. „Trotz der insgesamt guten Perspektiven ist eine Fortsetzung der Gold-Rally keine ausgemachte Sache“, schrieben sie. Viele Anleger hätten sich bereits eingedeckt. Deswegen sei es möglich, dass der Preis im Schlussquartal wieder sinke.

Blick auf die Einzelwerte

Cancom: Am ersten Tag im MDax legten die Aktien des IT-Unternehmens über drei Prozent zu. Der außerplanmäßige Wechsel in den Mittelwerteindex war nötig geworden, weil der Streubesitz von Axel Springer nach der Übernahme durch KKR unter die nötige Schwelle gefallen war. In den Kleinwerteindex SDax rückte dafür der Essener Immobilienentwickler Instone nach, dessen Aktien über drei Prozent nachgaben. Regulär überprüft die Deutsche Börse die Zusammensetzung ihrer Indizes in der kommenden Woche.

Volkswagen: Die Aktien legten 1,3 Prozent zu. Die US-Investmentbank JP Morgan hat die Anleihen des Unternehmens auf „Overweight“ von „Neutral“ hochgestuft.

Continental: Die Aktien gewannen 0,7 Prozent, obwohl die US-Bank Citigroup ihr Preisziel für das Continental-Papier auf 112 von 138 Euro gesenkt hat.

Fielmann: Die Geschäfte der Optikerkette laufen besser als gedacht. Der Konzernumsatz kletterte im ersten Halbjahr um 6,6 Prozent auf über 758 Millionen Euro. Zugleich sprang der Gewinn vor Steuern binnen Jahresfrist um zehn Prozent auf 127,6 Millionen Euro. Die Aktie notierte 0,3 Prozent im Plus.

Bouygues: In Paris schnellten die Aktien des Mischkonzerns um mehr als sechs Prozent in die Höhe. Das Telekom- und das TV-Geschäft bescherten dem Unternehmen in der ersten Jahreshälfte ein besseres Ergebnis als erwartet und halfen über die Schwäche im Baugeschäft hinweg.

Was die Charttechnik sagt

Der Kampf um die 200-Tage-Linie, die aktuell bei 11.659 Zählern notiert, steht im Fokus der technischen Analyse. Dieser Gradmesser für den längerfristigen Trend steigt zwar seit Monaten, aber nur minimal. Sollte sich die Frankfurter Benchmark deutlich von dieser Linie entfernen, sollten Anleger laut Charttechnik prozyklisch handeln und auf weitere Kursgewinn oder auf weitere -verluste setzen.

Für einen Befreiungsschlag dürfte ein Sprung über die letzten Verlaufshochs bei 11.853/11.866 Punkten sorgen. Klar ist aber auch: Die Erholungsrally seit dem Tief im August mit damals 11.266 Punkten ist beendet. Zwar konnte der Leitindex im Zug dieser Welle bis auf 11.853 Zähler steigen, musste sich aber den Widerständen an dieser Marke geschlagen geben.

Im Fokus stehen laut Charttechnik zunächst zwei Marken: 11.559 Punkte als 50-Prozent-Korrektur des Anstiegs von 11.266 Zähler auf 11.853 Punkte. Am Freitag vergangener Woche wurde diese Marke erfolgreich getestet, das Tagestief lag bei 11.551 Punkte.

Wichtiger dürfte die Maximalkorrektur des Anstiegs sein, die bei 11.490 Zählern liegt. Darunter darf auch mit Tiefs unter 11.266 Zählern gerechnet werden. Nach Meinung des freien Charttechnikers Holger Struck dürften das dann aber günstige Einkaufsmöglichkeiten des Spätsommers 2019 sein. Allerdings sollten Anleger auch kurzfristige Ausrutscher unter diese Marke mit einrechnen.

Blick auf die Börsen in Asien und USA

Kursgewinne bei den Technologiewerten haben die Wall Street am Donnerstag beflügelt. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging über ein Prozent höher in den Handel und lag zuletzt bei 26.300 Zählern. Auch der Index der Technologiebörse Nasdaq rückte vor und zwar um 1,4 Prozent. Der breit gefasste S&P 500 stieg am Donnerstag um 1,2 Prozent auf 2919 Punkte.

China hatte zuletzt Entspannungsimpulse an die Märkte gesendet, indem das Land betonte, weitere Gespräche mit den USA zu suchen. Die exportabhängigen Technologiewerte konnten dadurch teilweise über drei Prozent hinzugewinnen.

In Erwartung einer weiteren Abkühlung der Weltkonjunktur haben sich Anleger an Asiens Börsen am Donnerstag zurückgehalten. In Tokio verlor der Leitindex Nikkei 0,4 Prozent auf 20.390 Punkte. Der MSCI-Index für die asiatischen Werte außerhalb Japans notierte unverändert.

Analystencheck: JP Morgan rät zum Verkauf der Novartis-Aktie

Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Novartis auf „Underweight“ mit einem Kursziel von 82 Franken belassen. Unter den großen Pharmawerten weise Novartis das geringste Potenzial auf, schrieb Analyst Richard Vosser in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Der faire Wert sei nahezu erreicht und Risiken für negative Überraschungen gegeben.

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