Dax aktuell Commerzbank und Deutsche Bank halten Dax über gefährlicher Marke

Die Bank-Werte grenzen am Dienstag die Verluste des Dax ein. Eine wichtige Schwelle bleibt aber nahe: Wird sie gerissen, droht ein Abwärtsstrudel.
Update: 11.09.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren

„Der Optimismus ist verpufft“ – Dax rutscht deutlich ab

Frankfurt/DüsseldorfDas Aufatmen an der Börse ist vorbei: Der Dax ging am Dienstag um 0,1 Prozent tiefer bei 11.970 Punkten aus dem Handel. Nachdem der deutsche Aktienmarkt am Dienstagmorgen dank Rückenwind aus Japan und den USA noch Gewinne verzeichnet hatte, ging es im Tagesverlauf bergab. Zwischenzeitlich sackte der Index bis auf 11.865 Punkte ab.

Die am Montag begonnene positive Entwicklung reißt damit ab. Der Leitindex blieb zum Handelsschluss unter der psychologisch wichtigen Marke von 12.000 Punkten und knüpfte an die betrübliche Vorwoche an. Hier hatte er die längste Minus-Serie seit mehr als einem Jahr hingelegt.

Die Bank-Werte sorgten am Dienstag dafür, dass das Minus nicht noch deutlicher ausfiel. So setzte die Commerzbank ihre Rally vom Vortag nach Handelseröffnung fort und gewann letztendlich 2,3 Prozent und war damit Dax-Spitzenreiter. Schon am Montag hatte ausgerechnet das Papier der lange schwächelnden Großbank den Leitindex angetrieben – und das, obwohl seit der vergangenen Woche feststeht, dass die Bank zum 24. September nach 30 Jahren aus der ersten Börsenliga absteigt.

Fusionsgerüchte trieben den Kurs der Aktie an, wovon auch die Deutsche Bank profitierte. Deutschlands größtes Geldhaus gehörte am Morgen mit einem einem Plus von bis zu 0,9 Prozent zu den drei Werten mit dem besten Start und notierte zu Börsenschluss noch 0,5 Prozent im Plus.

Ansonsten bestimmte die Furcht vor einer neuen Eskalation des Handelsstreits zwischen den USA und China viele Gespräche auf dem Börsenparkett. Beunruhigend ist laut Analysten, dass dieser immer mehr Länder betrifft. Der US-Präsident hatte China mit weiteren Zöllen auf Produkte im Wert von 267 Milliarden Dollar gedroht und erklärt, diese könnten kurzfristig in Kraft treten.

Im Handelsstreit zwischen den USA und China wachse die Gefahr einer neuen Eskalationsstufe, sagte Analyst Christian Schmidt von der Landesbank Helaba. Auch Japan rücke neben China, der EU, Mexiko und Kanada als potenzielles Ziel für höhere US-Zölle in den Fokus. Die Frage sei, wann auch die Wall Street damit beginne, höhere Risiken einzupreisen.

Mut machte den Anlegern zeitweise die Aussicht auf einen Brexit-Deal sowie die zumindest momentane Beruhigung der Währungskrise in Schwellenländern. „Das Ausbleiben schlechter Nachrichten reicht im Moment schon“, kommentierte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners.

Was die Charttechnik sagt

In der vergangenen Woche war der Dax 3,3 Prozent um mehr als 400 Punkte abgesackt und erstmals seit Anfang April unter die Marke von 12.000 Zählern gefallen. Aus Sicht der Charttechnik bleiben nun die Marken von 11.726 Punkten, dem bisherigen Dax-Jahrestief, und von 11.800 Zählern im Fokus.

Nach Meinung von Analyst Jörg Scherer eröffnet sich bei einem Reißen der 11.800-Punkte-Marke ein weiteres Abwärtspotenzial von insgesamt rund 1800 Punkten. Für den freien Charttechniker Holger Struck würde sich die technische Lage am Dax erst verbessern, wenn der Leitindex über 12.092 oder 12.100 Punkte steigen würde.

„Auf dem aktuellen Niveau sollte es sich der Dax nicht allzu bequem machen, denn nur gute 200 Punkte tiefer liegt ein Bereich, der möglichst nicht unterschritten werden sollte, um nicht eine stärkere Korrektur oder am Ende gar einen Crash auszulösen“, warnte Marktanalyst Jochen Stanzl am Montag.

Die weiteren Indizes im Überblick

Der MDax, der Index der mittelgroßen Werte, schloss mit 26.348 Punkten auf dem Niveau des Vortags. Der Technologie-Index TecDax gab um 0,5 Prozent nach auf 2895 Punkte. Um 0,1 Prozent ging es für den EuroStoxx 50 abwärts.

Einzelwerte im Fokus

Infineon: Einen genauen Blick warfen Anleger auf die Aktien des im Dax notierten Chipherstellers Infineon, nachdem der japanische Konkurrent Renesas die 6,7 Milliarden Dollar schwere Übernahme der US-Firma Integrated Device Technology (IDT) angekündigt hatte. „Da der Konzern wie Infineon auf die Automobilindustrie spezialisiert ist, entsteht für Infineon womöglich ein neuer großer Konkurrent“, sagte ein Händler. Die Titel des Konzerns sanken um 1,9 Prozent.

Eon: Die Titel großer Versorger, die als besonders krisenunanfällig gelten, profitierten am Dienstag vom allgemein schwierigen politischen Umfeld. Eon-Titel legten 1,2 Prozent zu.

RWE: Auch bei RWE ging es aufwärts. Der Stromriese schloss 1,1 Prozent im Plus und setzte sich damit hinter Eon im Dax-Ranking.

Aareal Bank: Die Anteilsscheine der Privatbank gewannen im MDax 1,5 Prozent. Der Finanzierer gewerblicher Immobilien will wie erwartet die sich in der Abwicklung befindende Düsseldorfer Hypothekenbank übernehmen.

Bayer: Der Chemiekonzern gab als Schlusslicht im deutschen Leitindex um 2,9 Prozent auf 70,34 Euro nach, den schlechtesten Wert seit über fünf Jahren. Analystin Luisa Hector von der französischen Bank Exane BNP warnte davor, dass es nicht nur mit Blick auf Monsantos strittigen Unkrautvernichter Glyphosat Risiken beim deutschen Chemie- und Pharmakonzern gebe.

Devisenmarkt: Pfund legt zu – Hoffen auf Brexit-Deal

Spekulationen auf baldige Ergebnisse bei den Verhandlungen über einen Brexit trieben das Pfund Sterling am Dienstag zwischenzeitlich an. Es verteuerte sich um bis zu 0,3 Prozent auf 1,3063 Dollar. Das war der höchste Stand seit knapp sechs Wochen. Beobachtern zufolge war dafür die Aussage von EU-Chefunterhändler Michel Barnier verantwortlich, der am Montag gesagt hatte, er halte ein Abkommen über den Ausstieg Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) binnen zwei Monaten für machbar.

„Es ist nicht das erste Mal, dass der harte Knochen Barnier Hoffnungen am Markt aufkeimen lässt, dass alles noch ein gutes Ende finden könnte“, sagte Antje Praefcke, Analystin bei der Commerzbank. Seine Aussagen seien keine großen Neuigkeiten, da ja ohnehin geplant war, Ende Oktober oder Anfang November einen Deal zu erzielen. „Aber eine willkommene Verschnaufpause für das Pfund sind sie allemal.“

Vorgaben aus Übersee

Der amerikanisch-chinesische Handelsstreit trübt auch weiter die Stimmung an Asiens Aktienmärkten. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans sank am Dienstag 0,3 Prozent. In Tokio stieg der 225 Werte umfassende Nikkei-Index um ein Prozent auf 22.596 Punkte. Er wurde gestützt von Kursverlusten des Yen, von denen die exportorientierten japanischen Unternehmen profitieren.

Der Dow-Jones-Index der Standardwerte eröffnete ebenso wie der breiter gefasste S&P-500 mit 0,3 Prozent im Minus. Am Vortag war der S&P-500 noch um 0,2 Prozent auf 2877 Zähler gestiegen und hatte in der Nähe seines kürzlich erreichten Rekordhochs gelegen..

Analystencheck: JPMorgan empfiehlt FMC zum Kauf

Die US-Bank JPMorgan hat die Aktie des Dialysespezialisten FMC nach einer hauseigenen Analystenkonferenz mit Unternehmenschef Rice Powell auf „overweight“ mit einem Kursziel von 97,90 Euro belassen. Das Papier werde mit einem erheblichen Abschlag zum Sektor gehandelt, schrieb Analyst David Adlington in einer am Montag vorliegenden Studie. Derweil sollten sich die Margen im zweiten Halbjahr und die Kostenerstattungen für Behandlungen in den USA im kommenden Jahr verbessern und für eine steigende Bewertung sorgen.

Von den 41 Studien im Handelsblatt-Analystencheck zu FMC empfehlen 22 das Papier zum Kauf. Neben keiner einzigen Verkaufsempfehlung gibt es 19 Mal die Einstufung „neutral“. Das gewichtete Kursziel, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt mit 97,90 Euro über dem aktuellen Kurs von rund 86,98 Euro.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck

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