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Dax aktuell Dax auf Berg- und Talfahrt – Deutsche-Bank-Aktie ist größter Gewinner

Eine kleine Andeutung von EZB-Chef Mario Draghi sorgt für deutliche Pluszeichen bei den Bankwerten. Die Infineon-Aktie bricht nach einer Gewinnwarnung ein.
Update: 27.03.2019 - 18:16 Uhr 1 Kommentar

Anleger sollten vorsichtig sein – trotz Erholung an den Märkten

FrankfurtTurbulenter Handelstag beim Dax: Nach anfänglichen Verlusten und deutlichen Gewinnen am Nachmittag schloss der deutsche Leitindex nach schwachen Vorgaben aus den USA am Abend fast unverändert bei 11.419 Punkten. Am Dienstag hatte das Börsenbarometer um 0,6 Prozent auf 11.419 Punkte zugelegt.

Sind damit die Kursverluste der vergangenen Woche nun beendet und waren nur ein Ausrutscher? Das ist schwer zu glauben. Aus Sicht der Charttechnik ist die Erholung derzeit nur eine kurzfristige, langfristig bleibt der Leitindex angeschlagen.

Im Fokus des Handels stand zunächst Wirecard: Plus 30 Prozent innerhalb weniger Minuten, wann gab es das schon mal bei einem Dax-Wert? Die Aktie des Zahlungsdienstleisters hatte das am Dienstag geschafft, nachdem laut einer externen Untersuchung die Korruptionsvorwürfe in Asien keine wesentlichen Auswirkungen auf die Abschlüsse haben. Es wurden aber einige falsche Buchungen entdeckt. Also ein Freisprung mit Schönheitsfehlern.

Am Mittwoch notierte die Aktie zur Eröffnung 1,6 Prozent im Plus bei 127,10 Euro. Doch danach setzten schnell Gewinnmitnahmen ein, der Kurs zeigt sich sehr volatil. Die Aktie schloss und 0,5 Prozent im Minus. Das Handelsvolumen bei der Aktie ist riesig. Am gestrigen Dienstag wurden 521 Millionen Papiere gehandelt – deutlich mehr als von allen anderen Dax-Werten. Das gleiche Bild zeigt sich auch am heutigen Handelstag.

Zur Erinnerung: Die Aktie des Zahlungsdienstleisters, die seit September dem Dax angehört, fiel aufgrund der Berichte über die Vorkommnisse in Asien in den vergangenen turbulenten Wochen von 167,40 Euro bis auf ein Tief von 86 Euro. Insgesamt gingen in der Spitze bis zu zehn Milliarden Euro Börsenwert verloren.

Doch EZB-Chef Mario Draghi hat dafür gesorgt, dass die Banktitel zu den großen Gewinnern des heutigen Handelstages zählen. Zwar will die EZB die Zinswende bei einer stärkeren Konjunktureintrübung notfalls länger hinausschieben. Eine negative Nachricht für die Banken, deren Geschäft unter den Niedrigzinsen leidet. Doch der Notenbanker deutete zudem an, dass die Europäische Zentralbank die Nebenwirkungen der langanhaltenden Niedrigzinsen für Banken überprüfen könnte. An der Börse wurde das als ein Hinweis gewertet, dass die EZB womöglich einen gestaffelten Einlagenzinssatz erwägen könnte, um die Geldhäuser zu entlasten.

Das Ergebnis: Commerzbank gewannen bis zu 5,4 Prozent und gingen mit knapp fünf Prozent Plus aus dem Handel. Titel der Deutschen Bank legten bis Handelsschluss um 2,9 Prozent auf 7,51 Euro zu und waren damit die Gewinner im Dax. Auch die Kurse der anderen europäischen Bankenwerte konnten deutlich zulegen, der Branchenindex stieg um mehr als drei Prozent.

Und an diesem Mittwoch ist mal wieder Brexit-Day: Das britische Parlament berät über Alternativen zum Austrittsabkommen. Sollte man sich auf irgendetwas einigen, dürfte das Schwung in den Handel bringen.

Als mögliche Optionen für die Parlamentsabstimmung werden verschiedene Varianten einer engeren Anbindung an die Europäische Union oder ein zweites Referendum gehandelt. Aber sogar eine Abkehr vom Brexit durch Zurückziehen der Austrittserklärung ist im Gespräch.

Eigentlich sollte Großbritannien die EU am 29. März verlassen. In der vergangenen Woche hat die EU London eine Verschiebung des Brexits bis zum 22. Mai angeboten. Bedingung dafür ist, dass das Unterhaus in dieser Woche den Austrittsvertrag billigt. Andernfalls gilt die Verlängerung nur bis zum 12. April.

Angesichts der anhaltenden Unsicherheit rund um den Brexit und der trüben Konjunkturaussichten haben Investoren am Mittwoch erneut bei den als sicher geltenden Anleihen zugegriffen. Das drückte die Rendite der viel beachteten zehnjährigen Bundesanleihen tiefer in den roten Bereich. Sie fiel bis auf minus 0,053 Prozent von zuvor minus 0,014 Prozent und lag damit so niedrig wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

Der Grund für den Rendite-Rutsch: Die Europäische Zentralbank (EZB) steht aus Sicht von Notenbankchef Mario Draghi bereit, bei einer stärkeren Eintrübung der Konjunktur die Zinswende weiter nach hinten zu verschieben. Die Notenbank würde dann sicherstellen, dass die Geldpolitik die Wirtschaft unterstütze, indem sie ihren Zinsausblick anpasse, sagte Draghi am Mittwoch auf einer Notenbank-Konferenz in Frankfurt. „Wir sind nicht knapp an Instrumenten, um unser Mandat zu erfüllen.“ 

Eine sehr interessante Story an den Märkten bietet derzeit die türkische Lira, die am Dienstag deutlich im Wert zulegen konnte. Aktuell kostet ein Euro 6,128 Lira. Haben sich fundamentale Werte der türkischen Volkswirtschaft geändert? Nein.

Es haben sich nur die Short-Positionen, mit denen Marktteilnehmer sich vor einem Kursverfall der türkischen Lira absichern, deutlich verteuert. Laut Medienberichten verleihen türkische Banken derzeit nicht (oder zumindest sehr unwillig) türkische Lira an ausländische Banken, wodurch der Preis für Absicherungen in die Höhe schoss. Denn solche Short-Positionen haben eine kreditfinanzierte Komponente und lohnen sich bei höheren Zinsen nicht mehr. Und mit der Auflösung der Short-Positionen ist der Lira-Kurs wieder gestiegen.

Eine interessante Entdeckung haben die Devisenanalysten der Commerzbank gemacht. Sie beobachten gerade den Anfang der Einführung echter, harter Kapitalverkehrskontrollen, die nachhaltig eine Lira-Abwertung verhindern sollen.

„Doch solch ein Schritt ist nicht lange geheim zu halten“, meinen die Commerzbanker. Würde er von der Öffentlichkeit erkannt werden, wäre das der Super-Gau für Kapitalzufuhr aus dem Ausland und damit auch für das Wirtschaftswachstum.

Blick auf die Einzelwerte

Infineon: Die Aktien des Chipherstellers brachen um bis zu 8,6 Prozent ein und steuerten auf den größten Tagesverlust seit fast sieben Jahren zu. Zum Handelsschluss lag die Aktie 5,2 Prozent im Minus. Der Chipkonzern strich ihre Gesamtjahresziele zusammen. Im Sog von Infineon verloren die Titel des Chip-Designers Dialog Semiconductor drei Prozent.

SGL Carbon: Der Kohlenstoff-Spezialist hat 2018 seine Jahresziele leicht übertroffen. Im laufenden Jahr peilt der Vorstand einen Anstieg des Umsatzes im mittleren einstelligen Prozentbereich an, während das Ebit wohl auf dem Vorjahresniveau stagnieren dürfte. Die Aktie stieg um 7,9 Prozent.

Novartis: Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat eine Zulassung für das Multiple-Sklerose-Medikament Mayzent des Schweizer Pharmakonzerns erteilt. Der Nachfolger des Blockbuster-Mittels Gilenya darf demnach bei Erwachsenen mit rezidivierenden Formen der Krankheit angewendet werden. Diese Nachricht beschert dem Papier ein Plus von 0,1 Prozent.

Ströer: Der Werbe- und Medienkonzern will seine Aktionäre an dem um 15 Prozent auf 200 Millionen Euro gestiegenen Gewinn beteiligen. Die Dividende soll um 0,70 Euro auf 2,00 Euro je Aktie angehoben werden. Aus diesem Grund steigt der Titel um 3,6 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax könnte am heutigen Handelstag die negative Lage aus Sicht der Charttechnik etwas entspannen. Voraussetzung dafür: Der Index müsste mit einer Notierung über 11.458/11.500 Punkten aus dem Handel gehen. Kurse darunter wären nur eine sogenannte technische Reaktion nach den deutlichen Verlusten am vergangenen Freitag.

Sollte der Index wieder fallen, kommt als Widerstand die Marke von rund 11.233 Zählern infrage, darunter zählen 11.051 Punkte als weitere Haltemarke. Die richtig große Unterstützungsmarke ist aber das bisherige Mehrjahrestief, das der Dax Ende Dezember mit 10.279 Zählern verzeichnete.

Das größere Bild zeigt:Der Aufwärtstrend des Dax seit dem Stand von 10.279 Punkten im Dezember ist erst einmal Geschichte. Der Leitindex hat mit der 200-Tage-Linie gekämpft und sie am Dienstag vergangener Woche mit 11.823 Punkten sogar kurzfristig überwunden. Dieser Durchschnitt, der aktuell bei 11.745 Punkten liegt, wird klassischerweise zur Beurteilung des längerfristigen Trends herangezogen.

Doch der Kampf mit diesem Chart ist spätestens mit dem Rutsch unterhalb von 11.458 Zählern am vergangenen Freitag auf (vermutlich) längere Zeit verloren. Das bedeutet: Der Kursanstieg seit Ende Dezember 2018 ist derzeit keine neue Hausse, sondern nur eine Rally innerhalb eines Bärenmarktes.

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1 Kommentar zu "Dax aktuell: Dax auf Berg- und Talfahrt – Deutsche-Bank-Aktie ist größter Gewinner"

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  • Liest von der Redaktion jemand die veröffentlichten Artikel? Über Formulierungen, wie z.B. "Freisprung" statt "Freispruch", kann man noch hinwegsehen. Aber ein Handel von 521 Millionen Aktien von Wirecard an einem Tag wäre mehr als das Dreifache des Bestandes! Wo bleibt der journalistische Anspruch des Handelsblatts?