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Dax aktuell Dax dreht zum Handelsschluss ins Plus – Thyssen-Krupp und Salzgitter gefragt

Die Lage am Aktienmarkt ist ungewöhnlich: Seit dem 10. November gibt es extrem geringe Kursschwankungen. Dabei spricht einiges für eine Korrektur.
04.12.2020 - 18:00 Uhr Kommentieren
Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax Quelle: dpa
Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der Dax hat am Freitag knapp unter der Marke von 13.300 Punkten geschlossen. Der deutsche Leitindex ging mit einem Plus von 0,4 Prozent bei 13.299 Zählern aus dem Handel. Seinen Verlust auf Wochensicht grenzte das Frankfurter Börsenbaromter auf 0,3 Prozent ein.

Damit zeigten sich die Anleger am deutschen Aktienmarkt ebenso wie an den US-Börsen unbeeindruckt von den schwächer als erwartet ausgefallenen US-Arbeitsmarktdaten. An der Wall Street erreichten die wichtigsten Indizes sogar allesamt neue Rekorde.

Am US-Arbeitsmarkt hat das Tempo beim Stellenaufbau nach den Entlassungswellen der Coronakrise überraschend deutlich nachgelassen. Im November schufen die Firmen außerhalb der Landwirtschaft nur noch 245.000 Jobs, wie die Regierung am Freitag mitteilte. Analysten hatten im Schnitt mit 440.000 neuen Arbeitsplätze gerechnet.

Die Anleger werteten das aber nicht als schlechtes Zeichen. Vielmehr rechnen sie jetzt mit weiteren Konjunkturhilfen in den USA. „Für die US-Notenbank sind die Arbeitsmarktdaten ein Alarmzeichen“, kommentierte Ökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. „Der Aufschwung stockt. Fed-Chef Jerome Powell muss deshalb wohl noch eine Schippe drauflegen. Vermutlich wird dies noch im laufenden Jahr der Fall sein.“

Die Lage am Aktienmarkt ist ungewöhnlich: Seit dem 10. November steckt der Dax quasi in einem Winterschlaf. Die Handelsspanne beträgt rund nur 440 Punkte – 13.445 Zähler auf der Ober-, 13.005 Punkte auf der Unterseite. Das ist eine extrem geringe Konsolidierung auf hohem Niveau. In den neun Tagen zuvor war der deutsche Leitindex um rund 16 Prozent geklettert.

Warum nehmen die Anleger keine Gewinne mit? Das liegt an den positiven Nachrichten für das Börsenjahr 2021, das laut vielen Anlagestrategen das Jahr der Aktie werden soll. Deswegen herrscht am Markt eine positive Grundstimmung, hoher Zukunftsoptimismus und hohe Investitionsbereitschaft. Das alles spricht für weiter steigende Kurse. Euphorie, die als Warnsignal für bald wieder fallende Notierungen gilt, existiert noch nicht.

Also warten diese Optimisten geduldig auf weiter steigende Kurse. Für den Verhaltensökonomen Joachim Goldberg ist diese Geduld schon erstaunlich. „Fast schon hat es den Anschein, als warten viele auf den Weihnachtsmann, damit dieser der Aufwärtsbewegung noch einmal richtig Momentum verleiht“, meint er nach Auswertung der aktuellen Anlegerumfrage der Börse Frankfurt.

Doch kaufen will auf dem aktuellen Niveau, das nur rund 500 Punkte unterhalb des Rekordhochs von 13.795 Punkten liegt, auch kaum jemand. Viele Investoren erwarten nun mal eine normale Korrektur mit deutlich tieferen Kursen – deswegen der Dax-Winterschlaf.

Seit Wochen warten diese Anleger auf günstigere Einstiegskurse. Auf ihrem weihnachtlichen Wunschzettel für die kommenden Handelstage stehen laut Umfrage der Börse Frankfurt Dax-Notierungen um die 12.700 Punkte. Das wäre ihr Wunschziel für weitere Käufe.

Wodurch könnte der Dax seinen Winterschlaf beenden? Zum einen durch extrem negative Nachrichten, beispielsweise in Sachen Corona-Impfstoff. Oder das derzeitige Machtvakuum in den USA sorgt dafür, dass der US-Markt deutlich korrigiert. Denn die US-Börsen gelten nach den deutlichen Kurssteigerungen als „überhitzt“, eine Korrektur scheint überfällig.

Saisonale Faktoren signalisieren eher eine Verschnaufpause. „Gerade in der zweiten Dezemberwoche kommt es oftmals zu einer temporären Delle im Verlauf der Jahresendrally“, haben die technischen Analysten der Bank HSBC herausgefunden.

Das war beispielsweise im Börsenjahr 2019 der Fall, als der Dax innerhalb von vier Tagen im Dezember um knapp 300 Punkte abrutschte. Auch 2017 gab er in diesem Börsenmonat innerhalb von sechs Handelstagen mehr als 200 Punkte nach.

Und was passiert, wenn der Dax unerwartet ein neues Corona-Hoch markiert, was bei Kursen oberhalb von 13.460 Zählern der Fall wäre? Dann müssten viele Anleger einen neuen Weihnachts-Wunschzettel ausfüllen. Der Wunschwert von 12.700 Zählern wäre passé, möglicherweise müssen sie dann den steigenden Kursen hinterherlaufen.

Welche Kursziele dann ausgegeben werden, weiß momentan nur der Weihnachtsmann. Doch auch Santa Claus kennt die Börsenregel: Je länger eine solche Seitwärtsphase dauert, desto dynamischer erfolgt der Ausbruch.

Biontech-Papier zeigt sich volatil

Die Euphorie im Zusammenhang mit den Corona-Impfstoffen ist zumindest kurzfristig verflogen. Auslöser ist ein Bericht vom „Wall Street Journal“, demzufolge halbierte Pfizer wegen Problemen mit der Qualität von zugelieferten Grundstoffen sein Produktionsziel für den Corona-Impfstoff.

Die Biontech-Aktien verloren am deutschen Aktienmarkt 2,9 Prozent und gingen bei 96,79 Euro aus dem Handel. Das Rekordhoch, das in dieser Woche erreicht wurde, liegt bei 108,90 Euro. Die in Deutschland notierten Titel des US-Pharmakonzerns geben 1,5 Prozent nach. Pfizer hat das Lieferkettenproblem nach eigenen Angaben inzwischen gelöst.

Das Papier ist für den Trend „sell-on-good-news“ anfällig. Was bedeutet: Das Papier wird aufgrund einer hohen Kursfantasie gekauft, bei anschließend erlangten Fakten aber wieder verkauft. Als nächstes wichtiges Datum steht die Notfallzulassung bei der US-Behörde FDA an, die Mitte Dezember erfolgen könnte. Gut möglich, dass die Biontech-Aktie bis dahin wieder steigt.

Im Zusammenhang mit der Biontech-Entwicklung gaben auch die Aktien des Tübinger Impfstoffherstellers Curevac zunächst nach, schlossen aber leicht im Plus. Die Nachricht beflügelte hingegen das Papier von Moderna, die Aktie stieg am Donnerstag am US-Markt um mehr als zehn Prozent. Am Freitag liegt sie aber vier Prozent im Minus. Mit aktuell rund 127 Euro ist das Papier dennoch deutlich vom Rekordhoch entfernt, das bei 150 Euro liegt.

Eine der heißesten und damit auch risikoreichsten Aktien, die in Verbindung mit Impfstoffen stehen, ist Va-Q-Tec. Das Würzburger Unternehmen stellt Container für den Transport der Impfstoffe her. Denn die Milliarden von Impfstoffdosen müssen bei dem Transport und der Lagerung gekühlt werden.

Der Aktienkurs hat sich im vergangenen Monat verdoppelt und seit Jahresbeginn mehr als verdreifacht. Der aktuelle Kurs liegt 41,30 Euro, minus 1,7 Prozent gegenüber dem Vortag. „Wir befinden uns in der Finalisierung unseres ersten Vertrags mit einem Covid-Impfstoffhersteller, und haben schon angefangen, die Produktion für den Kunden hochzufahren”, sagte Vorstandschef Joachim Kuhn gegenüber Bloomberg.

Wie risikoreich die drastischen Kursschwankungen bei der Aktie sein können, haben Anleger am 16. November erfahren. An dem Tag hatten vermutlich viele Privatanleger 29.404 Va-Q-Tec-Papiere im Wert von über 1,546 Millionen Euro gehandelt, offenbar ohne Kurslimit. Diese erste Tagesorder trieb an dem Montag den Kurs auf den Eröffnungskurs von 52,60 Euro, nach einem Schlusskurs des Vortages bei 37,40 Euro. Im Tagesverlauf rutschte die Aktie allerdings wieder ab und schloss bei 36,50, also unterhalb des Schlussstands vom Freitag. Aus den 1,546 Millionen Euro sind innerhalb eines Tages 1,073 Millionen Euro geworden.

Blick auf die Einzelwerte

Daimler: Die Aktien des Autobauers beendeten den Handel 2,5 Prozent im Plus – nach Infineon (plus 2,9 Prozent) der beste Wert im Dax. Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihr Kaufvotum für die Daimler-Papiere bestätigt.

RWE: Die Titel des Stromversorgers gaben um 1,6 Prozent nach. Anleger nahmen Kursgewinne mit, nachdem die RWE-Anteilscheine am Mittwoch auf den höchsten Stand seit acht Jahren geklettert waren. Im laufenden Börsenjahr zählen sie zu den großen Gewinnern im Dax.

Siemens Energy: Erst im September hat Siemens seine Energietechnik-Tochter Siemens Energy an die Börse gebracht, in drei Wochen wird sie in den MDax der 60 größten deutschen mittelgroßen Unternehmen aufgenommen. Die Aktie stieg um 1,6 Prozent.

Fraport: Nach einer Hochstufung durch die Experten der Deutschen Bank greifen die Anleger zu Fraport-Aktien. Die Papiere legten 3,7 Prozent auf 51,95 Euro zu. Die Analysten erhöhten ihre Einstufung von „hold“ auf „buy“ und hoben das Kursziel von 35 auf 60 Euro an.

Thyssen-Krupp und Salzgitter: Eine anziehende Nachfrage in Europa ermuntert Anleger zum Einstieg bei Stahlproduzenten. Zudem drängten derzeit keine Importe aus Asien auf den Markt und mit dem Rückzug von Allegheny aus der Stahlproduktion falle ein Konkurrent aus den USA komplett weg, sagt Analyst Markku Moilanen vom Brokerhaus OP.

Die Aktie von Thyssen-Krupp gewann 2,8 Prozent, die Papiere von Salzgitter 6,6 Prozent. Die Titel von Outokumpo aus Finnland, Acerinox aus Spanien und Aperam aus den Niederlanden steigen um bis zu neun Prozent.

Blick auf Kupfer

Der Kupferpreis, einer der wichtigen Indikatoren für den Zustand der Weltwirtschaft, ist auf ein neues Siebeneinhalbjahres-Hoch gestiegen. Offenbar zündeten außerordentlich starke Frühindikatoren zur Entwicklung der chinesischen Konjunktur und Hoffnungen auf erste Impfstoffeinsätze gegen Covid-19 noch in diesem Jahr die nächste Stufe der Kupferpreisrally. Seit acht Monaten gewinnt Kupfer nunmehr an Wert, was zuletzt im Jahr 2011 der Fall war.

Mittlerweile wird es auf einem Siebeneinhalbjahres-Hoch und damit um 70 Prozent teurer gehandelt als zum Jahrestief im März. Dies bedeutet, dass eine Tonne Kupfer mehr als viermal so teuer ist wie eine Feinunze Gold – ein Niveau, das zuletzt im Juli 2019 erzielt wurde.

Die aktuelle Lage beim Kupfer ähnelt der der Aktienmärkte: Viele positive Faktoren dürften eingepreist sein, und die Gefahr von kurzfristigen Rücksetzern ist nicht zu vernachlässigen; mittelfristig könnte das rote Metall jedoch weiteres Potenzial haben.

Was die Charttechnik sagt

Auf der Oberseite ist immer noch das bisherige Corona-Hoch mit 13.460 Punkten aus dem Monat September relevant. Das ist die höchste Notierung seit dem Corona-Crash Mitte März, als der Dax auf 8255 Punkte abrutschte.

Für strategische Investoren bietet sich eine Aufwärtskurslücke vom Anfang des Monats November als Stop-Loss-Marke an. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt.

Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag (9. November). Solange der Dax oberhalb von 12.671 Zählern bleibt, gibt es aus technischer Sicht keine Zweifel an der aktuellen Aufwärtsbewegung seit Ende Oktober, als der Dax bei 11.450 Punkte stand.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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