Dax aktuell: Dax gibt anfängliche Gewinne wieder ab – Putins Gas-Ansage macht Investoren nervös
Wie sind die Perspektiven für den deutschen Leitindex?
Foto: Bloomberg Creative/Getty Images [M]Frankfurt. Der Dax hat am Donnerstag anfängliche Kursgewinne wieder abgegeben. Am Mittag drehte er ins Minus und schloss am späten Nachmittag mit einem Verlust von 1,3 Prozent bei 14.414 Punkten.
Auch die anderen europäischen Indizes verzeichneten Verluste, die US-Börsen lagen am späten Nachmittag ebenfalls unter dem Niveau des Vortags.
Zunächst hatte der schwächere Ölpreis für leichte Gewinne gesorgt. Dieser ist am Donnerstag gesunken. Grund dafür waren Spekulationen, dass die USA und andere Länder ihre strategischen Ölreserven anzapfen könnten. Das würde aus Sicht von Experten zumindest kurzfristig für etwas Entlastung am Energiemarkt sorgen.
Im weiteren Tagesverlauf bestimmten aber mit der hohen Inflation und dem fortgesetzten Krieg in der Ukraine wieder die Belastungsfaktoren das Börsengeschehen. Für zusätzliche Unsicherheit sorgte am Nachmittag die Ansage des russischen Präsidenten Wladimir Putin, dass ausländische Käufer für russisches Gas von Freitag an in Rubel zahlen müssen.
Verträge würden gestoppt, wenn diese Zahlungen nicht erfolgten, sagte Putin am Donnerstag. Der europäische Erdgas-Future verteuerte sich daraufhin kräftig um zeitweise über sieben Prozent. Auch der Preis für US-Erdgas zog an.
Tech-Aktien unter Druck
Zu den größten Verlierern im Dax zählten Tech-Aktien wie Hellofresh, Zalando und Infineon. Sie leiden besonders unter der Aussicht auf eine höhere Inflation. Am Mittwoch hatte das Statistische Bundesamt für Deutschland eine Teuerungsrate von 7,3 Prozent im März vermeldet. Dies ist der höchste Stand seit rund 40 Jahren.
Am Freitag legt das europäische Statistikamt Eurostat auch neue Daten für den gesamten Währungsraum vor. Diese dürften ebenfalls sehr hoch ausfallen. So vermeldete zum Beispiel Spanien für März sogar eine Teuerungsrate von 9,8 Prozent.
Für Anleger sind das schlechte Nachrichten. Denn je stärker der Preisdruck, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass die Europäische Zentralbank (EZB) ihre Geldpolitik stärker straffen muss.
Zuletzt hatte die Notenbank auf ihrer Sitzung Anfang März beschlossen, ihre Anleihezukäufe in diesem Jahr schneller auslaufen zu lassen. Dies gilt als Voraussetzung für eine Zinserhöhung. Höhere Zinsen wiederum gelten vor allem für Tech-Unternehmen als Belastung, weil ihr Wert insbesondere aus der Aussicht auf künftige Gewinne besteht. Diese werden jedoch zum aktuellen Zeitpunkt weniger wert, wenn die Zinsen steigen.
Zu den Gewinnern im Dax zählten die Aktien des Medizintechnik-Konzerns Fresenius sowie des Energiekonzerns RWE. Fresenius gab am Donnerstag zwei Zukäufen für insgesamt gut 700 Millionen Euro durch die Tochter Kabi bekannt. RWE kündigte an, sein Braunkohlekraftwerk in Neurath stillzulegen. Für Kursfantasie sorgte aber die Ankündigung des Unternehmens, das Kraftwerk angesichts des drohenden Gasmangels in Deutschland zunächst zu konservieren.
Einzelwerte im Fokus
Varta: Der Batteriehersteller erwartet nach Zuwächsen im vergangenen Jahr trotz des Kriegs in der Ukraine und steigender Kosten weiteres Wachstum. Die Aktie schwankt stark und notierte am Mittag wieder im Minus.
Fresenius: Der Gesundheitskonzern stärkt seine Tochter Kabi mit gleich zwei Zukäufen. Fresenius Kabi übernimmt die auf Infusionstherapien spezialisierte US-Firma Ivenix für 240 Millionen Dollar, sowie eine Mehrheitsbeteiligung von 55 Prozent an dem Biopharmazieunternehmen mAbxience für 495 Millionen Euro, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte. Die Aktien des Gesundheitskonzerns steigen in der Spitze um 3,1 Prozent auf 33,73 Euro und markieren damit den höchsten Stand seit rund fünf Wochen.
Lufthansa: „Alle Optionen sind offen“ mit Blick auf einen möglichen Einstieg der Lufthansa bei der vor der Privatisierung stehenden italienischen Staatsairline ITA, wie Lufthansa-Chef Carsten Spohr am Rande der Jahresversammlung des Verbandes Airlines for Europe (A4E) sagte. Die Lufthansa will zusammen mit der Reederei MSC die Mehrheit an ITA übernehmen, wobei die Airline-Gruppe selbst den kleineren Anteil erwerben würde. Insidern zufolge will die italienische Regierung den Verkaufsprozess im Juni abschließen.
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