Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax aktuell Dax gibt Großteil seiner gestrigen Gewinne wieder ab – Das sind die drei Gründe

Nach der gestrigen Euphorie über den Waffenstillstand im Zollstreit kehrt wieder Skepsis ein. Der deutsche Leitindex verliert 130 Punkte.
Kommentieren

„Nach der Trump-Party ist Ernüchterung an den Börsen eingekehrt“

Frankfurt Die Begeisterung am deutschen Aktienmarkt über eine Entspannung im Handelskonflikt zwischen China und den USA ist schon wieder vorbei: Der deutsche Leitindex geht mit einem Minus von 1,14 Prozent auf 11.335 Punkte aus dem Handel. Am Montag hatte er noch dank des Burgfriedens im Handelsstreit zwischen den USA und China 1,9 Prozent im Plus bei 11.465 Punkten geschlossen.

Der MDax als Index mittelgroßer Unternehmen sank am Dienstag um 1,6 Prozent auf 23.392 Punkte. Der Technologiewerte-Index TecDax gab um mehr als 1,1 Prozent nach. Der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 büßte 0,8 Prozent ein.

Warum der Dax wieder schwächelt

Wie belastbar ist der Waffenstillstand zwischen den USA und China im Handelsstreit? „Es steht bis dato nicht fest, ob China wirklich die Autozölle kappen wird, wie vom US-Präsidenten Donald Trump per Twitter gemeldet“, sagte Analyst Jochen Stanzl vom Onlinebroker CMC Markets. „Es wäre eine dramatische Eskalation, wenn China den US-Präsidenten öffentlich bloßstellen würde.“

Auch die Verschiebung der geplanten weiteren Strafzölle gebe bei genauerer Betrachtung wenig Anlass zur Freude, sagte Portfoliomanager Thomas Altmann vom Vermögensberater QC Partners. „Noch sind beide Seiten weit von einer finalen Einigung entfernt. Der Waffenstillstand schließt zwar neue Zölle bis Anfang April aus, danach ist aber weiterhin alles möglich.“

Der zweite Brandherd: Die wieder aufgeflammte Furcht vor einer deutlichen Abkühlung der Weltkonjunktur spiegelte sich am Rentenmarkt wider. In den USA droht die Rendite zehnjähriger Bonds unter diejenige der zweijährigen Titel zu fallen. Diese „inverse Zinskurve“ gilt an der Börse als Zeichen für eine wachsende Rezessionsangst der Anleger. Der Renditeabstand zwischen den beiden genannten Anleihen war mit 0,13 Prozentpunkten so gering wie seit etwa einem Jahrzehnt nicht mehr. Der Spread zwischen vergleichbaren Bundespapieren markierte mit 0,88 Prozentpunkten ein Eineinhalbjahrestief.

Das dritte Problem: Spekulationen auf einen Exit vom Brexit erhalten neue Nahrung. Der Empfehlung eines Generalanwalts beim Europäischen Gerichtshof zufolge kann Großbritannien seinen Antrag zum EU-Austritt einseitig widerrufen. Der EuGH ist an die Empfehlungen seiner Generalanwälte nicht gebunden, folgt diesen in der Regel aber. Schottische Brexit-Gegner klagen vor dem EuGH und drängen auf ein zweites Referendum, um den Ausstieg Großbritanniens aus der EU noch abzuwenden. Der Kurs des Pfund Sterlings stieg auf bis zu 1,2839 von zuvor 1,2729 Dollar. Da eine Verabschiedung der ausgehandelten Scheidungsvereinbarung ungewiss ist, droht ein ungeordneter Brexit.

Was aber für eine Fortsetzung der Rally spricht

Die Börsenstimmung signalisiert hingegen weiter steigende Kurse, gerade weil es so viel Zweifel an steigenden Notierungen gibt. Das hört sich paradox an, aber solch eine Reaktion ist für den Sentimentexperten Stephan Heibel „typisch für eine anhaltende Rally“. Heibel wertet die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 3200 Anlegern aus. „Am Ende einer Korrektur sind so viele überzeugende Weltuntergangsargumente in den Köpfen der Anleger, dass diese nicht über Nacht entkräftet werden können“, meint er. Die Aktienmärkte steigen „an einer Wand der Skepsis“. Heibel weiter: „Wenn die breite Masse der Anleger erkennt, dass viele Sorgen zwar berechtigt, aber nicht elementar sind, stehen die Aktienmärkte deutlich höher.“

Blick auf die Einzelwerte

Daimler, BMW, Volkswagen: Die anstehende Reise der Chefs der größten deutschen Autobauer zu Donald Trump ins Weiße Haus steht zumindest an der Börse unter keinem guten Stern. Beobachter fürchten eine Instrumentalisierung der Spitzenmanager durch den US-Präsidenten. Die Papiere der großen drei Hersteller befanden sich am Dienstag am Ende der Dax-Rangliste. BMW gaben 1,6 Prozent nach, Daimler 2,9 Prozent, Volkswagen gut drei Prozent.

Deutsche Familienversicherung: Die Aktien der Deutschen Familienversicherung (DFV) haben bei ihrem Börsendebüt in Frankfurt zugelegt. Der erste Kurs wurde am Dienstag mit 12,30 Euro um 2,5 Prozent über dem Ausgabepreis von zwölf Euro festgestellt. Die Aktie ging mit 12,25 Euro aus dem Handel. Der Versicherer, der es nach deutlichen Abstrichen im zweiten Anlauf an die Börse schaffte, sammelte mit der Emission gut 52 Millionen Euro ein, die in das weitere Wachstum fließen sollen.

Die 2007 gegründete DFV, die sich als Versicherungs-Start-up sieht, setzt ganz auf den Vertrieb per Internet und Telefon. Der Versicherer hat sich zunächst auf Kranken- und Pflege-Zusatzversicherungen spezialisiert, ist aber zuletzt auch ins Geschäft mit Sachversicherungen eingestiegen. 2017 lagen die Beitragseinnahmen aus 420.000 Policen bei 72 Millionen Euro. Zum Ausgabepreis kam die DFV auf einen Börsenwert von rund 153 Millionen Euro, fast ein Drittel des Unternehmens wurde bei Investoren untergebracht.

Thomas Cook: Die Nachwehen der zweiten Gewinnwarnung binnen weniger Monate setzen den Aktien des britischen Touristikkonzerns zu. Die Aktien fielen am Dienstag zeitweise um knapp 17 Prozent auf ein Sechsjahrestief von 19,69 Pence. Dabei wechselten innerhalb der ersten zweieinhalb Handelsstunden bereits mehr als dreimal so viele Thomas-Cook-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Neben den Aktien flogen auch die Anleihen von Thomas Cook aus den Depots. Dies trieb die Rendite der bis 2022 laufenden Titel auf ein Rekordhoch von 16,133 Prozent. Am Montag hatten sie noch bei 12,713 Prozent rentiert. Als Folge fiel auch die Aktie des deutschen Reisekonzerns Tui. Die gab heute um 4,5 Prozent nach. Seit dem Hoch Mitte Mai 2018 hat dieses Wertpapier fast 40 Prozent verloren.

Was die Charttechnik sagt

Technische Analysten hoffen auf eine Trendwende nach dem Kursabfall in den vergangenen Wochen. Um diese komplett zu vervollständigen, müsste der Dax auf über 11.690 Punkte steigen. „Ein Ausbruch über dieses Niveau dürfte einen Doppelboden auslösen, welcher eine Aufwärtswelle in Richtung der 12.104-Punkte-Marke nach sich ziehen könnte“, meinen die technischen Analysten der UBS.

Unterhalb dieses Levels besteht die Gefahr eines erneuten Tests und Falls unter das aktuelle Jahrestief im Bereich um 11.000 Punkte. Unterschreitet der Dax jedoch die Unterstützung bei 11.051, droht ein Abrutschen bis zur Haltelinie bei 10.815 und schließlich bis 10.403. Darunter gibt die Marke bei 10.100 Punkten Halt.

Analystencheck

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat die Einstufung für Glaxo-Smithkline mit Blick auf eine mögliche Übernahme des Onkologiespezialisten Tesaro auf „Buy“ mit einem Kursziel von 1900 Pence belassen. Mit einem Zukauf würde sich der britische Pharmariese den Zugriff auf mehrere bereits zugelassene und vermarktete Onkologieprodukte sichern, schrieb Analyst Keyur Parekh in einer am Montag vorliegenden Studie. Hinzu kämen weitere Medikamente, die sich im frühen bis mittleren Stadium der Entwicklung befänden.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

Der Handelsblatt Expertencall
Startseite

Mehr zu: Dax aktuell - Dax gibt Großteil seiner gestrigen Gewinne wieder ab – Das sind die drei Gründe

0 Kommentare zu "Dax aktuell: Dax gibt Großteil seiner gestrigen Gewinne wieder ab – Das sind die drei Gründe"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.