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Aktienhändlerin in Frankfurt

Die Stimmung unter deutschen Aktienanlegern ist so schlecht wie seit zehn Jahren nicht mehr.

(Foto: Bloomberg)

Dax aktuell Dax kurzzeitig über der Marke von 10.900 Punkten

Am deutschen Aktienmarkt ist es am Dienstag zwischenzeitlich wieder kräftig aufwärts gegangen. Ist das Plus doch mehr als nur eine Gegenbewegung im Bärenmarkt?
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Düsseldorf Hoffnungen auf eine baldige Lösung im Zollstreit zwischen den USA und China haben den Börsen in Europa Rückenwind gegeben. Der deutsche Leitindex schaffte am Dienstagnachmittag beim Stand von 10.908 Punkten ein neues Jahreshoch und damit ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss. Doch danach fiel das Börsenbarometer wieder ab und ging bei 10.804 Punkten aus dem Handel, ein Plus von 0,5 Prozent.

Am Montag hatte der Dax 0,2 Prozent verloren und bei 10.748 Punkten geschlossen. Der MDax, der Index der mittelgroßen Unternehmen, konnte am heutigen Dienstag um 1,4 Prozent zulegen auf 22.487 Punkte.

Ein neues Jahreshoch ist angesichts der wenigen Handelstage nicht besonders hoch zu gewichten, ist aber ein Entspannungssignal. Denn der deutsche Leitindex hat gegenüber dem Jahresendstand zwischenzeitlich bereits mehr als 300 Punkte zugelegt.

In Peking trafen sich Delegationen aus beiden Ländern, um über den seit Monaten schwelenden Konflikt zu beraten. US-Handelsminister Wilbur Ross hatte im Vorfeld erklärt, er sehe gute Chancen für eine Lösung. Als positiv werteten Analysten, dass die Regierung in Peking einen hochrangigen Vertreter zu den Gesprächen geschickt habe.

„Das wird von den Märkten dahingehend interpretiert, dass China ernsthaft an einer raschen Lösung interessiert ist“, sagte Marktexperte Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets. Andere Analysten warnten allerdings vor übertriebenen Erwartungen. „Es wäre nicht auszuschließen, dass ein neuerlicher provozierender Tweet von US-Präsident Donald Trump die wieder aufgenommenen Handelsgespräche zwischen den beiden Staaten empfindlich stören könnte“, sagte Investmentstratege Ulrich Streich von der Landesbank Baden-Württemberg.

Allerdings sind starke Kursausschläge nach unten und nach oben ein typisches Kennzeichen für eine Baisse. Zweitens ist die Stimmung unter den Anlegern aktuell so schlecht wie seit gut zehn Jahren nicht mehr – aber noch nicht schlecht genug, um eine Wende vom Bären- zum Bullenmarkt einzuleiten.

Stephan Heibel, Chef des Analysehauses Animusx, rät Anlegern angesichts der vielfältigen Unsicherheiten zur Vorsicht. „Wer ein Kribbeln in den Fingern verspürt, die derzeit niedrigen Kurse zum Kauf zu nutzen, der sollte sich aus Sicht der Sentimentanalyse auf eine Spekulation beschränken“, meint der Börsenexperte. Noch sei es zu früh, um zu beurteilen, ob kurzfristig steigende Kurse bereits das Ende des Bärenmarktes signalisieren oder nichts weiter als eine kurzfristige Gegenbewegung sind.

Deutsche Industrieproduktion enttäuscht

Vor allem die Nachricht über die deutlich rückläufige Industrieproduktion in Deutschland dürfte so manchen Beobachter verunsichert haben. Laut vorläufigen Angaben des Statistischen Bundesamtes sank sie im November 2018 um 1,8 Prozent gegenüber dem Vormonat. Auf Jahressicht summiert sich das Minus sogar auf 4,7 Prozent.

Marktbeobachter wurden enttäuscht, sie hatten mit einem leichten Plus von 0,3 Prozent zum Vormonat und einem deutlich geringeren Minus zum Vorjahresmonat von gerade einmal 0,8 Prozent gerechnet. Wenig begeistert dürfte auch die Nachricht aufgenommen werden, dass die gemeldeten Daten für den Oktober 2018 nach unten revidiert werden mussten. Statt um 0,5 ging die Industrieproduktion im gegenüber September um 0,8 Prozent zurück.

An der Wall Street sorgte die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump für Aufregung, mitten im Streit mit den Demokraten über den Bau einer Mauer an der Grenze zu Mexiko eine Rede an die Nation halten zu wollen. Beobachter befürchten, er werde den nationalen Notstand ausrufen, um auf diesem Weg die für den Mauerbau notwendigen finanziellen Mittel zu beschaffen – und so den schwelenden Haushaltsstreit weiter anheizen.

Dieser legt seit mehr als zwei Wochen weite Teile der Regierung lahm, zahlreiche Behörden und Einrichtungen des Landes bleiben geschlossen – und der Shutdown, so die Befürchtung, könnte aufgrund der weitgehend zementierten Positionen der Streitparteien noch auf unbestimmte Zeit weitergehen. Für die Börse wäre dies das schlechteste Szenario, denn nichts fürchten Investoren mehr als Unsicherheit. Was Trump in seiner TV-Rede genau sagen wird, erfahren die Amerikaner am Dienstagabend zur besten Sendezeit um 21.00 Uhr Ostküstenzeit. Dann ist es in Mitteleuropa bereits drei Uhr in der Nacht.

Neues gibt es auch zum Brexit. Die Abstimmung im Unterhaus soll am 15. Januar stattfinden – ob Theresa May für den von ihr ausgehandelten Vertrag eine Mehrheit bekommen kann, ist unsicher. Unterdessen berichtete die Tageszeitung „Daily Telegraph“ am Montagabend, dass Vertreter Großbritanniens und der EU erwägen, die Frist für den Brexit zu verlängern. Die Europäischen Union hat allerdings bereits mehrfach erklärt, dass über den Ausstiegsvertrag nicht neu verhandelt wird.

Blick auf die Einzelwerte

Bayer: Die Aktie des Leverkusener Pharma- und Agrochemiekonzern profitierte davon, dass die vom übernommene US-Tochter Monsanto einen wichtigen Patentstreit um genetisch veränderte Baumwolle in Indien gewonnen hat. Außerdem ließ auch China mehrere genveränderte Getreidesorten zu, darunter auch eine der Bayer-Tochter Monsanto. Der im Dezember 2018 abgesackte Kurs des Dax-Schwergewichts legte um 2,6 Prozent zu.

Volkswagen: Der Autobauer aus Wolfsburg hat die nächste Hürde zur Beilegung der Dieselaffäre in den USA genommen. Auch bei den größeren Dieselfahrzeugen mit einem Drei-Liter-Motor ist es dem Autokonzern gelungen, mehr als 85 Prozent der manipulierten Wagen von der Straße zu holen. Die Titel lagen zum Schluss 1,7 Prozent im Plus.

BMW: Der Münchener Konzern steht im Fokus von Analysten. Und die sehen größere Problem auf den Autokonzern zukommen. Nachdem die US-Bank JP Morgan am Montag bereits wachsende Probleme und Margendruck bei BMW hervorgehoben und die Aktie abgestuft hatte, folgte nun eine negative Studie von Jefferies zum Münchner Autobauer. Die Aktie konnte sich nach anfänglichen Verlusten noch ins Plus (0,1 Prozent) retten.

Evotec: Im MDax zählten die Anteilsscheine zu den Favoriten mit plus 3,5 Prozent. Das Biotechunternehmen erzielte in seinem Bündnis mit dem US-Konzern Celgene über Therapien gegen Nervenerkrankungen Fortschritte und erhielt dafür eine Zahlung von 14 Millionen US-Dollar (12,2 Millionen Euro).

Was die Charttechnik sagt

Die Charttechniker der Helaba verweisen darauf, dass der Dax angesichts eines Jahresverlustes von gut 18 Prozent noch einen weiten Weg vor sich hat, bis man wirklich von einer nachhaltigen Trendumkehr sprechen könne. Eine untere Grenze markiert das Dezember-Tief aus dem vergangenen Jahr von 10.279 Punkten. Ein Rutsch darunter dürfte weitere Verkäufe und möglicherweise sogar eine neue Verkaufsdynamik nach sich ziehen.

Der mittelfristige Abwärtstrend wäre nach Meinung vieler Experten erst mit einem Sprung über die Marke von 11.800 Punkten beendet. Ohne diesen Befreiungsschlag gilt unverändert das im letzten Jahr immer wieder angeführte Kursziel von rund 10.000 Punkten. Spätestens dort sollte eine Trendwende erfolgen, hoffen die technischen Analysten.

Analystencheck: Merrill Lynch hält an Verkaufsempfehlung für Wirecard fest

Die US-Investmentbank Merrill Lynch hat die Einstufung für Wirecard auf „Underperform“ mit einem Kursziel von 150 Euro belassen. Analyst John King äußerte in einer am Montag vorliegenden Technologiebranchenstudie, dass er unter den Anbietern von Bezahlsystemen klar die Aktien des Wirecard-Konkurrenten Adyen bevorzuge. In seinen Augen können Anleger mit einem „Pair Trade“ bei Wirecard auf fallende und bei Adyen auf steigende Kurse setzen und so gleich doppelt profitieren.

Laut dem Handelsblatt-Analystencheck halten sich bei der Aktie des Zahlungsdienstleisters ist Merrill-Lynch damit in der Minderheit. Von 62 Analysten empfiehlt eine weit überwiegende Mehrheit von 54 Experten das Papier zum Kauf. Auch was die mögliche Kursentwicklung betrifft, sind die meisten Analysten weit optimistischer als die US-Bank. Das gewichtete durchschnittliche Kursziel aller ausgewerteten 62 Analystenmeinungen, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt bei 213,63 Euro. Die Aktie wird derzeit zum Kurs rund 137 Euro gehandelt.

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