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Dax aktuell Dax legt zunächst kräftig zu - doch die Gewinne bröckeln zum Schluss ab

Der deutsche Leitindex lag zwischenzeitlich mehr als 240 Punkte im Plus. Ein Grund waren Steuersenkungen auf Autokäufe in China.
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Dax startet im Plus – Verhindern negative Vorgaben eine langfristige Erholung?

DüsseldorfNach den Kursverlusten der Vorwoche haben am Montag Anleger die Gelegenheit zum Wiedereinstieg in den deutschen Aktienmarkt genutzt. Der Dax legte kräftig zu. Zum Handelsschluss lag er aber nur noch 1,2 Prozent im Plus bei 11.335 Punkten. Im Mittagshandel hatte er sein Tageshoch mit 11.446 Zählern markiert.

Der MDax notierte knapp zum Handelsschluss ein Prozent im Plus bei 23.713 Punkten, für den TecDax ging es um 1,8 Prozent bergauf auf 2553 Zähler. Auch der europaweite Euro Stoxx 50 lag 0,6 Prozent im Plus bei 3,155 Zählern.

Insbesondere die Papiere der deutschen Autobauer legten zu. Berichten zufolge will die oberste Wirtschaftsbehörde der Volksrepublik China die Autoerwerbssteuer um die Hälfte senken. Die Aktienkurse der im Autos Stocks Index gelisteten Autobauer stiegen kräftig – die Papiere von Volkswagen, Daimler und BMW gewannen zwischenzeitlich mehr als fünf Prozent.

Am Vormittag hatte zudem die Bundeskanzlerin Angela Merkel bekannt gegeben, nicht erneut für den CDU-Parteivorsitz kandidieren, jedoch Kanzlerin bleiben zu wollen. Dennoch seien Spekulationen aufgekommen, dass Merkel auch ihren Posten als Regierungschefin aufgeben könnte, sagten mehrere Aktienhändler. „Die Anleger hoffen auf frischen Wind in Berlin“, fügte ein Händler hinzu. „In der Regierung ist zu Vieles festgefahren.“ Entscheidend sei dabei weniger, was passiere, sondern dass überhaupt etwas passiere.

Der Euro wurde durch die Ankündigung der Kanzlerin kurz belastet und fiel auf 1,1361 US-Dollar, erholte sich dann aber wieder auf 1,1395 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Freitagnachmittag auf 1,1345 Dollar festgesetzt.

Bankökonomen bewerteten Merkels Äußerungen zweischneidig. Die Auswirkungen auf die deutsche Wirtschafts-, Finanz- und Europapolitik wurden als eher gering angesehen, wie etwa Berenberg-Chefökonom Holger Schmieding ausführte. Dies gelte selbst für den Fall, dass sich Merkel als Bundeskanzlerin nicht mehr halten könne, schreibt Schmieding in einem Kommentar.

Mit gewisser Erleichterung reagierten Anleger auf die Entscheidung der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P), die Bonitätsnote Italiens trotz des Streits um den Haushalt 2019 beizubehalten. Die Experten senkten lediglich den Ausblick auf „negativ“ von zuvor „stabil“, die Bonitätsnote „BBB“ tasteten sie nicht an.

Investoren griffen daraufhin bei italienischen Staatsanleihen zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel auf 3,314 von 3,438 Prozent und den Renditeabstand zu vergleichbaren Bundestiteln auf 2,92 von 3,06 Prozentpunkten. Der italienische Bankenindex gewann 3,8 Prozent, weil die dort notierten Geldhäuser zahlreiche Bonds ihres Landes in den Depots liegen haben.

Einige Börsianer warnten vor überzogenen Erwartungen an die aktuelle Kurserholung. „Die Anleger suchen momentan in allen Informationen das Haar in der Suppe“, betonten die Experten der Postbank. „Positive Nachrichten verhallen ungehört, auch nur leicht negativ klingende Informationen führen dagegen zu deutlich negativen Reaktionen.“ Ein Börsen-Crash sei aber nicht zu erwarten, sagte Otmar Lang, Chef-Volkswirt der Targobank. Schließlich wachse die Weltwirtschaft weiter, wenn auch mit vermindertem Tempo.

Allein in der vergangenen Woche war der Dax mit minus drei Prozent auf das tiefste Niveau seit Ende 2016 abgesackt und hatte die charttechnisch wichtige 200-Tage-Linie gerissen. Im gesamten Monat hatte er zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als acht Prozent abgegeben.

Viel Geld verloren haben gutgläubige Anleger auch mit Kryptowährungen. Die virtuellen Börsengänge (Initial Coin Offerings, kurz ICOs) florierten im Jahr 2018, 21,4 Milliarden Dollar haben Start-ups mit diesen Finanzierungsrunden in diesem Jahr eingenommen, nach 6,5 Milliarden im Vorjahr, schätzt der Branchendienst Coinschedule.

Doch vier von fünf Projekten scheiterten. Eine Serie von Skandalen und Betrugsfällen erschütterte den Sektor. Politik und Finanzmarktaufsicht wollen deshalb strengere Regeln für ICOs erlassen. Felix Hufeld, der Präsident der deutschen Finanzaufsicht Bafin, sagte dem Handelsblatt: „Wir wollen Innovationen nicht abwürgen, aber gleichzeitig natürlich Gefahren abwehren.“

Blick auf die Einzelwerte

Continental: Auch der Automobilzulieferer Continental profitierte von den Nachrichten, die Aktie legte bis zum Handelsschluss 5,5 Prozent zu. Zudem verkündete Continental, die Kathrein Automotive GmbH, einen Spezialisten zur Herstellung von Fahrzeugantennen zu übernehmen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Cancom: Zu den größten Gewinnern am deutschen Aktienmarkt zählte Cancom. Die Aktien stiegen bis 7,3 Prozent, nachdem der IT-Dienstleister einen Umsatz- und Gewinnsprung bekanntgegeben hatte. Für die Titel von Gea ging es 5,1 Prozent nach oben. Die endgültigen Quartalsergebnisse seien etwas besser als die zuvor veröffentlichten vorläufigen, schrieb Analyst Peter Rothenaicher von der Baader Helvea Bank in einem Kommentar.

Kuka: Der Augsburger Roboterhersteller Kuka hat wegen insgesamt eingetrübter Aussichten in der Autobranche seine Jahresprognose gesenkt. Zu einer schlechteren Entwicklung im Geschäft mit Autos kämen Unwägbarkeiten im chinesischen Automatisierungsmarkt hinzu, teilte Kuka bei Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal am Montag in Augsburg mit. Die Aktie verlor kurz nach Handelsstart fast 8 Prozent an Wert und fiel damit auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Jahren. Nach der Ankündigung aus China stieg die Kuka-Aktie kräftig und notierte zwischenzeitlich zwei Prozent im Plus, der Gewinn zum Handelsschluss lag noch bei 0,3 Prozent.

Deutsche Bank: Für das größte deutsche Geldhaus ging es 0,9 Prozent bergauf. Am Freitag waren die Titel in den Abwärtssog der enttäuschend ausgefallenen Quartalszahlen vom Mittwoch geraten, sie hatten 3,5 Prozent eingebüßt und ein Rekordtief von 8,51 Euro erreicht.

Tech-Werte: Auch für den Zahlungsdienstleister Wirecard und den Chiphersteller Infineon ging es am Montag wieder bergauf. Am Freitag waren ihre Titel mit minus 4,5 und minus 3,1 Prozent unter den größten Verlierern gewesen. Wirecard legte 0,3 Prozent zu, Infineon sogar sechs Prozent.

Merck: Die Aktien des Pharma- und Chemiekonzerns Merck KGaA setzten im Dax mit 2,8 Prozent Plus ihre zuletzt überdurchschnittliche Kursentwicklung fort. Merck sei der günstigste europäische Spezialpharma-Wert unter ihrer Beobachtung, schrieb Rebekah Harper von der Schweizer Bank Credit Suisse.

Covestro: Covestro notierte 4,4 Prozent im Plus, nachdem die Aktie am Freitag 4 Prozent im Minus gelegen hatte. Bei dem Spezialchemiekonzern hatten sich nach den einen Tag zuvor vorgelegten Zahlen skeptische Analystenkommentare gehäuft.

Was die Charttechnik sagt

Der deutsche Leitindex hat in den vergangenen Handelswochen zwei wichtige Marken aufgegeben: Nach dem Rutsch unter 11.800 Punkte ist auch der Bereich um 11.400 Zähler gefallen. Solange diese Niveaus nicht nachhaltig zurückerobert werden, droht ein fortgesetzter Abwärtstrend.
Der Bereich um 11.800 Punkte war aus charttechnischer Sicht wichtig, weil er anderthalb Jahre lang dem deutschen Leitindex Unterstützung geboten hatte. In dieser Zeit bewegte sich der Dax in einer Schiebezone zwischen 13.600 Punkten auf der Ober- und 11.800 Zählern auf der Unterseite. Bei rund 11.430 Zählern war noch ein zyklisches Hoch von Ende 2015. Aus diesen beiden ehemaligen Unterstützungs- sind nun Widerstandslinien geworden.
Technische Analysten zeigen sich daher weiterhin pessimistisch. Der Weg sei „frei für eine längerfristige Abwärtsbewegung bis weit unter die 11.000er-Marke“, warnt etwa Andreas Büchler vom Börsenstatistik-Dienst Indexradar. Kurz vor der Marke war der Dax erst am Freitag vergangener Woche mit 11.200 Punkten. Es war gleichzeitig ein neues Jahrestief.

Analystencheck

Das Analysehaus Bernstein Research hat die Aktie der Deutschen Post nach der Vereinbarung einer Marken-Partnerschaft mit einem chinesischen Unternehmen auf „Market-Perform“ belassen. Das Kursziel beträgt unverändert 30 Euro. Der Deal mit der SF Holding in der chinesischen Lieferketten-Logistik sei ein eleganter Schritt den Bereich zu verkaufen, während zugleich der Großteil der Gewinnströme im Unternehmen bleibe, schrieb Analyst Daniel Roeska in einer ersten Reaktion.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck

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1 Kommentar zu "Dax aktuell: Dax legt zunächst kräftig zu - doch die Gewinne bröckeln zum Schluss ab"

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  • Die Steuersenkungen auf Autokäufe sehe ich nicht als Kurstreiber, sondern das Aufatmen des Marktes nach der Rückzugsankündigung Merkels sowie das Wiedererscheinen des Blackrock-Manns Friedrich Merz in der ersten Liga der CDU. Merz hat das Zeug dazu, einiges an Missratenem wieder ins Lot zu bringen.

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