Dax aktuell Dax rutscht wieder ab – Kurssturz bei Pro Sieben Sat 1

Die Rally nach der US-Wahl ist schon wieder vorbei, der Leitindex verliert 0,45 Prozent. Analysten bleiben skeptisch und erwarten weitere Kursverluste.
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„Noch sind die Anleger nicht im Rally-Modus“ – Dax wieder im Abwärtstrend

FrankfurtDer deutsche Aktienmarkt hat zunächst seinen Aufwärtstrend vom Vortag fortgesetzt, verlor aber zum Handelsschluss deutlich. Der Dax ging mit einem Minus von 0,45 Prozent 11.527 Punkte aus dem Handel. Am Mittwoch hatte der deutsche Leitindex, angetrieben von den Ergebnissen der Kongresswahlen in den USA, fast 0,9 Prozent höher geschlossen. Der MDax verlor 0,4 Prozent auf 24.334 Zähler. Der europäische Leitindex Euro Stoxx 50 gab 0,4 Prozent auf 3238 Punkte nach.

„Die Stimmung bleibt gut“, sagte Analyst David Madden vom Broker CMC Markets. Dazu trugen am Morgen unter anderem starke Außenhandelsdaten aus China bei. Für viele Kursbewegungen sorgten außerdem die zahlreichen Quartalsdaten, die am Morgen veröffentlicht wurden.

Die Analysten der Helaba äußern sich hingegen eher zurückhaltend über die moderaten Gewinne am Markt. „Angesichts der weiterhin bescheidenen, strukturellen Konstellationen bei den Dax-Werten sowie des intakten, übergeordneten Abwärtstrends“ sei nicht zu erwarten, dass „die Bäume in den Himmel wachsen“.

Die USA stehen auch heute besonders im Fokus, diesmal allerdings eher auf geldpolitischer Ebene. Die Notenbank Fed informiert über ihre weitere Geldpolitik (ab 20 Uhr MESZ). Wesentliche Neuerungen sind nicht zu erwarten. Wahrscheinlicher sei es, dass im Dezember die nächste Zinserhöhung vollzogen wird, betonen Experten. „Anleger werden aber sehr genau auf Hinweise zur Geldpolitik im kommenden Jahr achten“, erklärte Madden.

Die US-Währungshüter haben 2018 den Leitzins schon drei Mal angehoben, zuletzt auf das aktuelle Niveau von 2,00 bis 2,25 Prozent. Bis Ende 2019 haben sie vier weitere Schritte nach oben signalisiert. US-Präsident Trump hatte sich öffentlich gegen ein solches Vorgehen ausgesprochen und die Notenbank heftig kritisiert.

Blick auf Einzelwerte

Pro Sieben Sat 1: Auch die Münchner sind vor nicht allzu langer Zeit aus der obersten Börsenliga abgestiegen – und am Donnerstag mächtig unter Druck. Die Aktie verlor 14 Prozent. Am Vorabend hatte der Medienkonzern per Ad-hoc-Mitteilung sein umfangreiches Wachstumsprogramm bekanntgegeben. Zur Finanzierung senkt Pro Sieben Sat 1 die Ausschüttungsquote für Aktionäre auf 50 Prozent. „Die Quartalszahlen fielen weitgehend im Rahmen der Erwartungen aus, aber die Kürzung der Dividende und die Prognoseänderung für 2018 sind eine negative Überraschung“, schrieb Analyst Christoph Bast von Bankhaus Lampe in einem Kurzkommentar. „Das ist ziemlich enttäuschend“, sagte ein Händler. „Warum sollte noch jemand Aktien von ProSieben kaufen?“ Rückläufige Werbeerlöse belasteten auch RTL, die Aktien fielen um mehr als vier Prozent.

Heidelberg Cement: Papiere des Baustoffkonzerns waren bei Anlegern sehr gefragt, nachdem Heidelberg Cement ein Sparprogramm angekündigt und Aktienrückkäufe in Aussicht gestellt hatte. Die Aktie verteuerte sich anfangs um über fünf Prozent, im späteren Handelsverlauf schmolzen die Gewinne auf 0,7 Prozent zusammen.

Siemens: Auch in den kommenden Quartalen erwartet der Technologiekonzern ein moderates Wachstum, erklärte Vorstandschef Joe Kaeser am Donnerstagmorgen. Börsianer zeigten sich außerdem erfreut über die Ankündigung eines neues Aktienrückkaufprogramms von bis zu drei Milliarden Euro bis November 2021 sowie einer Erhöhung der Dividende um zehn Cent auf 3,80 Euro je Aktie. Das Siemens-Papier liegt zum Schluss 0,8 Prozent im Plus.

Commerzbank: Die seit wenigen Wochen nur noch im MDax gelisteten Aktien des Frankfurter Geldhauses legten um 5,3 Prozent zu. Zwar ist der Gewinn im dritten Quartal um mehr als die Hälfte eingebrochen, insgesamt verdiente die Commerzbank aber mehr als von Analysten erwartet.

Was die Charttechnik sagt

Aus Sicht von technischen Analysten sind zwei Marken beim Dax-Chart aktuell wichtig: Auf der Oberseite der Bereich von 11.800 Punkten und auf der Unterseite der Bereich von rund 11.400 Zählern. Die obere Marke war rund anderthalb Jahre eine wichtige Unterstützung und ist nach dem Bruch im vergangenen Monat zu einem wichtigen Widerstand geworden – und dürfte vermutlich nicht einfach zu überwinden sein. Davon gehen auch viele technische Analysten aus.

Auch Verhaltensökonom Joachim Goldberg sieht das ähnlich mit seinem skeptischen Ausblick. „Man muss einerseits davon ausgehen, dass einem eventuellen weiteren Anstieg des Börsenbarometers (in Richtung 11.800?) zunehmend Gewinnmitnahmen entgegenstehen werden“, schrieb er am vergangenen Mittwoch, als der Dax bei rund 11.600 Zähler gehandelt wurde. Für den Sentimentexperten ist gravierender, dass „im Falle von größeren Rückschlägen (etwa unter 11.400 Dax-Zähler) ein Großteil der heimischen Nachfrage nunmehr ausbleiben dürfte“, da diese bereits gesättigt sei. „Ob dann ausgerechnet ausländisches Kaufinteresse dem Dax zu Hilfe eilen wird, scheint aus heutiger Sicht allerdings fraglich“.

Für die Chartexperten der Düsseldorfer Bank HSBC steht: „Ein Abgleiten unter das jüngste Verlaufstief bei 11.437 Punkten dürfte die Erholungsrally dann endgültig im Sand verlaufen lassen“. Dann rückt das bisherige Jahrestief von 11.051 Zählern wieder in den Blick der Anleger.

Analystencheck: Goldman Sachs bleibt bei Kaufempfehlung für Adidas

Die US-Investmentbank Goldman Sachs hat ihre Einstufung für Adidas nach den Quartalszahlen am Mittwoch und einem damit verbundenen Ausblick auf „Kaufen“ mit einem Kursziel von 240 Euro belassen. Kursgewinne von 1,2 Prozent schoben die Adidas-Aktie am Donnerstagmorgen über die Marke von 200 Euro.

Laut Handelsblatt-Analystencheck stehen bei der Aktie von Adidas 37 Kauf-Empfehlungen zwölf Mal die Bewertung „Neutral“ gegenüber, keine Studie empfiehlt die Aktie zu verkaufen. Das gewichtete Kursziel, bei dem jüngere Studien stärker berücksichtigt werden, liegt bei 230,35 Euro.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck.

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