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Dax aktuell Dax schließt bei 11.419 Punkten – Wirecard-Aktie legt bis zu 30 Prozent zu

Der Online-Zahlungsdienstleister Wirecard hat den Prüfbericht zu den Vorwürfen in Asien vorgelegt. Der Aktienkurs ist nicht mehr zu bremsen.
Update: 26.03.2019 - 18:10 Uhr 1 Kommentar
Nachrichten von Wirecard beflügeln den deutschen Leitindex. Quelle: Reuters
Dax-Tafel in Frankfurt

Nachrichten von Wirecard beflügeln den deutschen Leitindex.

(Foto: Reuters)

FrankfurtNachdem Wirecard seinen Prüfbericht zu den Vorkommnissen in Asien vorgelegt hat, setzt der Dax zu einem Höhenflug an. Der Index steigt um 0,64 Prozent auf 11.419 Punkte.

Insbesondere die Wirecard-Aktie legte zu. Grund: Der externe Prüfbericht hat nach Angaben des Unternehmens keine wesentlichen Auswirkungen auf die Abschlüsse von Wirecard festgestellt.

Am Montag hielt sich der deutsche Leitindex einigermaßen stabil und schloss lediglich 0,15 Prozent im Minus bei 11.346 Punkten. Von seinem Fünfmonatshoch am Dienstag vergangener Woche mit 11.823 Punkten hatte der Dax zuletzt fast vier Prozent verloren.

Trotz des Stabilisierungskurses stehen die Zeichen eher auf weitere Kursverluste, auch wenn der Index kurzfristig wieder etwas steigen könnte, was auch die Charttechnik prognostiziert.

Investoren sollten nach Meinung des Börsenexperten Stephan Heibel genügend Cash vorhalten, um im Falle weiterer, deutlicher Kursrückgänge handlungsfähig zu sein. „Es ist heute noch zu früh, alles auf eine Karte zu setzen“, meint er nach Auswertung der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment, die in vielen Fällen ein treffsicherer Indikator für die weitere Börsenentwicklung ist.

Im Fokus stehen weiterhin die US-Renditen, die auch am Montag erneut unter Druck gerieten. So rutschte das zehnjährige US-Zinspapier gestern mit 2,375 Prozent auf den tiefsten Stand seit 2017. Aktuell liegt die Rendite bei 2,43 Prozent.

Indikator für eine Rezession

Durch den Rückgang hat sich die US-Zinskurve weiter invertiert: Die zehnjährigen Staatspapiere werfen deutlich weniger Rendite ab als die dreimonatigen Staatsanleihen, die aktuell 2,46 Prozent bringen. Bislang war eine solche Inversion dieser beiden Zinskurven ein verlässlicher Indikator für eine Rezession.

Der wichtigste Konjunkturindikator für den deutschen Markt war heute der GfK-Konjunkturindex. Doch die Stimmung der deutschen Verbraucher hat sich den zweiten Monat in Folge eingetrübt. Das Konsumklima-Barometer für April fiel um 0,3 auf 10,4 Punkte, einen schlechteren Wert gab es zuletzt vor knapp zwei Jahren.

„Dennoch ist davon auszugehen, dass der Konsum in diesem Jahr eine wichtige Stütze der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland sein wird“, sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. „Dies setzt allerdings voraus, dass die Verunsicherung, die durch Brexit und Handelskonflikt entstanden ist, nicht weiter zunimmt.“

Gerade beim Brexit kommt es (hoffentlich) langsam zum Showdown: Nun übernimmt das britische Parlament die Kontrolle und stimmt am morgigen Mittwoch über Brexit-Alternativen ab.

Es ist allerdings nicht garantiert, dass die Abgeordneten sich am Mittwoch auf irgendeinen alternativen Brexit-Kurs einigen werden. Immerhin können die Proeuropäer im Parlament nun auf einen weicheren Brexit hoffen.

Der Kurs der türkischen Lira hat sich nach den deutlichen Kursverlusten zwar stabilisiert, ein Euro kostet derzeit 6,24 Lira. Doch die politische Situation wird immer kurioser. Vor wenigen Wochen hatte die Türkei noch eine Staatsanleihe emittiert, die in US-Dollar notiert. Für die Vorbereitung beauftragte Ankara drei Geldinstitute – darunter JP Morgan. Nun wird gegen die US-Großbank nach den Lira-Kursverlusten wegen eines Manipulationsvorwurfs ermittelt.

Interessant ist für die Devisenexperten der Commerzbank der Rückgang der Devisenreserven der türkischen Zentralbank. Während der Krise im vergangenen Jahr lagen die Reserven deutlich höher. „Sind Leistungsbilanz, Inflation und Geldpolitik suboptimal, tendiert der Wechselkurs so oder so nach unten“, meinen die Experten. Die Fähigkeit der Zentralbank, die Währung gegen eine Abwertung zu „verteidigen“, zweifeln die Commerzbanker stark an.

Die Rendite der türkischen Staatsanleihen ist heute auf 18,06 Prozent gestiegen, gestern lag der Wert noch bei 17,35 Prozent. Der Aktienindex ISE 100 gab nach zwei verlustreichen Tagen auch heute um rund ein Prozent nach.

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Der seit Langem erwartete Prüfbericht der Kanzlei Rajah & Tann aus Singapur liegt vor. Der Zahlungsabwickler korrigiert nach dem Vorwurf von Unregelmäßigkeiten in Singapur einzelne Positionen seiner Jahresbilanz für 2017. Die Untersuchung durch eine Anwaltskanzlei habe aber keine wesentlichen Auswirkungen auf die Konzernabschlüsse festgestellt, teilte Wirecard am Dienstag mit. Unter anderem sei 2017 ein Umsatz von 2,5 Millionen Euro fälschlicherweise verbucht worden, was im Abschluss für 2018 korrigiert werde. Für eine strafrechtliche Verantwortung in der deutschen Konzernzentrale gebe es keine Hinweise. Allerdings könnten sich Angestellte in Singapur möglicherweise dort strafbar gemacht haben. Die Aktie legte zwischenzeitlich mehr als 30 Prozent zu und beendete den Handelstag mit einem Plus von 26 Prozent.

Bayer: Aktionäre von Bayer blicken mit Schrecken auf den Kursverfall der Aktie in den vergangenen Tagen. Auch am Dienstag ging es zwischenzeitlich um rund zwei Prozent abwärts, zum Handelsschluss lag das Minus aber nur noch bei 0,5 Prozent. Es ist die gleiche Situation wie nach dem ersten verlorenen Prozess im August 2018: Angesichts drohender Schadensersatzzahlungen in Milliardenhöhe aufgrund des Glyphosats-Urteils stellen viele Investoren die Aktie zum Verkauf. In den vergangenen zwölf Monaten ist der Aktienkurs um mehr als 35 Prozent gefallen, innerhalb der letzten vier Wochen allein um knapp 14 Prozent. Bayers Aktienkurs dürfte erst dann wieder spürbar zulegen, wenn es positive Signale aus den weiteren Glyphosat-Prozessen gibt. Der nächste startet schon am Donnerstag dieser Woche, weitere folgen im Mai.

Merck: Der Konzern macht Ernst im Übernahmepoker um den US-Elektronikmaterialien-Hersteller Versum Materials. Der Darmstädter Pharma- und Spezialchemiekonzern gab am Dienstag ein Angebot von 48 Dollar je Versum-Aktie ab – obwohl sich der Vorstand der Amerikaner gegen einen Kauf durch Merck sträubt. Mit ihrem Angebot von 48 Dollar liegen die Darmstädter allerdings unter dem Marktpreis der Versum-Aktie, die am Dienstag vorbörslich in New York mit 49,62 Euro notiert wurde. Die Merck-Aktie selbst schloss 0,4 Prozent im Plus.

Airbus: Frankreich und China haben am Montag bei einem Staatsbesuch von Präsident Xi Jinping in Paris Wirtschaftsverträge in einem Volumen von insgesamt 40 Milliarden Euro besiegelt. Allein ein Großauftrag für den europäischen Flugzeugbauer Airbus beläuft sich nach Informationen aus dem französischen Präsidialamt auf 30 Milliarden Euro. Das beflügelte den Kurs der Aktie, die um 2,2 Prozent steigt.

Nordex: Gut gefüllte Auftragsbücher stimmen den Windturbinenbauer zuversichtlich, die Erlöse 2019 auf 3,2 bis 3,5 (Vorjahr: 2,459) Milliarden Euro zu steigern. Bei der operativen Umsatzrendite (Ebitda-Marge) hält der Vorstand einen Rückgang auf 3,0 (4,1) Prozent ebenso für möglich wie einen Anstieg auf 5,0 Prozent. Preiskämpfe und maue Geschäfte hatten dem Konzern 2018 einen Gewinneinbruch eingebrockt. Die Aktie stieg zwischenzeitlich um gut fünf Prozent.

Bang & Olufsen: Die zweite Gewinnwarnung innerhalb weniger Monate hat Anleger des Unternehmens auf dem falschen Fuß erwischt. Die Titel des Lautsprecher-Herstellers brachen an der Börse in Kopenhagen um mehr als 26 Prozent auf 59,70 Kronen ein. Das war der tiefste Stand seit Juli 2016. Der dänische Konzern rechnet nach einem Umsatzeinbruch im dritten Quartal damit, dass die Erlöse im laufenden Geschäftsjahr 2018/19 um zehn Prozent sinken werden. Bisher war er von gleichbleibenden Erlösen ausgegangen. Zu Beginn des Geschäftsjahrs hatte Bang & Olufsen sogar noch eine Steigerung um zehn Prozent vorhergesagt.

Was die Charttechnik sagt

Der Aufwärtstrend des Dax seit dem Stand von 10.279 Punkten im Dezember ist erst einmal Geschichte. Der Leitindex hat mit der 200-Tage-Linie gekämpft und sie am Dienstag vergangener Woche mit 11.823 Punkten sogar kurzfristig überwunden. Doch der Kampf ist spätestens mit dem Rutsch unterhalb von 11.458 Zählern auf (vermutlich) längere Zeit verloren. Dieser Durchschnitt wird klassischerweise zur Beurteilung des längerfristigen Trends herangezogen.

Das bedeutet: Der Kursanstieg seit Ende Dezember 2018 ist keine neue Hausse, sondern nur eine Rally innerhalb eines Bärenmarktes.

Nach den deutlichen Verlusten der Vorwoche besteht die Chance, dass der Dax zwischenzeitlich wieder in Richtung 11.500 Punkte steigt. Doch erst bei Schlusskursen oberhalb von 11.500 Zählern gibt es aus Sicht der Charttechnik erste technische Verbesserungen.

Als nächster Widerstand kommt die Marke von rund 11.233 Zählern infrage, darunter zählen 11.051 Punkte als weitere Haltemarke. Die richtig große Unterstützungsmarke ist aber das bisherige Mehrjahrestief, das der Dax Ende Dezember mit 10.279 Zählern verzeichnete.

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1 Kommentar zu "Dax aktuell: Dax schließt bei 11.419 Punkten – Wirecard-Aktie legt bis zu 30 Prozent zu"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Nett zu hören, dass der Rentenmarkt eine Rezession einpreist. Aber dazu muß man gar nicht unbedingt auf den Rentenmarkt schielen. Der Aktienmarkt erzählt die selbe Story.

    Nicht einmal, sondern mindestens ein Dutzend Mal. Und irgendwann kommt die Rezession dann tatsächlich.

    Nun wundere ich mich doch ein wenig. Kostolany hielt ja von den geistigen Fähigkeiten seiner Mitanleger sehr wenig. Hat sie über hunderte von Seiten hinweg stets als "Idioten" bezeichnet. Aber sie scheinen doch immerhin in der Lage zu sein, einen wirtschaftlichen Absturz schon Jahre vorher zu erkennen.