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Dax aktuell Dax schließt fast 450 Punkte im Minus – Profis und Privatanleger wollen unbedingt fallende Kurse

Konjunkturdaten aus den USA lassen den Dax kräftig abrutschen – alle 30 Werte gehen mit Kursabschlägen aus dem Handel. Die VW-Aktie verliert fast sieben Prozent.
30.07.2020 - 18:03 Uhr 2 Kommentare
Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax Quelle: dpa
Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt hat nach Tagen mit nur geringen Kursschwankungen seine Sommerpause vorzeitig beendet. Er schloss am Donnerstag 3,45 Prozent oder 443 Zähler im Minus bei 12.379 Punkten. Zwischenzeitlich hatte er über Tag sogar mehr als 500 Zähler unter dem Vortagsniveau notiert.

Die Konjunkturdaten gaben keinen Halt, sondern schickten den Index weiter ins Minus. Den Daten zufolge ist das deutsche Bruttoinlandsprodukt von April bis Juni um 10,1 Prozent zum Vorquartal gefallen. Das war der stärkste Rückgang seit Beginn der vierteljährlichen Berechnungen für Deutschland im Jahr 1970.

Auch nicht viel besser ist die Lage in den USA: Die US-Wirtschaft hat in der Coronakrise einen beispiellosen Konjunktureinbruch erlitten. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet um 32,9 Prozent zurück. Dabei handelt es sich allerdings um den annualisierten, also auf das Gesamtjahr hochgerechneten Wert. Nach europäischer Berichtsweise entspricht das einem Minus von rund zehn Prozent.

Zudem bleiben die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe hoch. Der jüngste Wert für die Woche bis einschließlich 25. Juli liegt bei 1,434 Millionen.

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    Die Anlegerstimmung zeigt eine verkehrte Welt an der Börse, wenn man den längeren Kursverlauf betrachtet. Seit Mitte März ist der deutsche Leitindex knapp 60 Prozent gestiegen, eigentlich ein Grund für Feierlaune unter den Anlegern. Doch es herrscht ein rekordverdächtiger Pessimismus.

    Das zeigen die aktuellen Ergebnisse der Anlegerumfrage der Börse Frankfurt. Seit Beginn der Erhebung Anfang 2013 war dieser Pessimismus noch nie so hoch. Die institutionellen Investoren warten nun auf einen deutlichen Rückgang des deutschen Börsenbarometers. Denn sie wollen aus ihren Short-Spekulationen mit möglichst geringem Verlust herauskommen.

    „Um profitabel zu sein, beziehungsweise aufgelaufene Buchverluste zu minimieren, benötigt die Mehrheit der von uns befragten Börsianer am besten negative Überraschungen und damit einhergehend weiter fallende Aktienkurse“, meint Verhaltensökonom Joachim Goldberg nach Auswertung der Umfrage.

    Laut dieser Umfrage könnten erste große Käufe zwischen 12.300 und 12.400 Zählern erfolgen. „Ein Umstand, der dem Dax also auf niedrigerem Niveau zugutekommen dürfte“, erläuterte der ehemalige Devisenhändler am Mittwochabend. Nun hat der Dax dieses Niveau bereits erreicht.

    Stärkere Nachfrage dürfte es auch geben, wenn die Kurse wieder steigen sollten. Denn dann müssten die Pessimisten ihre Short-Positionen auflösen und den höheren Notierungen hinterherlaufen.

    Zwei Marken stehen im Fokus: zum einen das Juni-Hoch mit 13.314 Zählern und darüber das Rekordhoch mit 13.795 Punkten. Sollte der Dax über seinen bisherigen Höchststand steigen, sind durchaus ein oder mehrere Short Squeezes möglich – also plötzlich rasante Kurssprünge.

    „Das sentimenttechnische Umfeld bleibt für den Dax weiterhin günstig“, meint Goldberg. Auch in den USA herrscht das gleiche Bild: Der Anteil der Bullen liegt dort auf dem niedrigstem Stand seit 2016. Sollten die Börsenregeln noch gelten, dass eine Hausse erst in der Euphorie stirbt, dürften die Kursgewinne bald weitergehen.

    Wichtige Impulse für den morgigen Handel dürften heute Abend nach Börsenschluss in den USA kommen: Am „Super Thursday“ legen die vier Tech-Schwergewichte Amazon, Apple, Facebook und Google nach Handelsschluss die Zahlen zum zweiten Quartal vor.

    Was das für die US-Börsen und damit die Finanzmärkte bedeutet, zeigen zwei Zahlen: Die Marktkapitalisierung der vier Konzerne beträgt insgesamt rund 4,8 Billionen Dollar und damit 18 Prozent des Leitindexes S&P 500.

    Blick auf die Einzelwerte

    Volkswagen: Der Konzern wird wegen der Coronakrise für das Jahr 2019 weniger Dividende zahlen als ursprünglich geplant. Um die eigene Kasse zu schonen, sollen jetzt nur noch gut zwei statt der im Februar angekündigten rund drei Milliarden Euro an die Aktionäre ausgeschüttet werden. Das kam bei den Anteilseignern nicht gut an, die Aktie verlor fast sieben Prozent.

    Die Coronakrise hat den VW-Konzern schwer getroffen. Im ersten Halbjahr ist Volkswagen deshalb beim operativen Ergebnis in die Verlustzone gerutscht. Minus 800 Millionen Euro stehen jetzt in den Büchern.

    Airbus: Der Boeing-Rivale profitiert Analysten zufolge von einem geringeren Mittelabfluss und niedrigeren Restrukturierungskosten als erwartet. Der Quartalsverlust fiel zudem höher aus als vorhergesagt. Die im MDax notierten Titel legten 1,9 Prozent zu.

    Heidelberg Cement: Milliardenschwere Abschreibungen haben den Baustoffkonzern tief in die roten Zahlen gedrückt. Das hat der Aktie ein Minus von rund sechs Prozent beschert.

    Unter dem Strich stand im zweiten Quartal ein Verlust von drei Milliarden Euro. Heidelberg Cement hatte bereits Anfang Juli wegen der eingetrübten Geschäftsaussichten durch die Coronakrise und den Brexit 3,4 Milliarden Euro auf den Wert seiner Beteiligungen abgeschrieben.

    Fresenius: Das Unternehmen muss wegen der Coronakrise seine Ziele für das laufende Jahr korrigieren, was für ein Minus von mehr als sechs Prozent bei der Aktie sorgte. Im zweiten Quartal schlugen sich die Folgen der Pandemie voll im Geschäft des Gesundheitskonzerns nieder. Da der Klinikbetreiber viele Betten für Corona-Patienten freihielt und weniger sonstige Operationen stattfanden, wurde etwa die auf Flüssigmedizin, Narkosemittel und klinische Ernährung spezialisierte Tochter Kabi gebremst.

    Freenet: Ein positiver Analystenkommentar hievte die Aktien an die Spitze des MDax. Das Papier des Mobilfunkanbieters legte mehr als fünf Prozent zu. Die Analysten der Berenberg Bank stuften den Titel auf „buy“ von „hold“ und hoben das Kursziel auf 18 von 16,50 Euro.

    Comdirect: Die Verwerfungen an den Finanzmärkten durch die Coronakrise haben die Kassen der Commerzbank-Tochter gefüllt. Den Gewinn vor Steuern konnte die Comdirect fast vervierfachen. In den ersten sechs Monaten 2020 gab es nicht nur viele Trades, sondern auch das größte Kundenzahlwachstum innerhalb eines Halbjahres seit mehr als zehn Jahren. Die Titel verloren aber 1,6 Prozent.

    Siltronic: Ein schwacher Ausblick für die zweite Jahreshälfte setzten dem Chipzulieferer zu. Die Titel des Münchener Unternehmens brachen bis zu zehn Prozent ein, nachdem der Hersteller von Siliziumscheiben, aus denen Chips gestanzt werden, ein schwächeres zweites Halbjahr angekündigt hatte.

    Blick auf andere Assetklassen

    Die türkische Lira ist gegenüber dem Euro auf ein neues Rekordtief gefallen. Die neue Höchstmarke liegt nun bei 8,259 Lira. Zum Vergleich: Zu Zeiten der Lira-Krise im August 2018 lag der Wert bei 8,21 Lira.

    Auch gegenüber dem Dollar fiel die türkische Währung weiter. Im frühen Handel stieg der Greenback über die Marke von sieben Lira, bei Handelsschluss lag er mit einem Wert von 6,98 knapp darunter. Das bisherige Rekordtief zum Dollar hatte die Währung am 7. Mai dieses Jahres mit 7,269 Lira erreicht.

    Möglicherweise geht dieser Kursrutsch in den kommenden Tagen noch deutlich weiter. Denn von Mitte Juni bis Ende Juli lag der Dollar-Lira-Kurs ohne größere Volatilität wie festgenagelt im Bereich knapp über 6,85 – trotz erheblicher Zinssenkungen der Zentralbank, hoher Inflation und daraus resultierender negativer Realzinsen, unverändertem Leistungsbilanzdefizit und einem grundsätzlich schlechten Wirtschaftsausblick. Die Regierung wollte, dass das so bleibt. Was bedeutet: Offenbar hat die türkische Zentralbank eingegriffen.

    Die sogenannten Devisenmarktinterventionen haben sich nach Berechnungen von Bankern und Analysten seit Beginn des letzten Jahres auf etwa 110 Milliarden Dollar belaufen und teilweise den Devisenreservepuffer der Zentralbank aufgebraucht. Im Gegenzug sind die Bruttodevisenreserven der Zentralbank von bisher 81 Milliarden Dollar in diesem Jahr auf 49 Milliarden Dollar gesunken.

    Kurzfristig hat sich die Lage aber etwas entspannt, weil die türkische Zentralbank ihre Inflationsprognose erhöht hat. Die neue Prognose verringert die Wahrscheinlichkeit, dass die Zentralbank die Zinsen weiter senken wird. „Diese neue restriktive Entwicklung unterstützt die Lira zumindest leicht, auch wenn es dadurch nicht gelingen wird, die laufende Kursentwicklung umzukehren“, meint Commerzbank-Devisenanalyst Tatha Ghose.

    Ghose erwartet nun, dass die Türkei verschiedene Kapitalverkehrskontrollen einführt oder verstärkt, um diesen Rutsch zumindest kurzfristig zu verhindern. Mit der Gefahr, dass solche Maßnahmen die Wechselkursbewegung nicht mehr eindämmen können, was wiederum zu noch heftigeren Kurssprüngen führen könnte.

    Die schwachen US-Daten gaben auch dem Euro einen regelrechten Schub. Die Gemeinschaftswährung stieg zeitweise von 1,173 auf 1,1844 Dollar, den höchsten Wert seit Mitte Juni 2018. Anfang Juli hatte der Euro noch rund 1,12 Dollar gekostet und lag im Mai sogar noch bei 1,07 Dollar.

    Um 25 Cent ist der Goldpreis am gestrigen Mittwoch an der bisherigen Rekordmarke von 1980,56 Dollar gescheitert. Nach diesem Versuch rutschte der Preis pro Feinunze (31,1 Gramm) am heutigen Donnerstag wieder etwas ab.

    Die Meinung der US-Notenbank behindert steigende Goldpreise nicht. Sie denkt nach den Worten ihres Vorsitzenden Jerome Powell nicht mal darüber nach, die Zinsen zu erhöhen. Dies verdeutlicht, wie weit Zinserhöhungen entfernt sind. „Die Fed bleibt damit weiterhin als Krisenbekämpfer gefragt, an der ultralockeren Geldpolitik wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Dieser Umstand spricht für einen weiter steigenden Goldpreis“, meinen die Rohstoff-Analysten der Commerzbank.

    Die US-Bank Goldman Sachs hat als einen der Treiber des Goldpreises die zunehmende Sorge der Investoren ausgemacht, der Dollar könne seine führende Rolle als weltweite Reservewährung verlieren. Der Rohstoffexperte Jeffrey Currie und seine Kollegen vertreten die Meinung, Gold sei die letzte Währung, die dann noch gültig ist, wenn alle anderen versagen.

    Was die Charttechnik sagt

    Offenbar steht die Kurslücke vom vergangenen Freitag dem Dax im Weg. Eine derartige Abwärtskurslücke entsteht, wenn der tiefste Stand des Vortags über dem höchsten Kurs des folgenden Handelstags liegt.

    Konkret fiel der Dax am vergangenen Donnerstag auf 13.072 Punkte, die höchste Notierung am folgenden Freitag lag bei 12.935 Zählern. Eine Abwärtskurslücke dieser Art gilt laut Charttechnik als Widerstand. Und dieser Widerstand wurde am gestrigen Mittwoch bestätigt: Der Dax startete den Versuch, diese Lücke zu schließen, doch bei 12.936 Punkten lag das Tageshoch.

    Sollte die Lücke geschlossen werden, wäre der nächste Widerstand bei 13.314 Punkten. Es ist das bisherige Hoch seit dem Corona-Crash Mitte März, was am Dienstag vergangener Woche erreicht wurde. 481 Punkte über dem Corona-Hoch liegt bereits die Dax-Rekordmarke aus dem Monat Februar dieses Jahres, als der Leitindex mit 13.795 Punkten den höchsten Stand aller Zeiten erreicht hatte.

    Unterstützung auf der Unterseite bieten die Durchschnittslinien der vergangenen 50 und 200 Handelstage, die bei 12.364 sowie 12.209 Punkten liegen.

    Nach Meinung der HSBC-Charttechniker ist dieser Bereich für eine strategische Stop-Loss-Marke prädestiniert. Anders formuliert: Notierungen in diesem Bereich wären auch eine Einstiegsmöglichkeit mit entsprechend gutem Chance-Risiko-Verhältnis – zumal die aktuelle 200-Wochen-Linie bei 12.105 Punkten liegt.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

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    2 Kommentare zu "Dax aktuell: Dax schließt fast 450 Punkte im Minus – Profis und Privatanleger wollen unbedingt fallende Kurse"

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    • Für Anleger die Wetten eingehen eine sichere Sache. Die ausschließlich durch Momentum getriebene fake rally musste in einen Einbruch münden. Erstaunlich nur, dass die Medien die Leute ständig zum Aktienkauf ermuntert haben.

    • Also ich, als Privatanleger, will keine fallenden Kurse. Wie kommt man auf so einen Gedanken?

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