Dax aktuell: Dax schließt im Minus – Welche Marken Halt geben könnten
Düsseldorf. Die Dax-Anleger haben am Dienstag einen Rutsch unter das bisherige Jahrestief verhindert. Mit dem heutigen Tagestief von 16.476 war der Leitindex nur rund 30 Punkte von der Marke entfernt und drehte anschließend wieder um 100 Punkte nach oben. Es wäre ein weiteres Zeichen von Schwäche gewesen, wäre der Leitindex unter den Stand von 16.448 Punkten gerutscht.
Vor zwölf Monaten legte der Leitindex den besten Jahresstart der Geschichte hin. Davon ist 2024 nichts zu sehen. Zum Handelsschluss notiert der Leitindex bei 16.571 Punkten, einem Minus von 0,3 Prozent gegenüber dem Vortagesschluss.
Offenbar werden die Anleger vorsichtiger und erwarten einen Rückschlag an der Aktienbörse. Wird dieser kommen? Und wenn ja, wie tief fällt der Dax noch?
Laut der Handelsblattumfrage Dax-Sentiment dürfte es in den kommenden Handelstagen noch nicht zu einem Rücksetzer kommen. Denn die aktuellen Daten zeigen, dass viele Anleger auf solch ein Szenario setzen und schnell wieder einsteigen würden. Dies ist ein klassisches Muster an den Börsen, das meistens größere Verluste verhindert.
>> Lesen Sie hier: Warum es nicht zu einem Dax-Rückschlag kommen dürfte
Im Gegenzug dürften bereits ein paar positive Nachrichten ausreichen, damit der Dax wieder in Richtung 17.000 Punkte klettert oder vielleicht sogar ein neues Rekordhoch erreicht. Die bisherige Bestmarke liegt bei 17.003 Zählern.
Eine solche Möglichkeit signalisiert auch der bisherige Verlauf der fünfwöchigen Konsolidierung seit dem Rekordhoch Mitte Dezember. Bislang gab es nur ein Minus von vier Prozent, recht wenig für solch eine Phase. Üblicherweise dauern solche Konsolidierungen rund sechs Wochen mit Verlusten von sechs bis acht Prozent, bis es wieder zu einer kurzfristigen Gegenbewegung nach oben kommt.
Mittelfristig trübe Aussichten
Aber selbst wenn der Dax in den kommenden Tagen ein neues Rekordhoch erklimmen sollte, ändert das nichts an den mittelfristig eher trüben Aussichten für den Aktienmarkt. Für das erste Halbjahr 2024 sind die Aussichten damit eher mäßig.
Denn auch die Charttechniker rechnen für den Dax zwar mit Rekordhochs in diesem Jahr – allerdings zwischenzeitlich mit niedrigeren und damit günstigeren Einstiegskursen als aktuell. Diese wird es wohl im ersten Halbjahr geben, bevor es anschließend deutlich aufwärtsgehen dürfte.
Eine wesentliche Ursache für einen möglichen Aufwärtstrend im zweiten Halbjahr ist aus Sicht der Experten die US-Wahl im November. Zur Erinnerung: In den vergangenen drei Jahren lagen die technischen Analysten mit ihrer Einschätzung richtig.
>> Lesen Sie auch: Fünf Börsen-Profis lagen drei Jahre richtig – damit rechnen sie 2024
Eine kurzfristige Orientierung bieten derzeit charttechnische Marken. Martin Utschneider hatte auch für den heutigen Handelstag erwartet, dass der Dax weiterhin in der Spanne von 16.832 Punkten auf der Ober- und 16.529 Zählern auf der Unterseite tendiert. Selbst bei einem Unterschreiten der Marke von 16.529 Punkten, wie es kurz nach der Handelseröffnung geschehen war, bleibe das Abwärtspotenzial zunächst bis auf 16.387 Zählern begrenzt.
Größere Schwankungen möglich
Eine neue Kursdynamik in den kommenden Tagen zeigt ein aus technischer Sicht relevanter Volatilitätsmaßstab an, der in der Fachwelt als „Bollinger-Bänder“ bezeichnet wird. Der hat sich zuletzt stark eingeengt.
Diese Konstellation war in der Vergangenheit oftmals Voraussetzung für größere Marktschwankungen. Die Richtung, in die der Dax ausbricht, steht in diesem Analyseverfahren indes nicht fest.
Die Begrenzungen des Volatilitätsindikators verlaufen derzeit bei 16.820 Punkten auf der Ober- sowie 16.551 Zählern auf der Unterseite, sagt Jörg Scherer, Leiter der technischen Analyse bei HSBC Deutschland.
Kurse außerhalb dieser Spanne dürften wohl eine größere, prozyklische Kursdynamik auslösen. Zuletzt gab es eine solche Konstellation Mitte September des vergangenen Jahres. Damals rutschte der Dax bis Mitte Oktober um rund acht Prozent ab.
Weitere US-Banken legten Zahlen vor
Die Bilanzsaison in der amerikanischen Bankenbranche ist in vollem Gange. Ein brummendes Handelsgeschäft hat Goldman Sachs im vierten Quartal einen satten Gewinnanstieg beschert. Die führende US-Investmentbank erzielte im Zeitraum Oktober bis Dezember einen Gewinn von 2,01 Milliarden Dollar, verglichen mit einem Plus von 1,33 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Aktie gewann im US-Handel zeitweise rund ein Prozent.
Die US-Großbank Morgan Stanley hat hingegen im Schlussquartal 2023 wegen Zahlungen an einen Einlagensicherungsfonds weniger verdient. Der Nettogewinn im Zeitraum Oktober bis Dezember schrumpfte auf 1,5 Milliarden Dollar nach 2,2 Milliarden Dollar im Vorjahreszeitraum. Die Aktie verlor an der New Yorker Börse im Handelsverlauf mehr als drei Prozent.
Blick auf Einzelwerte
Aroundtown: Eine Herabstufung setzt einem Händler zufolge Aroundtown unter Druck. Die Titel des Immobilieninvestors fallen um rund drei Prozent. Die Bank SocGen habe Aroundtown auf „Sell“ von zuvor „Buy“ gesetzt.
Hellofresh: Die Aktien von Delivery Hero, Hellofresh und Just Eat Takeaway geben weiterhin nach. Gestern urteilten Experten der Pariser Großbank BNP Paribas Exane über die Aktien der Essenslieferanten. Hellofresh, das einzige der drei Unternehmen, das derzeit Gewinne erzielt, gab zuvor eine Gewinnwarnung heraus.
Die Aktien von Hellofresh fielen daraufhin um vier Prozent, am heutigen Mittwoch beträgt der Wertverlust etwa 1,5 Prozent. Papiere von Delivery Hero notieren hingegen fast zwei Prozent im Plus.
Commerzbank: Nach dem gestrigen Aufwärtstrend der Papiere des Geldinstitutes– verursacht durch vage Übernahmespekulationen durch die Deutsche Bank – geben die Aktien des Geldinstitutes am Mittwoch nach. Sie fallen um fast fünf Prozent.
Lindt & Sprüngli: Die Aktien des Schokoladenherstellers steigen an der Schweizer Börse um fast acht Prozent. Grund für die Wertsteigerung sind ein nach oben korrigiertes Umsatzwachstum für 2023. „Lindt bewies im Jahr 2023 einmal mehr seine starke Preissetzungsmacht dank der globalen Premium-Positionierung mit einem hohen Anteil in den Bereichen Geschenkartikel und Pralinen“, so Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy.
Hugo Boss: Das Modeunternehmen erzielte trotz schwacher Konjunktur im Jahr 2023 hohe Gewinne. Anleger hatten jedoch mit einem noch höheren Ergebnis gerechnet. Auch Analysten sind von dem Ergebnis enttäuscht. Die Aktie fällt zeitweise um zwölf Prozent und ist über weite Strecken größter Tagesverlierer im MDax. Zum Handelsschluss beträgt das Minus knapp zehn Prozent – damit notiert die Aktie unter 60 Euro.