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Dax aktuell Dax schließt im Plus – Wie sich das Rätsel am US-Anleihemarkt auflösen dürfte

Die Inflation steigt, die US-Wirtschaft brummt, und dennoch sind die US-Renditen auf den tiefsten Stand seit Februar gefallen. Wie lange hält das an?
07.07.2021 - 17:41 Uhr Kommentieren
Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax Quelle: dpa
Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Nach einem schwachen Dienstag geht es am heutigen Mittwoch am deutschen Aktienmarkt wieder aufwärts. Der Dax schließt 1,2 Prozent im Plus bei 15.693 Punkten. Den gestrigen Handelstag hatte die Frankfurter Benchmark ein Prozent im Minus beim Stand von 15.511 Punkten beendet. Es war der niedrigste Schlusskurs seit zwei Wochen.

Eine mutige Prognose für den heutigen Handelstag lieferte Martin Utschneider, technischer Analyst der Privatbank Donner & Reuschel, bereits vorbörslich: Er hält ein nachhaltiges Abrutschen unter die Marke von 15.511 Punkten, dem gestrigen Schlusskurs, für „recht unwahrscheinlich“. Das würde einen positiven Handelstag bedeuten. Allerdings spricht seiner Ansicht nach aber auch wenig dafür, dass derzeit die Marke von 15.706 Zählern überwunden werden dürfte.

Utschneiders Prognose deckt sich mit den bisherigen Dax-Entwicklungen des gesamten Börsenjahres. Seit Anfang 2021 gab es beim deutschen Leitindex 15-mal einen Verlust von 0,9 Prozent oder mehr. Nur zweimal gaben die Kurse am Tag darauf weiter nach. Das war am 18. Februar mit 0,16 Prozent und am 3. Mai mit einem Verlust von 0,1 Prozent der Fall. Ansonsten stiegen die Kurse stets, im Schnitt um 1,1 Prozent.

Der gestrige Handelstag hat eindrucksvoll bestätigt, was viele Experten seit Wochen prognostizieren: Der US-Aktienmarkt könnte aufgrund der euphorischen Anlegerstimmung zur Belastung für den Dax werden. Erst als die Wall Street eröffnete, rutschten am Dienstag die Kurse hierzulande ab. Auch die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment warnt seit einigen Wochen davor, dass die US-Märkte deutlich nachgeben könnten. Entsprechend sollten Anleger die Wall Street im Blick behalten.

Der gestrige Kursrutsch hat zudem die These bestätigt, dass einige Privatanleger auf ein neues Rekordhoch spekulieren. Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart ist weiter gestiegen, die Anleger haben also die fallenden Notierungen am Dienstag zum Kauf von Call-Hebelprodukten auf den Dax genutzt. Dieser Indikator wird aufgrund realer Trades mit Hebelprodukten auf das deutsche Börsenbarometer berechnet.

Diese Anleger setzen darauf, dass sich die Situation von Anfang und Mitte Mai dieses Jahres wiederholt, das Euwax-Sentiment liegt derzeit auf einem ähnlichen Niveau mit einem Wert von über fünf. Damals rutschte der Dax auf rund 15.400 Zähler, Anleger stiegen mit Calls ein und wurden für ihr Risiko belohnt, weil der Leitindex anschließend auf ein neues Rekordhoch von 15.803 Punkten anstieg.

Das Paradoxon bei den US-Anleiherenditen

Ein wichtiger Taktgeber für die Aktienkurse sind derzeit die US-Anleiherenditen. Vereinfacht formuliert lässt sich schlussfolgern, dass fallende Renditen die Kurse von Wachstumswerten wie Tech-Aktien beflügeln, steigende Werte am Anleihemarkt hingegen positiv für sogenannte Value-Aktien wie beispielsweise Industriepapiere sind.

Diesen Zusammenhang zeigt ein einfacher Kursvergleich: Seit Anfang Juni ist die Rendite der für den Markt maßgeblichen zehnjährigen US-Staatsanleihen von rund 1,61 Prozent auf aktuell rund 1,30 Prozent gesunken, den tiefsten Stand seit Februar dieses Jahres. In diesem Zeitraum trat der Dow-Jones-Index als Stellvertreter für Industriewerte praktisch auf der Stelle, während das Technologiebarometer Nasdaq um mehr als sechs Prozent anzog.

Grafik

Dabei ist der Rückgang der US-Anleiherenditen auf den ersten Blick rätselhaft. Die Inflation klettert deutlich nach oben, und der Internationale Währungsfonds hat zuletzt die Wachstumsprognose für die amerikanische Wirtschaft auf sieben Prozent hochgeschraubt. Wahrlich kein Umfeld für fallende Renditen.

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan, hat dafür eine relativ einfache Erklärung. „Die Hauptursache war die mangelnde Verfügbarkeit von Neuemissionen von US-Staatsanleihen“, erläutert der Experte. Finanziert wurden die bisherigen Schulden vom Finanzministerium anhand eines Guthabenkontos bei US-Notenbank.

Doch die Angebotsflaute am Anleihemarkt nähert sich nach Meinung von Galler dem Ende entgegen. „Es spricht einiges dafür, dass in der zweiten Jahreshälfte aufgrund des höheren Angebots bei gleichzeitig verringerter Zentralbanknachfrage die langfristigen Zinsen ihren Anstieg fortsetzen“, meint der Banker. Hochzinsanleihen mit kurzer Laufzeit und sogenannte Value-Aktien sollten seiner Ansicht nach von den steigenden Zinsen profitieren.

Auch die Rendite der zehnjähriger Bundesanleihe gab am heutigen Mittwoch deutlich nach und rutschte auf minus 0,3 Prozent ab. Entsprechend kletterte der TecDax um 1,1 Prozent und Technologiewerte wie Hellofresh und Delivery Hero zählten zu den größten Gewinnern.

Blick auf die Einzelwerte

Heidelberg Cement: Der Baustoffhersteller zählt wie bereits am gestrigen Dienstag auch am heutigen Mittwoch zu den großen Gewinnern und führt mit einem Plus von 4,2 Prozent die Gewinnerliste an.

Das Unternehmen profitiert von vielen staatlichen Infrastrukturprogrammen. Heidelberg Cement erzielt rund 90 Prozent seiner Umsätze im Ausland. Allein die US-Regierung hat seit vergangenem Sommer knapp fünf Billionen Dollar bereitgestellt, damit Verbraucher mehr Geld ausgeben und Unternehmen mehr investieren. Die Vorhaben reichen von Barschecks für jeden US-Bürger bis zu Infrastrukturprogrammen, um marode Brücken, Straßen und öffentliche Gebäude zu renovieren oder neu zu bauen.
Die meisten Analysten haben in den vergangenen Wochen angesichts rasant steigender Gewinnerwartungen ihre Kursziele angehoben: Am heutigen Mittwoch setzte Jeffries die Kurserwartung von 108 Euro auf 113 Euro hoch.

SAP: Eine Kaufempfehlung verleiht den Aktien Auftrieb. Die Anteilsscheine schließen 3,5 Prozent im Plus bei 124,5 Euro und sind damit einer der großen Dax-Gewinner. Händlern zufolge setzte die Bank of America die Titel auf „buy“ von „underperform“ hoch mit einem Kursziel von 150 Euro.

Hochtief: Die Aktien des Baukonzerns brechen ein, nachdem die italienische Atlantia Insidern zufolge einen Verkauf ihres Anteils erwägt. Hochtief-Aktien schließen mit 2,9 Prozent Verlust auf 63,48 Euro. Das ist der niedrigste Kurs seit mehr als acht Monaten. Der Großaktionär sieht seine Beteiligung von knapp 16 Prozent an dem deutschen Baukonzern Insidern zufolge nicht mehr als strategisch an und prüft einen Verkauf des Aktienpakets.

Was die Dax-Charttechnik sagt

Anleger sollten trotz der heutigen Kursgewinne die Unterseite im Blick haben. Zum einen ist das die 55-Tage-Linie, die den mittelfristigen Trend vorgibt. Dieser gleitende Durchschnitt verläuft knapp unterhalb von 15.450 Punkten. Darunter liegt mit 15.309 Punkten das Sechswochentief von Mitte Juni. Darunter könnten Bullen auf die Stabilisierung an der mental wichtigen 15.000er-Marke hoffen, müssten aber nach Meinung der technischen Analysten von HSBC zumindest auch einen Test der waagerechten 14.800er-Zone einkalkulieren.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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