Dax aktuell: Dax schließt mehr als 100 Punkte höher
Düsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt hält der Aufwärtsschwung an. Der Dax schloss am Donnerstag erneut im Plus: Zum Handelsende standen 15.352 Punkte auf der Anzeigetafel, ein Plus von 0,8 Prozent beziehungsweise 123 Punkten gegenüber dem Vortagesschluss.
Das Tageshoch lag bei 15.364 Zählern. Das ist gleichzeitig der höchste Stand des Börsenmonats November. Bereits am Vortag war der Dax bis auf 15.287 Punkte gestiegen. Insgesamt zeigt das deutsche Börsenbarometer eine konstruktive Entwicklung nach dem Kurssprung von rund 3,5 Prozent in der vergangenen Handelswoche.
Großer Optimismus unter den Anlegern
Eine Belastung für weitere Dax-Kursgewinne sind aber die Ergebnisse der aktuellen Sentimentumfrage der Börse Frankfurt. Denn die höheren Notierungen in den vergangenen Wochen haben keinesfalls für Gewinnmitnahmen gesorgt, sondern das Kaufinteresse erhöht. Vor allem institutionelle Investoren, die bei geschicktem Timing in der Spitze einen Dax-Gewinn von über vier Prozent hätten realisieren können, nahmen praktisch keine Gewinne mit.
Eine mögliche Erklärung ist der Glaube an eine große Zinswende, die, angeführt von den USA, für weiter steigende Aktienkurse sorgen soll, meint der Verhaltensökonom Joachim Goldberg, der die wöchentliche Erhebung auswertet. Für ihn sei dieser Optimismus zu hoch und trägt schon fast euphorische Züge.
Bei den Privatanlegern liegt diese Erwartung steigender Kurse bereits in der Nähe des höchsten Standes seit sechs Jahren. Zur Erläuterung: Euphorie gilt laut Sentimentanalyse als Kontraindikator, weil dann zu viele Anleger investiert sind.
Für Goldberg sind diese Stimmungsdaten eine deutliche Belastung für den Dax, wenn dieser nicht wie in der Vorwoche weiter steigen sollte. Denn dann dürften die Gewinnmitnahmen nachgeholt werden. Deswegen dürften in den kommenden Handelstagen vor allem neue Signale für eine Zinswende im Fokus stehen, die noch nicht klar ist. Sollte es Indizien für weiter steigende Zinsen geben, könnte es laut der Umfrage schneller abwärtsgehen, als viele Anleger erwarten.
Die größte Gefahr lauert laut Goldberg auf der Unterseite, beginnend ab einem Niveau von 14.750 bis 14.800 Dax-Zählern. Sollte der Leitindex unter dieses Niveau abrutschen, dürfte es aufgrund der jüngsten Käufe deutlich weniger Nachfrage geben. Zudem dürfte dann ein Teil der aktuellen Optimisten wohl die Notbremse ziehen, was die Kurse zusätzlich belasten dürfte.
Zur Einordnung: Bei 14.630 Zählern liegt das Oktober-Tief, gleichzeitig ist das der niedrigste Kurs seit Ende März dieses Jahres.
Chemie-Aktien profitieren vom Strompreispaket
Die Einigung der Bundesregierung auf ein Strompreispaket hatdie Aktien aus der energieabhängigen Chemiebranche angetrieben. Die Aktien des Chemiekonzerns BASF sprangen bis auf 45,36 Euro, zum Handelsende lagen sie zwei Prozent höher bei 44,48 Euro. Wacker Chemie gewannen 3,7 Prozent auf 122,20 Euro und Lanxess stiegen um 2,7 Prozent auf 24,37 Euro. Laut Bundeskanzler Olaf Scholz werden stromintensive Unternehmen für die nächsten fünf Jahre entlastet.
Sechs Dax-Konzerne legten Zahlen vor
Auch am heutigen Donnerstag veröffentlichten zahlreiche Unternehmen ihre Geschäftszahlen. Aus dem Dax sind das die Deutsche Telekom, Merck, Henkel, Brenntag, Hannover Rück und Rheinmetall.
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Die Reaktion auf die Zahlen zum Handelsende: Das Papier von Hannover Rück war mit einem Minus von 2,3 Prozent größter Dax-Verlierer. Im Gegenzug waren die Aktien von Merck gefragt, die vier Prozent zulegten. Zuletzt kündigte Merck einen Stellenabbau an, um die Kosten um bis zu 90 Millionen Euro zu senken.
Was die Dax-Charttechnik sagt
Die Entscheidung über ein Ende des Abwärtstrends seit Ende Juli dieses Jahres dürfte laut Charttechnik aber erst im Bereich von 15.500 bis 15.600 Punkten fallen. Dort liegt auch mit aktuell 15.643 Zählern die 200-Tage-Linie, die vor allem von langfristig orientierten Investoren beachtet wird.
Doch so lange sollten die Warnsignale der vergangenen Wochen nicht voreilig ignoriert werden, sagt Martin Utschneider, technischer Analyst bei Finanzethos. „Die Gesamtsituation aus Chart- und Markttechnik deutet auf deutliche Nervosität und Unsicherheit im deutschen Leitindex hin“, meint er.
Auf der Unterseite wäre ein Rutsch unter die Marke von 14.950 Punkten problematisch. Doch solange die deutschen „Blue Chips“ oberhalb dieser Schlüsselzone notieren, können Anlegerinnen und Anleger auf eine Fortsetzung der jüngsten Erholungsbewegung setzen, meint Jörg Scherer, technischer Analyst bei HSBC Deutschland.
Blick auf Devisen und Rohstoffe
Der Preisrückgang beim Öl ist gestoppt. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent rutschte im frühen Handel zwar kurzzeitig unter die Marke von 80 Dollar, lag am Abend aber wieder 1,1 Prozent im Plus bei 80,63 Dollar.
Mittlerweile wird Öl so niedrig gehandelt wie zuletzt im Juli. Damit hat der Preis für das schwarze Gold seit dem Verlaufshoch von Ende September etwa 20 Prozent nachgegeben.
Die Kryptowährung Bitcoin ist am Donnerstag auf den höchsten Stand seit achtzehn Monaten gestiegen. Die Cyber-Devise zog um mehr als drei Prozent auf bis zu 36.822 Dollar an. Als Antreiber nannten Börsianer die Hoffnung auf die Zulassung eines börsengehandelten Bitcoin-Spot-ETF-Fonds in den USA.
„Solange die US-Börsenaufsicht den Hoffnungen auf Lancierung eines ETF-Anlagevehikels in den USA keinen Strich durch die Rechnung macht, können Bitcoin und Co. in den Zulassungsfantasien offensichtlich einen Nährboden finden“, sagte Analyst Timo Emden von Emden Research. „Am Markt dominiert das Prinzip Hoffnung.“ Die Genehmigung eines Fonds hätte Experten zufolge Signalwirkung und gilt als Türöffner für eine endgültige Akzeptanz von Kryptowährungen als Anlageklasse.
„Die ETF-Thematik besitzt das Potenzial, über Wohl und Wehe von Bitcoin und Co. in diesem Jahr zu entscheiden“, sagte Emden. Aktuell halte der Risikoappetit der Marktteilnehmer offenbar an – dafür spreche, dass Gewinnmitnahmen in größerem Stil ausblieben und selbst kleinste Kursrücksetzer als Wiedereinstiegsgelegenheit wahrgenommen würden, sagte Emden.
Blick auf weitere Einzelwerte
New Work: Die schwächelnde deutsche Konjunktur hat dem Betreiber des Karriere-Netzwerks „Xing“ einen erneuten Umsatz- und Gewinnrückgang eingebrockt. Viele Unternehmen müssten zwar Maßnahmen gegen den Fachkräftemangel ergreifen, schöben dies wegen der trüben wirtschaftlichen Aussichten aber auf, sagte Firmenchefin Petra von Strombeck. Analysten hatten ein noch schwächeres Ergebnis erwartet, die Aktie schloss nach einem fulminanten Handelsauftakt mit einem Zuwachs von 0,8 Prozent.
Verbio: Der sächsische Biokraftstoff-Hersteller hat im Auftaktquartal des Bilanzjahres 2023/24 wegen des aktuellen Preisniveaus einen Gewinneinbruch verzeichnet. Das operative Ergebnis (Ebitda) sank auf 48,8 Millionen Euro nach 121,4 Millionen Euro vor Jahresfrist. Der Vorstand bekräftigte aber sein Gewinnziel, das im Gesamtjahr 2023/24 ein Ebitda von 200 bis 250 Millionen Euro vorsieht. Die Aktie gewann 12,3 Prozent.
Cancom: Die Aktien gewannen bis zu 11,4 Prozent auf ein Vier-Monats-Hoch von 27,38 Euro. Der Münchner IT-Dienstleister steigerte den Umsatz im dritten Quartal um 26,2 Prozent auf 415,8 Millionen Euro. Zum Handelsende lag der Kurs zehn Prozent höher.