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Blick aus der Frankfurter Börse

Der Blick in den Handelssaal der Frankfurter Börse.

(Foto: dpa)

Dax aktuell Dax schließt nach Achterbahnfahrt im Plus – „Wir haben eine neue Marktverfassung“

Privatanleger haben auf die Kursverluste von Montag mit risikoreichen Spekulationen auf wieder steigende Notierungen reagiert. Profis waren vorsichtiger.
20.07.2021 - 18:00 Uhr Kommentieren

Düsseldorf Am deutschen Aktienmarkt ist der Ausverkauf vom Montag gestoppt. Der deutsche Leitindex Dax schloss am Dienstag nach einem bewegungsreichen Handel 0,6 Prozent im Plus bei 15.216 Punkten.

Am Morgen hatte die Frankfurter Benchmark sogar 1,1 Prozent im Plus bei 15.300 Zählern gelegen, drehte bis zum Nachmittag aber 0,3 Prozent ins Minus auf 15.092 Stellen, ehe die Kurse mit dem freundlichen Start der Wall Street wieder stiegen.

Damit konnte der Dax die wichtige Marke von 15.300 Punkten vorerst nicht zurückerobern, unter die er zum Wochenauftakt gefallen war. Der Montag war für den Index mit einem Minus von 2,6 Prozent der verlustreichste Tag seit dem 21. Dezember 2020 gewesen.

Der Handelstag hat zudem gezeigt, wie wichtig charttechnische Marken sind. Viele Anleger hatten darauf gesetzt, dass die untere Begrenzung der Seitwärtsphase seit Mitte Mai mit 15.300 Punkten hält. Doch als der Dax unter diese Marke rutschte, folgten deutlich höhere Verkäufe. Aus technischer Sicht war das mit 15.300 Punkten erreichte Tageshoch am heutigen Dienstag ein klassischer Pullback, ein Test der vergangenen Unterstützungsmarke, die nun ein Widerstand ist.

Für Thomas Altmann vom Investmenthaus QC Partners haben zuletzt „die Börsen vor allem davon gelebt, dass die Verkaufsbereitschaft niedrig war“. Der Umkehrschluss: Sollte die Verkaufsbereitschaft hoch bleiben oder bei weiteren Rückgängen zunehmen, dann sind weitere Kursverluste wahrscheinlich. Bereits in den vergangenen Tagen war zu beobachten, dass die Investoren ihre Einstiegslimits schrittweise nach unten verschoben haben.

Wie sehr die Anleger vom Rutsch unter die Marke von 15.300 Punkten überrascht worden sind, zeigt sich auch an den Volatilitätsindizes, den sogenannten Nervenbarometern der Börse. Je höher diese notieren, desto höhere Kursschwankungen erwarten Profianleger in den kommenden Tagen und Wochen.

Der VDax für das heimische Börsenbarometer ist wieder auf 24 Prozent gestiegen, der VStoxx für den Euro Stoxx 50 kletterte auf über 25 Prozent. „Wir haben jetzt eine völlig neue Marktverfassung“, meint Experte Altmann. „So viel Angst war seit dem Mai nicht mehr im Markt.“

Für diese neue Marktverfassung spricht auch die Statistik: Zum ersten Mal seit Anfang November gab es am Freitag und am gestrigen Montag nach einem Tagesminus von mindestens 0,9 Prozent zwei Verlusttage in Folge. Am vergangenen Donnerstag hatte der Dax den Handel ein Prozent im Minus bei 15.630 Zählern beendet.

Mit dem deutlichen Verlust am gestrigen Montag dürfte wohl die Zeit der korrekturlosen Rally seit Anfang November vorbei sein. Rein formal trifft das für den als Impfstoff-Rally benannten Aufwärtstrend aber noch nicht zu. Denn bezogen auf das Rekordhoch von vergangener Woche hat der deutsche Leitindex bislang erst fünf Prozent abgegeben: vom Höchststand bei 15.811 Punkten auf das Korrekturtief bei 15.048 Zählern.

Das ist nicht viel. Noch im Januar dieses Jahres sackte die Frankfurter Benchmark nach einem zwischenzeitlichen Rekordhoch um sechs Prozent ab, um anschließend wieder auf Rekordjagd zu gehen.

Doch es gibt einen gewaltigen Unterschied: Der Rückgang um sechs Prozent geschah in einer saisonal starken Phase zu Beginn eines Jahres, in der Anleger frisches Geld investieren. Derzeit herrscht aber Sommerpause. Und die hat ihre eigenen Gesetze: Profis sind im Urlaub. Allein schon deswegen gibt es stets hohe Schwankungen, aber nur selten einen Trendwechsel.

Daraus leitet sich eine erfreuliche Nachricht ab: Ein Bärenmarkt ist eher unwahrscheinlich. Dafür wäre ein Kursrückgang von 20 Prozent erforderlich, entsprechend Kurse unterhalb von 12.650 Zählern.

Bislang sieht diese begonnene Konsolidierung nach einer jahresüblichen Sommerkorrektur aus. Streng genommen muss der Dax von seinem Hoch um mindestens zehn Prozent abrutschen, um den Begriff Korrektur zu erfüllen. Das wäre bei 14.229 Zählern der Fall.

Für die technischen Analysten von HSBC Deutschland „wiegen derzeit die Risiken schwerer als die Chancen“. Schließlich stehe der Markt angesichts der meist schwachen Börsenmonate August und September vor großen saisonalen Herausforderungen. Für Jörg Scherer von HSBC ergibt sich zunächst für den Dax ein Kursziel im Bereich von 14.800 Punkten. Dort liegt auch mit 14.816 Zählern das Tief des Monats Mai.

Eine interessante Reaktion auf den Kursrutsch am gestrigen Montag zeigten die Privatanleger an der Börse Stuttgart. Sie glauben felsenfest an wieder steigende Kurse. Das Euwax-Sentiment ist mit einem Wert von plus zehn auf den höchsten Stand der vergangenen zwölf Monate gestiegen.

Das Sentiment der Stuttgarter Börse wird anhand realer Trades mit Hebelprodukten auf den Dax berechnet. Ein positiver Wert zeigt einen Überhang von Call-Produkten gegenüber Put-Derivaten an.

Aus solch einem hohen positiven Wert lassen sich zwei Punkte ableiten:

  1. Steigt der Dax wieder Richtung Rekordhoch, dürften diese Privatanleger erneut hohe Renditen erzielen. Bereits in den Vormonaten Mai und Juni hatten sie mehrfach mit Calls auf steigende Kurse gesetzt und nach den Rekordhochs mit den Verkäufen dieser Calls Gewinne realisiert.
  2. Sollten die Kurse abrutschen, dürfte diese Gruppe unter Druck geraten, die Verluste nicht ausufern zu lassen. Und deren Verkäufe dürften dann den Abwärtstrend verschärfen.

Auch einige Profis haben die gestrigen Verluste zum Verkauf von Call-Optionen genutzt, allerdings nur in einem geringen Ausmaß. Das Put-Call-Verhältnis der Frankfurter Terminbörse Eurex liegt bei 1,4 und damit leicht unter dem Durchschnitt der vergangenen zwölf Monat von 2,0. Die Profis haben also einen leichten Überhang von Call-Optionen in ihren Depots.

Bitcoin rutscht unter die Marke von 30.000 Dollar

Erstmals seit rund einem Monat fällt die Cyberdevise Bitcoin unter die psychologisch wichtige Marke von 30.000 Dollar. Die Cyberdevise verbilligt sich am Dienstag um drei Prozent auf 29.803 Dollar. Ethereum büßt ähnlich stark auf 1767 Dollar ein. „Es könnte nun eine längere Phase der Konsolidierung folgen, bevor es zur nächsten Rally kommt“, prognostiziert Marktanalyst Milan Cutkovic vom Brokerhaus Axi. „In der Zwischenzeit müssen die Anleger akzeptieren, dass eine verstärkte Regulierung dieses Marktes unausweichlich ist.“

Blick auf Einzelwerte

Luftfahrtwerte: Ein Mix aus verschiedenen Nachrichten beflügelten die Kurse von Fraport, Deutscher Lufthansa und Airbus. So plant die Airline Qatar eine größere Order an Frachtflugzeugen, bei Airbus oder bei Boeing. Zudem will die britische Billigfluggesellschaft Easyjet ihr Flugangebot für den Sommer angesichts gelockerter Reisebeschränkungen und wachsender Passagierzahlen weiter hochfahren. Das sorgte bei Airbus für ein Plus von 2,3 Prozent, Lufthansa stieg um 2,4 Prozent, Fraport um 1,4 Prozent.

Munich Re: Der Rückversicherer Munich Re sieht sich auf gutem Weg zu seinem Jahresziel von 2,8 Milliarden Euro Gewinn. Im zweiten Quartal übertraf der Dax-Konzern mit einem Ergebnis von 1,1 Milliarden Euro die Erwartungen der Analysten. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in München mit. Insgesamt summiert sich der Gewinn im ersten Halbjahr damit auf 1,7 Milliarden Euro. Die endgültigen Zahlen für die erste Jahreshälfte will die Munich Re am 10. August vorlegen. Die Aktie stieg um 1,7 Prozent.

Pro Sieben Sat 1: Mit einem Kursplus von anfangs 2,7 Prozent gehörte das Papier zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt. Die TV-Senderkette hatte dank einer starken Erholung des Geschäfts im zweiten Quartal ihre Gesamtjahresziele angehoben. Auf den zweiten Blick seien die neuen Prognosen aber recht glanzlos, sagte ein Börsianer. Daher könne die Rally rasch ins Stocken geraten. Die Titel schlossen 0,7 Prozent im Plus.

Vonovia: Der Wohnungskonzern kann immer mehr Anteilseigner des Konkurrenten Deutsche Wohnen von seinem rund 18 Milliarden Euro schweren Übernahmeangebot überzeugen. Das ließ die Vonovia-Aktie anfangs um 0,9 Prozent steigen, sie schloss aber 0,4 Prozent im Minus. Aktuell wurden dem Konzern 31 Prozent an Deutsche-Wohnen-Aktien übertragen. Ende Juni lag die Quote noch bei 18,4 Prozent.

Die erste Frist für die Annahme des Übernahmeangebots endet am 21. Juli um 24 Uhr. Vonovia muss auf mehr als 50 Prozent der Anteile kommen. In der Regel wird der Löwenanteil der Aktien zum Ende der Frist angedient. Vonovia bietet den Aktionären seines Berliner Konkurrenten 52 Euro je Aktie.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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