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Dax aktuell Dax schließt nach gutem Start deutlich im Minus – Privatanleger spekulieren auf ein neues Muster

Investoren lieben Muster an den Märkten und versuchen, danach zu handeln. Die aktuelle Spekulation bietet Anlegern eine neue wichtige Erkenntnis.
06.07.2021 - 17:57 Uhr Kommentieren
Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax Quelle: dpa
Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Weil die US-Börsen am gestrigen Montag geschlossen waren, hatte der heutige Dienstag eine höhere Relevanz für die Börsenwoche als gewöhnlich. Nach einem guten Start trübten sich die Perspektiven bis zum Abend deutlich ein. Der Dax beendete den Handel ein Prozent im Minus beim Stand von 15.511 Punkten. Es ist der niedrigste Schlusskurs seit zwei Wochen.

Am Montag hatte der Dax eine Ruhepause eingelegt und ging bei 15.662 Punkten mit einem Plus von 0,1 Prozent aus dem Handel. Das Volumen war mit weniger als 30 Millionen gehandelten Papieren das niedrigste des gesamten Börsenjahres.

Es ist eine altbekannte Börsenweisheit: Anleger lieben Muster an den Märkten und versuchen, danach zu handeln. Das ist oft in Seitwärtsphasen zu beobachten, zuletzt in den Monaten April und Mai, als der Dax zwischen 14.800 und 15.500 Punkten schwankte. Anleger versuchen dann, im Bereich der unteren Begrenzung zu kaufen und möglichst nahe an der Oberseite zu verkaufen. Schließlich kann man so in einer eher langweiligen Seitwärtsphase eine zusätzliche Rendite erzielen.

Das neue Muster, was sich derzeit am Markt beobachten lässt, heißt wohl: Spekuliere auf ein neues Rekordhoch und nehme sofort Gewinne mit. Sämtliche neuen Rekordhochs in den vergangenen Wochen liefen nach demselben Muster ab: Die Bestmarken waren stets eine Einladung zu Gewinnmitnahmen. Nach dem immer noch gültigen Rekordhoch von 15.803 Punkten am 14. Juni beendete der Dax die Sitzung sogar im Minus.

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    Vor allem einige Privatanleger spekulieren darauf, dass sich dieses Muster erneut wiederholt, ablesbar am Sentiment der Stuttgarter Börse Euwax. Dieser Indikator zeigt den Anteil von Call- und Put-Produkten auf den Dax in den Depots der Privaten. Und mit einem aktuellen Wert von knapp fünf haben sie deutlich mehr Call-Derivate gekauft und spekulieren auf weiter steigende Kurse.

    Bereits Anfang und Mitte Mai dieses Jahres waren die Privaten mit dieser Strategie erfolgreich. Zu diesem Zeitpunkt lag das Euwax-Sentiment bei über fünf und damit auf dem höchsten Stand der vergangenen zwölf Monate. Anschließend stieg der Dax und erreichte am 14. Juni mit 15.803 Zählern sein neues Rekordhoch.

    Bedeutung der Privatanleger wächst

    Bis Mitte Juni wurden Gewinne eingestrichen, also die Calls verkauft. Entsprechend rutschte dieser Indikator auf minus fünf ab und zeigte dann einen Überhang von Put-Produkten an, die bei fallenden Kursen an Wert gewinnen.

    Was kann man daraus lernen? Gut möglich, dass die privaten Spekulanten recht bekommen und der Dax in den kommenden Handelstagen ein neues Rekordhoch markiert. Schließlich haben sich bereits viele institutionelle Investoren aufgrund der Sommerferien vom Markt verabschiedet, was auch das geringe Handelsvolumen zeigt. Die Bedeutung der Privatanleger wächst derzeit.

    Es dürfte aber extrem unwahrscheinlich sein, dass die Rally nach einer neuen Bestmarke fortgesetzt wird. Dass werden die Privatanleger mit ihren Gewinnmitnahmen durch den Verkauf ihrer Call-Produkte anschließend verhindern. Zur Einordnung: An dieser Spekulation dürfte nicht die Mehrheit der Privaten beteiligt sein. Denn laut der aktuellen Handelsblattumfrage Dax-Sentiment unter rund 6000 Anlegern wartet der große Teil ab und hofft auf steigende Kurse in drei Monaten.

    Ob diese Privatanleger mit ihrer Spekulation auf ein neues Rekordhoch überhaupt erfolgreich sind, ist aber auch ungewiss. Denn es gibt viele Warnhinweise, die ein Ende der laufenden Rally-Phase signalisieren. Zum einen die Saisonalität, die Sommermonate gelten als schwierige Börsenmonate. Auch die Marktbreite wird geringer, der Aufschwung wird nur noch von wenigen Papieren getragen, was ebenfalls zumindest für eine Verschnaufpause spricht.

    Grafik

    Auch weltweit sind die Divergenzen so groß wie lange nicht mehr. Während der US-Index S&P 500 seit Jahresanfang um mehr als 15 Prozent gestiegen ist, stürzte der Hang Seng China Enterprise Index auf ein neues Jahrestief ab. Vom Jahreshoch aus dem Februar beträgt der Absturz des asiatischen Börsenbarometers mittlerweile 17 Prozent. Dieser Index beinhaltet die Aktienkurse von 50 Unternehmen des chinesischen Festlands, die in Hongkong gehandelt werden. Für Thomas Altmann von QC Partners steht fest: „So stark zunehmende Divergenzen deuten häufig das Ende einer Rally-Phase an.“

    Autowerte auf der Verkaufsliste

    Anleger machen um Autowerte einen großen Bogen: Continental, Daimler, BMW und Volkswagen zählen mit Abschlägen von bis zu rund zwei Prozent zu den größten Dax-Verlierern. Börsianern zufolge wirkt die erneut gesenkte Jahresprognose des VDA für die Pkw-Produktion noch nach. Der Verband der Automobilindustrie hatte seine Wachstumsvorhersage am Montag auf 3,6 Millionen Fahrzeuge herabgesetzt. Das wäre gegenüber der von Corona-Lockdowns gedämpften Vorjahrsproduktion nur noch ein Plus von drei Prozent.

    Blick auf weitere Einzelwerte

    Heidelberg Cement: Nach einer Kurszielanhebung setzten sich die Aktien zunächst an die Dax-Spitze. Die Titel legten 1,3 Prozent auf 73,73 Euro zu. Die Analysten der Investmentbank Jefferies hatten das Kursziel für die Aktien auf 113,10 von zuvor 108,10 Euro erhöht. Bis zum Handelsschluss gab die Aktie ihre Gewinne aber vollständig ab und schloss 0,8 Prozent im Minus bei 72,22 Euro.

    Sartorius: Nach starken Zuwächsen im ersten Halbjahr hebt der Laborausrüster seine Prognose für das Gesamtjahr an. Das Unternehmen rechnet nun mit einem Umsatzwachstum von rund 45 (bisher 35) Prozent und einer operativen Marge nach Steuern von etwa 34 (bisher etwa 32) Prozent. Die Aktie stieg bis Handelsschluss um gut drei Prozent.

    Pro Sieben Sat 1: Nach einer Hochstufung gehörten die Aktien zunächst zu den größten Gewinnern im MDax. Sie kletterten um rund ein Prozent auf 17,32 Euro – gaben bis zum Handelsschluss aber die Gewinne wieder ab. Der Schlussstand lag annähernd auf dem Stand von Montag bei 17,15 Euro. Die US-Bank Morgan Stanley hob die Titel auf „Equal Weight“ von „Underweight“ an und erhöhte das Kursziel auf 18 (vorher zwölf) Euro.

    Shop-Apotheke: Die Online-Apotheke hat wegen geringerer Logistikkapazitäten ein Fragezeichen hinter den Jahreszielen gemacht. Ob die Prognose angepasst werden müsse, hänge von der Entwicklung der nächsten Wochen ab, teilte Shop-Apotheke mit. Das gebremste Wachstum werde Auswirkungen auf das Ergebnis haben, kündigte der Vorstand an. Als einen Grund für die schwächelnde Entwicklung nannte er den Mangel an Mitarbeitern. Das Papier verlor 12,5 Prozent.

    Shop-Apotheke gilt zwar als sogenannte Coronagewinner-Aktie, legte in den vergangenen Wochen aber bereits eine vergleichsweise schwache Entwicklung hin. Seit dem 20. Mai bis zum heutigen Handelsstart notiert das Papier unverändert. Im Gegensatz dazu kletterten andere Coronagewinner-Papiere wie Delivery Hero, Zalando und Hellofresh in diesem Zeitraum zwischen elf und 18 Prozent.

    Ölpreis steigt deutlich

    Der Ölpreis klettert nach den geplatzten Gesprächen der großen Ölstaaten zur Lockerung der Förderbremse weiter nach oben. Der Preis für die US-Sorte WTI steigt auf den höchsten Stand seit sechseinhalb Jahren. Er klettert in der Spitze um 2,3 Prozent auf 76,91 Dollar je Fass. Die Nordsee-Sorte Brent steigt um bis zu 0,8 Prozent auf 77,79 Dollar und ist damit so teuer wie seit zweieinhalb Jahren nicht mehr.

    Anleger fürchten nun einen sich verschärfenden Angebotsengpass, da der Bedarf an Öl wegen der Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Krise derzeit steigt. „Der Ölpreis könnte jetzt zu einer Bremse für die wirtschaftliche Erholungsbewegung werden“, meint Thomas Altmann von QC Partners.

    Die steigenden Preise für das wichtige Exportgut Rohöl geben den russischen Märkten Auftrieb. Die Währung des Landes ist gefragt, im Gegenzug verbilligt sich der Dollar um bis zu 0,4 Prozent auf 73,16 Rubel. Der russische Leitindex steigt um 0,8 Prozent auf ein Rekordhoch von 3915 Punkte.

    Gold überwindet die wichtige Marke von 1800 Dollar

    Gold gelang am Morgen erstmals seit Mitte Juni wieder der Sprung über die Marke von 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm). Rückenwind gibt ein schwächerer US-Dollar. Zudem sorgt der steigende Ölpreis nach dem Scheitern der geplanten Erhöhung der Ölproduktion durch die Opec plus für neue Inflationsängste.

    Den Grundstein für den heutigen Preisanstieg hatte nach Meinung von Carsten Fritsch, Rohstoffanalyst der Commerzbank, das nachhaltige Überwinden der 100-Tagelinie bei 1790 Dollar am gestrigen Montag gelegt. Nun scheine der Weg für weitere Gewinne frei.

    ETF-Zuflüsse lassen bislang allerdings noch auf sich warten. „Wir können uns aber vorstellen, dass das Vertrauen der ETF-Anleger zurückkehrt und diese wieder verstärkt Gold kaufen“, meint Fritsch.

    Auch Alexander Zumpfe vom Goldhändler Heraeus meint: „Es scheint, als habe der Goldpreis nach seinem Ausverkauf Mitte Juni kürzlich die Talsohle erreicht“. Es sei jedoch noch zu früh für ein klareres Bild, da die Märkte auf das letzte Protokoll der US-Notenbank Fed schauen, das am Mittwoch veröffentlicht wird, um weitere Hinweise zu erhalten.

    Das Ende der Talfahrt entspricht auch der aktuellen Anlegerstimmung bei Gold. Laut den Daten es Analysehauses Animusx herrscht anstatt Euphorie wie noch vor einem Monat nun extrem schlechte Stimmung. Leser von Sentimentumfragen wissen: Solche Werte machen einen weiteren heftigen Ausverkauf wie noch Mitte Juni unwahrscheinlich. „Beim Gold dürfte sich die Korrektur ihrem Ende nähern beziehungsweise ihren Tiefpunkt bereits hinter sich haben“, meint Animusx-Inhaber Stephan Heibel.

    Was die Dax-Charttechnik sagt

    Aus Sicht der technischen Analyse sollte der Seitwärtstrend am deutschen Aktienmarkt noch ein wenig weitergehen. Martin Utschneider, technischer Analyst bei der Privatbank Donner & Reuschel, bezweifelt, dass der Dax über die Marke von 15.706 Punkten steigt. Mit Notierungen oberhalb würde der Leitindex seiner Ansicht nach wieder in den Lang- und Mittelfristtrend zurückkehren.

    Auf der Unterseite hielt es Utschneider aber für recht unwahrscheinlich, dass der Dax am heutigen Dienstag unter 15.511 Punkte abrutscht. Eine Fehleinschätzung: Der Dax markierte einen Tiefststand von 15.466 Punkten. Immerhin: Bis Handelsschluss erreichte der Leitindex wieder die am Morgen genannte Unterseite von 15.511 Punkten.

    Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

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