Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax aktuell Dax schließt nach plötzlichem Absturz 1,6 Prozent schwächer

Die Daten der Einkaufsmanager beenden einen freundlichen Börsentag: Der Leitindex verliert in kurzer Zeit mehr als 150 Punkte und schließt im Minus.
Kommentieren

„Kommt kein harter Brexit, wird der Dax bald eine wichtige Marke überspringen“

FrankfurtAm Handelstag Nummer drei nach dem neuen Jahreshoch verschärft der Dax seinen Konsolidierungskurs. Der deutsche Leitindex startete zwar zunächst mit einem Plus von 0,6 Prozent, doch innerhalb weniger Minuten drehte sich das Bild: Die Frankfurter Benchmark verlor in kurzer Zeit mehr als 150 Punkte. Am Nachmittag sackte der Kurs weiter ab und schloss 1,6 Prozent im Minus bei 11.364 Zählern.

Der Grund für den Absturz lag an einer Zahl: 44,7 Punkte. So tief ist der Einkaufsmanagerindex im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland im März gefallen. Alles unter 50 Punkten deutet auf eine Abschwächung der Wirtschaft hin, alles unter 45 Punkten kann man als Signal für eine bevorstehende Rezession interpretieren. Die Angst vor einer Rezession ist auf das Börsenparkett zurückgekehrt.

Nicht nur die Aktienkurse wurden von dieser einen Zahl beeinflusst. Der Euro lag gegenüber dem Dollar anfangs bei 1,1380 und rutschte fast einen Cent auf 1,1290 ab.

Die Flucht in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen drückte die Rendite der zehnjährigen Titel am Freitag zwischenzeitlich erstmals seit Oktober 2016 wieder unter null Prozent auf bis zu minus 0,001 Prozent. Damit müssen Investoren dafür bezahlen, dem Bund Geld leihen zu dürfen. Die 30-jährigen Titel steuerten auf den größten Rendite-Rückgang seit September 2016 zu.

Bereits am Donnertag hatte der Dax die gesamte Handelszeit in der Verlustzone gelegen und schloss den zweiten Tag in Folge im Minus. Letztendlich ging er mit einem Verlust von 0,5 Prozent bei 11.550 Punkten aus dem Handel. Das bisherige Jahreshoch erreichte der Index am Dienstag mit 11.823 Zählern.

Die nächsten Handelstage dürften aus mehreren Aspekten richtungsentscheidend sein. Die beiden größten Belastungsfaktoren, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie der Brexit, gehen allmählich in ihre Entscheidungsphase.

Grafik

Bei den Zollgesprächen gibt es positive Signale, doch beim US-Präsident ist nur eines sicher: die Unsicherheit, wie es weitergeht. Erst mit Vertragsunterzeichnung wäre das Problem gelöst. Und was passiert, sollte es zu keiner Einigung kommen? Dann würde das weltweite Bruttosozialprodukt lediglich um 0,3 Prozent sinken, was bereits in den gesenkten Prognosen des Weltwährungsfonds (IWF) enthalten wäre, meint Ken Fisher, Gründer und Chairman der US-Vermögensverwaltung Fisher Investments.

Anders sieht es beim Brexit aus: Der ist jetzt in der finalen Phase. Bis zum 22. Mai dürfte es zu einer Entscheidung kommen. Drei Optionen liegen auf dem Tisch: Annahme des Vertrages, No-Deal-Brexit oder der Antrag auf Austritt wird einfach zurückgezogen.

Zur Erinnerung: Am 23. Juni 2016 stimmte Großbritannien überraschenderweise für den Austritt aus der EU. Der Dax brach sofort von 10.340 auf 9.214 Zähler ein, lag Ende Juli 2016 aber wieder bereits bei rund 10.400 Punkten.

Wiederholt sich diese Kursreaktion? Möglich, aber unwahrscheinlich. Selbst wenn es zu einem No-Deal-Brexit kommen sollte, wäre das noch eine Überraschung? Investoren sind darauf vorbereitet, ein eventueller Kursrückgang wäre nur von kurzer Dauer. Und es wäre keine Überraschung, dass die Kurse sofort steigen, sollte es zu einer Einigung kommen. Egal wie die ausfällt.

Auch laut Börsenstimmung bleibt das Umfeld für den deutschen Aktienmarkt günstig, meint Verhaltensökonom Joachim Goldberg nach Auswertung der Sentimentumfrage der Börse Frankfurt am Mittwochabend dieser Woche. Zu diesem Zeitpunkt notierte der Dax bei rund 11.600 Punkten. Seiner Meinung nach dürften genügend Käufer zur Verfügung stehen, sollte es beim Index einen größeren Rücksetzer geben.

Der größte positive Schub für das Börsenbarometer könnte allerdings dann entstehen, wenn internationale Investoren und heimische Pessimisten plötzlich zu der Überzeugung gelangen, dass europäische Aktien auch im internationalen Vergleich gar nicht so schlecht aussehen. „Damit ist die Wahrscheinlichkeit einer kräftigen Short-squeeze jedenfalls deutlich gestiegen“, meint Goldberg. Bei einem Short-squeeze handelt es sich um einen rasanten Kursanstieg innerhalb kurzer Zeit, weil viele Spekulanten, die auf fallende Kurse gesetzt haben, auf dem falschen Fuß erwischt wurden.

Was allerdings die Short-squeeze-These etwas abschwächt: Viele Privatanleger haben an den vergangenen beiden schwächeren Börsentagen vermutlich Gewinne eingestrichen und sich von ihren Put-Positionen getrennt, die bei fallenden Kursen im Wert steigen. Das Euwax-Sentiment der gleichnamigen Börse Stuttgart, das zuvor auf einem sehr niedrigen Stand lag, hat sich eher normalisiert. Weniger Privatanleger können also auf dem falschen Fuß erwischt werden.

Blick auf die Einzelwerte

Bayer: Das Glyphosat-Urteil wird nicht nur für den Konzern insgesamt, sondern auch für Bayer-Chef Werner Baumann zum Problem. Langsam verlieren die Investoren ihre Geduld. Die Bayer-Aktie schloss 3,3 Prozent im Minus.

Fresenius: Schlusslicht im Dax mit minus 4,2 Prozent waren die Anteile des Medizinkonzerns Fresenius. Sie waren zuletzt mehrmals an der 50-Euro-Marke gescheitert und rutschten unter das Zwischentief vor zwei Wochen auf 46,24 Euro.

RWE: Die Papiere des Energiekonzerns profitierten von einem positiven Analystenkommentar der Großbank Goldman Sachs und legten um drei Prozent zu.

Salzgitter: Dank des besten Geschäftsjahres der vergangenen zehn Jahre will der Stahlhersteller seine Dividende deutlich erhöhen. Auf der Hauptversammlung im Mai soll eine um 20 Prozent auf 0,55 Euro gesteigerte Ausschüttung pro Aktie vorgeschlagen werden. Für das aktuelle Geschäftsjahr rechnet das MDax notierte Unternehmen aber mit einem deutlich geringeren Überschuss und begründet dies mit einem sich eintrübenden Geschäftsumfeld sowie zahlreichen wirtschaftlichen und politischen Unwägbarkeiten. Deswegen schloss die Aktie auch mit einem Verlust von 5,5 Prozent.

Stahlwerte: Neben Salzgitter büßten auch Thyssenkrupp und Klöckner & Co in dem schwachen Umfeld für die Rohstoffbranche deutlich an Wert ein. Einem Händler zufolge schlagen in der Branche die wieder aufgeflammten Konjunktursorgen negativ durch.

Hapag-Lloyd: Das Unternehmen traut sich dieses Jahr im besten Fall eine Verdoppelung seines Betriebsgewinns zu. Deutschlands größte Reederei strebt für 2019 ein Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 500 bis 900 Millionen Euro an. Die Hapag-Eigner müssen sich dieses Jahr mit einer fast auf ein Viertel zusammengestrichenen Dividende von 15 Cent begnügen. Vergangenes Jahr gab es mit 57 Cent je Aktie erstmals seit dem Börsengang 2015 überhaupt eine Ausschüttung, mit der Analysten damals nicht gerechnet hatten. Entsprechend gelassen wurde am Markt die nun offenbar realistischere Ausschüttung aufgenommen und eher der positive Ausblick gewürdigt: Hapag-Lloyd-Aktien legten im frühen Handel fünf Prozent zu, drehten nachmittags aber ins Minus und schlossen mit einem Verlust von 0,8 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

„Unter charttechnischen Gesichtspunkten werden die kommenden Handelstage von großer Bedeutung sein“, meinen die Analysten der Helaba. Denn der Index kämpft um die aus charttechnischen Gesichtspunkten wichtige 200-Tage-Linie, die aktuell bei 11766 Punkten liegt. Der Index lag am Dienstag kurzfristig über dieser Linie, fiel aber danach wieder zurück und notiert derzeit darunter.

Dieser Durchschnitt wird klassischerweise zur Beurteilung des längerfristigen Trends herangezogen. Vorsichtige Investoren warten aber meist ab, bis diese Linie einen Richtungswechsel von fallend auf auswärts vollzieht. Doch das dürfte noch länger dauern.

Sollte es dem Dax gelingen, die 200-Tage-Linie nachhaltig zu überwinden, würden sich die nächsten Kursziele bei 11.862 und 11.936 Punkten finden. Nachdem die Marke von 11.458 Zählern gefallen war, ist die nächste Haltemarke erst bei 11.233 Zählern.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax. Aktuelle Leerverkäufe von Investoren finden Sie in unserer Datenbank zu Leerverkäufen.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Dax aktuell - Dax schließt nach plötzlichem Absturz 1,6 Prozent schwächer

0 Kommentare zu "Dax aktuell: Dax schließt nach plötzlichem Absturz 1,6 Prozent schwächer"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.