Dax aktuell Dax schließt nur knapp über 12.000 Punkten – was Anleger wissen müssen

Der deutsche Leitindex setzt am Mittwoch seine Verlustserie fort und fällt unter eine wichtige Marke. Welche Szenarien die Experten nun skizzieren.
Update: 05.09.2018 - 18:09 Uhr 1 Kommentar

„Da ist vieles, was den Dax nach unten zieht“

FrankfurtAuf einen miserablen Dienstag folgte ein noch schwächerer Handelstag am Mittwoch: Der deutsche Leitindex sackte bis dicht an die Marke von 12.000 Punkten ab: Der Dax ging mit einem Abschlag von 1,39 Prozent auf 12.040 Punkte aus dem Tag. Bereits am Dienstag hatte er 1,1 Prozent im Minus bei 12.210 Zählern geschlossen.

Damit verlor das deutsche Börsenbarometer den Kampf um eine wichtige charttechnische Marke. Bei rund 12.100 Punkten hat das deutsche Börsenbarometer bereits zwei Mal in den vergangenen Monaten (Ende Juli und Mitte August) wieder nach oben gedreht. Technische Analysten nennen das einen Widerstand.

„Dort muss man aufpassen, die Bären dürften bei neuen Lows vermutlich wenig zimperlich sein“, hatte der freie Charttechniker Holger Struck bereits vor Börseneröffnung gesagt. Die technischen Analysten der UBS skizzierten in ihrem Morgenkommentar folgendes Negativ-Szenario, sollte die Frankfurter Benchmark unter die Marke von exakt 12.104 fallen. Dann wäre „eine umfassende Abwärtswelle möglich, welche schnell in Richtung der 11.726 Punkte-Marke führen könnte. Auch die Unterstützungszone bei 11.430 Punkten könnte im Zuge einer zweiten Korrekturwelle getestet werden.“ Bei 11.726 Zählern liegt das bisherige Jahrestief beim deutschen Leitindex, das Anfang April erreicht wurde.

Für das Dax-Minus am Mittwoch lassen sich viele fundamentale Gründe finden: Im Handelsstreit zwischen den USA und Kanada steht die nächste Verhandlungsrunde bevor. Dabei lehnt der kanadische Ministerpräsident Justin Trudeau Zugeständnisse in Kernfragen bei den Gesprächen um die Neuauflage des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta ab. Hinzu kommt: US-Präsident Donald Trump dürfte in den kommenden Tagen neue Strafzölle auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar verhängen.

Neu in der Sorgenliste der Börsianer stehen die Währungsturbulenzen der Schwellenländer. Mit Indonesien gerät die nächste Devise in den Abwertungsstrudel. „Doch noch immer hoffen wir, dass die Turbulenzen aufgrund der stabilitätsorientierten Geldpolitik von Ländern wir Südafrika, Brasilien, Russland und Indien auf einige wenige Länder beschränkt bleiben“, schreiben die Analysten der Commerzbank.

Die Abwertung der Währungen alleine mache noch keine Krise. Die Gefahr sei jedoch, dass es den Zentralbanken gehe wie dem Frosch, der – laut Sinnbild – im sich langsam erwärmenden Wasser nicht merkt, dass er gekocht wird. „Nur ein entschlossenes Vorgehen der Zentralbanken, kann die Krisenstimmung nachhaltig beruhigen“, meinen die Experte. „Solange wir das nicht sehen, bleibt die Unsicherheit erst einmal hoch.“ Und die Investoren scheuen das Risiko und verkaufen lieber.  

Ein Lichtblick kam aus Italien: Bei Staatspapieren des Landes griffen Investoren erneut zu. Dies drückte die Rendite der zehnjährigen Titel wieder unter die Marke von drei Prozent. Positiv werteten Börsianer das Bekenntnis des stellvertretenden Ministerpräsidenten Matteo Salvini zur Einhaltung der EU-Vorgaben beim Haushalt für 2019.

Schlecht kam bei den Anlegern das aktuelle Quartalsergebnis von Bayer an. Die Aktien war zwischenzeitlich mit einem Minus von bis zu 2,6 Prozent das Dax-Schlusslicht. Letztendlich konnte die Aktie ihren Verlust auf 1,4 Prozent verringern. Der Umsatz des Konzerns habe seine Erwartungen zwar übertroffen, die Erträge lägen allerdings darunter, schrieb Analyst Volker Braun vom Bankhaus Lampe. Außerdem würden einige Börsianer vor dem Hintergrund der Gesamtjahresziele ihre Prognosen wohl zurückschrauben.

Zu den größten Verlierer im MDax zählte Zalando mit einem Minus von 3,4 Prozent. Händler machten Spekulationen um verstärkte Konkurrenz im Internet für die Verluste verantwortlich.

Weitere Indizes im Überblick

Der Index der mittelgroßen Werte, der MDax, gab um 1,12 Prozent auf 26 253 Punkte nach. Der TecDax, der am Morgen noch leicht zugelegt hatte, sackte um 2,5 Prozent ab auf 2912 Punkte.

Wichtige Termine am Abend

Am Abend gibt die Deutsche Börse voraussichtlich den Abstieg der Commerzbank aus dem Dax bekannt. Dafür dürfte der Online-Zahlungsabwickler Wirecard aufrücken.

Der mutmaßliche Aufsteiger hat am Montag dieser Woche mit 199 Euro ein neues Rekordhoch erreicht. Angesichts des rasanten Aufstiegs – der Wirecard-Kurs hat sich innerhalb von nur sechs Monaten verdoppelt – rechnen Experten mit Gewinnmitnahmen. Am Mittwoch wurden sie bestätigt: die Wirecard-Aktie verlor 5,75 Prozent, nachdem sie den Handelstag 1,6 Prozent im Plus eröffnet hatte.

Vor der Entscheidung der Deutschen Börse sind die Commerzbank-Aktien sehr gefragt und führte mit einem Plus von 3,1 Prozent die Dax-Gewinnerliste an.

UBS hebt Kursziel für Wirecard an

Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für Wirecard von 159 auf 220 Euro angehoben und die Einstufung auf „Kaufen“ belassen. Das starke organische Wachstum von 25 Prozent im ersten Halbjahr 2018 dürfte sich in den kommenden beiden Jahren noch beschleunigen, schrieb Analyst Hannes Leitner in einer am heutigen Mittwoch vorliegenden Studie. Gleichzeitig sollten sinkende Integrationskosten die Profitabilität des Zahlungsabwicklers steigern. Der Experte erhöhte seine Gewinnprognosen (EPS) für die Jahre 2018 bis 2020.

Von den 45 Studien im Handelsblatt-Analystencheck zum Wirecard-Titel empfehlen 37 die Aktie zum Kauf. Neben den zwei Verkaufsempfehlungen gibt es sechs Mal die Einstufung „Neutral“. Das gewichtete Kursziel, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt mit 177 Euro unterhalb des aktuellen Kurses von rund 196 Euro.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck

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1 Kommentar zu "Dax aktuell: Dax schließt nur knapp über 12.000 Punkten – was Anleger wissen müssen"

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  • ... was DAX Investoren wissen:
    Es gibt sehr viele DAX Unternehmen mit hohen Gewinnen und niedrigen Kursen, also einen SUPER KGV und SUPER Dividende....
    genau das müssen DAX Anleger wissen - Währungsturbulenzen und Schreihälse auf dieser Welt wird es immer geben - doch die Karawane zieht weiter....

    Die momentane Situation würde ich in Anlehnung an Kostolany so beschreiben:
    "Die letzten ZITTRIGEN verlassen den Markt"

    Und noch etwas zum Nachdenken: Die Deutschen sind im DAX mit ca 15% beteiligt, USA und England haben zusammen ca. 60%, die Chinesen, Araber und Japaner haben auch noch ein paar Prozent.
    Der Rest der Welt hält etwas von deutschen Unternehmen - nur die zittrigen Deutschen nicht! Die machen sich bei jedem kleinen Luftstoß ins Hemd!
    Das ist nicht böse gemeint (obwohl es doch etwas sarkastisch ist), sie echauffieren sich nun mal gerne und treffen emotionale Entscheidungen - statt sachlicher, leider.

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