Dax aktuell Dax verliert 250 Punkte – Bayer-Aktie bricht um 9,5 Prozent ein

Am heutigen Handelstag geht es für deutsche Aktien teils deutlich nach unten. Ist diese Entwicklung ein „reinigendes Gewitter“ oder erst der Auftakt für eine langjährige Baisse?
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Dax setzt Verlustserie fort – Deutsche Bank auf Rekordtief Quelle: action press
Marktbericht

Die Dax-Kurve im Händlersaal der Börse in Frankfurt mit Modellfiguren im Vordergrund.

(Foto: action press)

Frankfurt/DüsseldorfDer Dax steht vor einem Scheideweg: Ist das Minus an diesem Dienstag ein „reinigendes Gewitter“, das alle spekulativen Anleger aus dem Markt wirft? Oder sind die Kursverluste nur der Auftakt für eine langjährige Baisse? Eine Antwort auf diese Frage wird es wohl erst im Nachhinein geben. Doch klar ist: Trotz der hohen Kursverluste gab es nur geringes Kaufinteresse - kein Anzeichen für ein schnelles Ende der Korrektur.

Die schlechte Stimmung am Markt hatte den Dax am Dienstag schnell unter die Marke von 11.300 Zählern gedrückt, so niedrig wie seit Dezember 2016 nicht mehr. Nach einer zwischenzeitlichen Erholung, die den Dax wieder über diese Markte hievte, ging es zur Eröffnung der US-Börsen wieder abwärts. Die Frankfurter Benchmark beendete den Handel mit einem Minus von 2,2 Prozent und 11.274 Punkten aus dem Handel. Gegenüber dem Vortag ein Minus von 250 Punkten. Das Tagestief lag bei 11.228,5 Zählern. Am Montag hatte das Börsenbarometer bereits 0,3 Prozent auf 11.524 Punkte verloren und somit einen durchwachsenen Wochenstart erwischt.

Investoren deckten sich verstärkt mit der „Antikrisen-Währung“ Gold ein. Eine Feinunze (31,1 Gramm) verteuerte sich um 1,5 Prozent auf ein Dreieinhalb-Monats-Hoch von 1239,68 Dollar – unter anderem aus Sorge vor einer weltweiten Konjunkturabkühlung.

„Schwächere Unternehmenszahlen aus den USA sowie die ungelösten Problemfelder Saudi-Arabien, Brexit, Italien und der schwelende Handelskonflikt der USA mit China lasten auf den Märkten“, erklärte Analyst Rolf Schäffer von der Landesbank LBBW.

Aus Sicht anderer Analysten könnte der Handelstag eine Trendwende zum Besseren sein. Börsenexperte Stephan Heibel, der die Handelsblattumfrage Dax-Sentiment auswertet, hat das Szenario bereits am Montag sehr detailreich skizziert. Aus seiner Sicht könne die Korrektur erst dann enden, „wenn die Panik im Markt viel größer ist, als wir es in der vergangenen Woche gesehen haben“, erläutert der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx.

Panikverkäufe müssten diejenigen Anleger aus dem Markt schwemmen, die spekulativ engagiert und nicht von der fundamental gesunden Verfassung ihrer Unternehmen überzeugt sind. Allerdings sei es fast unmöglich für Anleger, den Tiefpunkt eines solches Ausverkaufs zu erwischen.

Eine Schlüsselrolle für die weitere Kursentwicklung dürften die US-Märkte spielen. Sollten die ebenfalls deutlich nachgeben, dürfte es auch beim Dax weiter abwärtsgehen. Und der US-Markt sendet einige Zeichen der Schwäche: Die Finanzwerte verlieren deutlich, allen voran die Aktie von Blackrock, dem größten Vermögensverwalter weltweit. Am US-Markt hat das Blackrock-Papier innerhalb einer Woche mehr als sechs Prozent nachgegeben.

An diesem Dienstag wird in Deutschland die Entscheidung eines kalifornischen Gerichts diskutiert, die im Prozess gegen die Bayer-Tochter Monsanto verhängte Strafe für angebliche Krebsrisiken durch glyphosathaltige Unkrautvernichter deutlich abzusenken. Das ist nicht unbedingt ein Lichtblick für Bayer nach der umstrittenen Übernahme des US-Unternehmens: Als sehr viel wichtiger bewerteten Analysten die Tatsache, dass das Gericht weiter davon ausgeht, dass Monsanto vorsätzlich gehandelt hat. Die Bayer-Aktie verlor zwischenzeitlich 11,3 Prozent, ging zum Schluss mit einem Minus von 9,5 Prozent aus dem Handel und war damit der schlechteste Wert im Dax.

Im Fokus der Anleger steht darüber hinaus weiterhin der Streit der italienischen Regierung mit der EU-Kommission zu den Etatplänen für 2019. Die EU-Kommissare beraten in Straßburg auf einem ihrer wöchentlichen Treffen die Lage. Sie könnten den Entwurf zurückweisen und von der Regierung in Rom Nachbesserung verlangen, was eine Premiere wäre. „Es muss wohl erst schlimmer werden, bevor es besser wird“, kommentierte Deutsche-Bank-Chefanlagestratege Ulrich Stephan die Situation.

Im Fall des toten saudi-arabischen Journalisten Jamal Khashoggi gibt der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan gerade eine Erklärung ab. Die ungeklärten Todesumstände des Mannes belasten die wirtschaftlichen und politischen Beziehungen Saudi-Arabiens mit anderen Ländern. Deutschland stellte deswegen etwa Rüstungsexporte in das Land infrage.

Blick auf die Einzelwerte

BMW: Auch die Papiere des Autoherstellers aus München ließen am Dienstag deutlich Federn und notierten rund 1,3 Prozent tiefer. Zuvor war bekanntgeworden, dass BMW wegen Problemen bei Klimaanlagen weltweit insgesamt 1,6 Millionen Autos zurückruft. Betroffen seien Diesel-Fahrzeuge, die von August 2010 bis August 2017 produziert worden seien, teilten die Bayern am Dienstag mit. Bei den Autos könne Kühlflüssigkeit austreten, was im Extremfall einen Brand auslösen könnte.

Bereits im August hatte BMW wegen dieser Schwierigkeiten etwa 480.000 Diesel-Autos in Europa und Asien zurückgerufen. Seither habe sich herausgestellt, dass es auch bei anderen Modellen Schwierigkeiten geben könnte, hieß es weiter.

Linde: Zu den wenigen Gewinnern im Dax zählen die Aktien von Linde mit einem Plus von 0,1 Prozent. Die Titel hatten schon am Montag 3,6 Prozent zugelegt, nachdem der Industriegasekonzern die letzte Hürde genommen hat für die Fusion mit dem US-Konkurrenten Praxair.

Peugeot: Die Aktien des Autokonzerns waren nach unerwartet schwachen Quartalszahlen am Dienstag unter die Räder gekommen. Die Aktien rutschten an der Börse in Paris zunächst um bis zu 5,3 Prozent auf ein Drei-Jahres-Tief von 62,27 Euro ab und waren anfangs einer der größten Verlierer im Pariser Auswahlindex CAC40. Doch zum Handelsschluss kämpfte sich die Aktie wieder ins Plus und stieg um 1,7 Prozent. Der Umsatz des französischen Autobauers ging im dritten Quartal um sechs Prozent auf 11,48 Milliarden Euro zurück und fiel damit schlechter aus als von Analysten erwartet.

Was die Charttechnik sagt

Der deutsche Leitindex hat bereits die zweite wichtige Marke aufgegeben: Nach dem Rutsch unter 11.800 Punkte ist auch der Bereich um 11.400 Zähler gefallen.

Der Bereich um 11.800 Punkte war aus charttechnischer Sicht wichtig, weil er anderthalb Jahre lang dem deutschen Leitindex Unterstützung geboten hatte. In dieser Zeit bewegte sich der Dax in einer Schiebezone zwischen 13.600 Punkten auf der Ober- und 11.800 Zählern auf der Unterseite. Bei rund 11.430 Zählern war noch ein zyklisches Hoch von Ende 2015. Aus diesen beiden ehemaligen Unterstützungs- sind nun Widerstandslinien geworden.

Das weitere Abwärtspotenzial nach dem Bruch von rund 11.400 Zählern ist aus Sicht der Charttechnik groß. Nach Meinung der technischen Analysten der Helaba könnte dieser Rutsch bis 10.800 Punkte weitergehen.

Vorgaben aus Asien

Der japanische Aktienmarkt musste am Dienstag Verluste verbuchen. Erneut belasteten die Stimmung nach Angaben von Experten der Handelsstreit zwischen den USA und China, das Ringen um den italienischen Haushalt und Sorgen um die globale Konjunktur. Auch der Konflikt zwischen dem Westen und Saudi-Arabien wegen der ungeklärten Todesumstände im Fall des regierungskritischen Journalisten Jamal Khashoggi trugen zur Verunsicherung bei. „Kurz gefasst: Die Welt scheint ins Chaos zu geraten“, sagte Akira Takei von Asset Management One.

Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index notierte gegen Mittag in Tokio 1,4 Prozent im Minus bei 22.308 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index verlor 1,5 Prozent auf 1669 Zähler. Der Index für die asiatisch-pazifischen Märkte außerhalb Japans gab 0,4 Prozent nach. Die chinesischen Leitindizes in Shanghai und Shenzhen notierten 1,4 und 1,2 Prozent im Minus.

Analystencheck

Die US-Bank JP Morgan hat Leoni wegen der Gewinnwarnung von „Neutral“ auf „Underweight“ abgestuft. Analyst Jose Asumendi senkte in einer am Dienstag vorliegenden Studie zudem sein Kursziel von 41 Euro auf 28 Euro. Er begründete dies unter anderem mit niedrigeren Gewinnerwartungen für das laufende und kommende Jahr. Zudem sei das für 2020 gesetzte Ziel einer Ebit-Marge von fünf Prozent wegen der vielen Probleme in der Branche wie zum Beispiel die Umstellung auf den neuen Abgas- und Verbrauchstandard WLTP und den hohen Investitionen in Gefahr.

Mit dem neuen Kursziel ist Asumendi jetzt der größte Pessimist unter den Leoni-Beobachtern. Er geht davon aus, dass sich die erst vor kurzem vom MDax in den SDax abgestiegene Aktie in den kommenden Monaten nicht von den deutlichen Verlusten der vergangenen Monate erholten wird. Seit dem Rekordhoch Ende Januar gab der Kurs des Papiers um mehr als die Hälfte auf zuletzt 30,62 Euro nach.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck

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  • Die Stimmung ist unerklärlich gedrückt.
    Die Baissespekulanten freuen sich über die Presse.
    Der Aktienkultur fehlt ein Fundament.
    Der Anteil ausländischer Besitzer an deutschen Aktien steigt vermutlich.
    Die Politik ist Teil dieser Entwicklung.
    Das glaube ich im Bezug auf Deutschland.

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