Dax aktuell Dax verteidigt Gewinne - Bankaktien legen weiter zu

Die Entscheidungen der drei Notenbanken konnten den erneuten Dax-Anstieg nicht verhindern. Aus Sicht der Charttechnik könnten die Bären bald in Bedrängnis kommen.
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Entgegenkommen im Handelsstreit? – Neue Verhandlungen beflügeln den Dax

Frankfurt/DüsseldorfNach der deutlichen Zinsanhebung der türkischen Zentralbank stieg das deutsche Börsenbarometer auf ein neues Tageshoch in Höhe von 12.129 Punkten. Bis zum Handelsschluss gab der der Index zwar wieder einen Großteil der Gewinne ab. Die Frankfurter Benchmark ging aber mit einem Plus von 0,2 Prozent und 12.055 Punkten aus dem Handel.

Damit konnte der deutsche Leitindex die am Montag begonnene positive Entwicklung wieder aufnehmen. In der Vorwoche hatte der Dax noch die längste Minusserie seit mehr als einem Jahr hingelegt.

Auch die Ergebnisse der Ratssitzung der EZB-Notenbanker konnten diesen Trend nicht stoppen. Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag den Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik konkretisiert. Hierfür haben die Notenbanker einen Zeitplan für die umstrittene Anleihekäufe festgesetzt: Ab Oktober werden sie auf 15 Milliarden Euro pro Monat halbiert und laufen in diesem Umfang bis Ende Dezember fort. Über den finalen Ausstieg soll im Anschluss anhand neuer Daten entschieden werden.

Was auffällt: Der Zinsentscheid enthält keine Bedingung mehr für die Halbierung des Anleihekaufprogramms, im Unterschied zum Ergebnis der Ratssitzung im Juli. Bislang waren die Transaktionen in vollem Umfang bis mindestens Ende September terminiert, das weitere Vorgehen aber unklar.

Die Aussicht auf eine Normalisierung der Geldpolitik in der Euro-Zone hat der Gemeinschaftswährung am Donnerstag Rückenwind gegeben. Der  Euro stieg um ein halbes Prozent auf 1,1683 Dollar und erreichte den höchsten Stand seit Ende August.

Analystin Esther Reichelt von der Commerzbank führte die Euro-Stärke vor allem auf Aussagen von EZB-Präsident Mario Draghi zurück, der einen überwiegend positiven Ausblick auf die wirtschaftlichen Aussichten gegeben habe. „Es zeichnet sich immer mehr ab, dass die EZB die Geldpolitik normalisieren wird“, sagte Reichelt. Außerdem habe der Euro Auftrieb bekommen vom Dollar, der sich auf breiter Front abschwächte. Der Dollar-Index, der den Wert der US-Devise zu anderen Währungen abbildet, fiel um 0,3 Prozent auf 94,55 Punkte.

Die britische Notenbank hat ihren Leitzins trotz der hohen Inflation nicht angetastet. Die Londoner Pfund-Wächter beschlossen am Donnerstag, den Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld bei 0,75 Prozent zu belassen. Die Entscheidung fiel einstimmig. Die Währungshüter hatten den Satz Anfang August auf dieses Niveau angehoben - das höchste seit fast einem Jahrzehnt.

Die Bank von England kämpft gegen die im Sog der Brexit-Entscheidung von 2016 steigenden Verbraucherpreise. Diese hatten im Juli um 2,5 Prozent zum Vorjahr anzogen. Die Inflation liegt bereits seit Monaten über der Zielmarke der Notenbank von zwei Prozent.

Thema bleibt zudem der Handelsstreit zwischen den beiden weltgrößten Volkswirtschaften USA und China. Hier gibt es neue Bewegung. Larry Kudlow, Wirtschaftsberater von US-Präsident Donald Trump, hatte erklärt, die USA hätten eine hochrangige chinesische Delegation zu weiteren Gesprächen zur Lösung des Streits eingeladen.

US-Finanzminister Steven Mnuchin habe neue Handelsgespräche mit China vorgeschlagen. Es gebe Informationen, wonach die Spitze der chinesischen Regierung Gespräche führen wolle, sagte Kudlow am Mittwoch dem Sender Fox Business: „Ich glaube immer, dass Gespräche in den meisten Fällen besser sind als nicht zu sprechen, also sehe ich das als ein Plus an.“

Trump hatte vergangene Woche mit einer Verschärfung des Handelsstreits gedroht. Er sei bereit, weitere Zölle auf chinesische Güter im Wert von 267 Milliarden US-Dollar zu beschließen. Diese Zölle kämen zusätzlich zu den bereits zuvor angedrohten Zöllen auf Güter im Wert von 200 Milliarden Dollar. China hatte angekündigt, auf diese Zölle mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. Tatsächlich in Kraft sind gegenwärtig US-Sonderzölle auf Waren im Wert von 50 Milliarden Dollar sowie Schutzzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte. Würde die volle Drohkulisse Trumps zum Tragen kommen, wären alle Importe aus China mit Sonderzöllen belegt.

Was die Charttechnik sagt

In der vergangenen Woche war der Dax 3,3 Prozent um mehr als 400 Punkte abgesackt und erstmals seit Anfang April unter die Marke von 12.000 Zählern gefallen. Aus Sicht der Charttechnik bleiben nun die Marken von 11.726 Punkten, dem bisherigen Dax-Jahrestief, und von 11.800 Zählern im Fokus.

Doch mittlerweile bessert sich die Lage aus Sicht von technischen Analysten etwas. Denn die Frankfurter Benchmark ringt derzeit mit einer anderen Marke, und zwar auf der Oberseite. Sollte der Dax wieder nachhaltig über 12.100 Zählern steigen, dürften die Bären langsam in Bedrängnis geraten, meint der freie Charttechniker Holger Struck. Auch eine relative Stärke des deutschen Leitindexes gegenüber den US-Börsen dürfte ihn nicht verwundern. Doch noch liegt der Index unter dieser Marke.

Einzelwerte im Fokus

Commerzbank/Deutsche Bank: Einen genauen Blick warfen Anleger heute auf die beiden deutschen Großbanken. Zu Wochenbeginn hatten Spekulationen um einen möglichen Zusammenschluss die Kurse angetrieben. Beobachter waren jedoch skeptisch, ob die Gedankenspiele überhaupt realistisch sind – oder nur ein Strohfeuer darstellen angesichts der aktuellen Kapitalmarktschwäche der beiden Institute. Am Donnerstag ging es für die Commerzbank nach einer positiven Analystenbewertung 2,7 Prozent bergauf. Auch die Aktie der Deutschen Bank konnte zulegen und notierte 1,9 Prozent höher.

Delivery Hero: Keinen guten Tag erwischte Delivery Hero, dessen Aktien in der Spitze um sieben Prozent auf ein Drei-Monats-Tief von 43,24 Euro fielen. Sie waren der mit Abstand schwächste Wert im MDax, konnten allerdings die Verluste zum Schluss auf 3,2 Prozent verringern. Der Online-Essenslieferdienst hat wegen des Verkaufs der Tochter Hungryhouse in Großbritannien im ersten Halbjahr schwarze Zahlen geschrieben. Ohne diese Einnahmen lag der Verlust bei fast 116 Millionen Euro und damit unter den 215 Millionen Euro aus dem Vorjahreszeitraum.

Dialog Semiconductor: Für Bewegung im Chipsektor sorgte die Vorstellung der neuen iPhones von Apple. Die Titel von Dialog Semiconductor legten im TecDax 4,8 Prozent zu. In Mailand gewannen die Papiere von STMicroelectronics 2,5 Prozent, ASML Holding-Aktien rückten in Amsterdam um 2,8 Prozent vor. Apple hatte am Mittwoch in Cupertino drei Nachfolgemodelle für sein Jubiläumsgerät iPhone X vorgestellt. Sie sollen dafür sorgen, dass Apple im Ringen um die Gunst der Kunden nicht weiter hinter Samsung Electronics und Huawei aus China zurückfällt.

Analystencheck: UBS stuft Commerzbank herauf

Die Schweizer Großbank UBS hat die Commerzbank nach dem massiven Kursrutsch im Jahresverlauf von „Neutral“ auf „Buy“ hochgestuft und das Kursziel auf 10,20 Euro belassen. Das aktuelle Bewertungsniveau reflektiere lediglich die derzeitige Rendite auf das materielle Eigenkapital (ROTE), schrieb Analyst Daniele Brupbacher in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Die Aussicht auf steigende Langfristzinsen und Kostenvorteile würden neben anderen Chancen vernachlässigt.

Von den 44 Studien im Handelsblatt-Analystencheck zur Commerzbank empfehlen sechs das Papier zum Kauf. Neben fünf Verkaufsempfehlungen gibt es 33 Mal die Einstufung „neutral“. Das gewichtete Kursziel, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt mit 10,20 Euro über dem aktuellen Kurs von 8,71 Euro.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck

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  • Sehr geehrte Herren Redakteure,

    wie ist das eigentlich mit der Charttechnik? Macht sie allwissend? Oder gleichen ihre Vorhersagen der Astrologie?

    Ich erinnere mich noch an viele Geschehnisse. Beispielhaft an den gemeinsamen Jubel aller Charttechniker, weil der DAX angeblich einen hartnäckigen Widerstand durchstoßen hatte. Deswegen versprühten alle Optimismus und sagten, der Weg nach Norden sei nun endlich frei. Für mindestens 500 Punkte in Richtung Norden sei keinerlei Widerstand mehr in Sicht.

    Tatsächlich kümmerte sich der DAX aber nicht um den freien Weg nach Norden. Tatsächlich drehte der DAX schnurstracks und steil in Richtung Süden und verharrte viele Monate stark ermäßigtem Niveau.

    Und unsere Charttechniker? Gaben plötzlich seltsame Erklärungen ab. Plötzlich hieß es, man dürfe ihre Aussagen nicht mit Prognosen verwechseln. Alle Aussagen würden nur bestimmte Wahrscheinlichkeiten markieren.

    Das gilt nebenbei gesagt für alle Erwartungen. Sie können eintreten oder auch nicht. Klüger sind wir erst hinterher. Das gilt auch für Handelsblatt-Redakteure. Ich bestreite ganz entschieden, dass diese Herren über ein sicheres Prognoseinstrument verfügen. Sonst wären Sie schon längst steinreich.

  • In der Überschrift steht, dass die Commerzbank von UBS heruntergestuft wurde. Im Text steht genau das Gegenteil. Was jetzt ???

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