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Dax aktuell Der Dax beendet seine Gewinnserie – und geht auf Abwärtskurs

Die sechstägige Dax-Erfolgsserie ist am Mittwoch zu Ende gegangen. Der Index steht vor einem Bündel Widerstände, die nur schwer zu überwinden sind.
Update: 27.02.2019 - 17:49 Uhr 2 Kommentare
Lächelnde Händler, skeptische Analysten. Quelle: dpa
Handelssaal der Frankfurter Börse

Lächelnde Händler, skeptische Analysten.

(Foto: dpa)

FrankfurtSechs Tage hat der Dax hintereinander im Plus geschlossen und an jedem dieser Tage ein neues Jahreshoch erreicht. Doch am Mittwoch fand diese Serie ihr Ende. Der deutsche Leitindex schloss 0,5 Prozent im Minus bei 11.487 Punkten. Am gestrigen Handelstag war der Index mit einem Plus von 0,3 Prozent bei 11.541 Punkten aus dem Handel gegangen.

Am Dienstag war die Kongressanhörung des US-Notenbankchefs Jerome Powell der Grund, warum der Dax mit 11.577 Punkten ein neues Jahreshoch erreichen konnte. Damit hatte er die gestrige Kursschwäche der US-Indizes komplett ausgeblendet.  

Doch wenn man die Rede genauer analysiert, dann zeigt sich: Gesagt hat Powell wenig. „Bei seiner gestrigen Anhörung vor dem Senatsausschuss hat Fed Chair Jay Powell dem Markt auch nicht nur den kleinsten Hinweis gegeben, ob er den nächsten Schritt der Fed nun eher in Richtung einer weiteren Zinserhöhung oder Zinssenkung sieht“, kommentieren die Analysten der Commerzbank die Anhörung. „Das muss man auch erst einmal schaffen. Sich so gar nicht in die Karten schauen zu lassen“. Fazit: Powell wird den Markt heute nicht mehr beflügeln.

Und bei den Hauptthemen Brexit und Handelsstreit zwischen USA und China gibt es wenige Neuigkeiten, die den deutschen Leitindex wieder in höhere Regionen bringen könnten. Vor allem beim Handelsstreit müssen für weitere Kursgewinne konkrete Verhandlungsergebnisse her.

Neben der Charttechnik, die eher eine Verschnaufpause signalisiert (s. „Was die Charttechnik sagt“), sprechen noch weitere Argumente für zumindest kurzfristig eher fallende Kurse.

Daten von Anlageprofis in den USA zeigen: Derzeit setzen vor allem spekulative Anleger auf steigende Kurse, langfristig orientierte Investoren halten sich noch zurück. Sollten erste einsetzende Gewinnmitnahmen den Beginn einer Korrektur darstellen, würden diese Kursrückgänge durch spekulative Anleger verstärkt, da diese sich schneller von ihren Positionen trennen als langfristig orientierte.

„Spekulative Positionen sind flüchtig, werden also bei einer unpassenden Meldung schnell aufgelöst“, erläutert Börsenexperte Stephan Heibel nach Auswertung der Daten und schlussfolgert: „Die hohe Volatilität wird uns wohl noch eine Weile begleiten“.

Als weiterer Spielverderber in Sachen steigende Dax-Kurse könnte sich auch das US-Börsenbarometer S&P 500 erweisen, das aktuell Respekt vor den Hürden bei 2.800 Punkten zeigt.

Mit sorgenvoller Mine blickten Börsianer zudem nach Indien. Die dortige Regierung schloss mehrere Flughäfen, nachdem mehrere Militärflugzeuge des Nachbarlandes Pakistan in den indischen Luftraum über der umstrittenen Region Kaschmir eingedrungen seien. Das, was die Börsen jetzt überhaupt nicht gebrauchen können, ist ein offener Konflikt zwischen den beiden Atommächten.

Die Eskalation setzte auf jeden Fall den Währungen der beiden benachbarten Atommächte zu. Ein Dollar verteuerte sich um jeweils bis zu 0,7 Prozent auf 71,376 indische beziehungsweise 138,65 pakistanische Rupien. Einige Investoren griffen zu den als sicher geltenden Währungen Japans und der Schweiz. Hier verbilligte sich der Dollar um jeweils 0,2 Prozent auf 110,34 Yen beziehungsweise 0,9965 Franken.

Blick auf die Einzelwerte

Beiersdorf: Bereits am Dienstagabend legte der Nivea-Hersteller per Ad-Hoc-Mitteilung einige Zahlen sowie die Prognose für 2019 offen. Demnach rechnet Beiersdorf mit einem Rückgang der Ebit-Umsatzrendite auf 14,5 Prozent (2018: 15,4 Prozent). Auch werde das Unternehmen im kommenden Jahr langsamer wachsen. Bei den Anlegern kommt das nicht gut an: Die Aktie schließt annähernd zehn Prozent im Minus.

Bayer: Die Übernahme von Monsanto hat dem Konzern Bayer zum Jahresende Schub gegeben. Der bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) stieg im vierten Quartal um knapp 16 Prozent auf 2,065 Milliarden Euro. Bayer profitierte im Agrargeschäft vor allem von der Übernahme des US-Saatgutriesen, die zu einem deutlichen Anstieg des Ergebnisses von fast 79 Prozent in dem Bereich beitrug. Die Papiere sind mit einem Plus von gut vier Prozent mit Abstand der größte Dax-Gewinner.

Merck: Die Aussicht auf eine milliardenschwere Übernahme in den USA hat die Anleger der Darmstädter Spezialchemiefirma vergrault. Die Aktien gehen mit einem Minus von 4,2 Prozent aus dem Handel. Merck will den US-Spezialisten für Elektronikmaterialien Versum Materials übernehmen, der eigentlich mit dem Rivalen Entegris zusammengehen sollte. Dafür bieten die Darmstädter 48 Dollar je Aktie. Die Transaktion insgesamt wäre 5,9 Milliarden Dollar schwer. Die Aktien von Versum schossen vorbörslich an der Wall Street um 17 Prozent auf 48,50 Dollar nach oben.

Aareal Bank: Der Immobilienfinanzierer schließt einen Gewinnrückgang im laufenden Jahr nicht aus. Die niedrigen Zinsen in Europa, der hohe Wettbewerbsdruck in wichtigen Märkten sowie ein zunehmend unsicheres Marktumfeld sorgten für anspruchsvolle Rahmenbedingungen. Die mauen Aussichten drückten die Aareal-Aktie anfangs um mehr als vier Prozent ins Minus, konnte die Verluste am Abend auf 0,4 Prozent begrenzen.

Air France/KLM: Angesichts des Einstiegs der Niederlande geht die Aktie auf Talfahrt. Die Aktien fallen um gut zwölf Prozent und steuern auf den größten Tagesverlust seit mehr als 16 Jahren zu. Es bestehe die Gefahr, dass die Fluggesellschaft zum politischen Spielball der beiden Großaktionäre Frankreich und Niederlande werde, warnen die Experten der Investmentbank Liberum. 

Marks & Spencer: Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des Joint Ventures mit dem Online-Supermarkt Ocado brockt Marks & Spencer den größten Kurssturz seit zweieinhalb Jahren ein. Die Aktien der traditionsreichen britischen Kaufhauskette fielen am Mittwoch um mehr als zwölf Prozent. Die Aktien von Ocado bauten ihre Gewinne vom Dienstag aus, konnten sie bis Börsenschluss aber nicht ganz halten und gingen mit einem Plus von drei Prozent aus dem Handel. Damit haben sie binnen zwei Tagen mehr als 20 Prozent zugelegt.

Was die Charttechnik sagt

Der deutsche Leitindex steht auf dem aktuellen Kursniveau vor einer Vielzahl an Widerständen, die nicht einfach zu überwinden sein dürften. Derzeit notiert er beispielsweise nahe am Abwärtstrend seit Juni 2018, als das Barometer noch bei 13.170 Punkten lag.

Zudem konnte die Benchmark bislang den wichtigen Widerstand bei 11546 nicht nachhaltig überwinden. Das alles sind schon hohe Hürden. Anleger sollten Rücksetzer bis hin zu maximal 11068 Punkten einplanen, möglicherweise würde schon das Erreichen der Marke bis 11255 Zählern die Korrektur beenden.

„Jetzt muss sich zeigen, ob der Dax in der Lage sein wird, ausreichend Schwungkraft zu entwickeln um die auf dem aktuellen Kursniveau vorzufindende Vielzahl an massiven Widerständen zu durchbrechen“, meinen die technischen Analysten der Helaba. Für sie hat zuletzt der 200-Wochendurchschnitt (aktuell bei 11.468 Zählern) gute Unterstützung geboten.

Termine heute

Neben einer erneuten Flut von Firmenbilanzen halten eine Reihe von Konjunkturdaten Investoren auf Trab. Auf dem Terminplan stehen unter anderem das Barometer für die Stimmung in der europäischen Wirtschaft sowie die Auftragseingänge für langlebige US-Güter. Vom zweiten Teil der halbjährlichen Anhörung des US-Notenbankchefs Jerome Powell vor dem Kongress erwarten Börsianer keine Neuigkeiten.

Blick auf die Börsen in Asien und Amerika

Die Tokioter Börse hat am Mittwoch im Plus tendiert. Am Markt werde auf weitere Entwicklungen im Handelsstreit zwischen den USA und China gewartet, sagten Experten. Der 225 Werte umfassende Nikkei-Index lag im Verlauf 0,5 Prozent höher bei 21.553 Punkten. Der breiter gefasste Topix-Index stieg um 0,2 Prozent und lag bei 1620 Punkten. Die Börse in Shanghai lag 0,6 Prozent im Plus. Der Index der wichtigsten Unternehmen in Shanghai und Shenzen gewann 0,4 Prozent. Der MSCI-Index für asiatische Aktien außerhalb Japans fiel um 0,5 Prozent.

An der Wall Street haben die Anleger nach den Gewinnen der letzten Wochen einen Gang zurückgeschaltet. So gab der US-Leitindex Dow Jones Industrial am Dienstag leicht nach. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte ging 0,1 Prozent tiefer aus dem Handel bei 26.057 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gab anfängliche Gewinne vor allem im Technologiesektor wieder ab und schloss 0,1 Prozent im Minus bei 2793 Zählern. Der Index der Technologiebörse Nasdaq fiel ebenfalls 0,1 Prozent auf 7549 Stellen.

Analystencheck: JP Morgan empfiehlt Airbus-Aktie weiterhin zum Kauf

Die US-Bank JP Morgan hat die Einstufung für Airbus nach einem Investoren-Treffen mit dem amtierenden und dem künftigen Konzernchef auf „Overweight“ mit einem Kursziel von 132 Euro belassen. Er habe in seinem Modell kleinere Anpassungen vorgenommen, schrieb Analyst David Perry in einer am Dienstag vorliegenden Studie. Diese hätten so gut wie keinen Einfluss auf die Gewinnschätzung.

Die Airbus-Aktie ist eine der Lieblings-Titel der Anlaysten. Laut Handelsblatt-Analystencheck stehen 42 Kaufempfehlungen nur zwei Mal der Rat „Halten der Aktie“ gegenüber. Keine Studie empfiehlt der Verkauf des Papiers. Das gewichtete Kursziel aller 44 Analysen, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt bei 123,71 Euro. Die Aktie wird bei 112,90 Euro gehandelt.

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2 Kommentare zu "Dax aktuell: Der Dax beendet seine Gewinnserie – und geht auf Abwärtskurs"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Frau Edelgard Kah:

    Liebste Frau Kah,

    herrlich Ihre Kommentare!


    Da möchte ich auch gleich etwas zu bedenken geben: Wenn ein Index vor einem Bündel von Widerständen steht, dann müsste er zuvor gestiegen sein.... bei einem Aufwärtstrend.
    Wenn wir also von einem Aufwärtstrend sprechen, dann dürfte man gerne sagen: "Nicht gegen den Strom schwimmen!" oder "The trend is your friend".
    Also die Überschrift ist negativ, obwohl die Situation positiv einzuschätzen wäre.
    Herr Röder verwirrt. Ist es seine Aufgabe? Welche Qualifikation hat er?
    Nachdem Herr Röder seinen verwirrten Artikel schrieb, ist auch der DAX gestiegen.... irgendwie kann auch Herr Röder nicht in die Zukunft sehen, wie fast alle Menschen nicht.
    Nun, wo er bis jetzt 14:40 Uhr gestiegen ist, darf er auch mal wieder fallen. So ist das mit dem Dax, er steigt und fällt und steigt und f.....

    Wer sich darauf konzentriert günstig bewertete Aktien zu kaufen, kann nicht viel falsch machen. Da spielt die Charttechnik mit irgendwelchen Hürden keine Rolle. Aktien sind riskant, aber das Risiko kann sich lohnen!

  • Sehr geehrter Herr Röder,

    bitte helfen Sie mir doch, ich brauche dringend Hilfe. Kann einfach nicht unterscheiden, ob die heutigen Aktienkäufe rein spekulativ oder langfristig orientiert sind. Wie wäre es, wenn Sie jeden Tag eine Tabelle mit den Käufen der 30 DAX-Werte veröffentlichen und den Anteil der spekulativen und der langfristigen Käufe publizieren?

    Übrigens, ich habe noch mehr ähnliche Probleme. Ich sehe zwar den Kurs den DAX. Weiß aber nie, welcher Ausgang des amerikanisch-chinesischen Handelskrieges bereits eingepreist ist. Das gleiche gilt für den Brexit und alle zukünftigen Ereignisse. Ich weiß schlicht und einfach nie, welche Zukunft und wieviel dieser Zukunft in den Kursen bereits enthalten ist. Könnten Sie mir nicht auch hier auf die Sprünge helfen? Vielleicht mit einer Tabelle, die dann jeden Tag aktualisiert wird?

    Danke für die Nachhilfe.