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Dax aktuell Erfreulicher Ifo-Index begrenzt die Dax-Verluste – Neue Turbulenzen bei Wirecard

Beim deutschen Börsenbarometer ist eine Richtungsentscheidung gefallen. Der Dax befindet sich im Bärenmarkt. Die Risiken sind größer als die Chancen.
Update: 25.03.2019 - 18:03 Uhr Kommentieren
Im Blick der Anleger: die Konjunktur. Quelle: dpa
Börse Frankfurt

Im Blick der Anleger: die Konjunktur.

(Foto: dpa)

Frankfurt Die Kursverluste beim Dax gehen weiter, allerdings abgeschwächt: Der deutsche Leitindex schloss am Montag 0,15 Prozent im Minus bei 11.346 Punkten.

Bereits am Freitag vergangener Woche ging der Dax auf Talfahrt: Der Einkaufsmanagerindex für Deutschland hatte enttäuscht. Die Geschäfte der Industrieunternehmen liefen so schlecht wie seit über sechseinhalb Jahren nicht mehr. Der Dax schloss entsprechend 1,6 Prozent im Minus bei 11.364 Zählern. Innerhalb von fünf Tagen hatte der Index mehr als 500 Punkte verloren.

Zwischenzeitlich notierte der Index am heutigen Handelstag mit 11.391 Zählern sogar im Plus, doch danach setzten wieder Gewinnmitnahmen ein. Grund für dieses Zwischenhoch war ein erfreulicher Ifo-Index. Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft hat sich im März erstmals seit einem halben Jahr aufgehellt. Das Barometer für das Geschäftsklima stieg überraschend auf 99,6 Punkte von 98,7 Zählern.

Zuvor hatte es sechs Rückgänge in Folge gegeben. Ökonomen hatten mit 98,5 Punkten gerechnet. „Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen“, sagte Ifo-Präsident Clemens Fuest. Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage besser, ebenso die Aussichten für die kommenden sechs Monate.

Die schwächelnde Weltkonjunktur, Unsicherheiten wie der Brexit und drohende US-Strafzölle auf deutsche Autos drücken derzeit die Stimmung. Die Wirtschaftsweisen haben deshalb ihre Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr auf 0,8 Prozent nahezu halbiert. 2018 hatte es noch zu 1,4 Prozent gereicht.

Der Dax im Bärenmarkt

Der Dax bleibt angesichts des aktuellen Niveaus auf absehbare Zeit in einem Bärenmarkt, weil er die Marke von 11.800 Punkten nicht überwinden kann. In dieser Situation befanden wir uns auch im Oktober 2018, als der Dax unter die Marke von 11.800 Punkte rutschte und damit mehr als 20 Prozent gegenüber seinem Höchststand verloren hatte. Das ist die Definition eines Bärenmarkts.

Entsprechend gelten die gesamten Kursgewinne seit Ende Dezember nur als Rally innerhalb eines Bärenmarkts. Weitere Kursverluste sind deutlich wahrscheinlicher als die Wiederaufnahme der Rally.

Das beherrschende Thema an den Märkten sind neben US-Handelsstreit und Brexit die Renditen am Anleihemarkt. Vor allem die Gefahr einer Rezession, die sich aus den Werten ableiten lässt.

In den USA ist am vergangenen Freitag ein Schreckensszenario wahr geworden: Die Renditen für dreimonatige US-Anleihen mit Renditen für zehnjährige US-Anleihen sind zum ersten Mal seit 2007 invertiert.

Rezessionssignale in den USA

Unter Börsianern gilt das als gutes Signal dafür, dass eine Konjunkturschwäche ins Haus steht. Anleger schichten also ihr Kapital verstärkt in langfristige US-Anleihen und drücken damit deren Renditen. Aktuell liegt die Rendite für eine US-Staatsanleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren bei 2,44 Prozent, bei einer Laufzeit von drei Monaten sind es 2,45 Prozent.

Die Aussage, dass eine inverse Zinsstrukturkurve ein extrem präziser Indikator für eine heraufziehende Rezession sei, stammt übrigens von der Federal Reserve Bank of New York. Und Larry Kudlow, der oberste Wirtschaftsberater des Präsidenten, erklärte noch im vergangenen Sommer, die Anleger sollen sich nicht wegen einer Invertierung der zweijährigen und zehnjährigen Zinspapiere Sorgen machen, sondern eher, wenn die dreimonatigen mit den zehnjährigen Renditen invertieren. Schließlich habe diese inverse Zinsstrukturkurve jede Rezession in den letzten 50 Jahren vorhergesagt.

Die neu aufgeflammten Rezessionsängste sorgten dafür, dass Anleger in den „sicheren Hafen“ Bundesanleihen flüchteten. Die Kurse der Papiere zogen deutlich an, was im Umkehrschluss die Rendite drückt. So fiel die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe am Freitag erstmals seit zweieinhalb Jahren wieder unter null Prozent auf bis zu minus 0,03 Prozent. Damit müssen Investoren dafür bezahlen, dem Bund Geld leihen zu dürfen. Aktuell liegt dieser Wert bei 0,017 Prozent.

Als Reaktion auf die Invertierung der US-Renditen ist der Euro gegenüber dem Dollar deutlich gefallen. Innerhalb weniger Tage fiel die Gemeinschafswährung von 1,14 auf 1,13 Dollar. Aktuell notiert der Euro bei 1,1330. Der Greenback profitiert in unsicheren Zeiten von seinem Status als globale Reservewährung.

Einen gewissen Unterhaltungswert hat die Reaktion des türkischen Präsident Recep Tayyip Erdogan auf den erneuten Kursrutsch der türkischen Währung. Doch das Thema ist ernst. Die Lira ist am vergangenen Freitag um sechs Prozent gefallen. Am heutigen Montag gab es eine Gegenbewegung: Der Euro verliert 3,36 Prozent auf 6,29 Lira.

Erdogan droht mal wieder ominösen Währungsspekulanten mit Konsequenzen, meint aber letztendlich seine eigene Bevölkerung. Denn die türkischen Sparer setzen angesichts einer schrumpfenden Wirtschaft und hoher Inflation im eigenen Land eher auf die vergleichsweise starken Währungen Dollar oder Euro.

Zudem ermittelt die türkische Bankenaufsicht wegen des jüngsten Kurs-Verfalls. Das schreckte natürlich die Türkei-Anleger am Montag auf. So stiegen die Zinsen am Geldmarkt auf mehr als 29 Prozent. Die Absicherung eines zehn Millionen Dollar schweren Pakets türkischer Anleihen gegen Zahlungsausfall verteuerte sich um 27.000 auf 426.000 Dollar, teilte der Datenanbieter Markit mit. Dies sei der höchste Stand seit einem halben Jahr.

„Mit solchen archaischen Aktionen verschreckt er auch noch den letzten tapferen Türkei-Investor“, meinen die Devisenanalysten der Commerzbank. Sie befürchten, dass Erdogans Politik mehr und mehr das Ende eines Wirtschaftsmodells bewirkt, welches bislang auf Kapitalzufuhr aus dem Ausland aufbaute. „Das mag auf ganz lange Sicht gar nicht so unvernünftig sein“, meinen die Experten. „Für die nächsten Jahre heißt das aber, dass die Türken ihren Gürtel enger schnallen müssen. Viel enger.“

Blick auf die Einzelwerte

Wirecard: Ein erneuter Bericht in der „Financial Times“ löste zur Eröffnung den nächsten Kursrutsch aus. Die Aktie fiel anfangs um knapp sechs Prozent. Zwischenzeitlich hatte sich die Aktie aber wieder ins Plus gedreht und notierte 0,6 Prozent höher, schloss aber mit 0,15 Prozent im Minus. Dem Bericht zufolge hat Wirecard-CEO Markus Braun Ende 2017 annähernd die Hälfte seiner 8,6 Millionen Wirecard-Aktien als Sicherheit für einen Kredit bei der Deutschen Bank hinterlegt. Die Deutsche Bank könnte so Zugriff auf 4,2 Millionen Aktien erhalten und damit beinahe einen so hohen Anteil an Wirecard halten wie Braun. Ende 2017, als das Geschäft stattfand, notierte die Wirecard-Aktie zwischen 80 und 95 Euro – also in etwa auf dem Niveau, auf das sie jetzt abzusinken droht.

VW: Neuer Dämpfer für Volkswagen und dessen Hauptaktionär Porsche SE im milliardenschweren Anlegerprozess im Zuge des Abgasskandals: Nach vorläufiger Auffassung des Oberlandesgerichts Braunschweig ist auch das Wissen von Managern unterhalb der Vorstandsebene für die mögliche Information der Märkte entscheidend. In dem Verfahren geht es im Kern um die Frage, ob VW die Märkte rechtzeitig über „Dieselgate“ mit Millionen von manipulierten Dieselmotoren informiert hat. Eine Antwort auf diese Frage ist entscheidend für Klage auf Entschädigung nach Kursverlusten der Aktie. Die Aktie reagiert nicht auf diese Meldung und notiert 0,49 Prozent im Plus.

Lufthansa: Unter den Verlierern im Dax waren die Titel der Kranich-Airline mit minus 0,69 Prozent. Der Konzern musste wegen eines Softwareproblems erneut 46 Flüge streichen. 4500 Passagiere waren von den Flugausfällen betroffen. Seit vergangener Woche ringen die Techniker der Flugsicherungszentrale mit Störungen beim elektronischen Kontrollstreifensystem.

Fiat-Chrysler: In Italien verteuerten sich die Fiat-Chrysler-Aktien in Folge von Fusionsspekulationen um 2,4 Prozent zu. Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ bemühte sich der französische Rivale Peugeot konkret um einen Zusammenschluss mit Fiat. Peugeot-Aktien verloren in Paris 2,9 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax hat mit der 200-Tage-Linie gekämpft und sie am vergangenen Dienstag mit 11.823 Punkten sogar kurzfristig überwunden. Doch der Kampf ist spätestens mit dem Rutsch unterhalb von 11.458 Zählern auf längere Zeit verloren. Dieser Durchschnitt wird klassischerweise zur Beurteilung des längerfristigen Trends herangezogen.

Selbst das markante Tief vom 8. März bei 11.405 hielt einem Test nicht stand. Dadurch ist das technische Bild getrübt, und weitere Verluste müssen ins Kalkül gezogen werden. Die nächsten Haltemarken sind bei 11.233 und darunter bei 11.051 Punkten zu finden. Die richtig große Unterstützung ist das bisherige Mehrjahrestief, dass der Dax Ende Dezember mit 10.279 Zählern markierte.

Blick auf die Börsen in Asien und China

Aus Furcht vor einer Abkühlung der Weltwirtschaft haben sich Anleger aus dem US-Aktienmarkt zurückgezogen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss am Freitag 1,8 Prozent tiefer auf 25.502 Punkte. Der breiter gefasste S&P 500 sank 1,9 Prozent auf 2.800 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 2,5 Prozent auf 7.642 Punkte. Im Wochenvergleich ergab sich für den Dow ein Minus von 1,3 Prozent, für den S&P ein Abschlag von 0,8 Prozent und für den Nasdaq-Index ein Rückgang um 0,6 Prozent.

Konjunktursorgen haben die Börse in Japan am Montag belastet. Der japanische Leitindex Nikkei tendierte am frühen Montagnachmittag in Tokio 3,1 Prozent im Minus bei 20.947 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab 2,6 Prozent auf 1.574 Zähler nach. Aktien von Versicherern und Banken wie T&D Holdings oder Dai-ichi Life Holdings verloren mehr als drei Prozent an Wert.

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