Dax aktuell Gerücht über Commerzbank-Fusion verschafft Dax gelungenen Wochenstart

Der deutsche Leitindex schließt nach einem schwachen Start im Plus. Ausgerechnet die Commerzbank macht den bremsenden Handelsstreit vergessen.
Update: 10.09.2018 - 18:30 Uhr Kommentieren

„Dax wagt sich aus der Deckung“ – Anleger bleiben zurückhaltend

  • Der schließt im Plus, verpasst aber die Marke von 12.000 Punkten
  • Analysten warnen vor den Auswirkungen des Handelsstreits
  • Versorger wie Eon und RWE profitieren von Strompreisanstieg

Trendwende an der Börse: Der Dax ist mit einem Plus von 0,2 Prozent in die Handelswoche gestartet, nachdem er in der Vorwoche die längste Minus-Serie seit mehr als einem Jahr hingelegt hatte.

Dabei trieb ausgerechnet das Papier der Commerzbank den Leitindex an – seit der vergangenen Woche steht fest, dass die Bank zum 24. September nach 30 Jahren aus der ersten Börsenliga absteigt. Am Montag war das Coba-Papier mit einem Plus von 2,3 Prozent aber noch einmal der größte Gewinner im Dax, weil Fusionsgerüchte den Kurs antrieben – und damit auch den gesamten Index.

Bei Handelsschluss notierter der Dax 0,2 Prozent höher bei 11.986 Punkten. Den Drive aus seiner Schlussrally vom vergangenen Freitag konnte der Leitindex damit in die neue Woche retten. Der Index der mittelgroßen Werte, der MDax, stieg um 0,6 Prozent auf 26.340 Punkte. Der Technologie-Index TecDax sank 0,1 Prozent auf 2909 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 notierte 0,5 Prozent höher.

Das bestimmende Thema der neuen Woche dürfte aber die Furcht vor einer neuen Eskalation des Handelsstreit zwischen den USA und China werden. „Für weiterhin schlechte Stimmung an den europäischen Aktienmärkten sorgt Donald Trump“, sagte Analyst Orlando Rodrigues von der Bank Donner & Reuschel. Dieser bleibe auf Konfrontationskurs.

Schon jede kleine weitere Eskalation im Handelsstreit dürfe ausreichen, um Druck auf die Börsen auszuüben, warnte Marktanalyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Beunruhigend sei, dass dieser immer mehr Länder betreffe. Neben China, der EU, Mexiko und Kanada ist zuletzt auch Japan in Trumps Fokus gerückt.

Der US-Präsident hatte China mit weiteren Zöllen auf Produkte im Wert von 267 Milliarden Dollar gedroht und erklärt, diese könnten kurzfristig in Kraft treten. Beobachter fürchten, dass Trump, der innenpolitisch aufgrund der Untersuchung des Sonderermittlers Robert Muller zu möglichen Russland-Kontakten seiner Regierung unter Druck steht, nun außenpolitisch Stärke beweisen will.

Der seit Wochen schwelende Handelsstreit dürfte damit in die heiße Phase eintreten. Die globalen Folgen der Unsicherheit werden immer deutlicher: So legt der schwedischen Autohersteller Volvo seine Börsenpläne offenbar auf Eis. Wie die „Financial Times“ am Montag berichtet, fürchtet der chinesische Volvo-Eigentümer Geely negative Auswirkungen des Handelskonflikts.

Was die Charttechnik sagt

In der vergangenen Woche war der Dax 3,3 Prozent um mehr als 400 Punkte abgesackt und erstmals seit Anfang April unter die Marke von 12.000 Zählern gefallen. Aus Sicht der Charttechnik bleiben nun die Marken von 11.726 Punkten, dem bisherigen Dax-Jahrestief, und von 11.800 Zählern im Fokus.

Nach Meinung von Analyst Jörg Scherer eröffnet sich bei einem Bruch der 11.800-Punkte-Marke ein weiteres Abwärtspotenzial von insgesamt rund 1800 Punkten. Für den freien Charttechnik Holger Struck würde sich die technische Lage am Dax erst verbessern, wenn der Leitindex über 12.092 oder 12.100 Punkte steigen würde.

„Auf dem aktuellen Niveau sollte es sich der Dax nicht allzu bequem machen, denn nur gute 200 Punkte tiefer liegt ein Bereich, der möglichst nicht unterschritten werden sollte, um nicht eine stärkere Korrektur oder am Ende gar einen Crash auszulösen“, warnt Marktanalyst Jochen Stanzl.

Einzelwerte im Fokus

Commerzbank: Den Spitzenplatz im Dax nahmen mit plus 2,3 Prozent die Aktien der Commerzbank ein. Hintergrund sind Marktgerüchte, die jedoch nicht über den Status der seit längerem schwelenden Übernahmespekulationen hinauskamen.

Deutsche Bank: Am Freitag hatte die Nachricht für Aufmerksamkeit gesorgt, dass der chinesische Großaktionär HNA beim größten deutschen Geldhaus aussteigen will. Entsprechende Informationen des Handelsblatts bestätigten diese Nachricht. Trotz der Einschätzung von Beobachtern, dass der Exit des undurchsichtigen Konglomerats von der chinesischen Ferieninsel Hainan die Deutsche Bank von einem Problem befreien würde, reagiert die Börse ungnädig. Das Papier verlor 0,5 Prozent.

Volkswagen: Die VW-Aktie legte 1,1 Prozent an dem Tag zu, an dem vor dem Oberlandesgericht Braunschweig der mit Spannung erwartete Musterprozess, in dem es um Schadensersatzforderung von VW-Aktionären in Milliarden-Höhe geht begann.

Hinter der Musterklägerin stehen rund 2000 gleich gelagerte Fälle, die ebenfalls Forderungen durchsetzen wollen. In dem Rechtsstreit geht es aber immer auch um die wohl spannendste Frage zum Abgasskandal: Wer wusste wann was im Wolfsburger Unternehmen?

Versorger-Aktien: RWE-Anteile rückten um knapp 2 Prozent vor und Eon-Papiere gewannen 1,9 Prozent. Im MDax verteuerten sich Uniper-Aktien um 2,3 Prozent. Händlern zufolge profitierten sie vom fortgesetzten Strompreisanstieg.
Chipproduzenten: Mit Verlusten von 3,2 Prozent für die Aktien des Apple-Zulieferers Dialog Semiconductor oder 3,3 Prozent für die Papiere des Ausrüsters Aixtron zeigten sich Unternehmen der Chipbranche sehr schwach. Sie folgten damit den Vorgaben aus Asien, wo vor allem Aktien von Apple-Zulieferern verkauft worden waren.

Vorgaben aus Übersee

In Tokio notierte der Nikkei am Montag kaum verändert bei 22.337 Punkten. Der chinesische Shanghai Composite fiel um 0,7 Prozent auf 2683 Zähler.

Vermehrt investierende Unternehmen haben der japanischen Wirtschaft im zweiten Quartal zum kräftigsten Wachstum seit fast zwei Jahren verholfen. Das Bruttoinlandsprodukt legte von April bis Juni auf das Jahr hochgerechnet um 3,0 Prozent zu. Die Regierung korrigierte damit am Montag den zunächst ermittelten Wert von 1,9 Prozent kräftig nach oben. Ökonomen hatten zwar eine Aufwärtskorrektur erwartet, allerdings nur auf 2,6 Prozent.

Analystencheck: Barclays stuft Credit Suisse hoch

Die britische Investmentbank Barclays hat Credit Suisse aus Bewertungsgründen von „Verkauf“ auf „Neutral“ hochgestuft und das Kursziel auf 16 Franken belassen. Das Verhältnis zwischen Chancen und Risiken sei inzwischen etwas ausgeglichener, schrieb Analyst Amit Goel in einer am Montag vorliegenden Studie. Er bleibt jedoch mit seinen Schätzungen unter den Markterwartungen.

Von den 32 Studien im Handelsblatt-Analystencheck zur Credit Suisse empfehlen 27 das Papier zum Kauf. Neben drei Verkaufsempfehlungen gibt es zwei Mal die Einstufung „Neutral“. Das gewichtete Kursziel, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt mit 16,00 Franken über dem aktuellen Kurs von rund 14,45 Franken.

Weitere Analysen finden Sie im Handelsblatt-Analystencheck

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