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Dax aktuell Neue Golf-Krise drückt Dax zum Handelsschluss ins Minus – Lufthansa-Aktie größter Verlierer

Die Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien lassen den Ölpreis so stark steigen wie seit 1991 nicht mehr. Anleger setzen stattdessen auf Gold.
Update: 16.09.2019 - 18:03 Uhr Kommentieren
Der Energiekonzern RWE war für Aktionäre in diesem Jahr bisher ein Gewinnbringer. Quelle: dpa
Handelssaal in Frankfurt

Der Energiekonzern RWE war für Aktionäre in diesem Jahr bisher ein Gewinnbringer.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die angespannte Lage am Persischen Golf und der größte Ölpreisanstieg seit Jahrzehnten haben dem Dax an diesem Montag zugesetzt. Der deutsche Leitindex ging mit einem Minus von 0,7 Prozent bei 12.380 Punkten aus dem Handel, nachdem er am Freitag noch um 0,5 Prozent zugelegt hatte. Der Euro Stoxx 50 fiel um 0,9 Prozent auf 3518 Zähler.

Der Ölpreis für die Sorte Brent schoss zeitweise um bis 20 Prozent auf 71,95 Dollar je Barrel in die Höhe. Das ist der größte Kurssprung seit dem Golfkrieg von 1991 und der höchste Stand seit vier Monaten. Beim Dax-Handelsschluss wurde die Öl-Sorte noch mit einem Aufschlag von fast zwölf Prozent bei 67,46 Dollar pro Barrel gehandelt.

Die saudi-arabische Ölproduktion brach am Wochenende um die Hälfte ein, nachdem auf einer Rohöl-Verarbeitungsanlage und dem Ölfeld Churais infolge von Drohnen-Attacken Feuer ausgebrochen war. Einige Analysten sehen den Persischen Golf am Rande eines militärischen Konflikts.

Die Lage am Golf sorgte auch in anderen Anlageklassen für Turbulenzen: Während die Währungen von Öl-Exporteuren wie Kanada und Russland Auftrieb erhielten, gerieten jene von Schwellenländern unter Druck. Der Goldpreis legte zugleich um ein Prozent auf 1504 Dollar je Feinunze zu. Gold wird von Anlegern als sichere Anlageklasse betrachtet und erhält deshalb oft in Krisenzeiten Auftrieb.

Das tägliche Produktionsvolumen war in der Folge der Angriffe in Saudi-Arabien um geschätzt 5,7 Millionen Barrel Rohöl eingebrochen, was mehr als fünf Prozent der weltweiten Versorgung entspricht. Experten zufolge ist für die Entwicklung des Ölpreises in den kommenden Tagen entscheidend, wie schnell Saudi-Arabien die Produktion wieder auf Normalniveau bringen kann. Insidern aus dem Umfeld des staatlichen Ölkonzerns Aramco zufolge kann dies Monate dauern, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters.

US-Präsident Donald Trump genehmigte die Freigabe von Öl-Reserven, falls dies erforderlich sei. Die USA seien zu einer Vergeltungsaktion bereit. Es gebe „Grund zur Annahme, dass wir wissen, wer der Urheber ist“, schrieb Trump auf Twitter. Die US-Regierung macht den Iran für die Angriffe verantwortlich und legte am Sonntagabend Satellitenfotos vor, die dessen Täterschaft nahelegen sollen. Die Regierung in Teheran hat die Vorwürfe zurückgewiesen. Der iranische Präsident Hassan Ruhani lehnte ein Treffen mit Trump am Rande der nächsten UN-Vollversammlung in New York ab.

Neben der geopolitischen Entwicklung blickten Anleger auf die Entscheidung der Federal Reserve. Unter Börsianern gilt als sicher, dass die US-Notenbank am Mittwoch den Leitzins um einen Viertelprozentpunkt senkt. Daher liege das Hauptaugenmerk der Investoren auf den anschließenden Ausführungen des Fed-Chefs Jerome Powell, sagte Commerzbank-Analystin Thu Lan Nguyen.

„Entscheidend ist dabei nicht nur, ob die US-Notenbanker weitere Zinssenkungen in Aussicht stellen und wie viele. Von Bedeutung sind vor allem die Gründe für die Lockerung.“ Schließlich stehe die Fed unter großem Druck von Trump, der zuletzt sogar Zinsen von „null oder weniger“ forderte. 

Auch das Thema Brexit dürfte am Montag einmal mehr Thema an den Finanzmärkten sein. Der britische Premierminister Boris Johnson will sich mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker treffen, um über die festgefahrenen Verhandlungen zwischen seinem Land und der EU zu beraten. Mit einem Durchbruch wird bei dem Treffen der beiden Politiker nicht gerechnet. Johnson lehnt eine Verlängerung der Verhandlungen über den 31. Oktober hinaus ab.

Blick auf die Einzelwerte

Die hohen Ölpreise hinterließen auch bei Einzelwerten im Dax Spuren. Die drohenden Mehrkosten beim Treibstoff drückten die Aktie der Lufthansa zuletzt 2,8 Prozent auf 14,52 Euro. Die Papiere von Airbus verloren im Euro Stoxx50 3,4 Prozent. Dagegen legten die Titel des italienischen Ölkonzerns Eni um zwei Prozent und des französischen Energieriesen Total um 2,5 Prozent zu.

Daneben stand die Aktie des Beleuchtungsspezialisten Osram im Fokus, die im MDax um 0,5 Prozent auf 37,70 Euro zulegten. Vorstand und Aufsichtsrat empfahlen widerwillig die milliardenschwere Übernahmeofferte von AMS. Die Österreicher bieten den Osram-Aktionären 38,50 Euro pro Aktie,

Vorstand und Aufsichtsrat befürworten bisher die Übernahme durch die US-Finanzinvestoren Bain Capital und Carlyle, die Standortgarantien abgegeben haben, aber nur 35 Euro je Aktie bieten. Gegen den Verkauf an die Österreicher gibt es viel Widerstand. So bekräftigte am Wochenende die IG Metall, dass sie den Deal mit ASM aus Sorge um die Arbeitsplätze verhindern will.

Mehr: Im kommenden Frühjahr müssen Anteilseigner wohl mit einer Stagnation der Dividenden rechnen. Dabei waren die 30 Dax-Konzerne lange ein Ausschüttungsgarant.

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  • HB
  • rtr
  • dpa
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