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Dax aktuell Rezessionsängste belasten die Börse – Dax schließt unter 11.500 Punkten

Die Inversion der Zinskurve lässt die Börsenkurse einbrechen, hinzu kommen schwache Konjunkturdaten. Das überlagert die Entspannungssignale im Handelsstreit.
Update: 14.08.2019 - 18:10 Uhr Kommentieren
Investoren fürchten eine Rezession. Quelle: dpa
Blick in den Handelssaal

Investoren fürchten eine Rezession.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Die Sorgen vor einer weltweiten Rezession haben den Dax am Mittwoch in die Verlustzone gedrückt. Der deutsche Leitindex schloss 2,2 Prozent im Minus bei 11.493 Punkten. Die Hoffnungsimpulse vom Mittwoch verpufften damit.

Gleich ein ganzes Bündel an schlechten Nachrichten verschreckte die Anleger: In den USA und Großbritannien waren die Renditen zweijähriger Bonds erstmals seit der Finanzkrise höher als die Renditen zehn Jahre laufender Staatsanleihen. Dieses Phänomen bezeichnen Fachleute als Inversion der Zinskurve.

Eine inverser Kurvenverlauf gilt als starkes Rezessionssignal – und verstärkte an den Märkten die Ängste vor einem Wirtschaftsabschwung. Vor Rezessionen in der Vergangenheit, etwa vor der Finanzkrise oder vor dem Platzen der Dotcom-Blase, war eine derartige Bewegung am Anleihemarkt stets zu beobachten.

Der Run auf länger laufende Staatsanleihen spiegelt die Unsicherheit im Markt wider. In normalen Marktphasen werfen diese in der Regel mehr ab als Bonds mit kürzerer Laufzeit. Doch die Konjunkturängste drängen Investoren in sicher geltende langfristige Anleihen. Das drückt deren Renditen.

Auch die Zinspolitik der US-Notenbank Fed spielt eine wichtige Rolle. In Anbetracht der Tatsache, dass die Zentralbank zeitnah die Zinsen senken dürfte, flüchten Investoren in langfristige Bonds, die in einer solchen Situation attraktiver sind. Derartige Bewegungen waren in den vergangenen Monaten mehrfach zu beobachten, auch außerhalb der USA.

Hinzu kommen schwache Konjunkturdaten. Die deutsche Wirtschaftsleistung ist im zweiten Quartal um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal gefallen. In eine Rezession gelangt die Ökonomie per Definition, wenn zwei Minus-Quartale aufeinanderfolgen. Zum Jahresauftakt war das Bruttoinlandsprodukt noch gestiegen. Auch die gesunkenen Konjunkturindikatoren des ifo-Instituts sowie des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) lasten auf der Stimmung.

Unter Ökonomen, Unternehmen und Verbänden mehren sich angesichts der wirtschaftlichen Situation die Stimmen, die ein Konjunkturprogramm fordern. So sagte der Joachim Lang, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Industrie: „Es liegen trübe Monate vor uns, die drohen, zu Jahren zu werden – wenn die Politik nicht kräftig gegensteuert.“ Die Bundesregierung hatte allerdings bereits am Dienstag Forderungen nach einem Konjunkturprogramm zurückgewiesen.

Auch aus der chinesischen Wirtschaft kamen schlechte Nachrichten. Wegen der Folgen des Handelsstreits mit den USA schwächelte die chinesische Industrieproduktion und stieg so langsam wie seit 2002 nicht mehr. Auch der Einzelhandelsumsatz und die Investitionen fielen schwach aus. China will aber trotz geringer Erfolgsaussichten an den für September geplanten Handelsgesprächen mit den USA festhalten.

Der wachsende Konjunkturpessimismus spiegelte sich auch an den Rohstoffmärkten wider: Die Ölsorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um mehr als vier Prozent auf 58,66 Dollar je Barrel (159 Liter) und der Preis für das wichtige Industriemetall Kupfer fiel um 1,3 Prozent auf 5753,50 Dollar je Tonne. Die „Antikrisen-Währung“ Gold nahm dagegen wieder Kurs auf das Sechseinhalb-Jahres-Hoch vom Dienstag und verteuerte sich um 1,1 Prozent auf 1517,18 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm).

Doch es gibt auch Entspannungssignale im Zollstreit zwischen China und den USA. US-Strafzölle unter anderem für Elektronikgeräte, Spielzeuge sowie Kleidungsstücke sollen erst ab Mitte Dezember in Kraft treten und nicht wie geplant Anfang September. Andere Produkte wiederum sollen komplett von Strafzöllen ausgenommen werden.

Fast zeitgleich zur Eröffnung der US-Börsen am Dienstagnachmittag hatte das Handelsministerium eine entsprechende Mitteilung verkündet. Der Dax stieg in der Folge schlagartig um fast 300 Punkte. Am Handelsschluss blieb ein Zugewinn von 0,6 Prozent. Auch die führenden Indizes an der Wall Street legten deutlich zu. Der die Standardwerte umfassende Dow Jones etwa schloss 1,4 Prozent höher.

An der Börse in Argentinien setzte nach dem stärksten Absturz einer Börse seit mehr als einem halben Jahrhundert ein wenig Erholung ein. Dennoch stiegen die Zinsaufschläge deutlich. Außerdem verkündete die Ratingagentur Moody's, das Länderrating überprüfen zu wollen. Immer mehr Argentinier rechnen mit verschärfter Rezession und wachsender Inflation.

Einzelwerte im Fokus:

Banktitel: Die Entwicklung an den Anleihemärkten setzte vor allem Banken zu, weil sie es ihnen erschwert, mit Krediten und Investitionen in Anleihen Geld zu verdienen. Der Zinssatz zahlreicher Darlehen orientiert sich an den Bondrenditen. Der europäische Banken-Index fiel auf ein Drei-Jahres-Tief von 117,37 Punkten. Im vorbörslichen US-Geschäft gaben die Titel von Instituten wie Bank of America, Citigroup und JPMorgan bis zu jeweils drei Prozent nach.

Infineon: Konjunktursensible Aktien wie der Halbleiterhersteller litten besonders unter den Rezessionsängsten. Für Papiere von Infineon ging es mehr als fünf Prozent abwärts auf 15,424 Euro.

Thyssen-Krupp: Dem traditionsreichen Stahl- und Industriekonzern droht der Abstieg aus dem Dax. Wenn die Deutsche Börse im September die Zusammensetzung ihrer Indizes überprüft, dürfte Thyssen-Krupp wohl ersetzt werden. Potenzielle Nachrücker sind der Triebwerkhersteller MTU Aero Engines und der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen, die beide im MDax notieren. Am Mittwoch notierte die Thyssen-Krupp-Aktie zum Handelsschluss 4,16 Prozent im Minus.

RWE: Die starken Geschäftszahlen bescheren dem Energiekonzern die Dax-Spitze. Der endgültig ausgewiesene Gewinn für das zweite Quartal sei besser als erwartet, so ein Händler. RWE-Aktien gewannen im schwierigen Gesamtmarktumfeld 0,63 Prozent.

Leoni: Die Aktie des Autozulieferers verlor mehr als sieben Prozent. Der Schuldenberg des Unternehmens hat sich innerhalb von zwölf Monaten auf 1,2 Milliarden Euro verdoppelt.

Deutsche Bank: Die Deutsche Bank verlor 5,21 Prozent und notierte zum Handelsschluss wieder nahe an der Marke von sechs Euro.

Commerzbank: Die Aktie der Commerzbank ist auf ein neues Allzeittief gefallen und schloss bei 4,81 Euro. Bereits am Vortag waren die Papiere das erste Mal unter die Marke fünf Euro gerutscht und auf ein Allzeittief von noch 4,931 Euro gefallen. Vor der Finanzkrise war die Aktie noch mehr als 250 Euro wert gewesen. Als Gründe für den Einbruch gelten schwindende Übernahmechancen, die Konjunkturabkühlung und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Analystencheck: UBS empfiehlt HeidelbergCement

Die Schweizer Großbank UBS hat das Kursziel für HeidelbergCement von 75 auf 73 Euro gesenkt, aber die Einstufung auf „buy“ belassen. Nach der schwächeren operativen Entwicklung im zweiten Quartal habe er seine Schätzungen angepasst, schrieb Analyst Gregor Kuglitsch in einer Branchenstudie. Die Aktie des Baustoffherstellers sei allerdings trotz der Konjunktursorgen nach wie vor günstig bewertet.

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