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Dax am 10. Mai 2019 Dax schließt im Plus – Thyssen-Krupp-Aktien gewinnen fast 30 Prozent

Der Handelsstreit zwischen den USA und China verliert offenbar sein Drohpotenzial am Aktienmarkt. Auch Linde, Gea und Bechtle verzeichnen starke Kursgewinne.
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Dax: Positive Signale im Handelsstreit lassen die Anleger hoffen Quelle: dpa
Dax-Kurve

Der verfremdete Dax-Chart im Handelssaal der Börse Frankfurt.

(Foto: dpa)

FrankfurtUS-Präsident Donald Trump macht seine Drohung wahr und erhöht die Zölle auf chinesische Waren. Doch das interessiert am deutschen Aktienmarkt kaum noch Anleger. Der Dax beschließt den letzten Tag der Handelswoche im Plus und geht rund 0,7 Prozent fester bei 12.060 Punkten ins Wochenende. Der MDax der mittelgroßen Börsentitel stieg um mehr als ein Prozent auf 25.489 Zähler.

Im Handelsgeschehen ragte dabei Thyssen-Krupp heraus. Der Industriekonzern zündete mit den Börsenplänen für seine Aufzugssparte ein Kursfeuerwerk: Die Dax-Titel gewannen fast 30 Prozent. Im MDax legten Gea Group und Bechtle jeweils fast zweistellig zu.

Am gestrigen Handelstag sah die Lage noch anders aus. Der Dax war unter die psychologisch wichtige Marke von 12.000 Punkten gerutscht und 1,7 Prozent leichter bei 11.973 Punkten aus dem Handel gegangen – so tief wie seit vier Wochen nicht mehr.

Seit Freitagmorgen erheben die USA nach Angaben der Zollbehörden eine Einfuhrgebühr in Höhe von 25 Prozent auf bestimmte chinesische Produkte aus 5700 Kategorien, deren Volumen einen Wert von 200 Milliarden Dollar umfasst. Die Reaktion aus Peking ließ nicht lange auf sich warten. Unmittelbar nach der Verhängung der neuen Sonderzölle kündigte das chinesische Handelsministerium „notwendige Gegenmaßnahmen“ an. Details der geplanten chinesischen Vergeltungsschritte wurden aber nicht mitgeteilt.

Die Verhandlungen indes gehen in Washington weiter. Auch wenn sich China und die USA am heutigen Freitag auf gar nichts einigen sollten, dürfte der Handelsstreit nicht mehr zu einem nachhaltigen Ausverkauf an den Aktienmärkten führen. Dieser Streit tobt einfach zu lange, alle möglichen Szenarien sind bereits eingepreist.

Zudem gab es eine positive Nachricht von den deutschen Exporten: Sie sind im März überraschend gestiegen, wuchsen um 1,5 Prozent zum Vormonat. Ökonomen hatten hingegen mit einem Rückgang um 0,3 Prozent gerechnet, nachdem es im Februar mit 1,2 Prozent noch das stärkste Minus seit einem Jahr gegeben hatte. Die Importe legten diesmal um 0,4 Prozent zu und damit etwas schwächer als erwartet.

In dieser Handelswoche war nicht nur der Zollstreit, sondern auch der Börsengang des US-Fahrdienstleister Uber eine große Belastung. Die Aktien werden heute zum ersten Mal an der New Stock Exchange gehandelt. Der erste Preis lag bei enttäuschenden 42 Dollar und damit drei Dollar unter dem Ausgabepreis von 45 Dollar je Aktie, der am unteren Rand der anvisierten Preisspanne von 44 bis 50 Dollar gelegen hatte.

Für die rund acht Milliarden Dollar, die Uber erlöst hat, mussten die Profi-Anleger erstmal Cash generieren, wie es immer an der Börse heißt. Was natürlich wiederum die Kursverluste der US-Technologiewerte erklärt, die letztendlich auch den deutschen Markt belasteten.

Falls sich Anleger für die Uber-Aktie interessieren: Finger weg, lautet die Devise. Der Markt für Börsengänge ist überhitzt. Börsenexperte Stephan Heibel, der auch die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment auswertet, hat zu der Aktie eine pointierte Meinung. „Wie sich der Kurs von Uber heute entwickeln wird, hat nichts mit dem Unternehmen zu tun, sondern liegt allein am Konsortialführer Morgan Stanley“, meint er. Die US-Bank betreut den Börsengang und ist damit auch für die Kurspflege in den ersten Handelstagen zuständig.

Doch diese Belastung ist mit dem heutigen Börsengang vorbei – und auf der anderen Seite mehren sich die positiven Zeichen. Interessanterweise ist nach Ansicht von Joachim Goldberg, der für die Börse Frankfurt eine Umfrage zur Börsenstimmung unter privaten und professionellen Anlegern auswertet, der Aktienmarkt nach unten gar nicht so schlecht abgesichert. Weitere Kursrückgänge seien für Gewinnmitnahmen der „Bären“, die auf fallende Kurse setzen, willkommen.

Sollte die Nachrichtenlage hingegen drehen, müssten diese Pessimisten ihre Engagements schnell wieder eindecken. „Beide Szenarien sind günstig - sofern der Markt nicht noch zusätzlich durch ausländische Kapitalabflüsse belastet wird“, schrieb der Verhaltensökonom am vergangenen Mittwoch.

Sorgen bereitet zudem wieder einmal der Blick nach Italien. Die zehnjährigen Staatsanleihen rentieren am Freitag fester bei knapp 2,7 Prozent. Auf Wochensicht ist der Anstieg mit elf Basispunkten so groß wie seit drei Monaten nicht mehr. Hintergrund sind drohende Belastungen des Staatshaushalts. Mit Italiens Vize-Ministerpräsident Luigi Di Maio forderte ein weiteres Regierungsmitglied Änderungen bei den EU-Regeln, um seinem Land mehr Spielraum für höhere Ausgaben zu geben.

Die Defizitgrenze von drei Prozent sei für einige Dinge in Ordnung, „aber Ausgaben für Bildung, Gesundheit und Forschung müssen aus der Berechnung herausgenommen werden“, sagte Di Maio dem Sender La7. Das Land ächzt unter einem Schuldenberg, der mehr als 130 Prozent der Wirtschaftsleistung ausmacht, und hinkt beim Wachstum hinter anderen EU-Ländern hinterher.

Fazit: Möglicherweise dürften es einige schwache Handelstage geben, zumal die Ergebnisse der Verhandlungen zwischen USA und China am Wochenende noch „verdaut“ werden müssen. Doch es gibt einige Anzeichen, dass es bald zu einer nennenswerten Gegenreaktion in Form von steigenden Kursen geben könnte. Wenn man die Charttechnik hinzuzieht, dürfte der Dax in diesem Zeitraum nicht tiefer als 11.800 Punkte fallen.

Blick auf die Einzelwerte

Thyssen-Krupp: Anleger feierten die Abkehr des Managements von den bisherigen Aufspaltungsplänen. Die Aktien schossen um 28,2 Prozent nach oben und verzeichneten ihren größten Tagesgewinn.

Vor allem der mögliche Börsengang der lukrativen Aufzugssparte weckte die Fantasie der Anleger. „Hier werden mit der Transrapid-Schwebetechnik vertikal und auch horizontal fahrende Aufzüge auf Weltklasseniveau gebaut. Das findet die Börse spannend“, sagte Stanzl. Zudem mussten Händlern zufolge sich einige Investoren, die auf fallende Aktienkurse gesetzt hatten, mit den Titeln eindecken.

Linde: Der weltgrößte Industriegasekonzern hat im ersten Quartal nach der Fusion unter dem stärkeren Dollar gelitten. Der Umsatz schrumpfte auf vergleichbarer Basis leicht auf 6,94 (Vorjahr: 6,91) Milliarden Dollar. Ohne Währungseffekte wäre der Umsatz um fünf Prozent gestiegen, zwei Prozent machten allein höhere Preise aus.

Der operative Gewinn lag mit 609 (653) Millionen Dollar sieben Prozent unter Vorjahr. Bereinigt um die Sondereffekte aus der Fusion der Münchner Linde AG mit der amerikanischen Praxair wären es 1,22 Milliarden Dollar gewesen, ein währungsbereinigtes Plus von sieben Prozent. Die Aktie gewann am Freitag mehr als 4,1 Prozent hinzu und war damit zweitgrößter Gewinner im Leitindex.

Deutsche Post: Der Logistik-Konzern hat im ersten Quartal bei gestiegenem Umsatz ein deutliches Gewinnplus verbucht. Auf die Sprünge halfen dem Gewinn vor allem Gelder aus einer Partnerschaft in China. Der Umsatz stieg um 4,1 Prozent auf 15,4 Milliarden Euro, der operative Ertrag (Ebit) kletterte um 28,1 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro.

Zudem bekräftigte der Konzern seine Ziele: 2019 will Post-Chef Frank Appel den operativen Gewinn auf 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro steigern. Im Jahr 2020 sollen es dann mehr als fünf Milliarden Euro sein. Der Aktienkurs schloss nach anfangs starken Schwankungen 0,21 Prozent im Minus.

Gea Group: Im MDax gewannen die Papiere des Anlagenbauers fast zehn Prozent. Der seit drei Monaten amtierende Konzernchef Stefan Klebert gab den Startschuss für einen Umbau des unter Druck geratenen Unternehmens und will bis zu 250 Stellen streichen.

Bechtle: Beim schwäbischen IT-Händler brummt das Geschäft. Die Erlöse stiegen im ersten Quartal um knapp 30 Prozent auf rund 1,2 Milliarden Euro. Das Vorsteuerergebnis (EBT) wuchs um 27 Prozent auf 45 Millionen Euro. Die EBT-Marge blieb allerdings mit 3,6 Prozent leicht hinter dem Vorjahreswert zurück. Bechtle bestätigte das Jahresziel, trotz einer schwächelnden Konjunktur Umsatz und Ergebnis erneut „sehr deutlich“ zu steigern. Davon profitiert das Papier und legte bis zum Handelsschluss mehr als 9,5 Prozent zu. 

Was die Charttechnik sagt

Seit dem Jahreshoch am vergangenen Freitag mit 12.436 Punkten ist der Dax im Korrekturmodus, den der Index mit seinen deutlichen Verlusten am gestrigen Handelstag deutlich ausgeweitet hat. Das Korrekturtief liegt nun bei 12.057 Zählern, das der Leitindex am Dienstag erreicht hatte. Kurse unter 12.057 Zählern wären ein Signal für eine weiterhin schwache Marktverfassung.

Die Frankfurter Benchmark notiert zudem seit Tagen unter wieder unter ihrer 21-Tage-Linie. Diese gilt als Indikator für den kurzfristigen Trend.

Auf welchem Niveau könnte sich der Dax wieder stabilisieren? Eine wichtige Marke liegt bei 11.938 Zählern. Das ist die sogenannte 50-Prozent-Korrekturmarke von der Abwärtswelle des vergangenen Jahres. Damals rutschte der Dax vom Allzeithoch bei 13.596 Punkten bis Ende Dezember auf 10.279 Zählern ab. 11.938 Punkte liegt genau in der Mitte.

Sollte dieser Bereich fallen, stehen bis rund 11.850 und 11.800 Punkten noch Marken bereit, die den Dax aufhalten können. Sollte der Leitindex sogar unter das April-Tief von rund 11.600 Zählern rutschen, stünde der gesamte Aufwärtstrend seit Anfang 2019 zur Disposition.

Der nächste wichtige Widerstand, der den deutschen Leitindex in seiner Aufwärtsentwicklung bremsen könnte, liegt erst bei 12.344 Zählern. Sollte diese Marke fallen, würde wieder das bisherige Jahreshoch (12.436 Punkte) in den Fokus rücken.

Blick auf die Märkte in Asien und USA

Die asiatischen Börsen haben am Freitag zumeist leichte Gewinne verzeichnet. In Japan stieg der Nikkei-Index um 0,43 Prozent auf 21.494 Punkte, nachdem er in den vergangenen Tagen Verluste verbucht hatte. Die Börse in Schanghai legte 1,37 Prozent zu. Chinas wichtigstes Börsenbarometer CSI300 kletterte um fast drei Prozent.

Der andauernde chinesisch-amerikanische Handelsstreit hatte die Anleger an der Wall Street bereits am Donnerstag verunsichert: Nach versöhnlicheren Tönen von US-Präsident Donald Trump verringerten die New Yorker Börsen zwar ihre Kursabschläge im Sitzungsverlauf. Die US-Börsen beendeten den Handel aber schließlich mit Verlusten. Und auch am Freitag ging es an der Wall Street zur Eröffnung weiter abwärts.

Analystencheck: Kaufempfehlung für die SAP-Aktie

Das Analysehaus RBC hat die Einstufung für SAP nach der Sapphire-Konferenz auf „Outperform“ mit einem Kursziel von 167 Euro belassen. Die Einführung von Cloud-Lösungen durch Kunden dürfte zunehmen und für nachhaltiges Wachstum sorgen, schrieb Analyst Ross MacMillan in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Damit wiederum dürften sich auch die operativen und die Bruttomargen des Software-Entwicklers verbessern.

Laut Handelsblatt-Analystencheck gibt es in den vergangenen Monaten 41 Studien zur SAP-Aktie. Dabei stehen den 28 Kaufempfehlungen zwölf Mal die Bewertung „Halten“ und eine Verkaufsempfehlung gegenüber. Das gewichtete Kursziel aller Analysen, bei dem neuere Studien höher gewichtet werden, liegt bei 118,51 Euro. Die Aktie wird bei rund 11 Euro gehandelt.

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