Börse in Frankfurt

Die neunjährige Hausse des deutschen Aktienindex Dax steht aktuell auf dem Prüfstand.

(Foto: dpa)

Dax am 10. Oktober Dax verliert mehr als zwei Prozent – Wirecard-Aktien stürzen ab

Für den deutschen Leitindex geht es am Mittwoch deutlich bergab. Das Börsenbarometer hat eine wichtige Marke durchbrochen.
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DüsseldorfNachdem am Dienstagabend der Deutsche Aktienindex (Dax) knapp die Wende ins Plus geschafft hatte, ging es am Mittwoch deutlich abwärts: Der deutsche Leitindex verlor 2,2 Prozent und ging bei einem Stand von 11.713 Zählern aus dem Handel. Damit hat der Aktienindex aus Sicht von technischen Analysten eine wichtige Marke durchbrochen, wodurch weitere Verluste wahrscheinlich werden.

Am Dienstag war der Dax am späten Nachmittag noch 0,3 Prozent ins Plus gedreht und hatte bei knapp unter 12.000 Punkten geschlossen.

Sorgen bereiten Anlegern weiterhin Spekulationen über raschere Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed, der Zollstreit zwischen den USA und China sowie das Tauziehen um den italienischen Haushalt für 2019. Der große Verlierer im Dax ist die Wirecard-Aktie mit einem Kursverlust von 14,2 Prozent.

Auch die Brexit-Verhandlungen könnten in den kommenden Handelstagen erneut in den Vordergrund rücken. Die EU und Großbritannien nähern sich bei den Gesprächen über die künftigen Beziehungen wohl einander an. Wichtige Konjunkturdaten stehen dagegen nicht auf dem Terminplan.

Vor allem aber richten Investoren den Blick auf den Zustand der Weltwirtschaft und die Situation in den Schwellenländern. „Die gesenkten Wachstumsprognosen des IWF zeigen, wie groß die Gefahren für die Weltwirtschaft im Moment sind“, sagt Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hatte zum ersten Mal in zwei Jahren die Prognose für das globale Wachstum gesenkt und begründete dies mit Handelskonflikten, einem zuletzt stärkeren Anstieg der Zinsen und mit Spannungen an den Märkten wichtiger Schwellenländer.

Der Kurs des Euros stieg am Mittwoch leicht. Am Morgen wurde die Gemeinschaftswährung mit 1,1510 US-Dollar knapp über der Marke von 1,15 Dollar gehandelt und damit etwas höher als am Vorabend. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs zuletzt am Dienstagnachmittag auf 1,1435 Dollar festgesetzt.

Was die Charttechnik sagt

Aus charttechnischer Sicht stand die Marke von 11.800 Punkten im Fokus. „Der strategische Stop Loss sollte unverändert im Bereich der jüngsten Tiefs bei 11.800 Punkten verbleiben“, meinten die technischen Analysten der HSBC in ihrem morgendlichen Kommentar.

Vor dem Kursrutsch am Nachmittag gab es zunächst einige Anzeichen, dass die Marke halten würde: Am gestrigen Handelstag wurde sie mit dem Tagestief von 11.803 Zählern getestet, anschließend gab es eine hohe Nachfrage, der Index schloss sogar im Plus. „Anleger können (zunächst) auf eine Verteidigung der Kernunterstützung bei 11.800 Punkten hoffen“, folgerten daraus die HSBC-Charttechniker in ihrer morgendlichen Einschätzung. Mit dem heutigen Kursrutsch könnte der Dax nach Ansicht von Charttechnikern um weitere 1.800 Punkte fallen.

Auch Stephan Heibel, der die wöchentliche Handelsblatt-Umfrage zur Börsenstimmung „Dax-Sentiment“ auswertet, glaubte zunächst, dass der „Spuk der vergangenen Börsentage“ in Form von deutlichen Kursverlusten jetzt bald endet. Doch für ihn steht fest: „Wir müssen allerdings im Rahmen des Ausverkaufs wachsam bleiben, denn ein deutliches, nachhaltiges Unterschreiten der 11.800 Punkte im Dax würde meine bisherige Sichtweise über den Haufen werfen.“

Wann würde sich die charttechnische Lage wieder bessern? Auf Weg nach oben gibt es für einige Widerstände wie den ehemaligen Aufwärtstrend (12.212 Punkte), die 38-Tage-Linie (12.248 Punkte) sowie vor allem die Hürde des kurzfristigen Abwärtstrends seit Mitte Juni (12.410 Punkte). Erst oberhalb dieser letzten Hürde könnten die Bullen einen charttechnischen größeren Befreiungsschlag feiern.

Die weiteren Indizes

Der Index der mittelgroßen Unternehmen, MDax, gab um 2,6 Prozent nach und schloss bei 24.133 Punkten. Der Euro-Zonen-Leitindex Euro Stoxx 50 notierte zuletzt 1,7 Prozent schwächer und fiel auf 3.267 Punkte. Der TecDax verlor sogar 4,3 Prozent und ging mit einem Stand von 2.554 Punkten aus dem Handel.

„Wirecards Ziele sind schlichtweg überambitioniert“

Einzelwerte im Überblick

Wirecard: Eine Hochstufung kann dem Kurs des Dax-Neumitglieds Wirecard auch nicht helfen. Die Aktie verliert mehr als 14,2 Prozent und führt die Verliererliste an. Die Experten der Credit Suisse hatten die Titel mit „outperform“ statt „neutral“ bewertet. Nach heftigen Kursrückgängen am Montag hatte die Aktie noch am Dienstag mit einem Plus von bis zu 9,6 Prozent ihre Verluste annähernd aufholen können.

Westwing: Der Online-Möbelhändler, der am Dienstag ein durchwachsenes Börsendebüt gefeiert hat, kann sich stabilisieren. Die Westwing-Aktie liegt 0,6 Prozent im Plus bei 25,40 Euro. Erstaktionäre hatten die Papiere für 26 Euro gekauft.

Nordex: Zu den Favoriten am deutschen Aktienmarkt zählte Nordex, anfangs mit einem Kursplus von 7,1 Prozent. Der Windkraftanlagenbauer verfünffachte seinen Auftragseingang im abgelaufenen Quartal. Kunden hätten Turbinen mit einer Gesamtleistung von 974 Megawatt bestellt. Allerdings schmolz das Plus später auf 0,1 Prozent zusammen.

LVMH: Aus Furcht vor einer Abkühlung des wichtigen China-Geschäfts ziehen sich Anleger aus europäischen Luxusgüterwerten zurück. Daran änderte auch das Umsatzplus des französischen Herstellers LVMH nichts. Die Aktien der Louis-Vuitton-Mutter verloren am Mittwoch 6,6 Prozent. Genährt wurden die Spekulationen von einem Kommentar der US-Bank Morgan Stanley. Sie stufte die Branche auf „underweight“ herunter und begründete ihren Schritt mit einer sinkenden Nachfrage chinesischer Verbraucher wegen des Handelsstreits zwischen China und den USA. Außerdem seien die Aktien des Sektors relativ teuer.

Börsengang

Knorr-Bremse: Für den Abend wird erwartet, dass der Bremsenhersteller den offiziellen Ausgabepreis für seine Aktien bekanntgibt. Am Freitag soll die Aktie erstmals an der Frankfurter Börse gehandelt werden. Knorr-Bremse dürfte danach rasch in den Nebenwerteindex MDax einziehen. Am Mittwochvormittag zeichnete sich ein Ausgabepreis von 80 Euro ab. Er läge damit etwas über der Mitte der Preisspanne, die von 72 bis 87 Euro reichte. Der Konzern käme damit auf einen Börsenwert von 12,9 Milliarden Euro. Es wäre 2018 der zweitgrößte Börsengang in Deutschland nach dem des Medizintechnikunternehmens Healthineers, das im März an die Börse gegangen war.

Analystencheck Commerzbank hebt das Kursziel für Vonovia an

Die Commerzbank hat das Kursziel für Vonovia von 43,00 auf 44,50 Euro angehoben und die Einstufung auf „hold“ belassen. Der deutsche Wohnimmobiliensektor mache mit Blick auf das Jahr 2019 einen attraktiven Eindruck, schrieb Analyst Tom Carstairs in einer am Dienstag veröffentlichten Studie. Er passte seine Schätzungen an und verschob außerdem den Bewertungshorizont um ein Jahr in die Zukunft. Seine „Top Picks“ bleiben aber die beiden Kaufempfehlungen Deutsche Wohnen und LEG.

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Mit Agenturmaterial.

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  • Ich glaub, der Bärenmarkt ist im DAX schon längst da! Man muß sich nur den Kursverlauf seit der Ende Mai anschauen. Ein schöner Trendkanal nach unten, wie er im Lehrbuch stehen könnte.
    Dazu das fundamentale Umfeld, restriktivere Geldpolitik, geopolitische Krisen, Handelsstreit zwischen USA und China, Brexit etc.
    Unternehmensgewinne sehen (noch) gut aus. Aber die eine und andere Gewinnwarnung gab es ja schon. In den USA herrscht aktuell noch der Effekt der Steuerreform an, dieser Effekt wird es so aber 2019 nicht mehr geben.

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