Dax am 25.01.2018 Dax schmiert nach Draghi-Rede ab

Wie erwartet lässt die EZB alles beim Alten. Doch wenigstens von Draghi selbst hatten sich die Anleger ein Signal gegen den starken Euro erhofft. Der aber blieb zaghaft, nun scheinen die Märkte die EZB herauszufordern.
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Draghi enttäuscht Anleger: Starker Euro lässt den Dax fallen

FrankfurtDie Märkte waren sich sicher. „Wenn einer den Euro stoppen kann, dann ist es Draghi“, hatte etwa Thomas Altmann vom Vermögensverwalter QC Partners im Vorfeld der heutigen EZB-Ratssitzung gesagt. Der Euro setzt seinen Höhenflug von 2017 ungehindert fort, allein in der laufenden Woche ging es mehr als zwei Prozent rauf. Das macht den europäischen Anlegern das Leben schwer, trotz bester Konjunkturdaten und starker Unternehmensberichte. Dementsprechend groß waren die Hoffnungen auf den Präsidenten der Europäischen Zentralbank.

Dass die Währungshüter den Instrumentenkasten gar nicht erst anrührten: Geschenkt. Es war erwartet worden. Geldpolitisch gab es keine neuen Beschlüsse zu verkünden. Leitzins und Strafzins bleiben auf Rekordtiefs – alles andere wäre ein Wunder gewesen. Auch das massive Anleihekaufprogramm läuft so lang und stark wie vorher: bis mindestens September mit 30 Milliarden Euro. Höchstens hier war spekuliert worden, ob es kleine Änderungen geben wird. Fehlanzeige.

Viel wichtiger waren die Aussagen Mario Draghis höchstpersönlich auf der Pressekonferenz am Nachmittag. Doch die enttäuschten. Aus einem leichten Plus am Mittag ging es deutlich runter im Dax, von seinem Tageshoch aus verlor anderthalb Prozent. Am Ende ging der Deutsche Aktienindex mit 13.298 Zählern 0,9 Prozent tiefer aus dem Donnerstag. Damit ist das am Dienstag markierte Allzeithoch von 13.596 Punkten erstmal aus den Augen. Auch die anderen europäischen Märkte gingen angesichts des teuren Euros in die Knie. Der Euro-Stoxx-50 verlor ein halbes Prozent bei dann 3626 Zählern.

Mit diesen Aktien machten Anleger 2017 Kasse

PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE000PSM7770
Börse
L&S

-0,27 -1,19%
+22,35€
Chart von PROSIEBENSAT.1 MEDIA SE NAMENS-AKTIEN O.N.
Pro Sieben Sat 1
1 von 30

Der Fernsehmarkt verändert sich radikal, und der Medienkonzern Pro Sieben Sat 1 bekommt das deutlich zu spüren. Unterhaltung lieferte der Konzern aus Unterföhring mit der Posse um Vorstandschef Thomas Ebeling selbst. Dieser muss nach unbedachten, teils diskriminierenden Äußerungen über die eigenen Kunden gehen. 23,7 Prozent beträgt das Minus des Aktienkurses in diesem Jahr. Ein Papier ist inzwischen weniger als 29 Euro wert. Experten glauben, dass der Konzern gar aus der ersten Börsenliga absteigen könnte, sollte sich dieser Trend im neuen Jahr fortsetzen.

Quelle: Bloomberg

FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005785604
Börse
L&S

+0,11 +0,17%
+65,18€
Chart von FRESENIUS SE & CO. KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Fresenius
2 von 30

Erst hui, dann eher pfui: Fresenius fiel in der zweiten Jahreshälfte an der Börse deutlich ab. Grund für den Kursverlust dürfte insbesondere der Preisdruck in der US-Medikamentenbranche sein. Auch Verzögerungen bei der Übernahme des US-Konzerns Akorn drückten die Stimmung der Anleger. 13 Prozent beträgt das Minus auf Jahressicht.

MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0006599905
Börse
L&S

+1,08 +1,22%
+89,70€
Chart von MERCK KGAA INHABER-AKTIEN O.N.
Merck
3 von 30

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck muss an der Börse auf ein eher schwaches zweites Halbjahr zurückblicken – auch die Umsätze waren im dritten Quartal rückläufig. In nächster Zeit soll entschieden werden, ob die Sparte mit rezeptfreien Medikamenten verkauft werden soll. Die Aktie sank von 101,25 Euro auf 89,75 Euro (minus 11,4 Prozent).

DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0005557508
Börse
L&S

+0,07 +0,47%
+14,12€
Chart von DEUTSCHE TELEKOM AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Deutsche Telekom
4 von 30

Die Deutsche Telekom hat kürzlich angekündigt, den österreichischen Kabelnetzbetreiber UPC zu übernehmen. Experten erwarten dadurch neue Impulse für den Aktienkurs. Die Telekom könnte ein solches Signal gut gebrauchen. Durch den hohen Preisdruck und eine weitgehende Sättigungen der Kernmärkte war die Performance auf dem Parkett 2017 eher schwach – minus zehn Prozent.

HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N

WKN
ISIN
DE0006048432
Börse
L&S

+1,15 +1,05%
+109,47€
Chart von HENKEL AG & CO. KGAA INHABER-VORZUGSAKTIEN O.ST.O.N
Henkel
5 von 30

Zuletzt hatte Henkel mit weiteren Investitionen in den US-Markt geliebäugelt. Ob das dem Aktienkurs stärken würde? Anleger müssen für 2017 ein Minus von vier Prozent hinnehmen.

BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1

WKN
ISIN
DE0005190003
Börse
L&S

-0,77 -0,93%
+82,69€
Chart von BAYERISCHE MOTOREN WERKE AG STAMMAKTIEN EO 1
BMW
6 von 30

Zum Jahresende konnte sich der Autobauer über das Milliardengeschenk von US-Präsident Trump in Form der Steuerreform freuen. Zuvor gab es bei BMW, zumindest hinsichtlich des Aktienkurses, wenig zu feiern. Die Aktie, die zu Jahresbeginn noch mit über 90 Euro gehandelt wurde, fiel Ende Juli auf ein 52-Wochen-Tief von 77 Euro. Minus 3,5 Prozent unterm Strich insgesamt.

SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.

WKN
ISIN
DE0007236101
Börse
L&S

+0,30 +0,27%
+111,10€
Chart von SIEMENS AG NAMENS-AKTIEN O.N.
Siemens
7 von 30

Die Nachricht eines Stellenabbaus bei Siemens sorgte im November für sehr starke Aufmerksamkeit. SPD-Parteichef Schulz schaltete sich ein und attackierte das Management des Konzerns scharf, das die Vorwürfe wiederum in einem Brief entscheidend zurückwies. Wie dem auch sei: Der Siemens-Aktienkurs büßte nach einem starken ersten Halbjahr seine Gewinne ein – minus 1,5 Prozent auf Jahressicht.

Auf dem Parkett hatte man sich gewünscht, dass der Italiener Stellung bezieht zu dem immer stärker werdenden Euro. Das tat Draghi auch, nur anders als es sich die Börsianer erhofft hatten. Auf den ersten Blick mag das nicht passen. Dem Kleinanleger springt das nicht ins Auge, wenn doch der höchste Währungshüter der Euro-Zone die Chancen einer Zinserhöhung noch in diesem Jahr mit „sehr gering“ beziffert.

Doch die Reaktion auf dem Devisenmarkt fiel eindeutig aus. Der Euro schoss während der Ausführungen bis zu ein Prozent rauf über die 1,25-Dollar-Marke, hielt im Verlauf sein hohes Niveau. Es sind Stände aus dem Dezember 2014. Die Lesart in den Handelssälen: Draghi war zu zaghaft. „Draghi redet den Euro nicht herauf, er redet ihn nicht genug nach unten“, meinte anschließend Ulrich Leuchtmann von der Commerzbank.

Und Altmann resümierte nach der Pressekonferenz: „Eine verbale Intervention sieht anders aus.“ Es wirke, als wolle der Markt jetzt testen, bei welchem Euro-Kurs die Schmerzgrenze der EZB liegt. „Mario Draghi hat zwar die Euro-Schwankungen beleuchtet, nicht jedoch den Euro-Kurs.“ Altmann schaut in die Köpfe der Anleger – die Frage, die diese sich stellen: „Konnte Mario Draghi den Euro nicht stoppen oder wollte er nicht?“

Der Euro entwickelt sich zum Kreuz für die europäischen Aktienmärkte. Freilich, diese sind auf einem hohen Niveau, der Dax legte allein im Januar knappe fünf Prozent zu. Doch war er in den Monaten davor vor sich hingedümpelt, während die Wall Street von Rekord zu Rekord eilte und Europa längst abgehängt hat. Beunruhigend ist, dass der Euro immer weiter steigt. Allein seit der letzten Notenbanksitzung im Dezember legte die Gemeinschaftswährung mehr als sechs Prozent zu. Dass manche Marktteilnehmer nun die EZB herausfordern und scheinbar zum Handeln bewegen wollen, das ist eine neue Situation.

Dabei hat es von den Notenbankern rund um Draghi keine Signale in Richtung einer strengeren Gangart gegeben. Noch immer etwa hat der Rat kein Enddatum für das billionenschwere Anleihekaufprogramm genannt. Das Gremium hatte im Herbst beschlossen, ab Januar die monatlichen Anleihekäufe auf 30 Milliarden zu halbieren bis mindestens September 2018. In welchem Maße das Programm danach weiterläuft ist unklar. Verfechter einer strengeren Gangart, wie Bundesbank Jens Weidmann, fordern eine Konkretisierung des Kurses. Signale für eine solche Drosselung gab es heute erst gar nicht.

Wie bestimmend das Euro-Thema ist, zeigen auch die Ifo-Zahlen. Die erreichten heute die Öffentlichkeit und überraschten die Experten mit nicht erwarteten Rekordständen. Der Geschäftsklimaindex zeigt: Schaut man in deutsche Chef-Etagen, sieht man ein breites Grinsen. Doch am Aktienmarkt fand das keinen Niederschlag. Die Börsianer ignorierten die Daten.

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3 Kommentare zu "Dax am 25.01.2018: Dax schmiert nach Draghi-Rede ab"

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  • Meinungsäußerung wurde wegen angeblicher „Unsachlichkeit“ gelöscht.

    Herr Peer Kabus 25.01.2018 19:58

    Spekulanten sind immer auf der sicheren Seite, wenn sie sich bei Mafio Draghi daran orientieren, dass er im Grunde ein Nationalist ist, der die Interessen seines Landes vertritt.

    Er pumpt so viel Geld an alle nur denkbaren Blasen, damit niemand von Staatsfinanzierung reden kann. Redet er von Inflation und will die erzwingen, will der damit die heimischen Staatsschulden entwerten.

    Mafio Draghi hat aus der EZB eine europäische Bancia Italia mit Sitz in Frankfurt gemacht.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Die Dummheit der sogenannten Banker wird immer extremer. Draghis Job ist den Euro zu verteidigen und ihn stabil zu halten! Ok, er macht oft das Gegenteil. Aber schon die Erwartung zu haben, er solle den Wert des Euros dabei zerstören ist echt strunzdumm. Sagen wir es doch mal so: Draghi hat gesprochen und es sind Anleger in den Euro gegangen weil sie da eine Verbesserung sahen. Die anderen haben sich halt verspekuliert!

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