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Dax am Donnerstag EZB schickt Dax auf Berg-und-Tal-Fahrt

Die geldpolitischen Maßnahmen der EZB wirbeln den Anleihemarkt durcheinander – und drücken die Kurse im Dax. Immerhin macht der Leitindex einen Teil der Verluste wett.
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Lächelnde Händler, skeptische Analysten. Quelle: dpa
Handelssaal der Frankfurter Börse

Lächelnde Händler, skeptische Analysten.

(Foto: dpa)

FrankfurtTrotz der immensen Flut von Unternehmenszahlen kam der Dax anfangs nicht vom Fleck – bis die EZB-Entscheidung veröffentlicht wurde. In der Folge herrschte mächtig Bewegung auf dem Parkett. Der Dax stieg plötzlich auf 11.614 Zähler, gab aber die Gewinne ebenso schnell wieder ab und verlor deutlich. Zwar konnte sich der Leitindex in der Folge wieder leicht erholen auf 11.517 Punkte, dennoch bleibt unter dem Strich am Donnerstag ein Minus von 0,6 Prozent.

Ähnlich wie beim Dax ging es auch in der zweiten deutschen Börsenreihe sowie an den europäischen Handelsplätzen abwärts, allen voran in den Banken-, Rohstoff- und Automobilsektoren. Der MDax verlor mit 1,02 Prozent auf 24.440 Punkte sogar noch etwas mehr als die erste Börsenliga.

Trotz der Verluste: Die großen Zentralbanken befinden sich auf dem Rückzug und signalisieren eher fortlaufende Unterstützung für die Aktienmärkte. Die Fed ist in der Warteschleife, während die EZB am heutigen Donnerstag ihre „Forward Guidance“, ihre Orientierung über die künftige Zinspolitik, geändert und eine mögliche Erhöhung auf einen späteren Termin verschoben hat.

Die EZB stemmt sich sogar mit neuen großen Geldspritzen für die Geschäftsbanken gegen einen Abschwung im Euro-Raum. Die Euro-Wächter stellten am Donnerstag eine Neuauflage von günstigen Langfristkrediten für die Geschäftsbanken in Aussicht. Die neuen Geldspritzen sollen eine Laufzeit von zwei Jahren haben und ab September 2019 ausgegeben werden. Die EZB betonte zudem, ihre Leitzinsen noch mindestens bis zum Jahresende 2019 nicht antasten zu wollen.

Von den Geldsalven profitierten unter anderem Banken im rezessionsgeplagten Italien. Nicht nur dort fiel die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihe: Diese Entwicklung war bei vielen europäischen Bonds zu beobachten, so etwa auch in Portugal und Spanien. Die zehnjährige Rendite für deutsche Bundespapiere sank zum ersten Mal seit Ende Februar unter 0,1000 Prozent auf 0,085 Prozent.

Das Gesamtpaket spricht mittelfristig für steigende Aktienkurse: Die Anleihen sind derzeit immer noch keine Anlagealternative. Und deutsche Staatsanleihen dürften es auf absehbare Zeit auch nicht werden. Deswegen sollten sich Anleger neben der Investmentfrage, ob Aktien aktuell zu teuer sind, eine weitere stellen: teuer im Vergleich zu welcher anderen Anlageklasse?

Doch wie geht es weiter? Eine interessante Prognose für die kommenden Handelstage stellt der oftmals treffsichere Verhaltensökonom Joachim Goldberg auf. Nach Auswertung der Stimmungsumfrage der Börse Frankfurt kommt er zu dem Schluss: Der Dax befindet sich in gesundem Zustand.

Seine Begründung: Sollte es zu einem kleineren Rücksetzer kommen, würden skeptische Anleger wieder kaufen und das deutsche Börsenbarometer damit stabilisieren. „Und sollte der Dax aus irgendwelchen Gründen seiner derzeit überschaubaren Aufwärtsbewegung etwas mehr Momentum verleihen, müssten die Pessimisten von heute dem Markt hinterherrennen und würden so womöglich für einen veritablen ,Short Squeeze‘ sorgen“, erläutert Goldberg.

Mit dem Begriff „Short Squeeze“ ist ein schneller rasanter Kursanstieg gemeint, weil Anleger auf fallende Kurse gesetzt hatten und nun ihre Verluste verringern müssen.

Doch was derzeit fehlt, ist der Anlass für mehr „Momentum bei der Aufwärtsbewegung“. In Sachen Handelsstreit zwischen den USA und China, dem wichtigsten Thema an der Börse, gibt es wenig Neues. Dass Huawei jetzt die US-Regierung verklagt, entspannt die Lage auf keinen Fall. Und beim Brexit haben Vertreter der EU und Großbritanniens erneut stundenlang um einen Austrittsvertrag gerungen – doch wieder einmal ohne Erfolg.

Blick auf die Einzelwerte

Deutsche Post: Der operative Gewinn (Ebit) brach im vergangenen Jahr wegen der Kosten für die Sanierung des deutschen Brief- und Paketgeschäfts um 15,5 Prozent auf 3,16 Milliarden Euro ein. Die Post erfüllte damit aber die Erwartungen des Marktes. Der Konzernumsatz stieg um 1,8 Prozent auf 61,5 Milliarden Euro. Die Bonner wollen nun für 2018 eine unveränderte Dividende von 1,15 Euro je Aktie ausschütten. 2019 will Vorstandschef Frank Appel den operativen Gewinn auf 3,9 bis 4,3 Milliarden Euro steigern. Dabei dürfte es auch eine Rolle spielen, wie stark er das Briefporto in Deutschland anheben kann. An der Börse kamen die Neuigkeiten gut an: Die Aktien stiegen um 1,3 Prozent.

Vonovia: Milliardenschwere Zukäufe im Ausland sowie höhere Mieteinnahmen haben Deutschlands größtem Immobilienkonzern Vonovia auch 2018 zu deutlich mehr Gewinn verholfen. Zudem profitierte der Dax-Konzern von seinem Wohnungsbestand, von Neubau sowie Dachaufstockungen, aber auch von seinen Dienstleistungen rund um das Gebäude. Das operative Ergebnis nach Zinsen und Steuern erhöhte sich im Jahresvergleich um 16 Prozent auf 1,07 Milliarden Euro. Die Dividende soll für 2018 wie geplant um zwölf Cent auf 1,44 Euro je Aktie klettern. Die Aktie stieg ebenfalls und schloss fast vier Prozent höher.

Continental: Der Autozulieferer erhöht die Dividende trotz des Abwärtstrends an den Automobilmärkten und nach einem bereits turbulenten Jahr 2018 mit mehreren Prognosekorrekturen. Die Aktionäre sollen für das abgelaufene Jahr 4,75 Euro je Anteilsschein erhalten, 25 Cent mehr als im Jahr zuvor. Das neue Geschäftsjahr sei angesichts der anhaltenden Unsicherheiten auf den Märkten erwartungsgemäß verhalten angelaufen. Die Papiere verloren 1,8 Prozent.

Was die Charttechnik sagt

Der Dax zeigt weiterhin Zeichen der Stärke: Seit dem Mehrjahrestief von 10.279 Punkten Ende Dezember 2018 hat der Index mehr als 1.500 Punkte zugelegt. Und das ohne größere Korrekturen. Derzeit kämpft die Frankfurter Benchmark mit der 200-Tage-Durchschnittslinie, die aktuell bei 11.660 Zählern liegt. Dieser Widerstand wird von vielen langfristigen Investoren beachtet. Dass diese Linie noch nicht überwunden wurde, darf angesichts des schnellen Anstiegs nicht verwundern.

Das Jahreshoch von 11.677 Zählern erreichte der Index am vergangenen Freitag. Kurse darüber wären ein weiteres deutliches Signal für die Fortsetzung des Anstiegs seit Ende Dezember. Sollte sich der Index weiterhin oberhalb von 11.546 Punkten halten können, wäre das aus charttechnischer Sicht ein weiteres Signal der Stärke. Doch diese Marke ist mit der heutigen Markteröffnung passé. Alle Kurse oberhalb von 11.347 Punkten sind aber eindeutig als „bullish“ zu werten.

Analystencheck: DZ Bank empfiehlt den Verkauf der Covestro-Aktie

Die DZ Bank hat Covestro von „halten“ auf „verkaufen“ abgestuft und den fairen Wert von 48 auf 43 Euro gesenkt. Analyst Peter Spengler revidierte seine Gewinnprognosen in einer am Mittwoch vorliegenden Studie erneut nach unten. Den Preisdruck bei allen drei Segmenten, vor allem aber bei Polyurethan-Vorprodukten, reflektiere er außerdem in niedrigeren Bewertungsmultiplikatoren.

Laut Handelsblatt-Analystencheck gibt es 39 Studien zur Covestro-Aktie. Zehn Kaufempfehlungen gibt es, 28-mal lautet der Rat „halten“, und es gibt die eine neue Verkaufempfehlung. Der vom DZ-Bank-Analysten angepeilte faire Wert liegt deutlich unter der gewichteten Kursprognose von 53,38 Euro, bei der aktuelle Empfehlungen höher gewichtet werden als weiter zurückliegende. Aktuell notiert die Covestro-Aktie bei gut 50 Euro.

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