Dax-Ausblick Aktienmärkte im Bann der Türkei-Krise

Der Lira-Absturz schürt Sorgen um das Türkei-Risiko in den Bilanzen deutscher Banken. Die Währungskrise bestimmt die Märkte weiter.
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Impulse für den Dax könnten von den Konjunkturindikatoren ausgehen, die kommende Woche veröffentlicht werden. Quelle: dpa
Deutsche Börse

Impulse für den Dax könnten von den Konjunkturindikatoren ausgehen, die kommende Woche veröffentlicht werden.

(Foto: dpa)

FrankfurtDie Währungskrise in der Türkei hält die Aktienmärkte auch in der kommenden Woche in Atem. Zwar wäre eine Krise am Bosporus für die deutsche Wirtschaft verkraftbar, rechnen die Analysten der LBBW vor. Denn die Exporte von Deutschland in die Türkei betrugen 2017 lediglich 21 Milliarden Euro.

Auch die Investitionen deutscher Unternehmen in die Türkei seien mit 12,9 Milliarden Euro überschaubar. Doch besonders europäische Banken dürften im Fokus der Investoren stehen. Die Forderungen deutscher Kreditinstitute gegenüber der türkischen Wirtschaft beliefen sich Ende Juni auf insgesamt rund 20,8 Milliarden Euro, wie aus Bundesbank-Statistiken hervorgeht.

Schlimmer als die deutschen Banken könnte es französische und spanische Geldinstitute treffen: Französische Banken haben doppelt so hohe Ausstände in der Türkei, spanische sogar vier Mal höhere als die deutschen Kreditinstitute. Dass die Banken einen Teil dieses Geldes abschreiben müssen, wird aufgrund der Lira-Abwertung immer wahrscheinlicher. Die schwache türkische Währung sorgt dafür, dass Schulden in Euro und Dollar für den Staat und die Unternehmen in der Türkei immer teurer wird.

Weil dieses Risiko auch die Zahlungsfähigkeit von Banken beeinflussen könnte, gerieten europäische Banktitel bereits am Freitag unter Druck: Die spanische Bank BBVA und die italienische Unicredit verloren mehr als fünf Prozent, die französische Großbank BNP Paribas vier Prozent. Schafft es Staatpräsident Erdogan nicht über das Wochenende, die Märkte zu beruhigen, könnte es auch für diese Titel weiter bergab gehen.

Abgesehen von einer möglichen Eskalation in der Türkei-Krise dürfte der Dax mit wenig Bewegung in die kommende Woche starten: „Noch sind die Märkte in einem gemächlichen Seitwärtstrend“, sagt Robert Greil, Chefanlagestratege der Privatbank Merck Finck. Zu den größten Unternehmen, die in der kommenden Woche Quartalszahlen vorlegen, gehören der Baukonzern Bilfinger, die Mediamarkt-Mutter Ceconomy und der Kochboxenversand Hello Fresh.

„Anleger sollten eher an der Seitenlinie stehen bleiben“

Impulse für den Dax könnte von den Konjunkturindikatoren ausgehen, die kommende Woche veröffentlicht werden: Am Dienstag stehen der ZEW-Index sowie die Industrieproduktion und die BIP-Schätzung für das zweite Quartal in der Eurozone im Datenkalender.

Grund für allzu großen Optimismus sieht Markus Reinward, Analyst bei der Helaba für die kommende Woche jedoch nicht: „Die Erholungsversuche im Dax sind vorerst gescheitert“, sagt er. Der deutsche Leitindex notiere auf Jahressicht noch immer im Minus. Auch von der Wall Street ist kein Rückenwind zu erwarten: Der Dow Jones schloss am Freitag um 0,77 Prozent tiefer, der breiter gefasste S&P 500 verlor 0,71 Prozent und der Technologieindex Nasdaq 0,79 Prozent.

Hinzu kommt: „Unsicherheitsfaktoren gibt es zu Genüge“, sagt Reinward mit Blick auf den Handelsstreit und die Sanktionsdrohungen der USA gegen die Türkei, Russland und den Iran. Diese politischen Krisen kommen aus seiner Sicht zur Unzeit, denn auch positive Konjunktur-Impulse seien nicht zu erwarten: „Nun hat auch die saisonal schwächste Phase begonnen.“

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