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Dax-Ausblick An den Börsen kommt Unsicherheit auf

Die Anleger plagen weiter Sorgen über die Konjunkturentwicklung. Auch das Zögern beim zweiten US-Hilfspaket macht die Börsianer nachdenklich.
22.08.2020 - 19:18 Uhr Kommentieren
Bei den Anlegern herrscht Skepsis gegenüber der weiteren Entwicklung. Quelle: dpa
Bärenskulptur vor der Börse in Frankfurt

Bei den Anlegern herrscht Skepsis gegenüber der weiteren Entwicklung.

(Foto: dpa)

Frankfurt An Europas Börsen kommen die Sorgen zurück. Während in den USA die Rekordjagd zuletzt weiterging und der viel beachtete Standard & Poor’s-Aktienindex einen neuen Rekord markierte, zeigten sich die Anleger in Europa vorsichtiger. Sie trauen dem Frieden mit Blick auf die steigenden Infektionszahlen und Todesfälle durch Covid-19 nicht.

Grenzschließungen und Lockdowns würden eine Konjunkturerholung gefährden und eine Pleitewelle nach sich ziehen. Allerdings herrschen für den Chefvolkswirt der DZ Bank, Stefan Bielmeier, „insgesamt wenig Zweifel darüber, dass die großen Notenbanken die etablierte expansive Notenbankpolitik in den kommenden Jahren kaum ändern werden“. Die niedrigen Zinsen und Renditen dürften also erhalten bleiben.

In der abgelaufenen Woche verlor das Aktienbarometer Dax leicht. Am Freitag drückten europäische Einkaufsmanager-Indizes auf die Stimmung und verhinderten Kursgewinne. Sie liegen für August zwar noch über der Wachstumsschwelle von 50 Punkten, aber unter den Werten vom Juli. „Die Daten bestätigen unser Bild, dass der dynamischste Teil der Erholung bereits hinter uns liegen könnte und nun eine Phase schwächeren Wachstums einsetzt“, betont Martin Moryson, Chefvolkswirt Europa bei der Fondsgesellschaft DWS.

Zugleich zeigten die Zahlen erneut, dass der EU-Rettungsfonds seine Berechtigung habe. Angesichts von dessen Unterstützung erwartet die DWS eine Rückkehr der Euro-Zone auf das Vorkrisenniveau Mitte 2022. Damit hat die Europäische Union nach den Worten von Christoph Stanger, Co-Leiter des Aktienemissionsgeschäfts in Europa bei Goldman Sachs, gezeigt, dass sie in einer Megakrise nicht zerfalle, was gerade im Ausland vielfach befürchtet worden sei. „Deshalb ist viel Geld aus dem Ausland nach Europa geflossen“, betont der Experte.

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    Aus technischer Sicht Korrektur fällig

    Für Jochen Stanzl, Chefmarktanalyst bei CMC Markets, verdichten sich aus technischer Sicht die Anzeichen für eine Korrektur an den Aktienmärkten. Während der Dax schon „seit ein paar Wochen Signale der Schwäche zeigte, sind Muster für eine bevorstehende Trendwende nun auch an der Wall Street zu beobachten“, sagt er.

    Viel davon, wie es weitergeht an den Börsen, wird von den USA abhängen. Die US-Notenbank Fed jedenfalls hält still und fordert die nächste Stufe der Unterstützung durch fiskalpolitische Maßnahmen. In Europa, Japan und den USA haben die Regierungen bereits in einem Kraftakt Konjunkturpakete aufgelegt. Jetzt soll in den USA ein zweites kommen, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise abzuschwächen.

    In den USA ringen Demokraten und Republikaner allerdings um ein neues Hilfspaket, den sogenannten Cares 2.0 Act. War zunächst noch von einer Billionensumme die Rede, kursierten zuletzt Gerüchte über ein deutlich kleineres Hilfspaket. „Je länger eine Einigung auf sich warten lässt, desto höher ist das Risiko für die gebeutelte US-Wirtschaft“, sagt Alexander Lukas von der Weberbank. Zuletzt erkannte er immerhin Erholungsanzeichen, etwa auf dem Arbeitsmarkt oder dem Konsum – allerdings auf sehr niedrigem Niveau.

    Börsianer schauen auf Frühindikatoren

    Um eine Orientierung zu erhalten, wie es weitergeht, werden die Marktteilnehmer die Frühindikatoren in der Wirtschaft ganz genau anschauen. Am kommenden Dienstag berichtet das Ifo-Institut über die Entwicklung des Geschäftsklimas. Die vergangenen drei Monate war der Trend positiv. Doch Michael Holstein von der DZ Bank warnt: „Der positive Trend könnte allerdings schon im August wieder in Gefahr geraten.“ Er rechnet mit einem kleinen Dämpfer im August wegen der Angst vor einer zweiten Welle. Das würde aus seiner Sicht vor allem den Dienstleistungssektor treffen. Dagegen dürfte die Geschäftslage besser beurteilt werden. Er geht von einem leichten Anstieg von 90,5 auf 91,3 Punkte aus.

    Hellt sich die Stimmung unter den Verbrauchern auf? Diese Frage stellt der Chefstratege des Bankhauses Merck Finck, Robert Greil. In der kommenden Woche werden auch hier zwei Veröffentlichungen Klarheit bieten. „Eine nachhaltige Konjunkturerholung ist ohne zunehmendem privaten Konsum unmöglich“, gibt Greil zu bedenken. Der Banker verweist auf die Bedeutung des am Dienstag anstehenden US-Verbrauchervertrauens für August sowie das für Freitag terminierte GfK-Konsumklima für Deutschland. „Bislang war der Verbraucheroptimismus hierzulande ausgeprägter als in den stärker virusgeplagten USA – vorerst dürfte das so bleiben“, meint er.

    Gedämpft werden die US-Konsumausgaben auch durch einen Rückgang der privaten Einkommen, analysiert Christoph Swonke von der DZ Bank. Sie wurden durch die Auszahlung der Arbeitslosenhilfe und Schecks der Trump-Regierung über das Konjunkturpaket im April stark nach oben getrieben.

    Jetzt entfallen die Stützungszahlungen, auch weil es keine Einigung im Kongress über ein zweites Hilfspaket gibt. Unter dem Strich rechnet Privatbanker Greil trotzdem mit einer Fortsetzung der Erholung des globalen Nachfragetrends. Das gilt für ihn gerade aufseiten des privaten Konsums.

    Euro als Problem

    Probleme könnte deutschen Unternehmen der Euro bringen. Im ersten Halbjahr hätten die meisten heimischen Firmen noch davon profitiert, dass der Euro gegenüber dem Dollar schwächer als ein Jahr zuvor gewesen sei, betont Markus Wallner von der Commerzbank. Das hat sich aber im dritten Quartal geändert. Seit Anfang Juli hat der Euro gegenüber dem Dollar um über fünf Prozent zugelegt.

    Grafik

    „Die Auswirkungen auf die Erträge im dritten Quartal und insbesondere im Gesamtjahr dürften sich aber in Grenzen halten“, urteilt der Experte. Hält die Euro-Stärke allerdings an, würde dies nach Wallners Ansicht von den Unternehmen des Dax insbesondere BMW, Daimler, Adidas und Infineon belasten.

    Für die DZ Bank hat „der spekulative Markt“ offensichtlich einen wichtigen Anteil an der Aufwertung der vergangenen Wochen. Sollte der Euro nicht bald einen erneuten und dann erfolgreichen Anlauf über die Marke von 1,20 Dollar nehmen, dürften viele spekulative Investoren nach der Meinung der Genossenschaftsbanker „es bevorzugen, ihre Profite zu realisieren“.

    Am Goldmarkt ist die Rally zumindest vorerst gestoppt. Ein Grund hierfür ist für Barbara Lambrecht von der Commerzbank, dass es bei Gold-ETFs zuletzt sogar leicht Abflüsse gegeben hat. Zudem hätten die Schweizer Goldexporte diese Woche bereits gezeigt, dass auch in den klassischen Hochburgen der Goldnachfrage, China und Indien, das Kaufinteresse gering sei. Chinas Goldimporte aus Hongkong dürften das Bild komplettieren. „Wir denken, dass der Goldpreis vorerst keine neuen Hochs markieren wird“, urteilt Lambrecht.

    Mehr: Rekorde an den US-Börsen – doch wie lange trägt der neue Bullenmarkt?

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